Hallo,
akademischen Psychologen sind denn nachhaltig von der
Psychoanalyse beeinflusst worden?
Mir fallen da jetzt z.B. spontan die interaktionistischen
Ansätze im Bereich der Entwicklungspsychologie ein.
Die einzigen Spuren der Psychoanalytiker finden sich hier, nicht jedoch in dem weiter unten aufgeführtem:
- Differenzielle Psychologie (Grundlagen)
Hier wird die Psychoanalyse als historische Randnotiz _erwähnt>/i>. Das Fach wird von den großen Persönlichkeitstheoretikern wie z.B. Eysenck beherrscht.
- Entwicklungspsychologie (Grundlagen)
Hier findet sich als einziger psychoanalytischer Grundgedanke noch Harlowe , vielleicht noch Bowlby und Ainsworth - aber die haben mit der Psychoanalyse dann nicht mehr viel zu tun. Im Grunde genommen handelt es sich um die Aspekte der Allgemeinen Psychologie, die nach ihrem reifungsabhängigen und sitautionsbedingtem Auftreten eingeordent werden und - ebenfalls wie dort - mit biopsychologischen und physiologischen Grundlagen verknüpft werden.
- Klinische Psychologie (Anwendung)
Deutlich: Nein - die evidenzbasierte und daher eben nicht tiefenpsychologische und psychoanalytische Grundlage wird hier vermittelt und spielt in der Praxis nur für den Psychoanalytiker eine Rolle - aber eben nicht für den genuinen Psychologen (d.s. dann nicht diejenigen, die dann auch Psychoanalytiker sind).
- Sozialpsychologie (Grundlagen)
Nein, hier finden sich eher die behavioristischen und kognitionspsychologischen Theorien - übrigens findet sich in der ABO-Psychologie (die Du unten mit Arbeitspsychologie ein wenig verkürzend beschreibst und richtig als mit der PA nicht verknüpfst) eine Fortentwicklung sozialpsychologischer Theorien.
- Pädagogische Psychologie (Anwendung)
Hie stehen die traditionellen Lerntheorien im Vordergrund, die sich gerade nicht mehr aus den psychoanalytischen Gedankengut rekrutieren - eben aufgrund der evidenzbasiertheit des Faches insbesondere innerhalb der Anwendung wird auf die psychoanalytischen Hypothesen verzichtet: sie bringen keine Effekte.
- Allgemeine Psychologie (Emotion & Motivation), (Grundlagen)
Dickes Nein - hier finden sich eher historische Randnotizen, aber gerade in den beiden genannten Bereichen Emotion und Motivation sind biopsychologische und neurologische wie kognitionspsychologiesche Inhalte die wesentlichen Punkte.
- Diagnostik & Intervention (Methoden)
… nur dann, wenn man Psychoanalytiker ist
Ansonsten können sich gerade die Psychoanalytiker nur ungern mit der Dagnostik nach der ICD oder dem DSM kaum anfreunden, Tests werden von ihnen ungern und wenn, dann nur projektive Verfahren benutzt - es sei denn natürlich, der Psychoanalytiker ist aufgrund von Auflagen gezwungen (Gutachtenerstellung etc.), auch andere Testverfahren zu verwenden.
Vermischungen lassen sich
gar nicht vermeiden, auch zwischen Biologie und Medizin,
Medizin und Psychologie oder Psychologie und Soziologie lässt
sich nicht immer klar abgrenzen.
Ja, aber ist denn das gerade dasss, was nicht stimmt in Bezug
auf PA und Psy - jedenfalls in der Richtung PA auf
Psychologie??
Naja, die findet tatsächlich gar keinen Platz mehr in der
Psychologie - zumindestens in der Lehre der Uni Düsseldorf.
Ganz richtig - und dies ist im ganzen Bundesgebiet so. Die Lehre der Psychoanalyse findet höchstens im Rahmen einzelner Betrachtungen aus historischen Gründen statt.
Dafür ist sie aber doch eine von mehreren Richtungen in der
anschliessenden Ausbildung zum Therapeuten. D.h.
Psychoanalytiker wird man v.a. durch die psychotherapeutische
Zusatzausbildung.
Ganz genau - sie findet sich deshalb nicht in der Psychologie und es zeigt sich bereits darin, dass der Psychologe während der Ausbildung nur mit den historischen Randnotizen (wenn überhaupt) der Psychoanalyse in Berührung kommt.
Für die Zusatzausbildung ist es auch nicht nötig Psychologe zu sein, auch Ärzte können dies mit einer Zusatzausbildung tun.
Diese beiden Fakten zeigen deutlich: Die Psychoanalyse ist nicht mit der Psychhologie verbunden, es findet sich weder in der Anwendung noch in der Ausbildung (d.h. in den Grundlagen) der Psychologie eine Spur der Psychoanalyse. Sie (die PA) ist ein philosophisches Konstrukt, dass es geschafft hat, sich als Therapieverfahren für psychische Störungen zu etablieren - unverbunden neben den Methoden der wissenschaftlichen Psychologie (v.a. der kognitiven Verhaltenstherapie).
Psychologe (wird man) mit einem Studium der
Psychologie.
Genau.
In vielen Teilbereichen der Psychologie, in denen sich die
anfänglichen Themen eines W. Wundts damals wie heute als
zentrale Positionen gehalten haben, war von einem S. Freud
niemals die Rede.
Ja, genau dass sagen einem doch die „Psychos“, wenn man mit
denen mal spricht 
Was stimmt denn nun?
Bereiche mit eher weniger als mehr großen Schnittmengen
(heute) könnten meiner Meinung nach sein:
- Differenzielle Psychologie (Grundlagen)
- Entwicklungspsychologie (Grundlagen)
- Klinische Psychologie (Anwendung)
- Sozialpsychologie (Grundlagen)
- Pädagogische Psychologie (Anwendung)
- Allgemeine Psychologie (Emotion & Motivation), (Grundlagen)
- Diagnostik & Intervention (Methoden)
Siehe oben - die Schnittmengen sind mit geringen, vernachlässigbaren Ausnahmen nicht gegeben.
Eher gar keine Schnittmengen (heute) haben:
- Allgemeine Psychologie (Wahrnehmungspsychologie, Denken &
Handeln, Gedächtnispsychologie, Lernen & Verhalten),
(Grundlagen)
- Methodenlehre (Biometrie, Auswertung klinischer Studien,
Statistik), (Grundlagen, Anwendung, Methoden)
- Arbeitspsychologie (Anwendung)
- Ergonomie (Anwendung)
- Physiologische Psychologie (Anwendung, Grundlagen, Methodik)
- Biologische Psychologie (Grundlagen)
- Kognitive Psychologie (Grundlagen)
… und forensische Psychologie; Betriebs- und Organisationspsychologie; Marktpsychologie; Neuropsychologie etc etc.
Das wäre so mein Bild das ich habe.
Im Grunde findet sich doch das Fazit: Die Psychoanalyse steht distinkt neben der Psychologie, Beeinflussungen finden sich kaum und wenn nur dann, wenn es die seltenen evidenzbasierten Ergebnisse der Psychoanalyse betrifft - oder eben ein Psychologe die Zusatzausbildung zum Psychoanalytiker macht.
Viele Grüße,
Mr. Hyde
Liebe Grüße!
Lieben Gruß
Patrick_