2006 oder 1709 ?

Hallo Mike

In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ von heute
steht auf Seite 73 ein Artikel, der unter dem Titel „Die
hundert Jahre von Thera“ ein bißchen aus dem Nähkästchen der
C14-Methode plaudert.

Da gibt es z.B. ein „Wiggle-Matching“ und eine an „Proben
bekannten Alters“ aufgehängte „Kalibrationskurve“, mit der die
Meßergebnisse angeblich passend gemacht werden.

Ad 1:
Das wichtigste und schwierigste Problem bei der C14 Methode liegt darin, dass dieses Isotop durch die Einwirkung der Sonnenstrahlung in der Atmosphäre entsteht. (nebenbei auch noch durch Atombombentests usw…) D.H. die Konzentration von C14 ist von der Sonnenaktivität abhängig. Ohne Zeitkorrektur (die üblicherweise über Dendrochronologische Reihen ermittelt wird, z.B. in Nordamerika oder in Mitteleuropa liegen die entsprechenden Reihen vor) erhält man naturgemäß einen immer Stärkeren Fehler, der für die BVronzezeit schon über ± 100 Jahre ausmachen kann. Mit Korrektur (die teilweise sehr subtil ist) wird das um einiges besser.
Ein weiteres Problem ist die Fraktionierung der isotope, aufgrund von Stoffwechselaktivitäten reichern Pflanzen immer das leichtere Kohlenstoffisotop an. den Effekt kann man aber durch die Bestimmung des C12 C 13 Verhältnisses wieder in den Griff bekommen.
Dann gibt es noch Kontamination durch Fremdmaterial… Austausch durch Festkörperdiffusion…

Insgesamt ist die C14 Methode nicht unbedingt die Trivialste… und passend wird da schon gar nichts gemacht.

Ein weiteres Problem (auf das übrigens gar nicht eingegangen wurde) liegt darin, dass die Proben von einem Vulkan stammen.
Vulkane können aufgrund ihrer Gasausstösse ganz erhebliche lokale Störungen des ansonsten weltweit identen C12/C14 Verhältnisses verursachen. Üblicherweise ist dieses vulkanische CO2 nämlich C14-frei. D.H. das gemessene Alter ist älter als das wahre Alter der Probe.
Dem muss man jetzt aber auch hinzufügen, dass dieses neue Alter ein paar jahzehnte jünger ist als einige frühere datierungen und sich anscheinend mit anderen Proben von anderen Stellen in ein hinreichendes Schema stellen lässt, welches die Minoische Kultur ca 100 Jahre älter macht als bislang angenommen.

Das Problem des Eruptionsalters von Santorini ist übrigens alles andere als neu, die Diskussion dauert bereits Jahrzehnte. Die C14 Alter passen den klassischen Aräologen nicht so ins Konzept.

Wenn man sich jedoch mitr der Chronologiekritik Illigs und Co näher beschäftigt, dann kommt raus, dass diese Kritik eben NICHT diese Probleme fachgerecht thematisiert, sondern die methoden an sich in Bausch und Bogen verdammt, ohne dafür eine nach meiner Ansicht hinreichende Begründung zu liefern.

das problem, dass die datierungsmethoden für einen Laien so „mächtig“ erscheinen, liegt in der stark auf Altersangaben zentrierten Geschichtsbetrachtung, die noch ein Relikt des 19. Jahrhunderts ist. Da muss jedes Ereigniss möglichst auf den Tag genau datiert werden, und in populärwissenschaftlichen büchern und vor allem in Schulbüchern wird gerne so getan, dass derartige Altersangaben über jeden Zweifel erhaben sind.
Das ist gerade in schriftlosen bzw faktisch schriftlosen Gebieten naturgemäß ein hoffnungsloses Unterfangen.
Einen derartigen Anspruch würde ein seriöser Wissenschaftler auf diesem Gebiet niemals vertreten.
Gruß
Mike

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