2-jähriger rennt aus Trotz auf die Straße

Hallo, liebe Miteltern und Experten,

unser 2-jähriger Sohn rennt seit kurzem aus Trotz oder Provoziergeist auf die Straße. Wir leben in einer Großstadt, und das ist natürlich gefährlich.
Hauen wollen wir ihn nicht, aber er versteht es noch nicht ganz (oder will es nicht), wenn wir ihm sagen, dass es gefährlich ist.
Hat jemand eine Idee, was wir machen können?

Danke
Moni

Moin,

Hat jemand eine Idee, was wir machen können?

Ja, festhalten.
Die Gefahr, dass 2-Jährige einfach so losrennen, besteht immer, sei es aus Trotz, weil sie was interessantes sehen oder einfach aus Lust am Rennen. Also auf der Straße bitte nie von der Hand lassen.

Gruß
Marion

Laufgurt
Hallo Moni!

Mein Vorschlag mag bei einigen Leuten sicher auf Unverständnis stoßen, aber er hat unseren - mittlerweile 16-Jährigen - sicher vor Unfällen im Straßenverkehr bewahrt.

Es gibt so eine Art Laufgurt. Hört sich schrecklich an, ist aber genial einfach.

Besteht aus dünnen, weichen Ledergurten, die wie eine Weste angezogen und auf dem Rücken geschlossen wird. Daran ist eine „Leine“, an deren Ende wiederum eine Handschlaufe für die Mutter/Vater.
Unser Sohn ist ADS-ler, war hochimpulsiv und absolut unberechenbar und ebenso unhaltbar.
Ähnlich wie Seife unterm Wasserhahn.

Durch diese Konstruktion hatte er eine recht gute Bewegungsfreiheit, beide Hände frei, lief aber eben nicht mehr Gefahr, in einem Kaufhaus unterzutauchen oder vor ein Auto zu springen.
Meine Eltern hatten für mich übrigens in den 50er Jahren auch so ein Teil.

Wie gesagt, man stößt mitunter auf Mitmenschen, die einem heftige Kommentare reindrücken.
Die Sicherheit meines Kindes stand für mich aber weit darüber, und deswegen kann ich diesen Laufgurt aus unserer Sicht empfehlen.
Schließlich kennt jeder SEIN Kind am Besten.

Angelika

Hallo Moni,

meine ebenfalls 2-jährige Tochter ist sehr bewegungsfreudig, daher kenne ich das Problem auch. Auch sie meinte dieses Jahr, doch einfach auf die Straße flitzen zu müssen, sie fand das echt witzig, wie wir ihr rufend mit schreckensweiten Augen hinterhergesprintet sind und quasi „fangen“ gespielt haben.
Ich habe es ihr dann erklärt, dass das

  1. nicht lustig ist
  2. da ja immer Autos kommen können
  3. die Autos schnell fahren
  4. die Autos nicht einfach anhalten können
  5. die Autos sie umfahren könnten wenn sie auf der Straße steht
  6. sie dann ein „großes Aua“ hat
  7. wir alle dann ganz traurig sind
  8. dass ich sie lieb hab (Wichtig!)
    Die ganze Erklärung gab es natürlich nicht als großen Brocken, sondern eben wie Punkt 1-7 schön langsam als Gespräch, wo sie es stückchenweise verdauen konnte und auch verstand. Erst wenn sie einen Punkt kapiert hatte, gab es den nächsten.
    Das alles fand auch nicht in einem Schimpf-Ton statt, sondern ganz ruhig. Was soll ich sagen - es wirkte. Man muss es ab und an wiederholen, aber das Grundverständnis ist da.
    Manchmal wende ich auch einen Trick an: Sie muss mich an die Hand nehmen, damit ich nicht verloren gehe. Dann ist sie nämlich groß - und darauf mächtig stolz.:wink:
    Wenn gar nichts wirkt, kannst du immer noch auf den Laufgurt zurückgreifen (nicht schön, aber sicher) oder ihn vor die Wahl stellen, gehorchen oder ab in den Buggy (verstaubt bei uns ungenutzter Weise).

