1000 Euro für jeden?

Grüß Euch,

die Bundesbank hortet noch Gold- und Devisenreserven im Werte von 90 Mrd. Euro. Geld, das in der Vergangenheit zur Kurspflege der DM gebraucht wurde. Diese jedoch existiert nicht mehr und die EZB hat eigene Reserven. Das Geld steht also definitiv zur freien Verfügung.

Daß diese Summe nicht auf einmal auf den Markt geworfen werden kann, ist klar (besonders, wenn man bedenkt, daß fast jeder EU-Staat ähnliche Reserven hat), aber trotzdem: Was macht man mit dem Geld?

-Deckungsstock für eine kapitalbezogene Rente?
-Den schwachen Euro stützen?
-Schuldenabbau?
-Notfallfond für Katastrophen?
-Die gröbsten sozialen Ungerechtigkeiten ausgleichen?
-Im Bundeshaushalt versickern lassen?
-Oder an uns Bürger auszahlen?
-…

Gruß Dirk

Auszahlung, wäre wohl dann eine der Alternativen, aber lieber „Weisser Ritter“ Du wirst dann wohl bei der Antwort der Bundesbank einen „Schwarzen Tag“ erleben.

Deine Fragestellung kann wohl nicht ernst gemeint sein. Dieses Geld bleibt selbstverständlich im Besitz des Staates zur Unterstützung der Geldreserven und der Devisenschwankungen zum US-Dollar. Teilweise wird der Yen wohl neben dem US-Dollar in der Zukunft eine Rolle spielen, wenn China wirtschaftlich weiter ist, schätze ich, dass es eher dann ein europäisch-chinesisches Währungsproblem werden wird. Für mich ist China die künftige Weltmacht, die die USA verdrängen wird und sowohl politisch als auch wirtschaftlich mehr Einfluss auf Europa und seine Währung hat wie es die US-Wirtschaft und der Dollar jemals hatten. Das geht zwar noch 20-30 Jahre, aber das kommt. Je weiter sich China öffnet, um so mehr wird China international Einfluss gewinnen und die USA Einfluss verlieren.

Woher soll die Europäische Zentralbank Goldreserven haben, wenn nicht von den einzelnen Nationalbanken ? Denk man bitte nach.

Und mit der Größe des Währungsgebietes steigen die notwendigen höheren Goldbestände, da das Währungsrisiko auch höher ist. Die Reserven der Bundesbank waren auf die DM ausgerichtet. Die Gold-Reserven der EZB müssen auf alle Länder ausgerichtet werden. Auf den gesamten Geldumlauf in Euro und - selbstverständlich sind Kursverluste gegenüber dem US Doller oder Stützungskäufe oder Verkäufe erheblich höher als früher für die DM. Die Goldreserven bleiben bei den Nationalbanken, unterliegen aber bei Bedarf der Verfügungsgewalt der EZB. Ein Fort Knox gibt es bei uns noch nicht. Sonst hätten wohl alle Nationalbanken ihre Goldrerserven dort hinterlegen müssen.

Gruss Günter

Günter hat recht. Aber folgender Link noch als Ergänzung:
http://de.promotions.yahoo.com/euro/faq12.html

Und daraus folgendes Zitat:

Sofern die Geschäfte der Bundesbank die originären Aufgaben des ESZB berühren (Geldpolitik, Halten und Verwalten der Währungsreserven, Devisenoperationen, Zahlungsverkehr), sind die Vorgaben des EZB-Rates zu beachten.

Fazit: Die Deutsche Bundesbank (DB) kann nur das mit den Währungsreserven machen, was die EZB ihr „erlaubt“. Sollten also die Währungsreserven der DB größer als nötig sein, müßte sich die deutsche Regierung an die EZB wenden. Und die würden erst einmal ihre Unabhängigkeit betonen.

