14 jährige will nicht mehr zur Schule

Was soll ich machen??
Eben kam meine Tochter ( 14 Jahre alt, 8. Klasse Gymnasium) tränenüberströmt in mein Büro und erklärte, dass sie nicht mehr zur Schule will.
Sie hätte dort, seit sie sich letzte Woche mit ihrer Freundin gestritten hat, keine Freunde mehr, keiner würde sie mögen.
In der Klasse gibt es, so wie sie sagt, drei Gruppen und sie gehört zu keiner dazu
( eine Gruppe raucht, eine ist Pferdeverrückt und eine besteht aus den Klassenbesten).
Sie möchte nun sitzen bleiben, damit sie in eine andere Klasse kommt, aber das kann es ja nicht sein.
Was soll ich mit ihr machen?? Mit dem Klassenlehrer reden, Schulwechsel überdenken, einfach abwarten??
Was soll ich denn tun, wenn sie am Donnerstag auch wieder nicht hin will??
Ich hoffe, dass ihr mir helfen könnt.

Hi Mariel!

Was soll ich machen??

Klar, das ist der Fall für Schulwechsel. Nur würde ich empfehlen, daß die Entscheidung sowie die Durchführung deine Tochter übernimmt. Mit voller deiner Unterstützung selbstverständlich.

Gruß

Hallo, Marie!

Daß Sitzenbleiben in diesem Fall die schlechteste aller Lösungen ist, sollte klar sein. Wenn sich deine Tochter wieder ein wenig beruhigt hat, sieht sie das bestimmt genauso.
Wie geht es ihr bisher in der Klasse? Hatte sie nur diese eine Freundin? Oder ist sie im Moment durch den Streit mit der Freundin so traurig, daß sie alles negativer sieht, als es vielleicht tatsächlich ist? Wenn das keine momentane Phase ist, würde ich ein Gespräch mit dem Klassenlehrer empfehlen, gemeinsam mit deiner Tochter. Ein Klassen- oder gar Schulwechsel ist auch wieder mit Schwierigkeiten verbunden: Der Lehrstoff ist nicht unbedingt der gleiche, die Jugendlichen in der neuen Klasse sind bereits ein feststehender Klassenverband, in dem es Neue nicht immer leicht haben. Ganz davon abgesehen: Zunächst solltet ihr zusammen versuchen, in dieser Klasse eine Lösung zu finden, weil Weglaufen nicht der erste Weg sein sollte, Probleme anzugehen - ebenso wie einfach abzuwarten, ob sich das von alleine erledigt.
Zeig ihr, daß du sie in ihrem Kummer verstehst, versuch mit ihr gemeinsam Ideen für eine Lösung zu finden (z.B. das Gespräch mit dem Lehrer; überlegen, wer ihr in der Klasse sympathisch ist, mit wem sie sich gern verabreden würde etc.), aber mach deutlich, daß Schule nunmal Pflicht ist, der man sich nicht so einfach entziehen kann. Wenn gar nichts hilft, und sie wirklich nicht gehen mag, würde ich sie als letzte Möglichkeit für einen Tag als krank zu Hause behalten und dann aber sofort(!) mit dem Lehrer Rücksprache über das weitere Vorgehen halten.

Ich drück dir die Daumen,
Sams

Hallo Mariell,

erstmal: ich kann deine Situation gut nachvollziehen, meine Tochter, 12, 7. Klasse Gymnasium, hat im Frühjahr mehrfach auch so dagestanden.

Hier meine - ganz persönliche - Stellungnahme. Vielleicht findest du Anregungen. Da du aber so konkret fragst, was du tun sollst, habe ich mir auch erlaubt, einiges so zu schreiben… Nachfragen willkommen.

Einiges wirft Fragen bei mir auf:

Sie hätte dort, seit sie sich letzte Woche mit ihrer Freundin
gestritten hat, keine Freunde mehr, keiner würde sie mögen.
In der Klasse gibt es, so wie sie sagt, drei Gruppen und sie
gehört zu keiner dazu

Herrschte bis jetzt immer pure Harmonie? Was waren bis dato die Konfliktthemen? Was ist der Unterschied jetzt?
Wen von den Kindern kennst du selbst? Welche Kinder waren schon bei euch und was hast du dann zu diesen Themen von ihnen gehört?
Wie schätzt du selbst ihre Freundin ein, wenn du sie kennst? Ist das typisches pubertierendes-heute-beste-freundin-morgen-kein-wort-mehr-reden und wieder umgekehrt Verhalten? Oder was steckt konkret hinter dem Streit? Was hat deine Tochter letzte Woche von dem Streit erzählt? Wie sah der Kontakt zu der Freundin seitdem aus? Hat sie mit anderen aus der Klasse darüber geredet?
Was würde sie am liebsten tun (ähh, nicht sitzenbleiben meine ich…) um den Streit zu klären? Wo sieht sie Chancen, wo sieht sie Hindernisse? Was könnte ihr helfen, die Hindernisse zu beseitigen?

