10 Jahre alt und purer Egoismus?!

Hallo,

ich habe mal eine Frage an die Eltern/Tanten/Onkel/Großeltern unter euch.

Es geht um den 10jährigen Sohn meines Verlobten (war lange alleinerziehend). Dieser Sohn ist nicht in der Lage an etwas anderes zu denken als sich selbst oder Dinge die ihn betreffen. Ohne Rücksicht auf irgendjemanden oder irgendetwas versucht er „sein Ding durchzuziehen“. Er hat keinen Teamgeist (was sich in seiner Judogruppe bemerkbar macht - die mögen ihn nicht sonderlich weil er bei einem Turnier auch schon mal für die Gegner die Daumen drückt statt für die eigene Mannschaft) sein „Haustier“ interessiert ihn nur insofern das sie gefälligst regelmässig ihr Futter bekommt (Schlange) - wenns darum geht mal das Terrarium zu säubern oder Wasser zu erneuern - daran wird kein Gedanke verschwendet. Wenn sein Vater mal einen Tag lang vor lauter Rückschmerzen nicht mal gerade sitzen kann, merkt er es nicht mal. Wir haben über Wochen unser neues Domizil renoviert - er hat keinen Handschlag getan, zeigte überhaupt kein Interesse sondern hat zudem nur rumgnörgelt. Kurz: Er denkt nur an sich! Zudem ist er „fernsehsüchtig“ (was?? kein Fernsehen?? Dann heul ich erstmal - das hat Papa noch immer umgestimmt…).

Meine Meinung: Zu lange mit Papa allein gelebt und zudem übermässig von Oma und Opa verwöhnt worden. Ihm fehlt Erziehung - ein Sensibilisieren für diese Dinge wie Rücksichtnahme, Teamgeist u.ä…

Papa’s Meinung: Er ist ja noch ein Kind - alle Kinder in diesem Alter sind Egoisten - das ist völlig normal.

Wie ist eure Meinung oder wie sind eure Erfahrungen? Was kann ich / können wir tun (sollten wir was tun?)? Bitte schreibt zahlreich :smile:

Alles Liebe

Allison

Hallo Allison,

das können Kinder von Geburt an: egoistisch sein.
Aber irgendwann nehmen Kinder Geschehen in ihrer Familie wahr, meist früher als man als Elternteil es merkt. Das heißt aber nicht, dass sie damit ihre Prioritäten den der Gemeinschaft unterordnen. Die werden weiterhin eingefordert, mit all den dazugehörigen Registern, die gezogen werden können. Da sind die Eltern gefragt. Optimal ist, wenn die Regeln für alle einheitlich und grundsätzlich gelten, und keine Ausnahmen gemacht werden „ach, er ist doch noch so klein“. Bitte nicht mißverstehen, ich meine jetzt nicht Babys.
Damit will ich zum Ausdruck bringen, dass man bei einem 10jährigen eigentlich schon reichlich spät dran ist, Bereitschaft für Verantwortung und Unterordung eigener Wünsche beizubringen.

Meine Meinung: Zu lange mit Papa allein gelebt und zudem
übermässig von Oma und Opa verwöhnt worden. Ihm fehlt
Erziehung - ein Sensibilisieren für diese Dinge wie
Rücksichtnahme, Teamgeist u.ä…

da hast du wahrscheinlich recht

Papa’s Meinung: Er ist ja noch ein Kind - alle Kinder in
diesem Alter sind Egoisten - das ist völlig normal.

naja, in dem Alter können Kinder ihre Bedürfnisse soweit zurückhalten, wenn sie etwas weitaus Angenehmeres in Aussicht haben. Sprich, sie haben ihre augenblicklichen „Bedürfnisse“ schon gut im Griff - besser jedenfalls als ein dreijähriges Kind.

Wie ist eure Meinung oder wie sind eure Erfahrungen? Was kann

ich / können wir tun (sollten wir was tun?)? Bitte schreibt
zahlreich :smile:

du kannst nicht viel tun, solange Vater und Sohn sich darin einig sind, dass das Verhalten des Sohns ok ist.
Meine Erfahrungen? Ich habe einen Verdacht, nämlich dass Jungens besonders nachlässig erzogen werden. Es muss irgendwie an unserer Zeit liegen, dass Grenzen setzen, Regeln konsequent durchzusetzen, Verhalten maßregeln, Verpflichtungen auferlegen … unattraktive Erziehungsziele sind. Mädchen sind nach meiner Beobachtung schneller bereit sich unterzuordnen als Jungens, die eher mal ausprobieren, ob sie nicht doch ihr Ding durchsetzen können. Da sind alleinerziehende Elternteile echt gefragt, für deren Probleme ich volles Verständnis habe. Abends ausgepustet den Sohnemann noch zum Schlangenkäfig sauber machen zwingen?, lieber selber die Klamotten wegräumen als zum 100ten Mal schimpfen, ihn Fernsehen schauen lassen und in der Zeit in Ruhe Abendessen fertigmachen… ich kann´s so gut verstehen.