Hallo Günther,

doch, doch, das ist schon ernst gemeint: In die Bestände der EZB wurden von der Deutschen Bundesbank bereits 12,5 Mrd. Euro eingezahlt. Momentan lagern dort 41 Mrd. Euro, das Polster darf bis auf max. 50 Mrd. Euro aufgestockt werden. Zwar erscheint mir diese Summe nicht gerade groß für einen solchen Wirtschaftsraum, aber der Betrag solcher scheint Fakt zu sein. Ich wollte es auch erst nicht glauben, aber die Euro-Reserven sind viel geringer als die Summe der einzelnen vormaligen Landesreserven. Möglich, daß irgendwann nachgeschossen wird, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Übrigens haben sich auch schon andere über die Verwendung des Geldes Gedanken gemacht: Die von mir oben gemachten Vorschläge sind nur teilweise auf meinem eigenen Mist gewachsen. So schlug Hilmar Kopper (Deutsche Bank) den Rentengrundstock vor (welch Überraschung!), sein Chefvolkswirt Norbert Walter wollte damit den Euro stützen. Thomas Mayer (Goldman Sachs) plädierte für Schuldenabbau und Rainer Brüderle (FDP) für einen Notfallfond für (Natur)katastrophen.

Als Erster wollte 97 der damalige Finanzminister Theo Waigel an das Geld. Zwar ging es ihm nur um eine bilanzielle Neubewertung, aber ich vermute mal, daß die Prügel, die er damals bezog, Politiker noch heute abschreckt, obwohl objektiv kein Grund mehr dazu vorhanden ist.

1999 haben sich die Notenbanken der Euro-Länder verpflichtet, auf den Verkauf großer Tranchen ihrer Reserven bis 2004 zu verzichten. Momentan ist also Ruhe, aber ich wage mal eine Prophezeiung und behaupte, daß im Laufe des nächsten Jahres die Verwendung dieses Geldes genauso in den Schlagzeilen sein wird wie damals die Verwendung der UMTS-Gelder.

Gruß Dirk

PS: Sämtliche Angaben aus der ´Woche´ vom 11.01.2002

Hallo Dirk,

aber diese Iedeen der Dt. Bank und des dortigen Volkswirtes, den ich im Übrigen wegen seiner fachlichen Kompetenz sehr schätze, es ist einer der wenigen - auch bei der Dt. Bank - die nicht der jeweiligen Regierung nach dem Maul reden, war letztlich vor Einführung des EURO zur Stützung gedacht. Dort sicher richtig, aber Tatsache war auch, dass die EZB zu entscheiden hatte.

Dass bei Politikern Begehrlichkeiten entwickelt werden, wenn diese irgendwo Geld sehen oder vermuten - auch ausserhalb unserer Einkommen als Steuerzahler - überrascht nicht.

doch, doch, das ist schon ernst gemeint: In die Bestände der
EZB wurden von der Deutschen Bundesbank bereits 12,5 Mrd. Euro
eingezahlt. Momentan lagern dort 41 Mrd. Euro, das Polster
darf bis auf max. 50 Mrd. Euro aufgestockt werden. Zwar
erscheint mir diese Summe nicht gerade groß für einen solchen
Wirtschaftsraum, aber der Betrag solcher scheint Fakt zu sein.
Ich wollte es auch erst nicht glauben, aber die Euro-Reserven
sind viel geringer als die Summe der einzelnen vormaligen
Landesreserven. Möglich, daß irgendwann nachgeschossen wird,
aber das steht auf einem anderen Blatt.

Eben, und deshalb werden die einzelnen Notenbanken der Länder ZUrückhaltung beim Verkauf der Goldreserven üben müssen, da sie ohnehin den Verkauf nur mit Zustimmung der EZB vornehmen dürfen. Der Verkauf von Goldreserven, die der Währungsunterstützung dient, würde unkontrolliert eine Gefährdung der Stabilität des Euro bedeuten. Vergessen wir nicht, dass diese Goldreserven Währungsreserven sind, auch wenn wir nun den Euro haben. Und jedes Land, das Währungsreserven auf den Markt wirft, wird den Euro, wenn nicht sogar die gesamte Weltwirtschaft gefährden. Bestes Beispiel ist Russland. Nach dem Zusamsmenbruch wurden riesige Mengen an Gold am Markt verkauft. Zuerst einmal gerieten international alle Währungsreserven unter Druck, wurden teilweise von einigen Staaten intern bereinigt und in Russland brach der Kurs des Rubel zusammen und hat sich bis heute nicht erholt. Stützungskäufe für den Rubel kann Russland nicht mehr umfasend tätigen, weil die Reserven fehlen. Soweit etwas grob dem Umfang und mögliche Auswirkungen. Ein Banker kann da sicher noch deutlicher Stellung nehmen.