Viele Grüße - Heike (die darauf wartet, dass das zweite Kind endlich raus will)

Hallo, liebe Miteltern und Experten,

Hallo Monika,

ich würde ihn in einer ruhigen Stimmung, wenn ihr alle nicht aufgeregt seid, unbedingt vor dem nächsten Ausgang, „ernsthaft ins Gebet nehmen“ in Anlehnung, wie Heike es von sich berichtet hat. Nicht geschimpft, aber mit deutlich spürbarer Haltung, dass dies hier kein Scherz ist und ÜBERHAUPT nicht verhandelbar!

Dann würde ich ihm ankündigen, dass ihr da auf absolutem Gehorsam angewiesen seid und diesen daher auch verlangt, weil ihr ihn nicht verlieren wollt. Und dass er wieder fest an die Hand kommt, wenn er es alleine noch nicht schafft IMMER (keine Ausnahmen!) daran zu denken. Nicht als Strafe, sondern aus Sorge!

Und wenn es zu der Notwendigkeit kommen sollte, möglichst ruhig und sachlich aber SOFORT zu handeln, sich weder von Tränen noch von Kreisch-szenen beeindrucken lassen. Je nachdem wie intensiv er grade seine „Ich habe einen eigenen Willen und den will ich auch durchsetzen“-Phase hat, stehen euch da drei bis fünf wundervolle Szenen ins Haus.

Versucht, es nicht als Angriff gegen euch, und schon gar nicht als Bösartigkeit eures Sohnes zu sehen und so ruhig wie möglich zu bleiben. Wenn es euch noch möglich ist verständigt euch noch kurz, wer sich gerade am ausgeglichensten fühlt, und derjenige handelt dann. Redet nicht beide (am Ende noch mit unterschiedlichem Grundtenor) auf ihn ein.

Redet ohnehin in der aktuellen Situation nicht allzu viel, er nimmt es ohnehin nicht auf, führt die angekündigten Handlungen durch, und gut ist es. Reden könnt ihr hinterher, wenn beide Teile sich abgeregt haben. Diese Phase löst in Kindern ungeheuer mächtige Emotionen aus, die ihnen sogar Angst machen, weil sie so mächtig sind, manche Kinder erleben sie als unsteuerbar. Deshalb reagieren sie so stark, weil sie selbst starke Reaktionen (im Sinne von fest, ruhig und unerschütterlich) hervorrufen wollen.

Verständnis für diese inneren Vorgänge ist eine Sache, schlichter physischer Schutz des Kindes eine andere. Es kann zu Situtionen kommen, wo das Kind an gefährlichem Handeln nur noch gehindert werden kann, indem man es schlicht hochhebt. Ein dabei um sich schlagendes Kind hindert man am besten daran, indem man es an sich zieht, nicht versucht es mit von sich gestreckten Armen festzuhalten. Die wenigsten Menschen haben Arme, die dafür lang genug sind (das Kind hat ja auch noch Beine) und anstrengender ist es auch, so dass eigener Ärger schneller entsteht.

Ein Kind, das man fest an sich zieht, sozusagen am eigenen Körper birgt (dieses Wort steht da nicht zufällig, es kommt von: geborgen) kann nicht mehr besonders fest schlagen. Die Körperwärme und die Ruhe (hoffentlich noch vorhanden) wirkt auch beruhigend.

Es wird gewiss mal schwerer und mal weniger schwer sein, sich zu vergegenwärtigen, das dieser Brüllaffe, den man da versucht am eigenen Körper festzuhalten NICHT bösartig ist, sondern Angst hat. So unglaublich es klingt, er hat Angst vor diesen heftigen Emotionen, die ihn da so gewaltig durchschütteln. Versucht euch das vor Augen zu halten, so oft es geht, und verzweifelt nicht, wenn es manchmal nicht klappt.