Ich glaube, dass ihr (dein Verlobter und du) nur gemeinsam ein paar der Marotten des Jungen ausmerzen könnten. Da würde ich nicht so sehr eine große Umerziehung anstreben, als anhand konkreter immer wiederkehrender Situationen andere Regeln aufstellen, die für den Sohn eine Unterordung seiner momentanen Wünsche bedeuten könnte. Und das funktioniert nur wie jedes Gesetz in unserer Gesellschaft auch, die ohne Kontrolle, Gelegenheit der Korrektur und Aussicht auf Strafe nicht auskommt.
z.B. wenn der Schlangenkäfig nicht sauber ist, und der Vater muss das machen, bedeutet dass statt einmal am Tag 3mal am Tag Müll rausbringen.
Bei Zuwiderhandlung über einen langen Zeitraum (Monat?) kommt die Schlange weg - mangels Verantwortung für ein Lebewesen.
Du kannst sicher sein, dass er seine Grenzen ausreizen wird. Dass, was er als kleines Kind nicht erfahren hat, probiert er jetzt aus.
Darum, Ohren steif halten!

viele Grüße
grilla

Hallo Allison! Was mir auffällt ist, dass Du ausschließlich die negativen Seiten des Jungen aufzählst. Natürlich ist es nicht schön, wenn das Kind so sehr auf sich selbst konzentriert ist, aber vielleicht hat es auch nichts anderes vorgelebt bekommen oder war vor dem Fernseher so schön pflegeleicht? Meine Erfahrungen sind die, dass man Stärken stärken und Schwächen schwächen sollte. Wie wäre es, wenn Du versucht Dir die guten Seiten des Kindes vor Augen zu führen, ihm dafür Anerkennung zu geben und dann beiläufig erwähnen, dass z.B. der Papa Rückenschmerzen hat und nun die Hilfe seines Sohnes benötigt. Nur ein paar Gedanken von Angelika

Hallo Allison!

Ich denke, er wird ganz gut auf die Zukunft vorbereitet, im Neoliberalismus und in der freien Marktwirtschaft ist für soziales kein Platz.
Solange er lernt, seine Bedürfnisse zu befriedigen und sich nicht um anderer Leute Sorgen zu kümmern, wird er zwar keine Freunde haben, aber die kann er sich ja durch Ersatzbefriedigungen (Fernsehen, Computer, Playstation usw) holen.
Schlimm, aber wahr, wir wollten es so.

Grüße

Gollum

Du tust mir leid!
Salve düsterer Gollum!
Ich habe deine Worte mehrmals durchgelesen in der Hoffnung „das ist doch hoffentlich ironisch gemeint“ - aber leider ohne Erfolg.
Als ehemaliger Krankenpfleger musst selbst du mal Ideale gehabt haben.
Du musst wohl viel Negatives erlebt haben, dass du dich so verändert hast.
Wenn alle so denken würden wie du, wäre unsere Zukunft wohl so düster wie das Bild in deiner Vika.
Gruß
Forrest

Hallo Angelika,

Du hast recht. In so einer Situation, wo jemand als Seiteneinsteiger Elternteil wird, sollte man nicht die Probleme in den Vordergrund stellen.
Momentan scheint mir hier die Erziehung des Kindes nicht so wichtig wie das Zusammenwachsen zu einer Familie, die dann überhaupt erst in der Lage ist, das Kind vernünftig zu erziehen.

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger

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Danke, ich brauche kein Mitleid, aber vielleicht stieg die Arbeitslosigkeit, vielleicht sind die Menschen jetzt so kalt, vielleicht werden Behinderte, Alte und Schwache deshalb jetzt so behandelt, weil die Zeiten so gut geworden sind?
Spar Dir Dein Mitleid für Realisten, sondern leg Deine rosarote Brille ab, glaub Deinen politikern weniger und setz Deinen verstand ein (, sofern Du über welchen verfügst).

Gollum

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Hallo Angelika,

ich hab nur seine negativen Seiten aufgezählt weil die momentan das Problem sind und weil ich nicht noch länger schreiben wollte. Natürlich hat der Junge auch positive Seiten aber für die brauche ich eure Erfahrungen ja nicht :smile:.

