hallo,
Infos über Johannes Paul II. und zur neuen Paspstwahl:
http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/index.asp
http://de.wikipedia.org/wiki/Papst
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_P%C3%A4pste
cu
Friedrich
PS: Johannes Paul II. auch eine Lichtgestalt der Politik in Polen
Er war nicht wild auf einen Erdbeermund owt
-Zitat-
von Jürgen Wallner, dieser arbeitet am Institut für
Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht an der
Rechtswissenschaftlichen Fakultät (Juridicum) der Uni- versität Wien.
Analyse: Radikal, prophetisch, ikonografisch
Zur theologischen Charakterisierung des Pontifikats von Johannes Paul
II.
Entlang dreier Stichworte - radikal, prophetisch, ikonografisch -
wird sich der Diskurs über den Pontifex bewegen. Aber weder
Papsthasser noch Papsthuldiger werden seinem Stellenwert gerecht.
Eine theologische Charakterisierung von Johannes Paul II. wird wohl
erst in vielen Jahren möglich sein, und auch dann nur teilweise. Denn
viel zu facettenreich und auch widersprüchlich ist die Bandbreite
seines Denkens, Redens und Handelns, die sich in den sechsundzwanzig
Jahren seines Pontifikats aufgetan hat. Wenn man nach einer
Grundtendenz fragt, so kann sie wohl am ehesten mit den Stichworten
„radikal“, „prophetisch“ und „ikonografisch“ beschrieben werden.
Die radikale Grundtendenz von Papst Johannes Paul II. ist für viele
Menschen innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche (Europas)
ein häufiger Stein des Anstoßes gewesen, wenn es um theologische
Positionen gegangen ist: wie das Beharren, Frauen in den Ämtern der
Kirche zu diskriminieren; die Aufrechterhaltung einer wesenhaften
Unterscheidung zwischen Kleriker- und Laienstand; das Nichtnachgeben
in der Sexualmoral; die schärfere Konturierung konfessioneller
Positionen im ökumenischen Dialog oder die vatikanische
Zentralisierung der Kirchenleitung.
Kritik am Reaktionär
All das sind Dinge, die einerseits von Kritikern angeführt werden,
wenn es darum geht, den Papst und die Katholische Kirche als
reaktionär zu charakterisieren, die aber andererseits vor allem von
Anhängern einer konservativen Theologie des 19. Jahrhunderts
hochgehalten werden.
Ebenso radikal sind aber ganz andere Positionen von Johannes Paul II.
gewesen, welche die „Konservativen“ oft nicht gerne hören. Sie kommen
etwa in den Vergebungsbitten zum Ausdruck, die er im Jahr 2000
ausgesprochen hat: für die Irrungen, die Unterlassungen und das
Mitwirken an Unrecht (Inqui- sition, Judenverfolgungen, Kreuzzüge),
das im Namen der Kirche und von ihren Stellvertretern im Laufe der
Jahrhunderte verübt wurde.
Die Vergebungsbitten
Radikal sind diese Vergebungsbitten, weil sie zurück zu den Wurzeln
der christlichen Botschaft gehen und die unheilvollen Erfahrungen,
welche die Menschen im Laufe der Geschichte unter dem Zeichen Christi
gemacht haben, bewahren wollen, um derartige Sündenfälle in Zukunft
zu verhindern.
Die zweite, „prophetische“, Grundtendenz von Papst Johannes Paul II.
ist keine Auszeichnung, die mit dem Papstamt exklusiv verbunden wäre.
Johannes Paul II. hat sich in vielerlei Hinsicht sehr wohl als
Prophet verstanden, hat aber auch viele andere Menschen (auch
Nichtchristinnen und Nichtchristen) in dieser Funktion gesehen und
benannt.
Widerlogik zum Alltag
Propheten, wie sie in der Bibel bezeugt werden, waren immer unbequeme
Menschen, die auch gegenüber Herrschern (mögen sie sich Könige,
Präsidenten, Große Vorsitzende oder „Markt“ nennen) und einer
Mehrheitsgesellschaft ihren Mund auftun und die Finger auf so
mancherlei Wunden legen: auf die Unterdrückung, Ausbeutung und
Knechtung ganzer Völker, auf einen fortschrittseuphorischen Umgang
mit Technik oder auf eine Sühne- und Rachelogik (Todesstrafe, Krieg).
Die prophetische Grundtendenz, die zuletzt im Leiden und Sterben von
Papst Johannes Paul II. deutlich wurde, ist Ausdruck jener Widerlogik
zum Alltag dieser Welt, die ein Kern der biblischen Botschaft ist. In
einer postmodernen Welt, die längst erfahren musste, dass das Licht
der Aufklärung auch Schatten wirft, wird ein derartiges Zeugnis
häufig auch von Nichtkatholiken und Nicht-katholikinnen anerkannt.
Marienfrömmigkeit
Schließlich kann dem Pontifikat Johannes Pauls II. eine
„ikonografische“ Grundtendenz unterstellt werden: Sie kommt zum einen
in seiner Spiritualität zum Ausdruck, die - wie von jedem gläubigen
Menschen - selektiv-partikulär bleiben muss. Die Marienfrömmigkeit,
die zwar seit frühchristlicher Zeit vorhanden war, jedoch klar durch
die Christologie relativiert wurde, ist bei Johannes Paul II. in
einer für viele schon beängstigenden Weise ins Zentrum der
Spiritualität gerückt.
Papst als Ikone
Ebenso sein Umgang mit Selig- und Heiligsprechungen: Auch hier, so
die Kritik, wäre weniger mehr gewesen. Die „ikonografische“
Grundtendenz hat zum anderen Ausdruck darin gefunden, dass Johannes
Paul II. selbst zur (Pop-)Ikone geworden ist und diese
Neuinszenierung des Papstamtes in unvergleichlicher Weise verkörpert
hat.
Entlang dieser drei Grundtendenzen von „Radikalität“ jenseits der
Schemata „konservativ/liberal“, „Prophetie“ und „Ikonografie“ wird
der Diskurs einsetzen, wie das Pontifikat Johannes Pauls II.
theologisch zu bewerten ist. Das Problem besteht darin, dass weder
Papsthasser noch Papsthuldiger, aber auch nicht jene, die seine
Radikalität verkennen, seinem Stellenwert gerecht werden. (DER
STANDARD Printausgabe 2./3. April 2005)
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