27 Kronen in einer Sitzung

Hallo liebe Kollegen,
ich habe ein heikles Problem und benötige etwas Schützenhilfe bei meiner Argumentation.
Eine Patientin möchte unbedingt alle ihre 27 Zähne in einer Sitzung überkront haben. Ich bin damit nicht gerade einverstanden, weil:

  • definitiv notwendig ist nur EINE Brücke deshalb auch nur einmal „2.1“
  • medizinisch vertretbar ist evtl. noch das Ersetzen der 6 alten Kronen durch Keramik
  • bei ansonsten naturgesunden Zähnen gibt es bei Zahnhalsdefekten schließlich geeignetere Therapieformen als Überkronung.
  • 27 Zähne auf einmal wären eine Tortur für die Patientin, mir wäre es auch zu stressig.

Ich habe der Patientin dies auch vermittelt, bin mir aber nicht ganz sicher, dass sie es auch einsieht. Dummerweise habe ich einen „Kollegen“ im Nachbarort, der alles mitnimmt, was er bekommen kann. Dieser Kollege bekommt erfahrungsgemäß Pläne mit Zuschüssen genehmigt, wo alle anderen gegen die Wand laufen würden (einfach unglaublich!!!). Wenn sich die Patientin dort eine Zweitmeinung einholen sollte, habe ich eine Patientin weniger…

Ihr könntet mir helfen, wenn Ihr mir Quellen nennt, mit denen ich z.B. belegen kann, dass adrenalinhaltige Retraktionsfäden bei 27 Zähnen bedenklich sind. Oder Anderes, was eben gegen solche Gewaltaktionen spricht.

Besten Dank,
Wepster

Hallo,

Du bist Zahnarzt… und solltest somit wissen, was Dein „gesundheitlicher“ Auftrag ist. Und Deine Meinung zu dem Thema ist doch recht eindeutig, oder?

Anderseits denkst Du offensichtlich doch mehr an Deine Yacht und den neuen Cayenne.

Wenn Du die gewünschte Behandlung auch bei Deiner Familie durchführen würdest: tu es. Wenn nicht, lass den „Auftrag“ sausen.

Jedenfalls bin ich froh, dass ich nicht zu Deinen Patienten gehöre…

Grüße, M

Also ich wär froh, wenn ich so einen Zahnarzt hätte.

Soweit ich sehe, geht es ihm nämlich gerade nicht ums Geld (da könnt er ja die schönen Kronen machen), sondern um seine Patientin.

Nur ist die nicht einsichtig und muss nun mit Argumenten härteren Kalibers als der medizinischen Notwendigkeit überzeugt werden. Sonst rennt sie halt solange zu einem anderen Zahnarzt, bis sie einen findet, ders macht. Im nächsten Dorf ist offensichtlich schon einer.

Das Ganze ist natürlich aber auch problematisch für den Arzt. Da es sich offensichtlich nicht um eine medizinisch notwendige Behandlung handelt, kann es hier bei Problemem auch rasch Ärger mit der Aufklärungspflicht geben, denn gerade in solchen Fällen muss jedes Risiko genau erklärt und am besten schriftlich festgehalten werden.

Also muss er sich schon dahingehend absichern.

Nebenbei: 27 Kronen - schafft man die überhaupt an einem Tag?

Schöne Grüße, Bernhard.

Hallo Masch,
Du scheinst mich gründlich missverstanden zu haben.

Ich will diesen „Auftrag“ EBEN NICHT durchführen!

Wenn die Patientin zum Kollegen im Nachbarort geht, bekommt sie dort garantiert die gewünschte unsinnige Behandlung. Das wäre unverantwortlich.
Ich suche nach Möglichkeiten, ihr das auszureden und nur das medizinisch vertretbare (und dringend notwendige) durchzuführen.

Ich hoffe, Du hast mich jetzt verstanden.
Grüße,
wepster

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Hallo Bernhard,
es ist prinzipiell sicher möglich. Hängt von Faktoren ab wie: Mitarbeit und Kondition des Patienten bzw. Kondition des Behandlers.

Ich halte es aber für fraglich, ob was Vernünftiges dabei heraus kommt…
Mir wäre es jedenfalls zu heikel.
Grüße,
Wepster

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Dann tritt mal der Petition „Richtig lesen bildet“ bei.

-nik

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Hi Wepster,

okay, dann habe ich das wohl in den falschen Hals gekriegt.

Ich will diesen „Auftrag“ EBEN NICHT durchführen!

Aber dann ist die Sache doch klar, oder ?!? Ob nun Zahnarzt, Anwalt, Handwerker oder Telefonauskunft: nur weil „um die Ecke“ eine andere Meinung bzw. Vorgehensweise herrscht, gehe ich doch nicht von meiner Linie ab. Von einer evtl. Haftung für Falschberatung-/behandlung will ich hier gar nicht sprechen.

Und die Patientin dann weggeht… ja nun, das Risiko ist doch immer für jeden „Anbieter“ gegeben (die Patienten werden anderswo Kunden genannt).

Wenn die Patientin zum Kollegen im Nachbarort geht, bekommt
sie dort garantiert die gewünschte unsinnige Behandlung. Das
wäre unverantwortlich.
Ich suche nach Möglichkeiten, ihr das auszureden und nur das
medizinisch vertretbare (und dringend notwendige)
durchzuführen.

Mit Deiner fachlichen Expertise sollte das „Ausreden“ doch möglich sein. M. E. brauchst Du Ihr nur das zu sagen, was Du hier ins Forum gestellt hast.

Ich hoffe, Du hast mich jetzt verstanden.

Alles klar, viel Erfolg.

