150 Jahre Sigmund Freud

150 Jahre Sigmund Freud - 150 Jahre Scharlatanerie.
So könnte man den Artikel aus Spiegel-Online ebenfalls überschreiben.

Hier einige Zitate:
bzg. der angeblichen Wiederentdeckung Freuds: „All dies erfüllt Psychologen mit ungläubigem Staunen. Denn von der Freud-Renaissance, die scheinbar wie ein Wirbelsturm über Europa hinwegfegt, bekommen sie gar nichts mit.“

„Die Psychoanalyse Freudscher Prägung ist ein quasi-literarisches Selbst-Deutungssystem, das sich der empirischen Prüfung weitgehend entzieht. Eines, das nicht nur wissenschaftstheoretischen Grundprinzipien zuwiderläuft, sondern auch noch auf teilweise frisierten, teilweise frei erfundenen „Beobachtungen“ basiert.“

„pseudowissenschaftlichen Folklore“

„Die moderne Psychologie verdankt Freud so gut wie nichts.“

„Auch das Unbewusste ist keine Idee von Freud“

Man könnte den ganzen Artikel hier posten.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,414…

Viele Grüße!
Bernie

Hi Bernie,

„[d]ie Wissenschaft hat festgestellt, dass Marmelade Fett enthält.“
Die Psychoanalyse sollte auch ein Feld bleiben, in dem Empiriker sich nicht Zuhause fühlen. Schließlich können sie auch immer nur das beweisen, was sie vorher schon angenommen haben.
So lange freudianische Ansätzen den Menschen helfen braucht man Niemanden, der eine mathematische Formel aufstellt, die beweist, dass es so ist, wie es ist. Freud hat mehr auf die Beine gestellt als Stefan Aust. Da beißt die Maus keinen Faden ab und Aust kann sich auf den Kopf stellen und mit den Beinen wackeln. Alleine dass Freud an seiner Idee weitestgehend festhielt macht ihn größer als Herrn Spiegel. Mittlerweile ist der nämlich auch nur noch ein kleines Bisschen besser als der Focus.

Viele Grüße,

Hilmar

Hallo,

was der Spiegel hier schreibt, ist weder neu noch irgendwie anders originell. Vermutlich hat sich Herr Stöcker hier mit ein paar Psychologie-Studenten behaviouristischer Prägung zusammengesetzt und daraus dann einen Boulevard-Artikel aufgebauscht. Und es sollte vielleicht auch erwähnt werden, dass möglicherweise zwei solcher Studenten dann deinem Hinweis hier dafür auch noch Sternchen (jetziger Stand, der sicher noch übertroffen wird) gegeben haben.

So ganz schlecht ist der Artikel allerdings doch nicht, denn immerhin deutet er im letzten Absatz etwas Positives an, freilich etwas knapp und natürlich ohne es auszuführen, wie es so die Art dieser Zeitschrift ist, die sich in den letzten Jahren tatsächlich kaum daran gemacht hat, ihr Niveau etwa zu verbessern. Aber immerhin könnte das ja vielleicht dazu anregen, einmal etwas ausführlicher sich mit dem Thema zu beschäftigen, was dann erhoffen ließe, dass solche vermeintlichen Entdeckungen mit weniger Hass von beiden Seiten kommentiert werden, sondern als das gelesen werden, was sie sind: eben Boulevard.

Gruß

Bona

Hi,

unlängst gab es eine Reihe Dokumentationen auf Arte, über Freud, auch über seinen Enkel Lucien Freud.

Hier finden sich u.a. kurze private Filme, http://www.freud-museum.at/freud/media/video-d.htm

Mehr unter: http://www.arte-tv.com/de/film/Marie_20und_20Freud/D…

Ciao,
Romana

hallo Freud-Fans oder auch -Gegner,

ich empfehle, mit den heutigen (Er-) Kenntnissen im Hinterkopf, die Lektüre von Freuds Dora oder ein Fall von Hysterie.
Einfach nur lesen.
Dann Buch zuklappen, Inhalte auf sich einwirken lassen.
Dann sich nach der eigenen Meinung fragen.

Es ist nicht immer schlecht,(auch) selbst zu denken, nicht nur im Nachvollziehen anspruchsvoller Vordenker zu verharren.

