20 Jahre und keine Kontakte

Guten morgen!
Meine Tochter wird im Mai 20 Jahte alt, macht nach Ostern ihr Abi.
Gute Schülerin.
Was sie danach machen soll weiss sie nicht, macht sich auch keine Gedanken.
Sie sitzt praktisch 24 Stunden/tgl. in ihrem Zimmer (verlässt es nur um zur Schule zu gehen und Zwecks Nahrungsaufnahme) und chattet und spielt online - Spiele am PC.
Sie hat KEINE (!) Kontakte ausserhalb der Cyberwelt.
Sie verlangt ich soll das akzeptieren, es wäre ok so.
Ich bin ratlos, finde das ungesund.
Phsychisch und Physisch.
Komm aber nicht an sie ran, ohne sofort Zoff zu haben.
Weiß jemand Rat?
Kann man echt so leben und glücklich sein?
Sibylle

Hallo,

sicher können da mögliche psychische Störungen im Spiel sein, z.B. nicht stoffgebunden Sucht, eine Kontaktstörung, eventuell auch andere Probleme, vielleicht eine Depression oder eventuell auch etwas anderes. Es muss aber keine psychische Störung vorliegen, es ist durchaus möglich, dass es ihr Lebensstil ist, den sie für sich vorübergehend oder dauerhaft wählt. So etwas läßt sich allerdings aus der Ferne nicht beurteilen.

Das Problem ist, jemand kann bei psychischen Problemen nicht zu seinem Glück gezwungen werden, eine Veränderung, gleich ob mit oder ohne therapeutische Unterstützung, ist nur möglich, wenn ein Mensch selber Veränderungsbereitschaft mitbringt (Psychosen ausgenommen). Und dafür ist natürlich auch erst mal ein subjektiver Leidensdruck die Voraussetzung!

Das Alter deiner Tochter ist natürlich auch schon an der Grenze zum Erwachsenenalter, so dass eine Einflussnahme durch die Mutter auch sicher nicht mehr so einfach ist.

Dennoch kannst du ihr natürlich ihr Verhalten spiegeln, sie immer wieder damit konfrontieren, so dass sie nicht umhin kann, ihr Verhalten wenigstens wahrzunehmen. Denn das ist der erste Schritt: das Problem als Problem zu erkennen, dann kann im zweiten Schtritt die Veränderungsbereitschaft erweckt werden, und dann kann sie sich mit der Veränderung befassen, selber oder mit therapeutischer Unterstützung.

Grüße

Tahere

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Hallo,

wie war es denn früher?
Hatte sie da Kontakte? Oder war sie schon immer ein Einzelgänger?

LG Manu

Hallo,

Meine Tochter wird im Mai 20 Jahte alt, macht nach Ostern ihr
Abi.
Gute Schülerin.
Was sie danach machen soll weiss sie nicht, macht sich auch
keine Gedanken.

Gibt es keine Möglichkeit sie nach dem Abi „liebevoll“ rauszuschmeißen? Also, dass sie in irgendeiner Weise gezwungen ist in einer eigenen Wohnung oder WG, Studentenwohnheim zu wohnen? Ich weiß, dass es nicht so leicht ist als Elternteil auf das Kind bezüglich Ausbildung Druck zu machen.
Aber es wäre für sie vielleicht eine Chance, wenn sie umständehalber gezwungen wäre, selbstständig zu werden (und dabei zwangsläufig mit anderen Menschen in Kontakt zu treten). Dann reicht auch erstmal das Geld nicht für Internet. Sie müsste Wäsche waschen, einkaufen, etc.
Ich denke, dann sieht man jedenfalls wie sehr sie wirklich ein Problem hat. Dann wird erst sichtbar, ob sie fähig ist soziale Kontakte aufzubauen und auf’s Inet zu verzichten.
Was hälst du davon?

