25 Jahre Dalmadorm

Hallo liebes Experten-Team,
bekomme seit 25 Jahren Dalmadorm oder ähnlich wirkende Einschlafmittel. Jetzt wurde mir gesagt ich müsse dringend entgiftet werden, das wiederum wurde von einem anderen Arzt entschieden verneint.

  1. was stimmt denn nun?
  2. ist mein Stoffwechsel dadurch gestört?

P.S. Persönlich halte ich Entgiftung wg. Schwarzschimmel-Sporen, Schwermetall usw. für dringend erforderlich. Außerdem wurden mir in meinem langen Leben ja auch schon mehrere wirklich „hammerharte“ Medikamente verabreicht, die ich nach Möglichkeit nicht nahm, nur gegen Spritzen konnte ich mich schlecht wehren.

Hallo Gertrud,

Dein Post gehört wohl eher in das Brett „Sucht und Prävention“, zumindest in „Medizin allgemein“, ich antworte Dir trotzdem mal hier.

Hallo liebes Experten-Team,
bekomme seit 25 Jahren Dalmadorm oder ähnlich wirkende
Einschlafmittel.

Einschlafmittel ist ne nette Formulierung dafür. Du nimmst Flurazepam, ein Benzodiazepin zu Dir, welches i.d.R. max. für die Dauer von 8 Wochen! verordnet wird, da es abhängig macht. Und das seit nunmehr 25 Jahren täglich.

Flurazepam ist ein Langzeitdiazepin mit sehr hoher Halbwertzeit (100 Stunden). Das bleibt also sehr lange im Körper. Wenn Du heute Deine Tagesdosis nimmst, ist die von gestern, vorgestern, vorvorgestern und dem Tag davor auch noch im Körper und noch immer am Wirken.

Der Entzug hiervon ist unlustig und wird m.E. ca 1 Jahr dauern.

Jetzt wurde mir gesagt ich müsse dringend
entgiftet werden,

Sehe ich auch so. Du solltest auch unbedingt drauf achten, daß die Dosis ausschleichend reduziert wird, das Präparat nicht abrupt absetzen, da das gefährlich werden könnte. Das ist Fakt und keine Panikmache!

das wiederum wurde von einem anderen Arzt
entschieden verneint.

Ein Arzt der Dir 25 Jahre lang Benzos verordnet, gehört angezeigt und der Ärztekammer gemeldet.

  1. was stimmt denn nun?

Laß Dich in der nächstgelegenen Drogenberatung informieren und Dir eine Suchtklinik nachweisen, wo Du Entgiftung und ggf. auch Therapie (die Benzos wirken auch auf die Psyche) machen kannst. Bespreche Dich mit Deinem Hausarzt (aber nicht mit dem Idioten, der Dir seit 25 Jahren Benzos verabreicht)

Außerdem wurden mir in meinem langen Leben ja
auch schon mehrere wirklich „hammerharte“ Medikamente
verabreicht, die ich nach Möglichkeit nicht nahm, nur gegen
Spritzen konnte ich mich schlecht wehren.

Es macht wenig Sinn Medikamente, die verordnet wurden, dann nicht zu nehmen. In der Praxis sieht es doch so aus, daß Du mit Beschwerden zum Arzt gehst, dieser eine Diagnose stellt und dann eine Behandlung einleitet. In Deinem Fall das Verabreichen von Medikamenten, die Du dann nicht nimmst? Wie soll eine solche Therapie Abhilfe schaffen? Und um Abhilfe zu schaffen hattest Du den Arzt doch konsultiert, oder?

Hammerhart sind Deine Dalmadorm-Tabletten übrigens ebenfalls, Benzodiazepine und/oder Barbiturate sind keine Bonbons oder Pillepalle-Dragees.

Das wirst Du spätestens merken, wenn Du die Dinger mehr als 100 Stunden nicht mehr genommen hast. Bevor Du das ausprobieren solltest, besprich Dich mit einem Arzt und mache das unter seiner Aufsicht.
Aber nicht mit dem komischen Vogel, der Dir die Dinger seit 25 Jahren regelmäßig verschreibt.

Gruß,
Gerhard

Hallo Gertrud,

Dalmadorm ist ein Benzodiazepin (Freiname: Flurazepam). Solche Medikamente sollten gewöhnlich nur kurzfristig eingesetzt werden (wenige Wochen), da sie ein nicht unerhebliches Abhängigkeitspotential haben - auch bei niedriger Dosierung. Außerdem kann es bei langfristigem Gebrauch zu unschönen Nebenwirkungen kommen, die u.a. Persönlichkeitsveränderungen umfassen. Der Entzug dieser Medikamente ist schwierig und nur unter ärztlicher Aufsicht durchzuführen wegen der schweren Komplikationen, die möglich sind.

Warum in Deinem Fall über 25 Jahre lang solche Medikamente verordnet wurden, kann ich nicht sagen. Bei Schlafstörungen sind in seltenen Fällen Langzeiteinsätze angezeigt. Ich empfehle Dir, den Arzt, der Dir den Entzug empfohlen hat, eingehend zu befragen.

Beste Grüße

Oliver Walter
Diplom-Psychologe, Kiel
http://www.verhaltenswissenschaft.de

Hallo Gerhard,

Dein Post gehört wohl eher in das Brett „Sucht und
Prävention“, zumindest in „Medizin allgemein“, ich antworte
Dir trotzdem mal hier.

„Psychologie“ ist ebenfalls o.k., da psychotrope Substanzen wie Benzodiazepine und ihre Wirkungen und Nebenwirkungen (u.a. Abhängigkeit) die Psyche betreffen.

