Servus nochmal,
an den (abgesehen von den Zuckerrüben als der letzten noch richtig fett marktregulierten Kultur) trostlosen Zahlen sieht man, daß in der Tat fast alles am Know How und an der zutreffenden Einschätzung der Risiken liegt.
Bei den anderen Kulturen mit höheren Deckungsbeiträgen (Sonderkulturen) ist die Fläche nicht so entscheidend. Da ist eher der Arbeitseinsatz (bzw. die Organisation der Fremdarbeit) wichtig; mehr als vielleicht fünf oder sechs Hektar Sonderkulturen wird man in einem Familienbetrieb kaum finden - zumal da oft auch noch ziemlich spezielle Bodenansprüche da sind.
Etwa beim Weizen macht ein 5% höherer Ertrag (erzielbar durch optimalen Zeitpunkt von Bodenbearbeitung, Saat, Pflanzenschutz) im Vergleich zu den 62 dt/ha, die ich unterstellt habe, einen immerhin 15% höheren Deckungsbeitrag aus, wenn dafür keine höheren Kosten (Dünger, Bodenbearbeitung…) anfallen. Wenn z.B. einer die richtige Nase für Pilzinfektionen hat und sich dadurch ein Mal Spritzen spart, ohne daß das zu Ertragseinbußen führt, hat er damit seinen Deckungsbeitrag um etwa 8% erhöht. Den verliert er aber sofort wieder, wenn seine Schläge (= Ackerstücke) zu klein sind, so daß der Anteil unproduktiver Bewegungen (Wenden von Grubber, Egge, Pflug, Fahrten vom Hof zum Acker etc.) zu hoch wird.
Die Kosten der Mechanisierung lassen sich in einem gewissen Umfang dämpfen, wenn man den Schlepperbesatz niedrig hält (geht bei großen Betrieben sehr viel leichter) und wenn man die Lebensdauer der Maschinen verlängert. Von der Seite her kann im Beispiel Weizen auch ein Spielraum von vielleicht 20 €/ha erreicht werden.
Weitere Möglichkeiten ergeben sich, wenn man im eigenen Betrieb bessere Verwertungsmöglichkeiten als den Verkauf hat, aber da wirds arg schwierig zu rechnen. Z.B. Gerste ist ideal für Muttersauenhaltung - man kann mit eigener im Vergleich zu zugekaufter Gerste die Zahl der mastfähigen Ferkel pro Sau und Jahr ziemlich nach oben bringen; aber da fangen dann endgültig Betrachtungen an, die bloß noch pro Betrieb sinnvoll sind.
Kurz: Dem von Dir unterstellten „fleißigen Bauern“ gehts noch nicht so dreckig, wie die von mir dargestellten Durchschnittszahlen nahelegen. Aber richtig Spaß machen tut das Metier vom finanziellen Aspekt her schon eine Weile nicht mehr.
Schöne Grüße
MM
heute eigentlich ganz froh, daß aus dem Projekt „120 Milchkühe“ nix geworden ist