Ein alter Landser hat mir mal erzählt, dass die Russen zur Versorgung des belagerten Petersburg Eisenbahngleise über den zugefrorenen Ladogasee gelegt hätten, die aber täglich von den Deutschen wieder zerschossen wurden.
Warum wurde Petersburg nicht erobert? Wollten die deutschen Militärs die eingeschlossenen Petersburger verhungern lassen? Hat Stalin Entlastungsversuche unternommen oder war ihm der Hungertog der Petersburger ganz recht? Ist Petersburg während der Blockade über das Eis oder anderweitig versorgt worden?
Erstmal ein hallo und ein gesundes neues Jahr.
Ein alter Landser hat mir mal erzählt, dass die Russen zur
Versorgung des belagerten Petersburg Eisenbahngleise über den
zugefrorenen Ladogasee gelegt hätten, die aber täglich von den
Deutschen wieder zerschossen wurden.
Petersburg oder besser gesagt Leningrad wie es damals hieß wurde während der gesamten Blockade über den Ladogasee versorgt. Dies geschah nicht nur mit einer Eisenbahn, sondern auch mit LKW´s,Booten und teilweise sogar mit sogenannten Panjewagen bzw. -schlitten.
Warum wurde Petersburg nicht erobert? Wollten die deutschen
Militärs die eingeschlossenen Petersburger verhungern lassen?
Hat Stalin Entlastungsversuche unternommen oder war ihm der
Hungertog der Petersburger ganz recht? Ist Petersburg während
der Blockade über das Eis oder anderweitig versorgt worden?
Leningrad wurde nicht erobert, weil A.Hitler die Bewohner zur Kapitulation zwingen wollte. Er stoppte seine Truppen kurz vor der Stadt und wollte die Stadt nach der Kapitulation von der Landkarte verschwinden lassen.Leningrad war ja nicht völlig eingeschlossen nur der Landweg war blockiert. In den Sümpfen rund um den Ladogasee standen sich russische und deutsche Soldaten gegenüber, wobei die Russen im Vorteil waren weil sie mit den klimatischen Bedingungen und den Regeln eines Waldkampfes besser klarkamen als die Deutschen. Vor allem setzten den Deutschen die Partisanen im Hinterland zu die immer wieder Nachschubtransporte überfielen und Wege und Schienen zerstörten.
Hoffe ich konnte dir ein bischen helfen.
Mit freundlichen Grüssen
René
Hi!
Warum wurde Petersburg nicht erobert? Wollten die deutschen
Militärs die eingeschlossenen Petersburger verhungern lassen?
Hat Stalin Entlastungsversuche unternommen oder war ihm der
Hungertog der Petersburger ganz recht? Ist Petersburg während
der Blockade über das Eis oder anderweitig versorgt worden?
In der „Weisung Barbarossa“ war geplant, Leningrad zu erobern und die Stadt zu besetzen. In einem Dokument vom 23.05.1941 wechselte deutscherseits das Interesse an Leningrad: „Ein deutsches Interesse an der Erhaltung der Erzeugungskraft dieser Gebiete ist, außer hinsichtlich der Versorgung der dort stehenden deutschen Truppen, nicht vorhanden.“ Die Leningrader Bevölkerung sollte nach einem deutschen Sieg nach Sibirien verbrecht oder dem Hungertod ausgeliefert werden.
Halder notierte am 8.7.1941 in seinem Tagebuch, daß es Hitlers Absicht sei, Moskau und Leningrad dem Erdboden gleichzumachen. Das Gebiet sollte danach Finnland übergeben werden. Am 26.7.1941 erfuhr der OB des Heeres, General Brauchitsch, von Hitlers geänderten Plänen, Leningrad nicht zu erobern, sondern nur einzuschließen. Diese Idee wurde in der Weisung Nr. 35 vom 6.9.1941 als Befehl an die Wehrmacht ausgegeben. Die Stadt sei mit Artillerie und Luftangriffen zu bekämpfen, eine Kapitulation der Stadt dürfe nicht akzeptiert werden. Anfang November 1941 kamen Wehrmachtführung und Leitung der Heeresgruppe Nord überein, Leningrad konsequent auszuhungern. Die Belagerung Leningrads sollte vom 8.9.1941 bis zum 27.1.1944 dauern.
Am 20.11.1941 wurden die Lebensmittel in der Stadt rationiert. Sowjetische Fronttruppen und Luftabwehrverbände bekamen pro Tag 500 Gramm Brot, alle anderen Militärangehörigen 300 Gramm, Arbeiter 250 Gramm (250 Gramm = 4 Scheiben Brot), nichtarbeitende Zivilpersonen und Kinder 125 Gramm. Bis zum 15.4.1942 konnten 1,3 Mio Menschen aus Leningrad evakuiert werden. Unter den Verbliebenen stieg die Sterberate drastisch an. Gab es im September 1941 6.800 Tote, so stieg die Zahl im November auf 11.000, im Dezember auf 53.000 und in den Monaten Januar bis März auf jeweils 100.000 Tote. Offiziell wurde in Leningrad für die Zeit der Belagerung über 630.000 Tote registriert (bei über 1,2 Mio gemeldeter Bestattungen). Der Mangel an Nahrungsmitteln führte zu Mord und Totschlag um eine einzelne Scheibe Brot. Lebensmittel wurden mit Sägemehl gestreckt. Fälle von Kannibalismus sollen ebenfalls nicht selten gewesen sein.
