Hi Ralf,
Ich möchte hier keine Diskussion beginnen, sondern nur eine
Begründung hören.
Ich auch nicht, deswegen nur ganz kurz:
In Deutschland läuft es so, daß Du z. B. nicht wegen einer Straftat verfolgt wirst, die eine geringere Strafe erwarten läßt, als die, zu der Du bereits verurteilt worden bist. Beispiel: Du bist wegen XX zu 10 Jahren verurteilt worden und sitzt diese ab; während eines Hafturlaubs klaust Du 'ner Oma die Handtasche. Das Verfahren wird eingestellt, weil selbst, wenn Du wegen Diebstahls verurteilt werden solltest, die Strafe dafür nicht höher ausfallen wird, als die, für die Du einsitzt.
Du hast sicher recht, wenn Du sagst, daß niemand zu mehrfach lebenslänglich verurteilt werden kann. Brutal ausgedrückt: der Typ kann nur einmal im Knast krepieren. Die USA haben in dieser Hinsicht allerdings auch ein völlig anderes Rechtssystem. Die Richter in den Staaten können Dich - wenn Du zehn Morde begangen hast auch wegen zehn Morden verknacken. Zehnmal lebenslänglich! Vor einigen Jahren ging eine US-Richterin durch die Presse, die die Angeklagten zu z. B. 960 Jahren (und mehr) verdonnert hat…
Mich interessiert nicht der Fall an sich sondern die Frage:
warum bekommt jemand 298 Jahre Haft? Oder klarer: macht es
irgendeinen Unterschied in den USA, ob jemand zu 149 oder zu
298 Jahren Haft verurteilt wird?
Siehe oben. Verschiedene Schwere der Straftaten (Mord ersten Grades/zweiten Grades, niedere Beweggründe, etc.). In den USA wird es halt alles summiert.
Im Artikel steht z.B., dass eine Strafmilderung bekommen
hätte, wenn er gestanden hätte (was er natürlich nicht getan
hat, da er unschuldig war).
Das gibt es auch in Deutschland. D. h. ein Schuldeingeständnis wirkt sich meistens strafmildernd aus. Ich kenne übrigens auch Anwälte, die ihren völlig unschuldigen Mandanten raten haben, sich schuldig zu bekennen, weil mit der StA bereits ein Deal (z. B. eine Bewährungsstrafe) ausgehandelt wurde.
Was bedeutet Strafmilderung?
Meines Wissens gibt es in Deutschland keine Strafmilderung an sich sondern lediglich strafmildernde Umstände (Geständnis, Reue, günstige Prognose). Hey Strafrechtler, helft mir mal!!!
Gibt es diesen „Rabatt“ in den USA nicht?
Nun vergiß mal Frau Salesch, Frau Herz und wie die alle heißen… Die Damen verhandeln Bagatellen.
Und eben welchen
Sinn macht eine Strafe von 298 Jahren?
Das wäre eine rein philosophische Frage…
In den Schlagzeilen war dies
in Deutschland ja nur, weil der Mann unschuldig war.
Apropo’s unschuldig: just am Wochenende habe ich kopfschüttelnd einen Bericht über einen Mann, der 22 Jahre unschuldig in der Todeszelle saß, gesehen. Auch die US-Justiz ist nicht perfekt, schon gar nicht, wenn die Good Boys aus Texas im Spiel sind. Der Staatsanwalt hat entlastende Beweise unterschlagen, den Gerichtsmediziner unter Druck gesetzt, und, und, und…
Lebenslang ist ja ok, aber warum 298 Jahre (oder mehr)?
Ohne jegliche Wertung: Damit ein solcher Mensch nie wieder rauskommt? Eine Einschränkung: wenn er denn wirklich schuldig ist!
Viele Grüße
Tessa