2 Fragen zum Judentum

In einem Film [das 7. Zeichen - mit Demi Moore ) glühte die Frau eines Rabbiners aus, weil die Hauptdarstellerin ihn anfassen wollte - keiner außer seiner Frau dürfe ihn berühren.
In allen anderen Quellen finden sich darauf aber keine Hinweise. Hab ich die überlesen ?

Irgendwo habe ich mal koscheren Slivovitz ( typ. Pflaumenschnaps in slawischen Ländern, auch Ungarn ) gesehen. Wie Tiere koscher geschlachtet werden, geht für mich noch auf, aber Obst - Schnaps ? Wie verhält sich das ?

Gruß

HM

koscher
Hallo Herr Meyer,

die koschere Herstellung garantiert, dass das Handwerkszeug nicht vorher mit unkoscheren Sachen in Berührung kam, bzw. dass nicht Milchprodukte und Fleisch mit demselben Besteck/Geschirr in Berührung waren.

Zuständig ist das Rabbinat.

Andreas

Irgendwo habe ich mal koscheren Slivovitz ( typ.
Pflaumenschnaps in slawischen Ländern, auch Ungarn ) gesehen.
Wie Tiere koscher geschlachtet werden, geht für mich noch auf,
aber Obst - Schnaps ? Wie verhält sich das ?

Gruß

HM

Hallo Herr Meyer,

In einem Film [das 7. Zeichen - mit Demi Moore ) glühte die
Frau eines Rabbiners aus, weil die Hauptdarstellerin ihn
anfassen wollte - keiner außer seiner Frau dürfe ihn berühren.
In allen anderen Quellen finden sich darauf aber keine
Hinweise. Hab ich die überlesen ?

Den Film kenne ich nicht, aber aus der Schilderung schließe ich, daß es sich um einen orthodoxen Rabbiner handelt.
In der Orthodoxe gibt es eine Trennung von Männerwelten und Frauenwelten. So gilt für eine Frau, daß sie keinen anderen Mann als den eigenen Ehemann berührt - und umgekehrt für den Mann (egal ob Rabbiner oder nicht) ist es eben umgekehrt.

Wobei sich das auf alle Bereiche des Alltagslebens bezieht - also ein orthodoxer Mann einer Frau (völlig egal ob jüdisch oder nicht-jüdisch) nicht die Hand geben würde. Das führt oft zu Irritationen, weil es als Abwertung mißverstanden wird.

Das Grundlagenmaterial, aus denen das interpretiert wird, findet sich in der ursprünglich mündlichen Tradition des Judentums. Für orthodoxe Juden hat die mündliche Tradition (Talmud) den gleichen Stellenwert wie die schriftliche.

Mehr dazu findest Du unter
Richtungen im Judentum
http://www.berlin-judentum.de/synagogen/richtungen.htm

Irgendwo habe ich mal koscheren Slivovitz ( typ.
Pflaumenschnaps in slawischen Ländern, auch Ungarn ) gesehen.
Wie Tiere koscher geschlachtet werden, geht für mich noch auf,
aber Obst - Schnaps ? Wie verhält sich das ?

„koscher“ heißt „rituell tauglich“ also "nach dem jüdischen Religionsgesetz erlaubt.
Es kann sich - im konkreten Wortsinn - auf Lebensmittel beziehen, siehe dazu:
http://www.hagalil.com/judentum/koscher/kaschrut.htm
bzw. Lebensmittelverarbeitungsprozesse (was ist dabei erlaubt, was ist verboten)

Außerdem müssen Torahrollen, damit sie verwendbar sind, koscher sein,
d.h. das Pergament muß aus der Haut eines koscheren Tieres sein, der Schreiber muß die Feder von einem koscheren Vogel nehmen, die Tinte muß nach einem bestimmten Verfahren hergestellt werden, und die Buchstaben in festgelegten Anordnungen geschrieben sein.
Wenn nun ein Fehler in der Torahrolle gefunden wird, oder ein Buchstabe durch Alter brüchig geworden ist und auch wenn andere Schäden auftreten, dann ist die Torahrolle nicht mehr koscher. Sie wird dann auf dem jüdischen Friedhof beerdigt. Es gibt dort extra eine Grabstelle für Torahrollen.