July

raus aus dem warmen Nest
Hallo July,
die Idee hatte ich auch schon.
Zugegeben:ich arbeite darauf hin.
Mache ihr den Heimatort madig, schwärme vom Studentenleben.
Schwanke aber, ob das dann die Probleme verstärkt, bzw. die Einsamkeit, oder ob sie „aufwacht“ am Leben teilnimmt.
Außerdem habe ich das Gefühl, auch als Student schafft man es locker alle Kontakte zu vermeiden. Wenn man nur will.
Sibylle

Hi, nun der Partylöwe war sie noch nie.
Schon immer eher schüchtern.
Es hat sich verstärkt seit sie etwa 15 oder 16 ist.

Hi,

sie hat doch hoffentlich keine Angst davor rauszugehen? Vielleicht fehlende soziale Kompetenz oder so? Komplexe? Ich meine vielleicht würde sie ja auch lieber rausgehen, extrovertiert sein, aber kanns nicht? Kommt sie dir denn irgendwie Depri-mäßig vor?

Aber ich meine, solange es ihr dabei gut geht wäre es ja egal. Und wenn sie in nächster Zeit nicht rausgeht, ists vielleicht gar nicht so schlecht fürs Abi. (Oh Mann! ich freu mich auch schon…)

mfg
Matze

Hallo Sibylle,

problematisch wird es, wenn sie auf diese Art und Weise wichtige soziale Kontakte auf Dauer ganz vermeidet.

Viele Menschen weichen Konflikten in der Partnerschaft oder der Familie aus, überspielen Gefühle innerer Leere, indem sie sich in eine solche Form der Beschäftigung flüchten. Sie vermeiden die Vielfalt von Problemen mit denen wir uns täglich auseinandersetzen müssen. Das Chatten und Spielen am PC kann zur Droge entarten die über Erfahrungs- und Erlebnisdefizite und über familiäre Probleme scheinbar hinweghilft.

Wann das Ganze einen Suchtcharakter bekommt ist aus der Ferne schwer zu sagen.
So traurig es ist: Ein Großteil unserer Gesellschaft handelt so, oder ähnlich: Arbeit hat bei vielen Menschen längst einen Suchtcharakter.

Der Vater, der nach zehn Stunden von der Arbeit kommt, schimpft mit seinem Sohn, weil dieser den ganzen Tag am PC verbringt?

Ich frage mich oft wo der Unterschied ist?

Es lässt sich eben besser Geld verdienen, als sich mit der Ehefrau über die Erziehung der Kinder zu unterhalten- es lässt sich eben einfacher am PC spielen, als…

Gruß

Frank

Hallo Sybille,
vorneweg ich bin auch gerade 20, habe allerdings letztes Jahr Abi gemacht und bin momentan am studieren. Bei mir verhält sich das ganze ähnlich, ich sitze sehr oft und lange vor dem Pc spiele, chatte und surfe. Während meiner Schulzeit war das ganze etwas extremer aber dennoch habe ich versucht meine Kontakte außerhalb des Internets zu halten, bin auf Parties gegangen usw.

Die Sache, dass Eltern mit ihren Kindern wenn sie mal miteinander reden direkt im Streit enden kommt daher, dass beide Seiten sich einfach nicht verstehen. Wir Jugendlichen wollen unsere Ruhe, wollen selbst Erfahrungen machen und die Eltern wissen immer alles besser, obwohl sie gar keine Ahnung haben in welcher Welt wir uns aufhalten wenn wir online sind. Hinzu kommt bei den Kommunikationsschwierigkeiten, dass sich einfach keine gemeinsamen Themen finden lassen. Anstatt sich richtig zu informieren oder mal das Kind erzählen lassen was es da so treibt, wird nicht richtig zugehört und erstmal gesagt, dass es nciht gesund ist. Beim Chatten kann man schnell und leicht Kontakte knüpfen, wenn man sich entsprechend verhält. Man bekommt schneller einen großen Bekanntenkreis als wenn man in der Schule in der Runde steht und über andere am lästern ist.

Wenn du mit ihr reden willst oder ihr klarmachen willst, dass es auch andere Möglichkeiten gibt mit Menschen Kontakt zu halten, dann frag sie, was sie am chatten so begeistert, wo sie chatten, mit wem sie chattet, über was sie chattet. Versuche, dass sie anfängt selbstständig zu erzählen und höre ihr zu und zeige nach Möglichkeit Verständnis.
Außerdem bedenke, dass man im chat wesentlich schneller einen Gesprächspartner finden kann, mit dem man auf der selben Wellenlänge liegt als in einem großen Raum voller Menschen, die sich in Gruppen unterhalten und wo man direkt niemanden kennt.