Sicher ist in der Vergangenheit einiges da falsch gelaufen und natürlich bin ich in erster Linie hier erstmal der Eindringling. Das verstehe ich durchaus. Gerade deshalb frage ich ja wie ich die Sache am besten angehen kann!

Danke für Eure Hilfen

Allison

Hallo Grilla,

nachdem ich Deine Meinung mal an den Papa übermittelt habe kommt noch ein anderes Problem zutage, das die ganze Situation noch verschärft. Der Papa ist sich dem Problem durchaus bewusst wie er mir sagt. ABER er hat Angst seinen Sohn an seine Mutter zu verlieren (der wurde das Sorgerecht entzogen, da waren einige unschöne Geschichten gelaufen…). Es sieht also so aus dass der Vater sich nicht traut seinen Sohn zu stark „einzuschränken“ weil er Angst hat das der Sohn dann sagt „Ich möchte lieber bei meiner Mama leben.“ (was definitiv das Schlechteste für ihn wäre, aber das kann er momentan sicher nicht beurteilen). Bisher sind das nur Gedanken und der Junge hat diesen Wunsch in keinster Weise geäussert. Aber es ist irgendwie ein Drahtseilakt…

Danke für Deine Hilfe!

Allison

Hi allison,

du entschuldigst deinen Verlobten ständig oder bedauerst ihn weil sein Sohn nichts tut wenn er krank ist.

Mein Satz dazu: so wie man sie zieht, so hat man sie.

Such doch bitte die Schuld nicht bei dem Jungen, denn er ist nur das „Produkt“ welches dein Verlobter aus ihm gemacht hat.

Und Omas und Opas sind zum verwöhnen der Enkelkinder da. Warum sollten sie nochmal erziehen…

Und renovieren??? Erinnere dich mal (so du kannst) ob du mit 10 Jahren großen Bock gehabt dazu hättest.

Kein Teamgeist, wie soll er es können??? Waren ja nur sein Vater und er da und die haben sich sicher auf die einfachste Art geeinigt.

Ich denke du musst ganz behutsam damit umgehen. Wenn das Reinigen des Terrariums zukünftig in deinen Bereich fallen sollte, dann würde ich mich dagegen wehren, aber nicht um zu erziehen, sondern um die Regeln des Zusammenlebens klar darzulegen.

Versuche bloß nicht beide zu erziehen, das geht auf Dauer gesehen schief.

Ich frag mich sowieso, warum du den Verlobten unbedingt willst, wo doch sein Sohn so „missraten“ ist? Sorry für die Wortwahl, aber bedenke das Zusammenleben der zwei hat sich so „eingeschliffen“ da wirst du einen ganz schweren Stand haben. Denn dein Verlobter wird sich 100 % nicht gegen seinen Sohn stellen, er ist ja bisher auch den Weg des geringsten Widerstand gegangen.

Viel Glück

UFONET

Hi,

die anderen Antworten fand ich teilweise schon sehr hilfreich.
Ich wollte nur noch mal sagen, dass du auf keinen Fall versuchen solltest, von Anfang an den Jungen „zu erziehen“, was immer man auch darunter verstehen mag. Du solltest als erstes nur versuchen, seine Freundschaft zu gewinnen. Denn sonst wird er dich nie akzeptieren und euer Zusammenleben wird ein einziger Kampf werden.

Gruß
Nelly

Hallo Allison,

ich habe mal eine Frage an die Eltern/Tanten/Onkel/Großeltern
unter euch.

Es geht um den 10jährigen Sohn meines Verlobten (war lange
alleinerziehend). Dieser Sohn ist nicht in der Lage an etwas
anderes zu denken als sich selbst oder Dinge die ihn
betreffen.

Mit 10 Jahren ist das insofern normal, als der Junge nicht von alleine die Bedürfnisse der anderen erkennen kann. Also liebevoll und spielerisch einbeziehen.

Ohne Rücksicht auf irgendjemanden oder irgendetwas
versucht er „sein Ding durchzuziehen“. Er hat keinen Teamgeist
(was sich in seiner Judogruppe bemerkbar macht - die mögen ihn
nicht sonderlich weil er bei einem Turnier auch schon mal für
die Gegner die Daumen drückt statt für die eigene Mannschaft)

Hm, würde mich mal interessieren, warum er das macht. Rache für irgendetwas?

sein „Haustier“ interessiert ihn nur insofern das sie
gefälligst regelmässig ihr Futter bekommt (Schlange) - wenns
darum geht mal das Terrarium zu säubern oder Wasser zu
erneuern - daran wird kein Gedanke verschwendet.

