Hallo Anne,
lange habe ich überlegt, ob ich meine Meinung zu diesem Thema kundtue, aber einige Postings gehen so unter die Gürtellinie, dass es mir selbst mit wehtut:
Was macht man, wenn ein Mädchen, bei deiner Tochter ankommt,
sie erzählt, sie habe schon eine Nacht nicht zuhause
geschlafen, ihre Eltern würden sie bereits suchen, und sie
wollte auch nicht zurück nachhause?
Weder Telefonnummer, noch Nachname, noch Adresse der Eltern
ist mir bekannt.
Dieses Thema hatten wir bei einer Klassenkameradin meines Sohnes. Ich hatte das grosse Glück, dass ich im Bekanntenkreis eine Jugendbetreuerin hatte. Die rief ich an, und sie hat uns den Weg aufgezeigt, auf jeden Fall mit dem Mädchen versuchen zu sprechen und ihr die Telefonnummern von einer Jugendbetreuerin zu geben. Wenn du diese nicht weisst, jede Polizeidienststelle hat die Hilfsnummern.
Dann habe ich mit dem Mädchen gesprochen (auch bei ihr hiess es immer, die A… übertreibt und lügt immer) und ihr den Weg mit den Telefonnummern aufgezeigt. Zusätzlich haben wir mit dem Vertrauenslehrer der Schule uns unterhalten, der sehr dankbar über den Fingerzeig war und dem Mädchen auch zur Seite stand, er hat dann auch mit dem Jugendamt zusammengearbeitet.
In unserem Fall hatte sie zwar viel gelogen — das waren aber Hilfeschreie, weil sie mit der Situation zuhause nicht klarkam. Das heisst nicht, die Eltern zu verurteilen oder nicht zu glauben – es ist beim Erwachsenwerden so, dass bei jungen Mädchen oder Jungen durchaus bei diesen der Eindruck entsteht, dass sie zuhause nicht verstanden werden.
Ich habe auch mit der Mutter gesprochen (in diesem Fall waren die Eltern 2 Wochen verreist) — es interessierte sie nicht.
Im Endeffekt hat der Vertauenslehrer helfen können und die Sachbearbeiterin vom Jugendamt – nachdem A. versuchte sich die Pulsadern aufzuschneiden. Und dieses Gefühl — ich habe ihr die Rasierklinge aus der Hand genommen – wünsche ich niemandem in diesem Brett.
Darum: lieber einmal mehr kümmern und Kontakte zum Jugendamt herstellen und nicht als dummerhaftige Jugendlaune abtun. Wegsehen ist gleich selber Tun!!
Wir kennen sie nur flüchtig, und sie hat einen Hang zum
Übertreiben.
Sie wird aber anscheinend Zuhause geschlagen, und hat sich
über die Ruhe hier im Haus gewundert.
siehe oben – es gibt mehr Elend in Elternhäusern, als wir alle wahrhaben wollen, weil Eltern heute auch durch den Stess im Beruf und auch in der Freizeit überfordert sind. Nicht weggucken – Kontakte knüpfen.
Ich bin nicht sicher, was wirklich zuhause war.
Sie hat sich anscheinend vorgestern selber mit einem
Pinwandstecker ein Bauchnabelpiercing gestochen, das jetzt
gerötet aussieht?!?
Anscheinend bekommt sie als 14-jährige kein Taschengeld, ist
aber immer sehr gut gekleidet.
In unserem Fall hatte das Mädchen finanziell alles - aber Kinder wollen bemerkt und geliebt werden und ich denke das eigene Piercing ist ein Hilfeschrei.
Soll ich beim Kinderschutzbund anrufen, sie nach der
Telefonnummer der Eltern fragen, ein Gespräch mit den Eltern
führen?
Kinderschutzbund oder Jugendamt, aber bedräng das Mädchen nicht, nach den Eltern zu fragen – nimm sie ernst und schalte das Jugendamt ein – sie braucht Hilfe.
Und deine Tochter ist überfordert!! Bitte unternimm was - und höre deiner Tochter gut zu - sie braucht dich jetzt auch, weil solch Geschehen das Innerste auch der Jugendlichen berührt. Meinen Sohn hatte es auch sehr mitgenommen, denn mit 14/15 können die solche Situationen auch noch nicht einschätzen.
Wer kann mir raten?
Vielen Dank im Voraus für jede Hilfe!
MfG, Anne.