Solche Selbstdenker waren Herrn Freud allerdings nicht besonders erfreulich. Sie schwanden aus seiner Jüngerschar, wurden sie allzu selbständig. Für Psychiater ein Gewinn - da Eugen Bleuler sich mit seinem differenzierten Denk - und Beobachtungsinstrumentarium nunmehr den großen Psychosen zuwandte.

Kleine Anekdote am Rande. S.Freud, ältestes von 3 Kindern, 2 jüngere Schwestern, war bester Schüler, aber sehr ehrgeizig. Seine Schwestern, die u.a. Klavierspielen lernten, ein für höhere Töchter damals unverzichtbares Attribut, störten ihn mit ihrem Üben beim Schularbeitenmachen. Daraufhin beschwerte er sich bei seinen Eltern und das Klavier wurde abgeschafft.

Gruß, I.

Tertium datur!
Hallo,

im Prinzip stimme ich deinem Artikel zu, besonders diesem Satz:

Es ist nicht immer schlecht,(auch) selbst zu denken,
nicht nur im Nachvollziehen anspruchsvoller Vordenker zu
verharren.

Nur hier:

hallo Freud-Fans oder auch -Gegner,

möchte ich einwenden: Es gibt noch ein Drittes, nämlich die Anerkennung von Leistungen und Aufdeckung von Schwächen, ohne zu vergöttern oder zu verdammen.

Gruß

Bona

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Hallo thx

bzg. der angeblichen Wiederentdeckung Freuds: „All dies
erfüllt Psychologen mit ungläubigem Staunen. Denn von der
Freud-Renaissance, die scheinbar wie ein Wirbelsturm über
Europa hinwegfegt, bekommen sie gar nichts mit.“

Und gegen wen spricht das Deiner Meinung nach? :wink:

Man könnte den ganzen Artikel hier posten.

Man könnte auch täglich die BILD-Zeitung hier posten.
Gruß,
Branden

hallo Bonaventura,

Ja.
(an mir kann man mal sehen, wie er noch post mortem polarisiert.)

Gruß, I.

Alternative Jubiläen!
Hallo!

Ich hoffe, dass ich in meinem Leben wissenschaftliche Gegenstücke zum diesjährigen Freud-Jahr erleben werde.
Ein Anwärter ist der 200. Geburtstag von Whilhelm Wundt am 16. August 2032.
Noch passender fände ich es jedoch den 150. Geburtstag der wissenschaftlichen Psychologie im Jahr 2025 zu begehen.
Der 200. Geburtstag von James im Jahr 2042 ist ein weiterer Anwärter.

Sind euch ähnliche Ereignisse bereits bekannt? Wurde das 100. Geburtsjahr der wissenschaftlichen Psychologie 1975 gefeiert? Wie war es mit den 150. Geburtstagen von Wundt und James?

Leider sind sie in Väter der Psychologie als Wissenschaft viel weniger bekannt als Freud. In dessen Erfolg ich nicht viel mehr als eine Bestätigung des Slogans „Sex sells“ sehe.

Viele Grüße Falk

Hallo Falk

Leider sind sie in Väter der Psychologie als Wissenschaft viel
weniger bekannt als Freud.

Warum sind sie das wohl? Wahrscheinlich, weil sie uns viel weniger gegeben haben als Freud.

In dessen Erfolg ich nicht viel
mehr als eine Bestätigung des Slogans „Sex sells“ sehe.

Hast Du nur Sekundär-Literatur zu Freud gelesen?
Gruß,
Branden

Psychoanalyse und Psychologie
Hallo alle!

Hmm - also ich meine, da liegt nach wie vor ein allgemeines Mißverständnis vor in der Thematik, und das scheint auch Thema des Spiegels zu sein (aber genauses weiß man nicht - es entsteht tatsächlich bei der Lektüre der Eindruck, als seien ein paar Studenten interviewt worden).

Der Ärger der Psychologie ist doch folgender:

Psychoanalyse (von S. Freud begründet) und Psychologie (von W. Wundt begründet) sind zwei unterschiedliche Wissenschaften, gut unterscheidbare Paar Schuhe.

Psychoanalyse wurde zwar als Tiefenpsychologie damals als Lehre in die Disziplinen der Psychologie aufgenommen, hat sich dort aber bis heute nicht eindeutig einordnen oder auch halten können.