Sie möchte nun sitzen bleiben, damit sie in eine andere Klasse
kommt, aber das kann es ja nicht sein.

okay, emotionale Überreaktion, verständlich, aber nicht weiter zu diskutieren, da so etwas wie Selbstbestrafung. Mit 14 kann deine Tochter schon (wenn sie sich etwas abgeregt hat) verstehen, dass Problemlösungen konstruktiv sein sollten.

Was soll ich mit ihr machen?? Mit dem Klassenlehrer reden,

wenn das schon mehrfach vorgekommen ist - ja sicher. Aber mehr fragen, wie er das Ganze in der Schule erlebt. Und ihn informieren.

Schulwechsel überdenken,

aus meiner Sicht nach einem Vorfall dieser Art sicher auf keinen Fall. Das finde ich (ganz persönlich) übereilt. Ganz davon abgesehen, dass deine Tochter so kein Problemlösungsverhalten lernt.

einfach abwarten??
ach, das ist aber auch schwer. Das Problem nicht ignorieren und trotzdem nicht überbewerten. Gratwanderung.

Wie sieht es denn heute Abend aus?
Kann deine Tochter sich vorstellen, ihrer Freundin einen Brief zu schreiben, in dem steht, wie sie den Streit und die Folgen erlebt hat?
Sieht sie ihren eigenen Part in dem Spiel? Wie bewertet sie ihre Rolle?

Was soll ich denn tun, wenn sie am Donnerstag auch wieder
nicht hin will??

Mut machen, Verhaltensweisen durchdiskutieren, die für sie vorstellbar sind und vielleicht: Lass sie mal beschreiben, was passiert, wenn sie jetzt einfach nicht mehr in die Klasse geht.
Und hab Geduld: erstmal wird sie nur negativste Dinge erzählen, vermute ich, wie z.B.: die feiern dann ein Freudenfest, weil ich nicht mehr da bin etc…
Aber lass sie und dann, vorsichtig, soll sie sich mal versuchen vorzustellen, wer sie auch vermissen würde etc…

Viel Erfolg und gute Nerven, auch für die Tochter

Sylvia

Hallo!

Also, ich denke, daß sie gar nicht sitzenbleiben will, sondern das diese Ausdrucksweise ein Hilfegesuch ist. Sie will so auf sich und ihre Probleme aufmerksam machen.
Hilf ihr, indem Du ihr zuhörst. Du brauchst nicht unbedingt versuchen selber alles ins reine zu bringen. Schließlich ist sie ein heranwachsener Mensch, der lernen muß, selbst Konflikte zu lösen - mit ein wenig Hilfe, versteht sich. Wenn es in dieser Klasse 3 Gruppen gibt, dann kann sie doch eine 4. ins Leben rufen! Es ist ja auch so, daß man nicht immer unbedingt überall dazugehören muß, nur um beliebt zu sein. Mache Deine Tochter bitte nicht zu einem Mitläufer, die alles tut um dazuzugehören. Das gibt sicher später noch mehr Probleme. Was sie vielleicht jetzt brauch ist eine gehörige Portion Selbstbewußtsein. Hilf ihr dabei. Hat sie vielleicht ein Hobby? Dann sollte sie sich dem Widmen, das schaft Erfolgserlebnisse.

Wie auch immer. Die Schule ist nicht primär dazu gedacht, zu einer Gruppe zu gehören oder Freunde zu finden. Weglaufen ist nie eine Lösung. Irgendwann wird sich das Spiel nämlich wiederholen und wenn sie nicht dazugelernt hat…

Cu

Hydron

Hallo!

Es KANN nicht sein, dass deine Tochter keine einzige Freundin mehr in ihrer Klasse hat. Wahrscheinlich hat sie sich wirklich nur mit ihrer besten gestritten und denkt daher, alle Welt ist gegen sie.
Aber das ist AUF KEINEN FALL ein Grund, absichtlich durchzufallen, denn wer garantiert, dass sie sich in der neuen Klasse besser zurecht findet?

Mein Rat ist - abwarten. Ich gehe selbst noch zur Schule, auch Gymnasium, und denke, dass die Situation deiner Tochter nur im Moment schwarz aussieht, sich aber bestimmt bald wieder einrenken wird.

Liebe Grüße,

Ami666