1920er Jahre Deutschland Gesell. Pol. Wi

Hallo an alle,

nach einem kleinen Disput mit einer Bekannten, habe ich eine Frage zu der gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in Deutschland ab 1920 bis 1926, 20er Jahre.

Diese Zeit wird ja gerne als „Goldene Zwanziger“ bezeichnet. Die Unterhaltungsindustrie soll geblüht haben (soll, weil ichs nicht genau weiß), es gab sehr viele Bühnen für Tanz, Musik, Gesang und viel politisches Kabaret. In Berlin öffneten wohl sehr sehr viele Tanzcafes und Kneipen die viel Zulauf hatten und es soll eine sehr offene Akzeptanz von Homosexualität gegeben haben (zumindest in den Großstädten).

Auf der anderen Seite hatte Deutschland der Weeltkrieg verloren, die horrenden Reparationszahlungen belasteten die Wirtschaft, es gab eine sehr hohe Inflation und Frankreich und Belgien besetzten das Rheinland und bauten alles ab was nicht niet- und nagelfest war. Politisch steht die Zeit bis zur Machtübernahme (für mich persönlich) z.B. eher unter der Bezeichnung „großes Räterepublik-Chaos“.

Kann man in diesen Jahren nun wirklich von den „goldenen Zwanzigern“ sprechen? Oder war damit vor allem die Entwicklung auf dem Unterhaltungssektor gemeint und nicht die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Situation in Deutschland? Denn für mich ist diese Situation alles andere als „golden“.

Danke für Aufklärung!!!

Gruß
Helena

Hallo,

nach einem kleinen Disput mit einer Bekannten, habe ich eine
Frage zu der gesellschaftlichen, politischen und
wirtschaftlichen Situation in Deutschland ab 1920 bis 1926,
20er Jahre.

Diese Zeit wird ja gerne als „Goldene Zwanziger“ bezeichnet.

Meines Wissens nach wird die Zeit zw. 1924 (Überwindung Inflation durch Einführung Rentenmark, Kredite aus Dawes-Plan) und 1929 (Weltwirtschaftskrise, Rückforderung der Kredite) als „Goldene Zwanziger“ bezeichnet.

Auf der anderen Seite hatte Deutschland der Weeltkrieg
verloren, die horrenden Reparationszahlungen belasteten die
Wirtschaft,

wurde durch den Dawes-Plan „geregelt“

es gab eine sehr hohe Inflation und Frankreich und
Belgien besetzten das Rheinland und bauten alles ab was nicht
niet- und nagelfest war.

das war 1923

Politisch steht die Zeit bis zur

Machtübernahme (für mich persönlich) z.B. eher unter der
Bezeichnung „großes Räterepublik-Chaos“.

das war 1919

Kann man in diesen Jahren nun wirklich von den „goldenen
Zwanzigern“ sprechen? Oder war damit vor allem die Entwicklung
auf dem Unterhaltungssektor gemeint und nicht die
wirtschaftliche oder gesellschaftliche Situation in
Deutschland? Denn für mich ist diese Situation alles andere
als „golden“.

Kann man für den o.a. Zeitraum, da er auch eine gewisse wirtschaftl. und polit. Stabilität mit sich brachte, was u.a. auch Vorraussetzung für den Kulturellen Aufschwung war.

Gruß

Hi,

dann ist erst ab 1925/6 in Deutschland die Zeit „golden“? Verstehe ich dass so richtig? Erst danach gab es eine gewisse Stabilität? Vorher nicht? Keinerlei Depression und Inflation nach 1925?

Gruß
Helena

HAllo,

nun, eigentlich bezieht sich der Begriff mehr auf die Zeit von 1924 - 1929. Die Wirren der revolutionszeit waren vorbei, die Republik lief einigermaßen. Die Inflation war da auch vergessen. Und in dieser zeit bis zum Beginn der Weltwirtschaftskrise gab es in deutschland auch einen gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung, der sich sogar in der geldbörse der Leute niederschlug. Anders wäre der künstkerische Boom ja auch nicht möglich gewesen - die Leute konnten sich einfach leisten, dafür auch Geld auszugeben.
Es gibt solide Berechnungen, nach denen das Realeinkommen eines Arbeiters 1929 eine Höhe hatte, die es auch zur Zeit des Dritten reiches nie wieder erreichte. Hitler beseitigte zwar die Arbeitslosigkeit - aber auch auf Kosten eines sogar gesetzlichen Lohnstopps, der ein Wachstum der realen Kaufkraft der Löhne unmöglich machte. (Das wird sehr oft übersehen.)
Zudem muß man auch den ideellen Aspekt sehen. Nach den Revolutionswirren, dem darauf folgenden Chaos der Republikgründung und den Wirren der Räterepubliken von links wie dem Kapp-Putsch von rechts (auch den gab es) war endlich eine Art politische Ruhe eingekehrt. Und nach dem totalen Verlust der Ersparnisse in der Inflationszeit ging es nun wirklich finanziell wieder aufwärts für die Leute. Dazu kamen die neuen Medien Kino und Rundfunk - das preiswerte Kino machte dem kleinen Mann überhaupt erst einmal möglich, die großen Stars selber zu sehen und zu erleben. Der aufstrebende Automobilbau brachte den Beginn der Motoriesierung und die ersten Buslinien in abgelegenen Gebieten - zudem gab es dadurch völlig neue Maschinen zum beispiel in der Landwirtschaft.
Das alles erzeugte schon das positive gefühl, daß es nun wieder aufwärts geht. Allerdings darf man auch nicht vergessen, daß nach dem Krieg und den Rationierungen und Hingerjahren und nach der Inflation auch das Ausgangsniveau ein sehr geringes war - unter diesen bedingungen konnte eigentlich alles nur eine Verbesserung sein.

Gernot Geyer

Hi,

dann ist erst ab 1925/6 in Deutschland die Zeit „golden“?
Verstehe ich dass so richtig? Erst danach gab es eine gewisse
Stabilität? Vorher nicht? Keinerlei Depression und Inflation
nach 1925?

So habe ich das mal gelernt. Zw. 1924 und 1929 keine (nennenswerten) Katastrophen, polit. Stabilität und wirtschaftl. Aufschwung = „Goldene Zwanziger“ - allerdings basierend auf Krediten die wir seit dem jedes Jahr noch bis 2020 zurückzahlen.

Gruß

Gruß
Helena

Danke
Danke!!!

Ich habe kaum Infos zu der Zeit und hätte die Aussage wwann die zwanziger begannen und ob sie nun tatsächlich golden waren oder nicht, überhaupt nicht einschätzen können.

Gruß
Helena