Ich möchte hier nicht vergleichen, da mit Sicherheit beides (hoffentlich) seine Berechtigung und auch seinen Nutzen hat (je mehr, desto besser) - kann aber den Ärger der Psychologie, die als Wissenschaft in ihren Erkenntnissen, ihrer Lehre und ihrer Arbeit heute viel umfangreicher (rein quantitativ) ist als die Psychoanalyse, nach wie vor in den selben Topf geschmissen wird.

Natürlich sind einige Disziplinen der Psychologie maßgeblich und auch nachhaltig (und das sehr positiv) von der Psychoanalyse beeinflusst worden. Vermischungen lassen sich gar nicht vermeiden, auch zwischen Biologie und Medizin, Medizin und Psychologie oder Psychologie und Soziologie lässt sich nicht immer klar abgrenzen.

Dennoch ist die Psychoanalyse ein autonomes Gebiet - oder vielmehr: die Psychologie (heute) ebenfalls.

In vielen Teilbereichen der Psychologie, in denen sich die anfänglichen Themen eines W. Wundts damals wie heute als zentrale Positionen gehalten haben, war von einem S. Freud niemals die Rede.

Lieben Gruß
Patrick

Natürlich sind einige Disziplinen der Psychologie maßgeblich
und auch nachhaltig (und das sehr positiv) von der
Psychoanalyse beeinflusst worden.

Komisch - nach dem Artikel ist es doch gerade nich so… Ohne mich groß eimischen zu wollen, aber welche Disziplinen der akademischen Psychologen sind denn nachhaltig von der Psychoanalyse beeinflusst worden?

Vermischungen lassen sich
gar nicht vermeiden, auch zwischen Biologie und Medizin,
Medizin und Psychologie oder Psychologie und Soziologie lässt
sich nicht immer klar abgrenzen.

Ja, aber ist denn das gerade dasss, was nicht stimmt in Bezug auf PA und Psy - jedenfalls in der Richtung PA auf Psychologie??

Dennoch ist die Psychoanalyse ein autonomes Gebiet - oder
vielmehr: die Psychologie (heute) ebenfalls.

In vielen Teilbereichen der Psychologie, in denen sich die
anfänglichen Themen eines W. Wundts damals wie heute als
zentrale Positionen gehalten haben, war von einem S. Freud
niemals die Rede.

Ja, genau dass sagen einem doch die „Psychos“, wenn man mit denen mal spricht :wink:

Was stimmt denn nun?

Liebe Grüße!

Lieben Gruß
Patrick

Hallo Branden!

Leider sind sie in Väter der Psychologie als Wissenschaft viel
weniger bekannt als Freud.

Warum sind sie das wohl? Wahrscheinlich, weil sie uns viel
weniger gegeben haben als Freud.

Diese Wertung teile ich nicht. Das Bekanntheit in der Öffentlichkeit und wissenschaftliche Leistung von einander nahezu unabhängig sind, ließe sich mit zahlreichen Beispielen unterlegen. Der Zusammenhang ist vielmehr negativ. Ernsthafte Wissenschaft erlang selten öffentliche Bekanntheit. Nichteinmal die Nobelpreisträger werden bekannt, obgleich sie zweifellos Großes geleistet haben. Das ist leider so, aber auch naheliegend.
Wer eine attraktive Theorie aufzustellt, die mit wenigen Buzzwords und Commonsense die ganze Welt erklärt und gleichzeitig unterhaltsam ist, gelangt dadurch mit Sicherheit zu Bekanntheit und Popularität. Zum wissenschaftlichen Fortschritt trägt er damit allerdings nicht bei. Theorien die empirisch nicht überprüfbar sind, haben keinen Informationsgehalt. Das sie einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft und praktische Bedeutung haben können, ist eine andere Frage, die ich jetzt nicht berühren werde.
Ein besseres Maß für die Leistung, sehe ich in empirischen Bestätigungen, Reputation innerhalb der Forschungsgemeinschaft, Zitationen in wissenschaftlichen Artikeln, etc.

Gruß, Falk

1 „Gefällt mir“

Huhu!

Komisch - nach dem Artikel ist es doch gerade nich so… Ohne
mich groß eimischen zu wollen, aber welche Disziplinen der
akademischen Psychologen sind denn nachhaltig von der
Psychoanalyse beeinflusst worden?

Mir fallen da jetzt z.B. spontan die interaktionistischen Ansätze im Bereich der Entwicklungspsychologie ein.