Auch eine Mikwe (rituelles Tauchbad) muß nach bestimmten baulichen Vorgaben errichtet sein, damit sie als koscher gilt.

Und ein Teller, der für Milchiges verwendet wird, und der mit Fleischigem in Berührung kommt, ist nicht mehr koscher und muß gekaschert werden (in der Mikwe, in der es ein extra Becken für Geschirr gibt).

Leider kenne ich mich mit den Herstellungsprozessen von Slivovitz nicht aus, aber relativ allgemein kann man sagen:
Es dürfen keine Zusatzstoffe verwendet werden, um Gärungsprozesse zu beschleunigen.
Es dürfen nur Papierfilter verwendet werden.
Erst im vierten Jahr, in denen der Baum Früchte trägt, dürfen diese verwendet werden (egal ob zum essen oder zur Weiterverarbeitung). Das ist eine Naturschutzmaßnahme.
Die Herstellungsprozesse müssen durch einen orthodoxen Rabbiner überwacht werden.

Ich verlinke hier einen Artikel zu koscherem Wein - die entsprechenden Analogien werden dann schon deutlich, wobei beim Slivovitz manches nicht so streng ist wie beim Wein, z.B. dessen Einmalfüllung der Flaschen. Das hängt damit zusammen, daß Wein früher als Götzenopfer bei fremden Kulten galt.

Ansonsten noch als Surftip: http://www.koscher.net

Schönen Sonntag noch
Iris

Danke Euch für die recht ausführlichen Antworten :smile:

HM

Hallo,

Irgendwo habe ich mal koscheren Slivovitz ( typ.
Pflaumenschnaps in slawischen Ländern, auch Ungarn ) gesehen.

Ähnlich verhält es sich in Polen, wo viele Wodka-Sorten als koscher bezeichnet werden. Dahinter verbirgt sich die Vorstellung, dass es sich um ein besonders reines und qualitativ hochwertiges Getränkt handeln soll. Ungefähr so, als wenn hier in Deutschland nochmals das Reinheitsgebot betont wird, oder dass das Brauwasser aus einer besonderen Quelle stammt.

Hat also keinen religiösen Hintergrund, sondern einen marketingtechnischen.

Gruß
Carlos

Hallo Carlos.

Hat also keinen religiösen Hintergrund, sondern einen
marketingtechnischen.

Ich will nicht absprechen, dass Henscher (Koscher-Zertifikate) auch immer mit Marketing zu tun haben, aber Wodka ist wirklich koscher. Somit kann es auch sehr wohl einen religiösen Hintergrund haben.

Schalom,
Eli

Hallo Eli,

Ich will nicht absprechen, dass Henscher (Koscher-Zertifikate)
auch immer mit Marketing zu tun haben, aber Wodka ist wirklich
koscher. Somit kann es auch sehr wohl einen religiösen
Hintergrund haben.

Nun ja, jedoch ist Wodka per se koscher, solange da nur Wasser und Korn zum Gären verwendet wird, sprich keine Weintrauben und die Brennerei nicht mit Kaninchenfett eingeschmiert ist oder aehnlich (abwegige Ausnahmen, ich weiss *g*)

viele humorige Gruesse, Peter

Nun ja, jedoch ist Wodka per se koscher,

nicht an pesach. vielleicht war das der hinweis?

grins
datafox

Hallo Datafox,

Nun ja, jedoch ist Wodka per se koscher,

nicht an pesach. vielleicht war das der hinweis?

ach nee, pessach ist natuerlich eine der ausnahmen, von denen ich sprach, wenn auch keine abwegige was getreidekorn betrifft *g*.