Und nehmt ihm nicht übel, dass ein NEIN von Aussenstehenden vielleicht szenenlos akzeptiert wird, so dass ihr anfangt zu glauben, dass er genau weiß was er sich bei wem erlauben kann. Im Grunde ist es auch so, aber von der positiven Seite aus: Euch vertraut er, weil er weiß, dass ihr mit diesen beängstigenden Emotionen fertig werdet, von dieser anderen Person weiß er das nicht. Es ist im Grunde ein Vertrauensbeweis. Ich WEISS , dass dies manchmal nur ein schwacher Trost ist!!

Sorry, ist mir ein bisschen aus dem Ruder gelaufen, soviel wolltet ihr gar nicht wissen. Ich könnte es ja auch noch vor dem Abschicken wieder löschen, aber vielleicht ist ja doch noch etwas brauchbares für später dabei.

Allerallerletzter Rat: Ignoriert mehr oder weniger gutmeinende Passanten, wenn sie sich richtig einmischen, verbittet euch das freundlich aber bestimmt.

So, jetzt aber wirklich schnell weg!
Renate

Hi,

ich finde so etwas auch besser, als sein Kind vors Auto rennen zu lassen.

Besteht aus dünnen, weichen Ledergurten,

gibt es heutzutage auch aus Nylongurten.

Gruß
Nelly

Liebe Monika,

meine Tochter ist jetzt 4, wir hatten das selbe Problem.
Der Laufgurt hat uns sehr geholfen.
Aber später kam das Problem wieder.
Vor etwar 2 Monaten haben wir einen toten Igel auf der Strasse gefunden. Ich erklährte meiner Tochter, dass er von einem Auto überfahren worden ist. Seit dem ist ruhe.

Hi Moni!

Vorab: Ich habe die anderen Artikeln noch nicht gelesen. Das mache ich noch im Anschluß zu meiner Antwort.

Also David, mein Sohn ist jetzt 2,5 Jahre alt und daß die Straße gefährlich ist, versteht er schon und das seit über ein halbes Jahr. Damit meine ich, daß ein 2-jähriges Kind durchaus in der Lage ist, das zu verstehen. Trotzdem sind sie keineswegs in der Lage die Gefahr einzuschätzen und diese zu vermeiden. Das alles liegt an uns, Eltern.

Ansonsten, verstehe ich Dein Problem nicht ganz: Wann läuft das Kind auf die Straße? Wir wohnen in einem Haus, eine Sackgasse und 30-Km-Zone. David würde sehr gerne auf die Straße laufen, aber wir sperren die beiden Türen zu (das kleine Gartentörchen und die Tür zum Haus). Wenn er spielen will, so kann er das sehr gerne im Haus drin tun oder im Garten. Auf die Straße läuft er eigentlich nicht. (Ich habe an mein Sohn beobachtet, daß wenn er an irgendwas verhindert wird, bald das Interesse daran verliert…)

Wenn Du in einer Großstadt wohnst (ich gehe in der Annahme, daß Ihr in einer Wohnung wohnt?), wann/wie soll er die Wohnung verlassen können??? (Vor ein paar Monate hat sich in einem Nachbarort eine Geschichte ereignet, die uns dazu veranlasst hat, beide Türen zu sperren. Wenn du möchtest, erzähle ich es hier bzw. gebe ich den Link dazu bekannt -falls ich ihn finde)

Die alle einzige Möglichkeit, die David hat, auf die Straße zu laufen ist, wenn er aus dem Auto steigt. Aber es ist für mich ein überaus Leichtes, ihn an der Hand zu nehmen und kurz davor ihn gewarnt zu haben, daß er nicht von meiner Seite weichen darf (bis ich das Auto und seine Türen geschlossen habe, dh bis ich alles aus dem Auto genommen habe, was ich gerade brauche). Bis jetzt gab es absolut kein Problem.

Vielleicht könntest du mehr Details geben, zu dem was du genauer meinst???

Ich hoffe ich habe trotdem ein bißchen weiter geholfen!

Schöne Grüße aus Nürnberg!
Helena

Hallo Helena,

danke für die Zeilen.
Ich gehe jeden Tag mit meinem Sohn spazieren oder einkaufen usw., entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Da ist er oft auf der Straße. Meist ist er im Wagen, aber halt nicht immer.
Der Park ist in unserer Nähe, aber man muss schon erstmal ein bisschen laufen.
Bis jetzt klappte es halt ganz gut, aber neuerdings rennt er ab und zu mal aus heiterem Himmel auf die Straße.

