Hallo auch.
„Für Agatha Christies Krimi ‚Zehn kleine Negerlein‘ gibt es jetzt einen neuen, politisch korrekten und den Richtlinien deutscher Antidiskriminierungstellen entsprechenden Titel: Das Werk heisst von nun etwas blödsinnig: ‚Und dann gab’s keins mehr‘.[…]“
(F.A.Z, 06.03.02, Feuilleton, Titel: „Negerlein dagegen sehr“)
Ja, meint ihr denn, diese Methode reicht? Sollte das Buch nicht lieber aus den Regalen verb®annt werden? Na, ich mein, bevor hier die falschen Assoziationen geweckt werden…
Und wenn wir schon dabei sind: Lieber auch die ‚Judenbuche‘ und ‚Deutschland - ein Wintermärchen‘ gleich mal mitbehandeln, wegen dem Verdacht auf potentiell latenten Antisemitismus bzw. Nationalismus, der entstehen könnte, wenn Uneingeweihte den Titel entdecken?
Vielleicht sammeln und schicken wir die Bücher auch einfach weg, wie es die Bewohner der GUS gerade machen…
Eine Sonderbehandlung ist aber mindestens notwendig: Schillers nonnenvergewaltigender, kindermordender, brandstiftender Räuber Spiegelberg. Hier schlage ich vor, das orwellsche Prinzip des Vergessens anzuwenden: Schiller vaporisieren. Gegen das Vergessen. Und für die politische Korrektheit.
Wohin soll der politische Korrektheitswahn noch führen? Bzw. wohin führt er? Seht Euch um…Diktatur der Pseudomoral, überall. Und ich dachte, die „Freiheit der Kunst“ wird zuletzt angetastet. Oder wird sie gar zuletzt angetastet?
Ein paar Fragen zu meinen stark überspitzten, teils mit Ironie versehenen Zeilen:
Ich hörte mal um eine Diskussion wegen der Rolle Spiegelbergs und seine Konfession. Wurde sie beenndet? Mit welchem Ergebnis?
DichterInnen wählen doch zumeist einen Titel, Namen, Charakter sehr bewusst - handelt es sich dann nicht schon um eine Art Verfälschung des Werkes?
Wie seht ihr die Thematik? Ist es überhaupt ein Thema?
Gruss, tafp