Auch an so etwas muss man ein Kind in diesem Alter heranführen. Von alleine geht das sicher nicht.

Wenn sein Vater mal einen Tag lang vor lauter Rückschmerzen nicht mal
gerade sitzen kann, merkt er es nicht mal.

Und warum sagt der Vater kein Wort davon?

Wir haben über Wochen unser neues Domizil renoviert - er hat keinen
Handschlag getan, zeigte überhaupt kein Interesse sondern hat
zudem nur rumgnörgelt.

Und was habt ihr getan, um ihn spielerisch einzubeziehen? Ein Kind in dem Alter sieht die Arbeit noch lange nicht von alleine, da muss man schon jedesmal einzeln zum mit anpacken auffordern.

Kurz: Er denkt nur an sich!

Papa’s Meinung: Er ist ja noch ein Kind - alle Kinder in
diesem Alter sind Egoisten - das ist völlig normal.

Im Prinzip hat der Papa recht. Aber von alleine wird sich nichts ändern. Und da ist natürlich hauptsächlich der Papa gefragt. Auf jeden Fall damit, dass er auch Dir den Rücken stärkt.

Und was das unten angesprochene Problem mit dem Sorgerecht angeht: Wenn ein halbwegs vernünftiger Familienrichter oder eine -richterin zu hören bekommt, dass der Knabe zur Mutter will, weil ihm beim Vater vernünftige und erzieherische Grenzen gesetzt werden, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass das ein Grund ist, einen früher sicher nicht leichtfertig gefassten Gerichtsbeschluss zu ändern.

Aber eines sollte wichtig sein: Nicht anblaffen, nicht erwarten, dass irgendetwas beim ersten Mal geht und auf keinen Fall erwarten, dass es ohne Probleme abgeht. Und: Nicht erpressen und nicht gegeneinander auspielen lassen!

Viel Phantasie, eingehen auf die Stärken des Sohnes und ein Lob für jeden Fortschritt, so habt ihr noch gute Chancen.

Lieben Gruß, Karin

Familienleben schmackhaft machen
Hallo Allison,

da macht sich wahrscheinlich der Papa (also dein Verlobter) viel zu große Sorgen. Denn zum Gefühl der Geborgenheit gehören auch die Regeln des Zusammenlebens. Oder von der anderen Seite betrachtet. Wenn jemand in einer Gemeinschaft tun und lassen darf was er will, muss den Eindruck erlangen, dass sein Tun allen egal ist. Es kommt nicht von ungefähr, wenn Kinder viele Streiche spielen. Das hat auch etwas mit Nähe suchen zu tun.

Da muß dein Verlobter (vielleicht mit deiner Hilfe?) ein wenig taktieren. Ich würde nicht mit einem „so, jetzt stellen wir Regeln auf“ den Sohn konfrontieren, sondern zum Beispiel einen wöchentlichen Familienabend einlegen: etwas Gutes essen und trinken, über dies und das sprechen („du schaust mir zuviel Fernsehen. Gibt es da nicht eine Alternative für dich? Ich möchte etwas mit dir vereinbaren…“) und dann noch eine Runde Karten spielen, oder so ähnlich.

Ich habe ein bisschen den Eindruck, dass der Sohn außen vor ist. Alles scheint für ihn möglich zu sein, ein/zwei Leute bemühen sich um seine gute Stimmung, und wirklich integriert ist er nicht, denn du kannst sicher sein, dass er sehr deutlich die Resignation oder die Verärgerung der Erwachsenen spürt. Er läßt vieles an sich abprallen, aber froh wird ihn die viele Freiheit auch nicht machen.

Darum würde ich ihm Familienleben schmackhaft machen, und sei es durch diesen regelmäßigen Familienabend. Klar, jede andere Unternehmung ist auch möglich, je nach Euren Lebensgewohnheiten. Und gleichzeitig würde ich ihm beibringen, dass zur Akzeptanz in der Gemeinschaft auch ein füreinander etwas tun dazugehört, was sich so schön Pflichten nennt. Diese kann man vereinbaren, zum gegebenen Zeitpunkt einfordern und bei Nichterfüllung Sanktionen verhängen.
Kinder sind von grundauf ausgeprägte Rudeltiere, weil sie von der Entwicklung her noch gar keine Vorstellungskraft für das Eigenleben eines Erwachsenen haben, und deshalb für Harmonie und Zusammengehörigkeit sehr empfänglich. Dafür etwas zu tun sind sie durchaus bereit, wovon ich überzeugt bin.