Die Rote Armee verzeichnete bei Leningrad 760.000 Tote, 275.000 Vermisste und 2,7 Mio Verwundete. Die Wehrmacht beziffert ihre Verluste vor Leningrad mit 155.000 Toten, 31.500 Vermissten und 575.000 Verwundeten.
Der Internationale Gerichtshof in Nürnberg 1946 bezeichnete die mutwillige Zerstörung der Stadt, die Ermordung, geplante Ausrottung und unmenschliche Behandlung der Leningrader Bevölkerung als eines der Hauptverbrechen der Wehrmacht und seiner Führer während des Ostfeldzuges.
Siehe auch hier:
http://www.russischstunde.de/Uebersicht/Russischunte…
NB: Falls du dich für den Einsatz der „Hungerwaffe“ im Zweiten Weltkrieg interessierst, verschaff dir ein paar Informationen zum Hungerwinter 1944/45 in den Niederlanden. Die Niederländer haben in ihrer Geschichte nie Hunger leiden müssen - Land und See konnten immer ausreichend Lebensmittel liefern. Ausgenommen eben der Hungerwinter 1944/45, weil die Wehrmacht alles an Lebensmitteln requirierte, was sie finden konnte. Da wundert es nicht, dass die Niederländer gegenüber den Deutschen eine gewisse Abneigung empfinden.
Grüße
Heinrich
Hallo !
Vielleicht hilft das ein wenig!
Hitler erklärt bei der »Lagebesprechung« seine Absicht, »Moskau und Leningrad dem Erdboden gleichzumachen, um zu verhindern, daß Menschen darin bleiben, die wir dann im Winter ernähren müßten«. Die Städte sollen durch die Luftwaffe vernichtet werden.
[Tageschronik: 8. Juli 1941. Digitale Bibliothek Band 49: Das Dritte Reich, S. 4957 (vgl. DGK Bd. 2.2, S. 190) © Droste/Directmedia]
Bei einem Besuch bei der Heeresgruppe Nord betont Hitler, die »baldige Wegnahme von Leningrad« sei nötig, um die russische Flotte auszuschalten und die Erzzufuhr von Schweden zu sichern. Moskau hingegen sei für ihn nur ein »geographischer Begriff«.
[Tageschronik: 21. Juli 1941. Digitale Bibliothek Band 49: Das Dritte Reich, S. 4979 (vgl. DGK Bd. 2.2, S. 193) © Droste/Directmedia]
In einer »Weisung Nr. 34« für die Führung der Operationen im Osten ordnet Hitler an, daß die Heeresgruppe Mitte zunächst zur Verteidigung übergeht, während die Heeresgruppe Nord ihren Angriff fortsetzen, Leningrad einschließen und die Verbindung zu den finnischen Truppen herstellen soll. Damit wird der entscheidende Vorstoß in der Mitte der Heeresfront für einige Zeit angehalten. Für die finnische Front wird die Einstellung des Angriffs in Richtung Kandalakscha angeordnet.
[Tageschronik: 30. Juli 1941. Digitale Bibliothek Band 49: Das Dritte Reich, S. 4992 (vgl. DGK Bd. 2.2, S. 195) © Droste/Directmedia]
In einem Aufruf an die finnische Armee stellt Marschall Mannerheim fest, daß »die alte Reichsgrenze auf dem Karelischen Isthmus« erreicht sei. Die Finnen stellen auf dieser Linie ihren Angriff in Richtung Leningrad ein. Im Hauptquartier des Marschalls in Mickeli erscheint der Chef des Wehrmachtsführungsstabes, Generaloberst Jodl, und überreicht ihm das von Hitler verliehene Ritterkreuz. Am gleichen Tage beginnt die finnische »Karelische Armee« unter Generalleutnant Heinrichs östlich des Ladoga-Sees mit einer neuen Offensive Richtung auf den Swir.
[Tageschronik: 4. September 1941. Digitale Bibliothek Band 49: Das Dritte Reich, S. 5054 (vgl. DGK Bd. 2.2, S. 203) © Droste/Directmedia]
Im Nordabschnitt der Ostfront werden entscheidende Erfolge erzielt. Die 20. Infanterie-Division erobert Schlüsselburg und erreicht die Newa in breiter Front, wozu das OKW in einer Sondermeldung mitteilt: »Damit ist der deutsch-finnische Ring um Leningrad geschlossen und die Stadt nunmehr von allen Landverbindungen abgeschnitten. «
[Tageschronik: 8. September 1941. Digitale Bibliothek Band 49: Das Dritte Reich, S. 5061 (vgl. DGK Bd. 2.2, S. 204) © Droste/Directmedia]
Vor Leningrad ist die Heeresgruppe Nord zur Verteidigung übergegangen.