Ich hoffe ich konnte ein wenig helfen, wenn etwas unklar ist, versuche ich gerne nach bestem Gewissen zu antworten.

Grüsse Nebbou

Hallo Sibylle,
einige hanebüchene Punkte zu dem Thema: Das Internet als exzessives Konsumgut ist ein bequemes Medium, wenn es darum geht, Illusionen greifbar zu machen; soll heißen, die Umwelt nach eigenen Vorstellungen subtil umzuformen - die eigene Wahrnehmung betreffend.
Kontaktaufnahmen dieser Art dienen dazu - und das muß nicht pauschal gelten - der realen Umgebung eine Plakette eigener Farbgebung zu verabreichen, sind also Ausdruck - um es kurz zu machen - eines inneren Zwanges / äußeren (realen oder eingebildeten) Druckes, da „Ausweichbewegung“ -, innerer Unzufriedenheit - persönliches Umfeld wird als unbefriedigend (verständnislos) empfunden (so müssen selbstgebastelte Kameraden her), Gefühl eigener Unzulänglichkeit - die Konfrontation mit der Realität wird vehement vermieden etc. etc.
Desweiteren - Experten mögen den Ausdruck aus meinem ungeweihten Munde verzeihen - könnte deine Tochter einer verspäteten(?) Adoleszenzphase frönen, die ihren Ausdruck in dieser Form der Abgrenzung erhält.
Vielleicht genügen etwas „Inkubationszeit“ und regelmäßige Erfolgserlebnisse, sie (er-)lebenssicherer werden zu lassen, vielleicht schwelen bei euch jedoch auch offene oder uneingestandene Konflikte, die diese Art von Fluchtergreifung begünstigen.
Soweit mein wohlüberlegtes brainstorming,
Laura

es wäre natürlich viiiel besser, wenn sie tag und nacht aus dem haus wäre, mit leuten in bars und discos herumhängt, jeden tag einen anderen mann hat, parties gibt und drogen aller art konsumiert (mindestens alkohol und nikotin). und das abi schmeißt. das wäre dann „normal“ nicht wahr…

ernsthaft. warum sollte das internet weniger „kontakt“ sein als das abhängen in lauten diskotheken? wo meinst du finden die besseren gespräche statt, wo lernt man menschen besser kennen? wo gibt es mehr austausch, mehr gesprächtsstoff, mehr interessensgemeinschaften, wo lernt man mehr sprachen, wo lernt man mehr menschen aus aller welt kennen?

ich finde das reichlich übertrieben was du sagst. heutzutage ist das internet ein normaler ort um menschen kennenzulernen. nicht jeder ist ein partytiger.

gruß
dataf0x

PC- oder Partymaus
danke mal zunächst für alle antworten.
Schon interessant wie die Antworten unterschiedlich ausfallen.
Vielleicht noch zu erwähnen:ich selbst chatte auch gerne und habe Spaß daran. (ja, wir Mütter sind auch nicht von gestern…)
Es ist tatsächlich wesentlich einfacher, Gleichgesinnte zu finden als im „richtigen“ Leben.
Wo hat man schon diese vielfalt an Menschen auf einem Haufen wie in einem chat?
Allerding gehe ich trotzdem davon aus, dass man sich trotz der Interneteuphorie gelegentlich mal mit Menschen aus Fleisch und Blut unterhalten sollte.
z.B. muss man im Internet niemals Konflikte austragen, man klickt die Typen eben weg.
Hat ja 1000 andere.
Wenn ich sage sie geht NIE aus oder telefoniert NIE mit irgendjemandem, dann meine ich das auch so.
Also tatsächlich NIEMALS.
Ich finde das sehr bedenklich, habe aber keine Lösungsidee.
Ich wäre auch besorgt, wenn es sich nicht um meine Tochter handeln würde, sondern z.B. eine Kollegin.