Und wer Kinder hat, weiß, dass noch so gut erzogene Kinder nicht wie am Schnürchen funktionieren - Gott-sei-Dank! :wink:)))

viele Grüße
grilla

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hallo allison,

in den dingen, die du beschreibst, sehe ich nicht egoismus, sondern folgendes:

Er hat keinen Teamgeist
(was sich in seiner Judogruppe bemerkbar macht - die mögen ihn
nicht sonderlich weil er bei einem Turnier auch schon mal für
die Gegner die Daumen drückt statt für die eigene Mannschaft)

sehr wahrscheinlich ist es umgedreht: die judogruppe mag ihn nicht und deshalb drückt er den gegner die daumen. um dem eigenen team zu zeigen „bätsch, ich brauch euch nicht. ihr seid mir schnuppe“.

es ist dringend nötig, mit dem jungen über sein verhalten in der judogruppe zu reden. da er anscheinend selbst nicht in der lage ist, sich in die gruppe einzufügen, muß ihm jemand helfen und ihm raten, wie er sich verhalten sollte.

sein „Haustier“ interessiert ihn nur insofern das sie
gefälligst regelmässig ihr Futter bekommt (Schlange) - wenns
darum geht mal das Terrarium zu säubern oder Wasser zu
erneuern - daran wird kein Gedanke verschwendet.

in diesem alter ist das ziemlich normal, daß man sich für die drecksarbeiten an einem haustier nicht interessiert. erschwerend kommt noch dazu, daß eine schlange ja nicht gerade ein besonders forderndes wesen ist. die liegt in ihrem käfig und kann sich nicht beklagen, während ein hund zb. stärker auf seine bedürfnisse aufmerksam machen kann. also müßt ihr dafür sorgen, daß die schlange zu ihrem recht kommt, indem ihr den jungen regelmäßig dazu anhaltet. wenn ihr die pflege gemeinsam mit dem jungen durchführt, fühlt es sich vielleicht auch nicht wie eine strafarbeit für ihn an. außerdem solltet ihr dem jungen zeigen, wie interessant schlangen sind (filme, internet, bücher) und was man mit schlangen alles machen kann, dh. auch „kuscheln“ und eine beziehung zu dem tier aufbauen. wenn das tier interessanter für ihn wird, dann kümmert er sich auch besser darum.

Wenn sein
Vater mal einen Tag lang vor lauter Rückschmerzen nicht mal
gerade sitzen kann, merkt er es nicht mal.

was meinst du, warum manche erwachsene dermaßen viel über ihren gesundheitszustand jammern? weil keiner ihrer erwachsenen freunde / verwandten / kollegen merkt, wie schlecht es ihnen geht.

von einem kind kannst du nicht erwarten, daß es sensibler als ein erwachsener reagiert.

sagt dem jungen doch, wenn es euch schlecht geht. und dieses nicht nur abstrakt („rückenschmerzen“). das kann ein kind, das noch nie rückenschmerzen hatte, nicht begreifen. beschreibt also die beschwerden „ich kann mich kaum bewegen vor schmerzen, als hätte ich ein messer im rücken stecken“, damit sich das kind das ganze vorstellen kann.

Wir haben über
Wochen unser neues Domizil renoviert - er hat keinen
Handschlag getan, zeigte überhaupt kein Interesse sondern hat
zudem nur rumgnörgelt.

klar, du und dein mann renoviert nicht nur für euch, sondern auch für den sohn. alles soll schöner werden, auch für den sohn. aber anscheinend hat euer sohn das nicht begriffen, sonst hätte er sicher begeisterung gezeigt. ich denke, von einem 10jährigen kann man diese einsicht auch nicht erwarten. wenn er nur nörgelnd dabei steht, müßt ihr deshalb für ihn eine beschäftigung bzw. einen interessanteren aufenthaltsort finden. was sich wie eine belohnung für stänkern liest, ist sicher für alle parteien das nervenschonendste: der junge fühlt sich nicht außen vor bei einer veranstaltung, deren sinn er nicht nachvollziehen kann, und die eltern haben ihre ruhe beim arbeiten.

überlege auch mal, was der umzug für das kind bedeutet: muß es vielleicht aus der schule weg? verliert es durch den umzug freunde? selbst wenn das nicht der fall ist: das kind kann sich trotzdem davor fürchten - vielleicht ist er deshalb schlecht gelaunt.

