als Freundschaftsdienst übertrage ich einen umfangreichen handschriftlichen Briefwechsel zweier Menschen aus dem Jahren um 1943 in für heutige Jüngere besser lesbare moderne Schrift (am PC). Der eine Partner schrieb in Sütterlin, Die andere Person in einer Art Mischung aus Sütterlin und lateinischer Schrift.
Diese 2. Person muss um 1933 in die Grundschule gegangen sein und dort das Schreiben erlernt haben. Sie schreibt konsequent alle kleinen „d“ (es sind Hunderte) mit einem Überstrich ähnlich dem Querstrich beim kleinen „t“, nur, dass der d-Überstrich oberhalb des d gesetzt wird und dieses nicht berührt.
Ist das eine individuelle Eigenheit dieser Person, die sie übrigens mit ihrer älteren Schwester gemeinsam hat, oder galt dies irgendwann und irgendwo tatsächlich als offizielle Norm?
Diesen Überstrich kenne ich von der Handschrift meiner Mutter, die auch beiderlei Schriften erlernt haben dürfte und einzelne Sütterlin-Elemente in die lateinische Schreibschrift übernahm; allerdings verwendete sie dieses „diakritische Zeichen“ nur für Verdoppelungen wie „mm“ und „nn“, bei „d“ habe ich es nie gesehen. IMHO sind ja hochdeutsche Worte mit „dd“ eher dünn gesät.
in Sütterlin (und auch in der deutschen Kurrentschrift) ist die letzte Bewegung der Feder beim d und beim t die selbe, bloß halt beim d höher angesetzt. Außerdem ist der Anschluss des d in der lateinischen Ausgangsschrift nicht besonders „organisch“: Es macht ein bissle Mühe, den langen Strich auf- und abwärts genau zu treffen und fällt leichter, wenn man ihn nur einmal zieht und dann absetzt (ist glaube ich später bei der „vereinfachten Ausgangsschrift“ auch so gelehrt worden).
Es läge also nahe, dass den Schreibern (je nach Jahrgang vielleicht auch noch einem Lehrer) der Querstrich, mit dem in Sütterlin d und t abgeschlossen werden, schicht im Schreibfluss „gefehlt“ hat.
Um Jugoslawiendeutsche handelt es sich nicht vielleicht? Die hätten das d mit Querstrich als Buchstabe für „dj“ schon gekannt und fürs Deutsche sozusagen adoptiert.
in Sütterlin (und auch in der deutschen Kurrentschrift) ist
die letzte Bewegung der Feder beim d und beim t die selbe,
bloß halt beim d höher angesetzt. Außerdem ist der Anschluss
des d in der lateinischen Ausgangsschrift nicht besonders
„organisch“: Es macht ein bissle Mühe, den langen Strich auf-
und abwärts genau zu treffen und fällt leichter, wenn man ihn
nur einmal zieht und dann absetzt (ist glaube ich später bei
der „vereinfachten Ausgangsschrift“ auch so gelehrt worden).
hmmm, vielleicht eine Erklärung, ja …
Es läge also nahe, dass den Schreibern (je nach Jahrgang
vielleicht auch noch einem Lehrer) der Querstrich, mit dem in
Sütterlin d und t abgeschlossen werden, schicht im
Schreibfluss „gefehlt“ hat.
Die Vermutung „Lehrer“ stimmt leider nicht.
Um Jugoslawiendeutsche handelt es sich nicht vielleicht?
Nein, eindeutig nicht.
Das kleine „d“ unterscheidet sich vom großen „D“ in meinem Falle nicht, außer eben durch den darübergesetzten Querstrich. Vielleicht ist das ein Grund …