[Tageschronik: 10. Oktober 1941. Digitale Bibliothek Band 49: Das Dritte Reich, S. 5117 (vgl. DGK Bd. 2.2, S. 213) © Droste/Directmedia]
Die Besetzung der Insel Dagö wird abgeschlossen, womit sich der gesamte Baltische Raum in deutscher Hand befindet. Das OKW gibt aus diesem Anlaß eine »Zusammenfassende Sondermeldung« über die Kämpfe an der Nordfront seit Anfang August heraus, in der festgestellt wird, daß »das wichtigste Operationsziel« der Heeresgruppe Nord »mit der Einschließung von Leningrad erreicht« sei. Wesentliche Teile dieser Heeresgruppe seien daher »schon vor längerer Zeit frei geworden und bei Operationen an anderen Stellen der Ostfront beteiligt.« Außerdem teilt der Wehrmachtsbericht mit, daß bei der Säuberung des Schlachtfeldes von Brjansk der Oberbefehlshaber der sowjetischen 50. Armee, General Petroff »Mitglied des Obersten Sowjet«, mit mehreren Offizieren seines Stabes den Tod gefunden habe.
[Tageschronik: 21. Oktober 1941. Digitale Bibliothek Band 49: Das Dritte Reich, S. 5137 (vgl. DGK Bd. 2.2, S. 216) © Droste/Directmedia
]Intensive Luftangriffe des 1. Fliegerkorps gegen Leningrad werden abgebrochen.
[Tageschronik: 30. März 1942. Digitale Bibliothek Band 49: Das Dritte Reich, S. 5396 (vgl. DGK Bd. 2.2, S. 253) © Droste/Directmedia]
In einer »Weisung Nr. 41 für die Kriegsführung« setzt Hitler die Ziele für die deutsche Sommeroffensive im Osten fest, mit der erreicht werden soll, »die den Sowjets noch verbliebene lebendige Wehrkraft endgültig zu vernichten«. Bei »Verhalten der Heeresmitte« soll im Norden Leningrad zu Fall gebracht und die Landverbindung zu den Finnen hergestellt werden, während auf dem »Südflügel der Heeresfront« der »Durchbruch in den Kaukasus-Raum zu erzwingen« sei. Erste Aufgabe sei da die Säuberung der Halbinsel Kertsch und die Eroberung der Festung Sewastopol. Die Hauptoperation soll in vier Phasen durchgeführt werden und zur Gewinnung der Ölgebiete im kaukasischen Raum und des Übergangs über den Kaukasus führen. Zum Schutze dieser Operationen sei entlang des Don bis nach Stalingrad eine Verteidigungsfront aufzubauen, deren Besetzung den ungarischen, rumänischen und italienischen Verbänden übertragen werden soll. Damit werden im wesentlichen die deutschen operativen Ziele für das Jahr 1942 abgesteckt.
[Tageschronik: 5. April 1942. Digitale Bibliothek Band 49: Das Dritte Reich, S. 5409 (vgl. DGK Bd. 2.2, S. 255-256) © Droste/Directmedia
Der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte, Generalfeldmarschall von Kluge, meldet, daß er mit den ihn zur Verfügung stehenden Kräften nicht mehr in der Lage sei, die Stellungen der 3. und 9. Armee zu halten. Daraufhin wird die für den Angriff auf Leningrad bestimmte 72. Infantrie-Division zur Heeresgruppe Mitte abgedreht.
[Tageschronik: 14. August 1942. Digitale Bibliothek Band 49: Das Dritte Reich, S. 5615 (vgl. DGK Bd. 2.2, S. 285) © Droste/Directmedia]]
In einer Unterredung mit dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord, Generalfeldmarschall von Küchler, setzt Hitler den Beginn des Angriffs auf Leningrad auf den 14. September fest.
[Tageschronik: 23. August 1942. Digitale Bibliothek Band 49: Das Dritte Reich, S. 5628 (vgl. DGK Bd. 2.2, S. 287) © Droste/Directmedia]
Im Rahmen der Heeresgruppe Nord tritt die 11. Armee unter Generalfeldmarschall von Manstein zu einem Angriff zur Beseitigung des feindlichen Einbruchs bei Mga an. Der geplante Angriff auf Leningrad muß daher zunächst auf den 15. Oktober verschoben werden.
[Tageschronik: 21. September 1942. Digitale Bibliothek Band 49: Das Dritte Reich, S. 5673 (vgl. DGK Bd. 2.2, S. 294) © Droste/Directmedia]
Nach einer Anweisung Hitlers soll das »Unternehmen Nordlicht« zur Einnahme von Leningrad nunmehr aufgegeben werden.
[Tageschronik: 9. Oktober 1942. Digitale Bibliothek Band 49: Das Dritte Reich, S. 5704 (vgl. DGK Bd. 2.2, S. 299) © Droste/Directmedia]
Gruß max
Einerseits bin ich beeindruckt von Euren sachkundigen Antworten, andererseits erschüttert über diese Tragödie.
Ich möchte das Geschehen aber mal auf einer Landkarte nachverfolgen, kann mir da jemand einen link nennen?
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