Meine Meinung: Zu lange mit Papa allein gelebt und zudem
übermässig von Oma und Opa verwöhnt worden. Ihm fehlt
Erziehung - ein Sensibilisieren für diese Dinge wie
Rücksichtnahme, Teamgeist u.ä…

Papa’s Meinung: Er ist ja noch ein Kind - alle Kinder in
diesem Alter sind Egoisten - das ist völlig normal.

ein stückweit finde ich egoismus in dem alter auch normal. aber deswegen soll man sich damit nicht abfinden, sonst lernt das kind nicht, mit anderen personen auszukommen. das heißt also: man sollte sich über egoismus nicht zu sehr aufregen - schließlich beruht er nicht auf bosheit, sondern auf einer noch nicht ausgebildeten fähigkeit, stattdessen sollte man etwas gegen den egoismus tun zb. dem kind informationen geben, an die es nicht alleine kommen kann, aber braucht, um sich in eine person hineinversetzen zu können.

aber du mußt aufpassen, daß du dich nicht in die böse stiefmutter verwandelst. du bist schließlich die neue in der familie und wenn du zu hart gegen den jungen vorgehst, dann fühlt er sich von seinem platz in der familie verdrängt und bedroht.

Vorsicht! Lang!
Hallo Allison!
Ich möchte mich nicht auf eine Schlacht mit Gollum einlassen, zumal die jetzt schon zu dritt sind :smile: Da halte ich mich an einen Song von Pink Floyd, wo es heißt: „Don’t waste your time on your enemies.“
Lieber möchte ich noch etwas zum Thema beitragen und möchte bemerken: Trotz der Überlänge habe ich vieles weggelassen:
1.) Soziale Kompetenz:
Im Psychologiebrett gab es mal einen bemerkenswerten Beitrag von Oliver Walter. Ich möchte versuchen das wiederzugeben was hier zum Thema passt:
"Sozial Kompetente Verhaltensweisen sind z.B.:
Neinsagen, Versuchungen zurückweisen, auf Kritik reagieren, sich entschuldigen, Schwächen eingestehen, unerwünschte Kontakte beenden, Komplimente machen, Komplimente akzeptieren, auf Kontaktangebote reagieren, Gespräche beginnen, Gespräche aufrechterhalten, um Gefallen bitten, Gefühle zeigen…
In der heutigen Zeit werden Soziale Kompetenzen immer wichtiger. So werden sie z.B. als Schlüsselqualifikation gesehen, die eine grundlegende Bedeutung für den Berufserfolg haben sollen. Wirtschaftsunternehmen achten deshalb auch darauf, sozial kompetente Bewerber einzustellen, die „teamfähig“ sind.
Das Sozialverhalten ist zu einem großen Teil gelerntes Verhalten, beeinflußt von den Erfahrungen des Babys mit den Eltern, des Kindes in der Familie und im Kindergarten, sowie des Jugendlichen in der Schule und zwischen Gleichaltrigen.
Allison, du hast nach Erfahrungen von uns anderen Eltern gefragt. Meine Erfahrung ist die, dass ich sehr viele Kinder kennengelernt habe, die sozial kompetent, nett und hilfsbereit sind.
Ich habe Schulprojekte miterlebt, wo mit den Klassen an die Kletterwand gegangen wurde - mit dem Hintergrund - eben diese soziale Kompetenz zu fördern.
Vielleicht kannst du ja sowas in seiner Klasse anregen.

2.) Emotionale Intelligenz:
Daniel Goleman trifft in seinem gleichnamigen Buch folgende Aussagen:
Die gesellschaftliche Dynami entwickelt sich zu mehr Individualisierung, zu mehr Autonomie, von dort zu größerem Konkurrenzkampf, vor allem in der Arbeitswelt und an den Universitäten, und zu weniger Solidarität, was schließlich zu wachsender Isolierung des einzelnen und zum Verfall der sozialen Integration führt. Diese schleichende Desintegration der Gemeinschaft und die Verstärkung eines rücksichtslosen Durchsetzungsstrebens geschehen dabei ausgerechnet zu einer Zeit, in der der ökonomische und soziale Druck mehr und keinesfalls weniger Kooperation und Fürsorglichkeit verlangt.
Unter emotionaler Intelligenz versteht der Autor: Die „Intelligenz der Gefühle“. Dazu gehören Fähigkeiten wie die, sich selbst zu motivieren und auch bei Enttäuschungen weiterzumachen; Impulse zu unterdrücken; die eigenen Stimmungen zu regulieren und zu verhindern, dass Trübsal einem die Denkfähigkeit raubt; sich in andere hineinzuversetzen (Empathie) und zu hoffen. Es geht darum mit schmerzlichen Emotionen besser umgehen zu lernen, um trotz der vielen Frustrationen die Kraft zu Hoffnung und Ausdauer zu bewahren.
Das Unvermögen, Gefühle anderer wahrzunehmen, ist ein großer Mangel an emotionaler Intelligenz und ein tragisches Defizit an Menschlichkeit.
Offensichtlich ist, dass in allen Industrieländern Depression als Krankheit beständig und langfristig zunimmt…All das macht es so dringlich das emotionale Alphabet zu beherrschen. In unserem Zeitalter sind die Kräfte und Fähigkeiten des Herzens genauso lebenswichtig wie die des Kopfes.