Vermischungen lassen sich
gar nicht vermeiden, auch zwischen Biologie und Medizin,
Medizin und Psychologie oder Psychologie und Soziologie lässt
sich nicht immer klar abgrenzen.

Ja, aber ist denn das gerade dasss, was nicht stimmt in Bezug
auf PA und Psy - jedenfalls in der Richtung PA auf
Psychologie??

Naja, die findet tatsächlich gar keinen Platz mehr in der Psychologie - zumindestens in der Lehre der Uni Düsseldorf. Dafür ist sie aber doch eine von mehreren Richtungen in der anschliessenden Ausbildung zum Therapeuten. D.h. Psychoanalytiker wird man v.a. durch die psychotherapeutische Zusatzausbildung. Psychologe mit einem Studium der Psychologie.

In vielen Teilbereichen der Psychologie, in denen sich die
anfänglichen Themen eines W. Wundts damals wie heute als
zentrale Positionen gehalten haben, war von einem S. Freud
niemals die Rede.

Ja, genau dass sagen einem doch die „Psychos“, wenn man mit
denen mal spricht :wink:

Was stimmt denn nun?

Bereiche mit eher weniger als mehr großen Schnittmengen (heute) könnten meiner Meinung nach sein:

  • Differenzielle Psychologie (Grundlagen)
  • Entwicklungspsychologie (Grundlagen)
  • Klinische Psychologie (Anwendung)
  • Sozialpsychologie (Grundlagen)
  • Pädagogische Psychologie (Anwendung)
  • Allgemeine Psychologie (Emotion & Motivation), (Grundlagen)
  • Diagnostik & Intervention (Methoden)

Eher gar keine Schnittmengen (heute) haben:

  • Allgemeine Psychologie (Wahrnehmungspsychologie, Denken & Handeln, Gedächtnispsychologie, Lernen & Verhalten), (Grundlagen)
  • Methodenlehre (Biometrie, Auswertung klinischer Studien, Statistik), (Grundlagen, Anwendung, Methoden)
  • Arbeitspsychologie (Anwendung)
  • Ergonomie (Anwendung)
  • Physiologische Psychologie (Anwendung, Grundlagen, Methodik)
  • Biologische Psychologie (Grundlagen)
  • Kognitive Psychologie (Grundlagen)

Das wäre so mein Bild das ich habe.

Liebe Grüße!

Lieben Gruß
Patrick

Hallo,

akademischen Psychologen sind denn nachhaltig von der
Psychoanalyse beeinflusst worden?

Mir fallen da jetzt z.B. spontan die interaktionistischen
Ansätze im Bereich der Entwicklungspsychologie ein.

Die einzigen Spuren der Psychoanalytiker finden sich hier, nicht jedoch in dem weiter unten aufgeführtem:

  • Differenzielle Psychologie (Grundlagen)

Hier wird die Psychoanalyse als historische Randnotiz _erwähnt>/i>. Das Fach wird von den großen Persönlichkeitstheoretikern wie z.B. Eysenck beherrscht.

  • Entwicklungspsychologie (Grundlagen)

Hier findet sich als einziger psychoanalytischer Grundgedanke noch Harlowe , vielleicht noch Bowlby und Ainsworth - aber die haben mit der Psychoanalyse dann nicht mehr viel zu tun. Im Grunde genommen handelt es sich um die Aspekte der Allgemeinen Psychologie, die nach ihrem reifungsabhängigen und sitautionsbedingtem Auftreten eingeordent werden und - ebenfalls wie dort - mit biopsychologischen und physiologischen Grundlagen verknüpft werden.

  • Klinische Psychologie (Anwendung)

Deutlich: Nein - die evidenzbasierte und daher eben nicht tiefenpsychologische und psychoanalytische Grundlage wird hier vermittelt und spielt in der Praxis nur für den Psychoanalytiker eine Rolle - aber eben nicht für den genuinen Psychologen (d.s. dann nicht diejenigen, die dann auch Psychoanalytiker sind).

  • Sozialpsychologie (Grundlagen)

Nein, hier finden sich eher die behavioristischen und kognitionspsychologischen Theorien - übrigens findet sich in der ABO-Psychologie (die Du unten mit Arbeitspsychologie ein wenig verkürzend beschreibst und richtig als mit der PA nicht verknüpfst) eine Fortentwicklung sozialpsychologischer Theorien.