Gruss Günter

Hallo Ralf,

Fazit: Die Deutsche Bundesbank (DB) kann nur das mit den
Währungsreserven machen, was die EZB ihr „erlaubt“. Sollten
also die Währungsreserven der DB größer als nötig sein, müßte
sich die deutsche Regierung an die EZB wenden. Und die würden
erst einmal ihre Unabhängigkeit betonen.

Möglich, aber als sooo unabhängig hat sich Duisenberg in der Vergangenheit ja nicht gerade erwiesen. Außerdem stehen fast alle Euro-Länder vor diesem „Problem“, so daß das Geld mit Sicherheit nicht auf ewig versauern wird. Ich vermute mal, daß diese Reserven über mehrere Jahre hinweg langsam aufgelöst werden, um allzugroße Turbulenzen an den Märkten zu unterbinden.

Daß Überschüsse tatsächlich vorhanden sind, geht übrigens auch ganz klar aus dem von Dir genannten Link vor. ("… hat einen Teil ihrer Devisenreserven der EZB übertragen")

Ansonsten lies bitte meine Antwort an Günther, da sich diese mit Deinem Posting überschnitten hat.

Gruß Dirk

Möglich, aber als sooo unabhängig hat sich Duisenberg in der
Vergangenheit ja nicht gerade erwiesen. Außerdem stehen fast
alle Euro-Länder vor diesem „Problem“, so daß das Geld mit
Sicherheit nicht auf ewig versauern wird.

Möglich. Aber dann wird es, da formal europäisches Geld, für europäische Zwecke benutzt werden. Wahrscheinlich zur Erleichterung der Eingliederung der neuen Länder bei der Osterweiterung. Da könnten ein paar Milliarden schon sehr willkommen sein.

keine gute Idee
Hi,

-Deckungsstock für eine kapitalbezogene Rente?
-Den schwachen Euro stützen?
-Schuldenabbau?
-Notfallfond für Katastrophen?
-Die gröbsten sozialen Ungerechtigkeiten ausgleichen?
-Im Bundeshaushalt versickern lassen?
-Oder an uns Bürger auszahlen?
-…

alle Vorschläge laufen auf eine Auflösung der Währungsbestände hinaus. Eine Reduzierung der Währungs-Bestände auf Aktivseite der Bilanz der Bundesbank ist immer mit einer entsprechenden Reduzierung auf der Passivseite verbunden. Die wesentlichen Posten sind dort der Banknotenumlauf (ca. 100 Mrd.), Einlagen der Kreditinstitute (vor allem aus Mindestreserve, rd. 50 Mrd.), sonst. Passiva (rd. 16 Mrd.), Neubewertungskonten (rd. 40 Mrd.) sowie Eigenkapital (rd. 5 Mrd.).

Hinter den Neubewertungskonten verbergen sich unrealisierte Gewinne, lediglich ein Teil der sonst. Passiva ist tatsächlich Gewinn. Die Ausschüttung von unrealisierten Gewinnen ist schon einmal nicht zu empfehlen. Die Ausschüttung wäre damit schon einmal auf rund 21 Mrd. beschränkt.