Grüße, M

Hast Du ein Problem mit Leuten, die eine Meinung haben und diese kundtun? Was ja übrigens Gegenstand eines solchen Forums ist…
Verschone mich doch bitte mit so geistlosen Kommentaren.

Grüße, M

Hallo!
Dann sag es so deiner Patientin!

Versuch ihr klar zu machen, dass Kronen Zahnersatz sind und das es nichts besseres als die eigenen Zähne gibt.

Bitte sie doch um den Versuch an einer Seite, die Zahnhälse mit Kunststoff zu überziehen. Das könnte sie dann 14 Tage Testen und wenn sie davon überzeugt ist und ihre Beschwerden besser, lässt sie sich vielleicht auch die anderen Zähne machen.

Du kannst ihr ja sagen, Überkronen kann man sie dann immernoch.

Aber ich würde klar und deutlich auf meiner Meinung bleiben und ihr klipp und klar sagen: Möchte sie diese Behandlung gemacht haben, muss sie wo anders hin gehen.

Dann hast du vielleicht einen Patienten weniger, aber ein reines Gewissen.
Und sicher bist du doch auf diese eine Patientin nicht angewiesen.
Falls es doch ein anderer ZA machen sollte, warts ab. Sie steht schneller vor deiner Praxistür und heult sich die Augen aus, wie du gucken kannst.

Zudem, ist es schwierig, bei so einer Arbeit, den Biss wieder richtig ein zu stellen. Und man muss einen (entschuldige bitte) Sauguten Techniker haben. Und ob sie hinterher glücklicher ist ist auch noch die Frage.

Lg. MelP

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Vielleicht wäre es die beste Argumentationshilfe, die Dame zu fragen, weshalb genau sie das überhaupt möchte(ging m.W. noch nicht aus Deinem Text hervor, vielleicht hast Du das ja bereits mit ihr besprochen).
Und weshalb 27 an einem Tag. Ganz normal ist dieser Wunsch nicht, oder? Ich weiß nicht, ob sie daher für objektive Argumente so zugänglich wäre (Lebensdauer von Kronen vs. Zahn etc würde z.B. bei mir ganz gut ziehen). Wenn Du vestehst, was sie damit erreichen möchte und welches Problem sie dadurch lösen möchte, kannst Du ihr vielleicht eher die passende Alternative bieten. Das macht ja keiner freiwillig und ohne Grund…!! Good luck!

Hallo Wepster,

bin kein Kollege, arbeite aber für ein Dental-Unternehmen, das u. a. „Zahnsubstanzschonung“ ganz oben auf der Prioritätenliste stehen hat.
Zu dem geschilderten Fall fällt mir ein:

  • Frage an die Patientin: Warum möchte Sie 27 Zähne überkront haben?
    Die zwei wahrscheinlichsten Antworten der Patientin und Stellungnahme:

„Sieht besser aus“ - ist heutzutage mit weniger Zahnsubstanz-Opfern zu leisten: Zahnaufhellung, adhäsive Ergänzungen mit Komposit, evtl. Veneers machen es möglich.

„Dann habe ich auf lange Zeit Ruhe vor Zahnbehandlungen“ - ist oft ein Irrtum: Durch Beschleifen werden Pulpen gereizt, können absterben - dann Endo-Behandlung nötig. Kronenränder werden durch Zahnfleischrückgang sichtbar, Befestigungsfugen waschen sich aus, Keramiken können frakturieren.

Generell:
Mit der eigenen Zahnsubstanz ist man - trotz aller Fortschritte - am besten dran. Wenn Behandlung heutzutage nötig ist, sollte man immer die minimalinvasivste wählen. So hat man für später noch Optionen. Die heute abgeschliffene Zahnsubstanz wächst nie mehr nach, ist verloren. Wenn man heute nur eine Füllung macht, kann man in einem oder mehreren Jahren - wenn nötig - immer noch eine Krone machen. Umgekehrt geht das nicht. Die Menschen werden heute älter als früher und möchten dabei agiler bleiben; das geht mit eigener Zahnsubstanz beser als mit jedem Ersatz.

Und last not least: Mache ihr klar, dass Du ja gegen Dein „Geschäft“ berätst. Somit ist leicht einzusehen, dass es nicht etwa eigennützig, sondern patientenorientiert ist, was Du rätst.

Dass - abgesehen davon - 27 Kronen auf einmal äußersten Stress bedeuten, sowohl für Dich als auch für die Patientin, sollte augenfällig sein. Sicher würdest Du, selbst wenn 27 Kronen indiziert wären, diese in mehreren Etappen anfertigen und setzen.

Lieben Gruß
Dantis

PS: Adrenalinhaltige Fäden sind - da systemische Wirkung - immer ein gewisses Kreislauf-Risiko. M. E. ist es auch bei stärkeren Blutungen mit der geeigneten Technik möglich, mit Aluminiumchlorid- oder Eisensulfat-Präparaten auszukommen, die keine systemische Wirkung entfalten. Auf Wunsch weitere Info per PM.

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Nein nein, das hast du falsch verstanden. Genau so wie den Originalbeitrag.

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Hallo
Ich bin zwar kein Kollege, aber vielleicht hat die Patientin sowas wie Minderwertigkeitskomplexe und könnte deswegen woanders behandelt werden.
Vielleicht hilft ja auch eine Information des Patienten?
Ich finde, dafür sollte Zeit sein.
Was die Risiken bei anderen Ärzten betrifft, oder was die Patienten vielleicht tun könnten, hier hättest Du aber sehr viel zu tun, möchtest Du Dich darum kümmern!
Eine Ablehnung der gewünschten Behandlung erscheint mir plausibel.
Was die Verschönerung des Gebisses betrifft, kannst du ja eventuell weiterhelfen.
MfG
Matthias