  • Pädagogische Psychologie (Anwendung)

Hie stehen die traditionellen Lerntheorien im Vordergrund, die sich gerade nicht mehr aus den psychoanalytischen Gedankengut rekrutieren - eben aufgrund der evidenzbasiertheit des Faches insbesondere innerhalb der Anwendung wird auf die psychoanalytischen Hypothesen verzichtet: sie bringen keine Effekte.

  • Allgemeine Psychologie (Emotion & Motivation), (Grundlagen)

Dickes Nein - hier finden sich eher historische Randnotizen, aber gerade in den beiden genannten Bereichen Emotion und Motivation sind biopsychologische und neurologische wie kognitionspsychologiesche Inhalte die wesentlichen Punkte.

  • Diagnostik & Intervention (Methoden)

… nur dann, wenn man Psychoanalytiker ist :wink: Ansonsten können sich gerade die Psychoanalytiker nur ungern mit der Dagnostik nach der ICD oder dem DSM kaum anfreunden, Tests werden von ihnen ungern und wenn, dann nur projektive Verfahren benutzt - es sei denn natürlich, der Psychoanalytiker ist aufgrund von Auflagen gezwungen (Gutachtenerstellung etc.), auch andere Testverfahren zu verwenden.

Vermischungen lassen sich
gar nicht vermeiden, auch zwischen Biologie und Medizin,
Medizin und Psychologie oder Psychologie und Soziologie lässt
sich nicht immer klar abgrenzen.

Ja, aber ist denn das gerade dasss, was nicht stimmt in Bezug
auf PA und Psy - jedenfalls in der Richtung PA auf
Psychologie??

Naja, die findet tatsächlich gar keinen Platz mehr in der
Psychologie - zumindestens in der Lehre der Uni Düsseldorf.

Ganz richtig - und dies ist im ganzen Bundesgebiet so. Die Lehre der Psychoanalyse findet höchstens im Rahmen einzelner Betrachtungen aus historischen Gründen statt.

Dafür ist sie aber doch eine von mehreren Richtungen in der
anschliessenden Ausbildung zum Therapeuten. D.h.
Psychoanalytiker wird man v.a. durch die psychotherapeutische
Zusatzausbildung.

Ganz genau - sie findet sich deshalb nicht in der Psychologie und es zeigt sich bereits darin, dass der Psychologe während der Ausbildung nur mit den historischen Randnotizen (wenn überhaupt) der Psychoanalyse in Berührung kommt.
Für die Zusatzausbildung ist es auch nicht nötig Psychologe zu sein, auch Ärzte können dies mit einer Zusatzausbildung tun.

Diese beiden Fakten zeigen deutlich: Die Psychoanalyse ist nicht mit der Psychhologie verbunden, es findet sich weder in der Anwendung noch in der Ausbildung (d.h. in den Grundlagen) der Psychologie eine Spur der Psychoanalyse. Sie (die PA) ist ein philosophisches Konstrukt, dass es geschafft hat, sich als Therapieverfahren für psychische Störungen zu etablieren - unverbunden neben den Methoden der wissenschaftlichen Psychologie (v.a. der kognitiven Verhaltenstherapie).

Psychologe (wird man) mit einem Studium der
Psychologie.

Genau.

In vielen Teilbereichen der Psychologie, in denen sich die
anfänglichen Themen eines W. Wundts damals wie heute als
zentrale Positionen gehalten haben, war von einem S. Freud
niemals die Rede.

Ja, genau dass sagen einem doch die „Psychos“, wenn man mit
denen mal spricht :wink:

Was stimmt denn nun?

Bereiche mit eher weniger als mehr großen Schnittmengen
(heute) könnten meiner Meinung nach sein:

  • Differenzielle Psychologie (Grundlagen)
  • Entwicklungspsychologie (Grundlagen)
  • Klinische Psychologie (Anwendung)
  • Sozialpsychologie (Grundlagen)
  • Pädagogische Psychologie (Anwendung)
  • Allgemeine Psychologie (Emotion & Motivation), (Grundlagen)
  • Diagnostik & Intervention (Methoden)

Siehe oben - die Schnittmengen sind mit geringen, vernachlässigbaren Ausnahmen nicht gegeben.