oder wie ging noch mal der witz ueber wirklich liberale juden, die da sagten in verteidigung: wenigstens an yom kippur essen wir kosher *doppel-grins*

hihi, viele gruesse, peter

Hallo noch mal,

Nun ja, jedoch ist Wodka per se koscher,

nicht an pesach. vielleicht war das der hinweis?

ach nee, pessach ist natuerlich eine der ausnahmen, von denen
ich sprach, wenn auch keine abwegige was getreidekorn betrifft
*g*.

wobei, letztens waren zwei kumpels in berlin aus muenchen zu einem chaotischem (organisation) treffen von „jung und juedisch“ und die erzaehlten mir etwas von wodka zum seder, als sie fotos auspackten auf einem privatem treffen im cafe. meine ich jedenfalls, was mich jetzt im nachhinein stutzig macht. habe ich mich verhoert und es war doch purim oder shabbat xyz oder wird durch das brennen des wodkas selbiger doch kosher le pessach trotz gesaeuertem getreide bei der gaerung?

*gruebel*
ich frag da mal nach,

viele gruesse, peter

:wink:
Raus aus meinem Beitrag !

Mir wird schon schlecht, wenn ich den Namen „Wodka“ nur les´ … *würg
Da ist mir der Slivovitz, ob nun koscher oder nicht, schon viel lieber.

*ggg HM

PS: Vielen Dank für Euere Antworten ! :smile:

Hallo lego.

oder wird durch das brennen des wodkas selbiger
doch kosher le pessach trotz gesaeuertem getreide bei der
gaerung?

Nein, natürlich nicht. Ausserdem muss an Pessach alles unter Aufsicht sein, selbst wenn die Sache immer koscher ist. Unabhängig davon sind Produkte unter Aufsicht immer besser (je nach Aufsicht :wink: und somit kenne ich auch Wodka mit Zertifikat.

Schalom,
jehuda

Hallo Eli,

oder wird durch das brennen des wodkas selbiger
doch kosher le pessach trotz gesaeuertem getreide bei der
gaerung?

Nein, natürlich nicht. Ausserdem muss an Pessach alles unter
Aufsicht sein, selbst wenn die Sache immer koscher ist.

Ja genau, so dachte ich auch, eben deswegen meine ich, dass mich meine Erinnerung truegen muss, wann wer wo Wodka trank. Und darum habe ich private Nachfragen gestellt *g*. Bitte warten alle, ich melde mich dazu noch einmal auf wann sich das bezog.

Unabhängig davon sind Produkte unter Aufsicht immer besser (je
nach Aufsicht :wink: und somit kenne ich auch Wodka mit
Zertifikat.

klar und klar, dass es eine ansichtsfrage ist :smile:

den einlassungen von herrn meyer, das thema nun zu beenden, kann ich nicht folgen *zwinker an HM*

viele gruesse, peter

Hallo Jehuda,

oder wird durch das brennen des wodkas selbiger
doch kosher le pessach trotz gesaeuertem getreide bei der
gaerung?

ich habe noch einmal nachgefragt, da hat tatsaechlich jemand bzw. eine juedische gruppe zum sederabend wodka genossen, was natuerlich in diesem falle nie kosher ist ausser die herstellung lief ohne getreide und all die pessach-auflagen und aufsicht wurden wahrgenommen.

mein resuemee: es ist alles wie gehabt und ich es bis dato wusste, dass wodka per se kosher ist mit den ausnahmen: man nimmt es strenger und haette gerne aufsicht und er ist natuerlich zu pessach unkosher, da (wenn!) wodka ueblicherweise aus korn gemacht wird.

mir fiel dies nur nachtraeglich ein, dass meiner unjuedischen person leute jener gruppe erzaehlten, sie haetten wodka zu pessach genossen, welcher „kosher“ waere wie gehabt siehe oben. wo mit „kosher“ aber unkosher nicht unter dem pessachgesetz beachtet wurde, dies fiel mir erst jetzt zu zeiten dieser debatte auf und den leuten zum teil erst auf mein nachfragen hin,

so, finito, alle unklarheiten ausgeraeumt, viele gruesse und chag sameach dir demnaechst, peter