Ich werde es mit noch größerer Konsequenz etc. versuchen.

Viele Grüße
Moni

Hallo Monika,

es geht nicht nur um das auf-die-Straße-rennen Deines 2-jährigen; sondern auch später wird er frei herumlaufen wollen, und Du wirst weiterhin mögliche Gefahrenquellen aus der Ferne erkennen, die er selber aus der Nähe noch nicht erkennen kann.
Wir haben das Kommando „Halt!“ mit einer gewissen Robustheit einexerziert.
Ich habe meine Kinder dann im Vorschul- und Grundschulalter aus großer Entfernung damit sogar innerhalb einer weiterrennenden Kinderschar zum sofortigen Stillstand bringen können. Ist verdammt gut für die Nerven.

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger

Vor etwar 2 Monaten haben wir einen toten Igel auf der Strasse
gefunden. Ich erklährte meiner Tochter, dass er von einem Auto
überfahren worden ist.

Ich will ganz ehrlich sein.
Ich habe kein Auto, wir müssen oft an der Stasse entlanglauen (einkaufen, ämtergänge, zum Kindergarten,…). Alles muß ich zu Fuß erledigen. Jemanden der in der Zeit auf meine Tochter aufpasst habe ich nur selten.
Sie ist schnell & oft glitschig wie ein Fisch. Sie hat sich mit 2Jahren
von meiner Hand losgrissen, ich konnte es nicht verhindern. Es war sehr knapp. Ich habe nicht umbedingt gut reagiert, meine Tochter eingefangen, auf den gehweg gestellt & ihr 2 Klapse auf den Po gegeben.
Ab da nur noch mit „Leine“.
Da meine 4Jährige nicht mehr in den Einkaufswagen past, überlege ich ob ich die „Leine“ wieder einsätze. Sie läst sich nur halten wenn ich sie trage, aber das macht mein Rücken nicht mehr mit.
Ich hab es einfach satt sie in Kaufhäusern & Supermärkten ständig zu suchen.
Sie ist zu Teperamentvoll um sie zu halten.
Vielleicht habe ich da in der erziehung versagt, aber ich weiß jetzt, dass ich nicht alleine bin.

Hallo Daemon,
ich vermute, jedem läuft mal ein Kind auf die Strasse.
Mir auch. Ich dreh mich um und seh, wie der Autofahrer, der das hat kommen sehen (sie lief hinter mir, schon der erste Fehler- Erwachsene haben es immer zu eilig- und war irgendwie quer gelaufen, ich galube, sie wollte gar nicht unbedingt auf die Strasse – ) er hatte fast schon gehalten und wartete förmlich darauf wartet, dass ich unsere Tochter endlich von der Fahrbahn hole, damit er wieder weiterfahren kann :wink: ; es war viel Verkehr, aber einspurig und nicht schnell- Gott sei Dank.

Danach war nie mehr etwas,— hoffentlich (damals war sie 2 1/2).

Grussnund alles Gute für Dein „obiges“ Problem,
K_K

Hallo kk,

(sie lief hinter mir, schon der erste
Fehler- Erwachsene haben es immer zu eilig- und war irgendwie
quer gelaufen, ich galube, sie wollte gar nicht unbedingt auf
die Strasse – )

diesen Fehler sieht man leider immer auch mit radelnden Eltern: Das Kind auf der 16"- oder 18"-Mühle kommt gar nicht mehr hinterher, und dann heißt es auch noch: „Ich muss doch vorausfahren, weil er/sie den Weg nciht kennt.“

Kinder sollen gerade beim Radeln immer einen Erwachsenen hinter sich haben.

Karin

Danke an alle

Hallo, liebe Miteltern und Experten,

vielen Dank für eure Tipps und Beiträge.

Wir fühlen uns nicht mehr allein mit dem Thema
und werden mal verschiedene Strategien ausprobieren.

Danke.
Moni