Bekanntlich haben die Amerikaner
ja den Aufstand in Ungarn (1956) beginnen
und (unterstützungslos) scheitern lassen -
mit dem (wahrscheinlich) gewünschten
Nebeneffekt der stärkeren Polarisierung
der Weltöffentlichkeit gegen den Ostblock /1/.
Oh my, das ist der Aldrich! Ich lach mir nen Ast. Der Mann produziert seit 30 Jahren allerlei Enthüllungsbücher über die Geheimdienste des kalten Krieges. Nachdem er vorher sein Pseudonym an einen der bekanntesten Doppelagenten aller Zeiten angepasst hatte. Wow! Da haben wir, was ich immer sage: Es reicht nicht, aus einem aktuellen Buch abzutippen, man muss auch wiederum dort rückwärts prüfen.
Ansonsten: Natürlich ist das nicht das erste Mal, dass mir eine gewisse Anti-USA/Anti-Israel-Haltung bei Dir auffällt, aber das ist ja derzeit auch wieder modisch in Deutschland. Es sollte Dich trotzdem nicht so weit führen, Deine Schlußfolgerungen völlig blind aus Dir genehmen Quellen zu übernehmen ohne die Realität zu berücksichtigen.
In diesem Fall haben die Amerikaner sicherlich gewßt, dass es brodelte. Eingreifen konnten sie jedoch nicht, das hätte den dritten Weltkrieg bedeutet. Als allerdings Kritiker des Projekts RFE andeuteten, dass eventuell Aussagen von RFE so hätten verstanden werden können, als ob der Westen unterstützen würde, gab es ja im Nachhinein auch eine entsprechende Untersuchung, bei der festgestellt wurde, dass das kaum so gewesen sein kann (man weiß ja nie mit letztendlicher Sicherheit, was Hörer interpretieren).
Was war denn das mit der „Geiselbefreiung“
zu den olympischen Spielen in München/1972?
Da diese Aktion (nach neueren Erkenntnissen, /2/)
voll und ganz in israelischer Hand lag - fragt
man sich ob der eingesetzten Resourcen, ob der
Ausgang nicht tatsächlich auch der „Gewollte“ war.
Wer weiss mehr?
Heise ist ja normalerweise noch eher das Informatiosroulette als Wiki. Aber wenn man es dann nicht genau liest, wird es geradezu bizarr.
Da berichtet also ein Polizeipsychologe viele Jahre nach den Ereignissen von einer israelischen Führung der Operation. Das ist jetzt nicht gerade die Neuigkeit, nur eben nicht in dem Sinne, wie Du das hier interpretieren willst. Natürlich hatte man vor einem Befreiungsversuch von den Israelis grünes Licht eingeholt. Und die haben auch offensichtlich grünes Licht gegeben. Aber der Einsatz vor Ort erfolgte ja durch deutsche Polizei und wie in solchen Fällen äußerst dilettantisch. Fünf Scharfschützen für acht Ziele von denen jedes Handgranaten hat und zwischen Geiseln steht, da fällt mir kein anderer Ausdruck für ein. Man hat ja dann auch etwas draus gelernt und '77, als die Landshut entführt wurde, verstand man schon mehr von der Sache.
Auch das Spiel mit BND- und BKA-Informanten, die sogenannten V-Leute, war damals nicht neu und ist bis heute keine abgeschlossene Geschichte. Das Problem ist hier sicherlich der Quellenschutz, der alleine schon dafür sorgt, dass nicht alle Unterlagen freigegeben werden. So erfahren wir natürlich immer nur von V-Leuten, wenn etwas so richtig schön schief gegangen ist. Wie damals als dieser Russe mit strahlendem Material in München ankam. Das ist natürlich einerseits alles normale Vorgehensweise, andererseits der typisch deutsche Dilettantismus in diesen Dingen. Schon 1972 war es möglich, dass in einer angespannten Sicherheitslage 15(!) Terrorgruppen mit dem erklärten Ziel „unbekannte“ Operationen durchzuführen, ins Land einreisten. Das hat sich dann ja nicht sehr verändert bis zu den Tagen eines Mohammed Atta. Aber das sind alles keine Neuigkeiten. Das ist das, was man nur einfach immer wieder gerne totschweigt. Und dieser Sieber sagt ja auch nichts anderes: „Die Operation wurde durchgeführt, als ob es sich um ein Dorf …“ Die Israelis hatten grünes Licht gegeben und wohl auch Möglichkeiten diskutiert. Aber die Erfahrungen der Israelis waren sicherlich weitaus größer als die der Deutschen. Also hatte man versucht zu adaptieren, rein nach Dienstvorschrift und ohne den geringsten Funken taktischer Kreativität.
Daraus jetzt zu schließen, jemand hätte von israelischer Seite aus die Opfer gewollt, ist etwa so, wie zu sagen, die Deutschen hätten die Opfer vom 11.September gewollt und deshalb Atta machen lassen. Unfug! Man hatte sich einfach nur mal wieder Angesichts einer Situation, die nicht in den Dienstvorschriften stand als unfähig erwiesen. Und in solchen Fällen, wenn es um Erstürmung von Gebäuden geht, wenn es um Geiselbefreiung geht oder auch um Festnahmen von Gruppen ion Menschenmengen, dann gilt Unfähig=tot. Ganz einfach. Weil es ein sehr schwieriges Gebiet ist, auf dem die geringste Schlampigkeit in der Planung sich sofort als Mißerfolg niederschlägt. Und selbst wenn Du alles richtig machst, Du braucht auch Glück, denn alles ist nicht planbar. Ist Dir klar, dass es bisher lediglich zwei Operationen dieser Art gegeben hat, die wirklich funktioniert haben? Die GSG9 in Mogadischu und Operation Jonathan in Entebbe. Alle anderen waren immer ein blutiges Durcheinander, was in München allerdings durch die Planung schon von vorneherein unvermeidlich war.
Gruß
Peter B.