Des weiteren würde ein Verkauf von Devisen logischerweise am Markt gegen Euro erfolgen, damit würde der Wirtschaft massiv Liquidität entzogen, die dann wieder in den Markt gedrückt werden müsste, um die Wirtschaft nicht zu destabilisieren. Z.B. würden sonst die Zinssätze steigen, was in der derzeitigen konjunkturellen Situation wohl keine allzu brillante Idee seiin dürfte. Banknoten finden sich aber wieder auf der Passivseite wieder, somit muß ein Gegenposten auf der Aktivseite her, im Zweifel Forderungen ggü. Banken. Also ein Nullsummenspiel.

Eine Ausschüttung von Währungsreserven ist also eine eher problematische Angelegenheit. Ohne weiteres ohnehin nicht möglich und wirtschaftlich - als Hauruck-Aktion durchgeführt - ein Eigentor.

Gruß
Christian

Hallo Dirk,

es gibt schlicht zwei Möglichkeiten:

erstens: Man zahlt damit direkt einen Teil der Schulden zurück. Man spart sich dann jedes Jahr die Zinsen für die Verschuldung.

zweitens: Man verbucht das Geld im nächsten Bundeshaushalt und nimmt für dieses Jahr einen entsprechend geringeren Kreditbetrag auf. Effekt: Man zahlt die nächsten Jahre weniger Schuldzinsen. Diese Lösung entspricht also erstens, es gibt keinen Unterschied.

drittens: Man gibt das Geld zusätzlich zum derzeitigen Bundeshaushalt aus, zur Ankurbelung der Wirtschaft respektive Abbau der Arbeislosigkeit. Rechne Dir jedoch mal aus, was man mit solch einem Betrag ausrichten könnte: Enstprechende Projekte würden einige tausend, bestenfalls zehntausend Menschen für drei, vier Jahre beschäftigen, und das wäre es dann gewesen.

Also: Man kann es drehen und wenden wie man will, das Geld kann und wird nur eines bewirken: Schuldenabbau und Zinseinsparung.

Oliver

Einwurf
Hallo Oliver,

wie unten erläutert habe, ist das ganze gar nicht mal so einfach. Einem Verkauf von Devisen steht immer eine Reduzierung des Euro-Umlaufes gegenüber. Diese Liquidität müßte dann wieder bereit gestellt werden. Über derartige Aktionen dürfte die EZB weniger begeistert sein, wenn sie es nicht sogar untersagen würde (wenn sie es könnte, was ich nicht weiß).

erstens: Man zahlt damit direkt einen Teil der Schulden
zurück. Man spart sich dann jedes Jahr die Zinsen für die
Verschuldung.

Aber selbst wenn: Seine eigenen Schulden tilgen kann nur der Staat selber. Der wiederum käme an das Geld nur über eine Ausschüttung, da Kreditvergabe Bundesbank an den Staat nicht möglich ist. Die für eine Ausschüttung maximal verfügbaren Mittel habe ich in meinem Artikel unten ausgerechnet (waren so um 20 Mrd. und das läge schon weit über dem betriebswirtschaftlich vernünftigen Ausmaß).

Das
zweitens: Man verbucht das Geld im nächsten Bundeshaushalt und
nimmt für dieses Jahr einen entsprechend geringeren
Kreditbetrag auf. Effekt: Man zahlt die nächsten Jahre weniger
Schuldzinsen. Diese Lösung entspricht also erstens, es gibt
keinen Unterschied.

Also das geht irgendwie gar nicht,…

drittens: Man gibt das Geld zusätzlich zum derzeitigen
Bundeshaushalt aus, zur Ankurbelung der Wirtschaft respektive
Abbau der Arbeislosigkeit. Rechne Dir jedoch mal aus, was man
mit solch einem Betrag ausrichten könnte: Enstprechende
Projekte würden einige tausend, bestenfalls zehntausend
Menschen für drei, vier Jahre beschäftigen, und das wäre es
dann gewesen.

…genauso wie dieses. Das Geld kommt von der Bundesbank zum Bund nur über eine Ausschüttung und die kann nur in dem Fiskaljahr verbucht werden, in dem sie stattfindet. Zum Thema Ausschüttung und zur Ergänzung siehe meinen Artikel eine Etage tiefer.

Gruß
Christian