Deine Geschichte mit „Vaters Rückenschmerzen“ bestätigt ein Defizit an Empathie (womit ich „Schokolinda’s“ Meinung teile).

3.) Die Bedürfnisproduzenten erziehen die Jugend zum optimalen Verbraucher:
Eva-Maria Altemöller schreibt in ihrem Buch „Seelenruhe“ folgendes:
„Und wenigen fällt auch auf, dass diese Ich-weiß-genau-was-ich-will-Gesellschaft uns zu beziehungsunfähigen, sozialen Krüppeln zu machen versucht, die aber die idealen Verbraucher darstellen. Ein unlängst erschienenes Buch, „Ich find mich so toll, warum bin ich dann immernoch ein Single?“, bringt es - sicher unfreiwillig - auf den Punkt.
Denn dieses Selbstwertgeschwafel, das da in Umlauf gebracht wird, hat nur einen Zweck: Es paukt uns ein, dass Egoismus normal sei, denn nur so sei Erfolg machbar. Und Erfolg, da sind wir uns doch alle einig, Erfolg haben will doch jeder, oder etwa nicht? Was man uns tunlichst verschweigt, ist, dass weder Erfolg noch Macht noch Geld noch ein starkes Selbstwertgefühl oder was auch immer man uns als erstrebenswert darstellt je einen Menschen sympathischer gemacht haben - und schon gar nicht glücklicher.“

Diese Erziehung zum optimalen Verbraucher geschieht zu einem sehr starken Maße durch den Fernseher. Erziehung heißt auch: sich mit den Kindern auseinanderzusetzen und Zeit mit ihnen zu verbringen. Wenn du euren 10jährigen als fernsehsüchtig bezeichnest, bedeutet das, dass von dieser Zeit zu viel an den Fernseher abgegeben worden ist. Ich würde aber meinen, dass man das noch aufholen kann.

Noch ein Wort zu Gollum (wenn du soweit durchgehalten hast):
Auch wenn ich nicht viel Verstand habe, die Autoren die ich zitiert habe, haben bestimmt welchen. Aber jetzt muss ich wieder Realist werden und so schnell wie möglich ins Bett, denn morgen früh um halb sechs klingelt wieder der Wecker.

Gruß
Der (Humanist und Romantiker?) Forrest

Kindererziehungskurse
Hallo Allison,

gerade sehe ich, dass es Kurse für Eltern gibt, die mit ihren Kinder besser zurecht kommen wollen.
Das PAG Institut für Psychologie bietet zum Beispiel solche Kurse an, was sich Triple P nennt:
„Triple P (Positive Parenting Program) ist ein hauptsächlich präventives Erziehungskonzept mit dem Ziel Kinder zu fördern, indem es Eltern bei der Kindererziehung zu unterstützt und dadurch die Erziehung leichter und schöner macht. Dabei werden Anregungen zum Aufbau einer positiven Beziehung zum Kind, zur Förderung kindlicher Entwicklung sowie zum Umgang mit Problemverhalten gegeben. Besonders wichtig ist positive Zuwendung und angemessene Kommunikation.“
unter folgendem Link nachzulesen
http://www.triplep.de/start.htm
Diese Kurse werden jetzt auch in unserer Stadt angeboten, deshalb bin ich darauf gekommen.
Ich habe gleich mal nachgeschaut, unter deinem Städtenamen und Auswahl „alle“ werden Kurse und Namen angezeigt. Vielleicht magst mal nachschauen.

viele Grüße
grilla

Klare Strukturen schaffen. soz. Kompetenz.

Hallo,

ich habe mal eine Frage an die Eltern/Tanten/Onkel/Großeltern
unter euch.