Eher gar keine Schnittmengen (heute) haben:

  • Allgemeine Psychologie (Wahrnehmungspsychologie, Denken &
    Handeln, Gedächtnispsychologie, Lernen & Verhalten),
    (Grundlagen)
  • Methodenlehre (Biometrie, Auswertung klinischer Studien,
    Statistik), (Grundlagen, Anwendung, Methoden)
  • Arbeitspsychologie (Anwendung)
  • Ergonomie (Anwendung)
  • Physiologische Psychologie (Anwendung, Grundlagen, Methodik)
  • Biologische Psychologie (Grundlagen)
  • Kognitive Psychologie (Grundlagen)

… und forensische Psychologie; Betriebs- und Organisationspsychologie; Marktpsychologie; Neuropsychologie etc etc.

Das wäre so mein Bild das ich habe.

Im Grunde findet sich doch das Fazit: Die Psychoanalyse steht distinkt neben der Psychologie, Beeinflussungen finden sich kaum und wenn nur dann, wenn es die seltenen evidenzbasierten Ergebnisse der Psychoanalyse betrifft - oder eben ein Psychologe die Zusatzausbildung zum Psychoanalytiker macht.

Viele Grüße,
Mr. Hyde

Liebe Grüße!

Lieben Gruß
Patrick_

2 „Gefällt mir“

150 Jahre Sigmund Freud - 150 Jahre Scharlatanerie.
So könnte man den Artikel aus Spiegel-Online ebenfalls
überschreiben.
Man könnte den ganzen Artikel hier posten.

Richtig.

Viele Grüße,
Mr. Hyde

Hallo Falk

Wer eine attraktive Theorie aufzustellt, die mit wenigen
Buzzwords und Commonsense die ganze Welt erklärt und
gleichzeitig unterhaltsam ist, gelangt dadurch mit Sicherheit
zu Bekanntheit und Popularität.

Aber nicht über mehr als 100 Jahre und schon garnicht bei einem intellektuellen Publikum.
Buzzwords und common sense kann man Freud ja nun am wenigsten unterstellen. Er zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass er JENSEITS der populären und popuöistischen Worte und Denke seine Gedanken entwickelt hat.
Gruß,
Branden

hallo Falk,
vor den von Dir genannten, zweifellos sehr verdienstvollen, Wissenschaftlern möchte ich (um erstmal bei der Psychoanalyse zu bleiben) auf Anna Freud hinweisen, die Tochter Sigmund Freuds, die auch Psychoanalytikerin war. Sie behandelte vor allem Kinder, und während der Behandlungsstunden verfertigte sie ihnen Kleidung für deren Puppen … wie unprofessionell … sie begleitete die Kinder von Theresienstadt nach deren Befreiung durch die Alliierten psychotherapeutisch für > 1 Jahr, Kinder, die Erwachsene und deren persönliche Betreuung kaum je kennengelernt hatten …

Wie rührend. Grad was wir uns so vorstellen seitens einer Frau und aufopferungsvollen Tochter ihres Vaters, die sie war über alle Zeiten, auch während seiner langen Krankheitszeit.

Nur, sie ist auch die Begründerin der modernen Ich-Psychologie. Über die Entwicklung des Ich war vor ihr nie in solcher Konzentration und mit solchem Erfolg nachgedacht und geforscht worden. Kohut und Kernberg etc. sind Nachfolger. Die psychoanalytischen Erkenntnisse Anna Freuds sind in Amerika weitaus bekannter als in Europa und werden dort weitaus mehr im Kern der psychoanalytischen Lehre verhandelt. Kein Wunder, die Ich-Psychologie (nicht die A.Adlers, des Freud-Schülers) ist die eigentliche Weiterentwicklung der psychoanalytischen Theorie. Freuds Funde sind inzwischen zum Teil veraltet. Nicht nötig, seine Verdienste zu schmälern. Aber sie sind zu relativieren. Fraglich, ob das nicht weitaus mehr noch notwendig und sinnvoll wäre, hätte er nicht einige seiner hochbegabten „Jünger“ weggebissen.

Mir ist dennoch auch der erstere Bereich Anna Freuds wichtig und die ziemlich weitgehende Verpönung echter Empathie des Analytikers mit seinem Analysanden hochverdächtig. Um nur das Mindeste zu sagen.(übrigens - obwohl ich - auch - Blumen auf Granit von D.v.Drigalski gelesen habe, bin ich doch weder vollständige Feindin der Analyse noch bin ich irgendeines ihrer gestrandeten Opfer).

Gruß, I.