Grüße,

Oliver Walter

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Hi Oliver Walter,

„Psychologie“ ist ebenfalls o.k., da psychotrope Substanzen
wie Benzodiazepine und ihre Wirkungen und Nebenwirkungen (u.a.
Abhängigkeit) die Psyche betreffen.

stimmt, hab ich ja auch so geschrieben und ist, auf das eigentliche Problem von Gudrun bezogen, ohnehin auch eher sekundär.

Was hältst Du denn, mit Deiner fachlichen Qualifikation, von der Benzo-Vergabe über einen Zeitraum von 25 ! Jahren? Inwieweit ist sowas aus Deiner Sicht vertretbar, wenn überhaupt? Oder ist das etwa gängige Praxis?

Ich hatte derzeit schlimme Benzo-Entzüge (Rohypnol), die nur noch von Codein-Entzügen getoppt wurden. Nun hab ich allerdings auch alles mögliche, also von Alkohol über Koks, Heroin, Benzos, Pola bis Codein entgiftet. Ich würde das alles nicht nochmal durchstehen wollen, bin aber als Ex-Junkie vielleicht auch kein Maßstab.

Gruß,
Gerhard

Oliver Walter

Hallo Gerhard,

Was hältst Du denn, mit Deiner fachlichen Qualifikation, von
der Benzo-Vergabe über einen Zeitraum von 25 ! Jahren?

wie ich oben schon schrieb, sollten Benzos nur wenige Wochen lang eingesetzt werden. Die Gründe dafür bestehen in den Nebenwirkungen (u.a. Abhängigkeitspotential, Persönlichkeitsveränderungen, ängstlich-depressive Verstimmungen), in Rebound-Phänomenen bei abrupten Absetzversuchen und in hohen Rückfallraten. Das weißt Du ja alles. Es gibt zwar Ausnahmen von der Regel, aber sie sollten auf seltene Fälle begrenzt sein und immer wieder Absetzversuche und Dosisverringerung umfassen. 25 Jahre Dauermedikation mit Benzodiazepinen halte ich für sehr problematisch.

Inwieweit ist sowas aus Deiner Sicht vertretbar, wenn
überhaupt? Oder ist das etwa gängige Praxis?

Immerhin sollen ca. 8% der Patienten zum Zeitpunkt der Aufnahme in eine Nervenklinik mehr als 5 Jahre lang regelmäßig Benzodiazepine genommen haben.

Ich hatte derzeit schlimme Benzo-Entzüge (Rohypnol), die nur
noch von Codein-Entzügen getoppt wurden. Nun hab ich
allerdings auch alles mögliche, also von Alkohol über Koks,
Heroin, Benzos, Pola bis Codein entgiftet. Ich würde das alles
nicht nochmal durchstehen wollen, bin aber als Ex-Junkie
vielleicht auch kein Maßstab.

Doch, doch. Du hast Recht. Benzodiazepin-Entzüge gelten gemeinhin als „eklig“. Harte Drogen sollen dagegen unproblematischer sein, was den Entzug angeht. Die machen ja auch kein Delir.

Beste Grüße,

Oliver

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Hallo Oliver,

vielen Dank für die prompte Antwort.

Immerhin sollen ca. 8% der Patienten zum Zeitpunkt der
Aufnahme in eine Nervenklinik mehr als 5 Jahre lang regelmäßig
Benzodiazepine genommen haben.

Sagenhafter Murks in meinen Augen. Da wollte man sich wohl eher nur Ruhe verschaffen, als wirklich helfen.

Doch, doch. Du hast Recht. Benzodiazepin-Entzüge gelten
gemeinhin als „eklig“. Harte Drogen sollen dagegen
unproblematischer sein, was den Entzug angeht. Die machen ja
auch kein Delir.

Wenn ich mein heutiges (trauriges) Drogenwissen schon damals gehabt hätte, wäre ich nie auf Ersatzdrogen umgestiegen. Damit fing das wesentlich größere Leiden an, als mit der eigentlichen Droge selbst.

Allerdings ohne die anschließende Langzeittherapie wäre ich weder von dem Einen, noch von dem Anderen losgekommen.

Lieben Gruß,
Gerhard

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Klasse - ***! owT
dafür gibts ein Sternchen!

Hallo@All,
die mir geantwortet haben. Danke Euch. Bei dem damaligen Stand der Wissenschaft, in der Psychologie, kann ich noch von Riesenglück reden,das ich „nur“ mit Dalmadorm durchgekommen bin. Ich werde den Entzug machen, ambulant unter strenger ärztlicher Kontrolle.

Nachdenklich geworden bin ich bei dem Thema Persönlichkeitsveränderung.
Klipp und klar: nein

Medikamentenverweigerung: Habe mich stets bemüht, nicht mehr als unbedingt nötig zu nehmen. Halte mehr von gesunder Lebensführung und Naturheilverfahren.

Ganz wichtig: Bei meinem bisherigen Lebensverlauf, in denen Zeiten der Ruhe Mangelware waren, ist es ein „Wunder“, das ich noch nicht durchgeknallt bin.

Ärzte/Psychologen/Wissenschaftler bringen mir sehr viel Respekt entgegen.

Ein Kommentar: „Bei Anderen reicht schon 1/2 Erlebnis von ihren…, wie halten Sie das bloß durch?“

Antwort von mir: Ich lebe einfach viel zu gern.

Und lerne. Lerne immer weiter.

Vieles, für das ich vor Jahrzehnten/Jahren, teilweise noch heute für verrückt erklärt worden bin, ist heute wissenschaftlich belegt.

Mein Leben zeigt mir, „ruhig bleiben“. Auch wenn ich das nicht immer schaffe *snief

Also: Weiter gehts.

Mit herzlichen Dank an Euch Alle

Gertrud

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