Es geht um den 10jährigen Sohn meines Verlobten (war lange
alleinerziehend). Dieser Sohn ist nicht in der Lage an etwas
anderes zu denken als sich selbst oder Dinge die ihn
betreffen.

Ihr müsst klare, verlässliche Strukturen schaffen, an denen sich der Junge orientieren und sich darauf verlassen kann. Das ist super Wichtig.!!!

Ohne Rücksicht auf irgendjemanden oder irgendetwas
versucht er „sein Ding durchzuziehen“. Er hat keinen Teamgeist
(was sich in seiner Judogruppe bemerkbar macht - die mögen ihn
nicht sonderlich weil er bei einem Turnier auch schon mal für
die Gegner die Daumen drückt statt für die eigene Mannschaft)
sein „Haustier“ interessiert ihn nur insofern das sie
gefälligst regelmässig ihr Futter bekommt (Schlange) - wenns
darum geht mal das Terrarium zu säubern oder Wasser zu
erneuern - daran wird kein Gedanke verschwendet. Wenn sein
Vater mal einen Tag lang vor lauter Rückschmerzen nicht mal
gerade sitzen kann, merkt er es nicht mal. Wir haben über
Wochen unser neues Domizil renoviert - er hat keinen
Handschlag getan, zeigte überhaupt kein Interesse sondern hat
zudem nur rumgnörgelt. Kurz: Er denkt nur an sich! Zudem ist
er „fernsehsüchtig“ (was?? kein Fernsehen?? Dann heul ich
erstmal - das hat Papa noch immer umgestimmt…).

Indem er weint zeigt er nur ein Verhaltensmuster, welches bisher immer funktioniert hat. Warum sollte er anders reagieren?. Weinen hat doch immer funktioniert. Ihr müßt ihm andere Verhaltensmuster anbieten können. In diesem Fall z.B. darüber reden, warum er denn jetzt nicht Ferseh gucken darf. Das kostet viel Kraft, wird sich aber auf Kurz oder Lang bei ihm durchsetzen. Denkt immer daran, dass ihr den Jungen erzieht und nicht umgekehrt.

Meine Meinung: Zu lange mit Papa allein gelebt und zudem
übermässig von Oma und Opa verwöhnt worden. Ihm fehlt
Erziehung - ein Sensibilisieren für diese Dinge wie
Rücksichtnahme, Teamgeist u.ä…

Hier empfehle ich, unternehmt mit ihm alternative Dinge. Man kann auch etwas basteln z.B. einen Winddrachen. Vermittelt ihm, dass man Sachen zwar kaufen kann, dass es aber viel mehr Spaß macht, Dinge selber zu machen und diese dann auch funktionieren. Hier sollte dann eigentlich Ehrgeiz geweckt werden, welches ihm hilft Teamgeist zu entwickeln.

Papa’s Meinung: Er ist ja noch ein Kind - alle Kinder in
diesem Alter sind Egoisten - das ist völlig normal.

Hier irrt der Vater meiner Meinung nach sehr. Auch wenn er noch ein Kind ist, sollte der Papa nicht vergessen, dass er für die Erziehung verantwortlich ist. Wann will er denn mit dem Durchgreifen bzw. mit der Erziehung anfangen?. Wenn der Junge seine Verhaltensmuster so verinnerlicht hat, dass er keine anderen alternativen Verhaltensmuster mehr annehmen kann?. Dann ist der Zug abgefahren. Das habe ich in der Praxis schon häufig bei den Eltern festgestellt. Ist eine absolute Tatsache.

Wie ist eure Meinung oder wie sind eure Erfahrungen? Was kann
ich / können wir tun (sollten wir was tun?)? Bitte schreibt
zahlreich :smile:

Ich hoffe,dass ich euch ein wenig weiterhelfen konnte. Für Rückfragen stehe ich euch gerne per E-Mail zur Verfügung.

Alles Gute und viel Erfolg
Flunze

Danke für Eure Hilfe!
Hallo ihr lieben Antworter,

danke für Eure Antworten! Sie haben mich zum Nachdenken gebracht und mir neue Perspektiven gezeigt.

Ich weiß, dass ich nichts überstürzen darf aber ich weiß auch das ich bisher auf dem richtigen Weg war. Es gibt einfach viele Dinge die vor „meiner Zeit“ gelaufen sind und die sind nicht mehr beeinflussbar. Was ich, bzw. was wir beeinflussen können ist das Heute und die Zukunft. Und dafür habe ich einen Haufen von Ideen bekommen.

Vielen Dank an Alle auch für die manchmal kritischen Worte - die gehören nunmal dazu! :smile:

Alles Liebe

Allison