hallo!
ich soll auf bitten meiner freundin hier die frage stellen, warum die westmächte sich in die aufstände des 17. juni 53 in der ddr nicht insofern eingemischt haben, als dass sie die aufständigen unterstützt haben. warum hat die brd das also nicht getan?
gruß und danke
yvi
Hallo yvi,
"…Wie deuteten die westlichen Geheimdienste den 17. Juni?
Im November 1953 fielen der DDR-Staatssicherheit Dokumente des westlichen Nachrichtendienstes „Organisation Gehlen“ aus der Zeit unmittelbar nach den Juni-Ereignissen in die Hände, die ein solches Ausmaß an Ahnungslosigkeit und Handlungsunfähigkeit offenbarten, dass die These einer westlichen Steuerung des Aufstands damit eigentlich hätte erledigt sein müssen.
In einem der Dokumente datiert vom 20. Juni 1953 wurden die „Vorgänge in Ostberlin und der Zone“ als „von östlicher Seite inszenierte Aktionen“ bezeichnet, die das Ziel gehabt hätten, die Wiedervereinigung „ins Rollen zu bringen“.
Ganz offensichtlich passte das spontane Entstehen der Streikbewegung genauso wenig in das Weltbild der westdeutschen Nachrichtendienstler wie in das der DDR-Sicherheitsorgane.
Ein weiteres Schreiben der Pullacher Zentrale vom 15. Juli 1953 enthielt eine harsche Selbstkritik: Der Geheimdienst habe während des Juni-Aufstandes den Kontakt zu seinen Quellen verloren, und diese Tatsache sei von den Quellenführern „gleichmütig zur Kenntnis“ genommen worden. Sie hätten sich „Routinearbeiten“ zugewandt.
Als einziger positiver Punkt der Bestandsaufnahme wird die „allgemein vorbildliche Zurückhaltung“ der Quellen während der Demonstrationen bezeichnet.
Die V-Leute der „Organisation Gehlen“ waren aus Sicherheitsgründen dazu angehalten, sich in einer solchen Situation passiv zu verhalten, was sie auch taten.
Die Darlegungen lassen an Klarheit nichts zu wünschen übrig: Zumindest für die „Organisation Gehlen“ ist jegliche Beteiligung an den Ereignissen des 17. Juni definitiv auszuschließen.
Nichts deutet allerdings darauf hin, dass die geschilderten Wahrnehmungen und Probleme auf die „Organisation Gehlen“ beschränkt waren.
Die aus heutiger Sicht kuriose Vorstellung, dass die Streiks und Demonstrationen zunächst von den Sowjets inszeniert worden seien und später aus dem Ruder liefen, findet sich auch bei der Bundesregierung, beim Leiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz Otto John und bei französischen Stellen.
Auch in den USA waren sich State Departement und CIA in der Einschätzung zunächst einig, dass die Unruhen des 17. Juni „ein spontanes Ergebnis“ einer von den Sowjets „geplanten Demonstration“ vom Vortag waren. Und die Berliner Operationsbasis des amerikanischen Nachrichtendienstes hatte bezüglich des Kontakts zu ihren Quellen die gleichen Probleme wie die „Organisation Gehlen“. Nach Schließung der Sektorengrenze brach der Informationsfluss ab…"
aus: http://www.bstu.de/ddr/juni_1953_neu/
Viele Grüsse
Eve*
Hi!
ich soll auf bitten meiner freundin hier die frage stellen,
warum die westmächte sich in die aufstände des 17. juni 53 in
der ddr nicht insofern eingemischt haben, als dass sie die
aufständigen unterstützt haben. warum hat die brd das also
nicht getan?
Weil das Krieg bedeutet hätte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Europa in Interessensphären aufgeteilt. Polen, die CSSR, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Albanien und die DDR gehörten zum direkten sowjetischen Einflussbereich. Eine Einmischung westlicher Kräfte bei Unruhen in diesen Gebieten wäre von der Sowjetunion als direkter Angriff des Westens gewertet worden - mit vermutlich entsprechenden militärischen Konsequenzen. Daher hat der Westen beim Aufstand 1953 in der DDR still gehalten, gleiches 1956 in Ungarn, 1961 beim Mauerbau in Berlin und 1968 bei der Niederschlagung des Prager Frühlings in der CSSR.
Grüße
Heinrich
Auch Hi!
ich soll auf bitten meiner freundin hier die frage stellen,
warum die westmächte sich in die aufstände des 17. juni 53 in
der ddr nicht insofern eingemischt haben, als dass sie die
aufständigen unterstützt haben. warum hat die brd das also
nicht getan?Weil das Krieg bedeutet hätte.
Nicht nur das. Hier findet sich eine
starke Spannung zwischen England und USA
bezüglich dieser Frage. Die Briten hatten
wohl keine Lust auf einen Atomkrieg vor
ihrer Haustür oder in ihrem Wohnzimmer.
Defacto haben auch hochrangige (amerikanische)
OSS’ler vor diesen Aufständen gewarnt, da man
somit die teuer aufgebauten Widerstandsgruppen
aufgedecken würde, was bei (wahrscheinlichem)
Scheitern zu deren sicherer Liquidation führt.
So war es auch.
Es war klar, dass der Westen für diese
Leute zu diesem Zeitpunkt nichts tun
kann, geschweige denn einen Krieg anzu-
fangen …
Euer CMБ