„Aktives Portfoliomanagement“ heisst ja nicht notwendig, dass
das durch die Bank unternommen werden muss.
egal, wer handelt, es kostet den Anleger Geld und das wandert
von seiner Tasche in die anderer.
Je nachdem wie gehandelt wird und wie „aufwendig“ der Anleger
Informationen zusammenträgt und diese auswertet, kann der
Anlageerfolg den zusätzlichen Aufwand kompensieren.
„Kann“ ist richtig. Im Zweifel sollte aber jeder so ehrlich zu sich sein, daß er zumindest nicht die gleiche Zeit in Anlageentscheidungen investieren kann wie ein Fondsmanager. Das hat in der Regel zur Folge, daß zwar einzelne Investments besser laufen als der Markt (oder der beobachtete Fonds) aber in Summe wird nur selten dauerhaft wesentlich mehr dabei herauskommen.
Wenn man den Absatz ohne die Vorgeschichte stehen läßt, paßt
er bspw. auch auf die späten 90er Jahre.
Ja, aber es war ja auf die Börsenlegenden bezogen. Ich beziehe
mich nur auf diese Herren und nicht auf jene, die in der
„Neuzeit“ vermögend wurden.
Schon richtig, aber Du bestreitest ja, daß es heute vergleichbare Möglichkeiten gibt wie „damals“.
„Anlageobjekten“ wählen. Als Beispiel sei nur einmal die
Geschichte des "Friedrich Flick "erwähnt, der in großem Stil
Bergwerke und Verhüttungsbetriebe erworben hatte. Diese
Erfolgsstory ist heute aber ausgelutscht und wird auch nicht
mehr zurückkehren - Stichwort: Marktkonzentration.
Natürlich geht das heute auch noch. Man muß gar nicht mal nach
Rußland oder Indien schauen, sondern es reicht ein Blick nach
Waldorf, wo mehrere Leute ein Vermögen verdienten und dieses
nun in den Aufkauf von Unternehmen stecken.
Ja, stimmt. Allerdings wurde der Erfolg der SAP bereits in den
frühen 1970er Jahren gelegt. Der Erfolg wurde erst in den
letzten 10, 15 Jahren „realisiert“.
SAP war ein Beispiel und ist keine Ausnahmeerscheinung.
Hinzu kommt, dass die
Entwicklung der Datenverarbeitung in diesen Zeitraum fällt und
den „letzten großen Entwicklungsschritt der Menschenheit“
darstellt. Der nächste Versuch dies auf breiter Front
fortzusetzen, wurde durch den Neuen Markt dokumentiert.
Ja, und auch da gab es Pleiten und Erfolge - genauso wie vor 150 Jahren bei den Eisenbahnen, wie vor 100 Jahren in der Industrie oder wie vor 40 Jahren bei den Fluggesellschaften (alle Jahresangaben über den Daumen gepeilt). Das ist der Grund, warum derartige Projekte über Eigenkapital finanziert werden (sollten) und nicht über Fremdkapital: Das Risiko ist zu groß als daß es über Kreditmargen hinreichend bezahlt werden würde.
Die Grundversorgung besteht heute nicht mehr nur aus
Softdrinks oder Schreibmaschinen, sondern wird ergänzt durch
PCs, Software, online-Versandhäuser und Internetsuchmaschinen.
Ja richtig, ist aber wie gesagt auch schon alles vorhanden.
Die Überrenditen die mit solchen Geschäftsmodellen gemacht
werden können bzw. konnten, sinken nun kontinuierlich.
Das ist in allen Bereichen so: die ersten sahnen ab, die zweiten laufen mit und die dritten kaufen sich über zu niedrige Margen ein und am Ende gewinnt der größte.
Lizenen verdient. Aber es gibt auch neue Ideen jenseits der
Unterhaltungselektronik oder EDV. Man denke mal an denjenigen,
der diese Sonnenschutzmäuse und -katzen entwickelt hat, mit
denen heute jedes zweite Elternauto durch die Gegend fährt.
Ja, aber hier stellt sich ja die Frage, ob solche Innovationen
in einem Atemzug mit jenen genannt werden können, welche die
Börsenlegenden „reich gemacht“ haben. Der Anlageerfolg der
„Legenden“ wird ja in der Nachschau gerade auch an den
besonderen Investments festgemacht. Über kleinere Investments
und ein etwaiger Erfolg daraus, ist ja nicht so oft etwas zu
hören. Aber der Fragesteller bezog sich ja explizit auf jene
„Größen“.
Es liegt in der Natur der Sache, daß man am Ende über die erfolgreichsten spricht. Die weniger erfolgreichen dienen für einige Zeit als abschreckendes Beispiel oder als Objekt der Verspottung. Daran hat sich in den letzten paar hundert Jahren nichts geändert.
Aus damaliger Sicht war der Entwicklungsstand zu jeder Zeit
extrem hoch. Der Erfolg ist jenen beschieden, die hinter den
Horizont der Restbevölkerung schauen können.
Absolut richtig. Sehe ich auch so. Fraglich ist eben nur, ob
es auch in Zukunft noch so viele dieser „Vorausschauenden“
geben wird. Ich denke aber, dass das hoch entwickelte Umfeld
in der heutigen Zeit den Blick dafür zunehmend trübt.
Das sehe ich anders. Google ist wie alt? Amazon ist wie alt und hat wie lange gebraucht, um erfolgreich zu werden? Gerade in der heutigen Zeit sind die Chancen so groß wie nie zuvor. Neue Produkte können in manchen Bereichen mit minimalem finanziellen Aufwand entwickelt werden. Ein anderes Beispiel ist QSC. Der Laden machte einen Börsengang, das eingesammelte Geld hat man investiert und Jahre später erzielte man die ersten Gewinne. Dererlei Beispiele gibt es viele und ich zweifle daran, daß es vor 100 Jahren leichter war, ein Stahlwerk oder eine Eisenbahnlinie in die Landschaft zu setzen.
Kapital ist heute genauso knapp wie damals. Geld wird
investiert und daraus ergeben sich dann phänomenale Gewinne
oder Totalverluste. In den vergangenen 100 oder 200 Jahren hat
sich nichts fundamental verändert.
Ja, aber Fonds fragen sich heute schon öfters wo sie denn nun
einsteigen sollen. Aber ich gebe zu, dass das auch mitunter
zyklisch ausfallen kann.
Kann schon sein, daß sie sich das HEUTE fragen, aber das wird wahrscheinlich zum Jahresende wieder ganz anders aussehen und vor einem Jahr sah das auch noch ganz anders aus.
Wenn man 30 Jahre als Anlagezeitraum sieht, wird man auf Dauer
immer richtig liegen. Bei 5 oder 10 Jahren mag das anders
sein, aber auch bei solchen Zeiträumen kann es vernünftiger
sein, Aktien zu kaufen und anschließend zu ignorieren.
Wenn die Krisen aber zunehmen, die Turbulenzen mit immer
kürzeren Abständen auftreten, der Renditewahn immer neue
„Blüten“ hervorbringt, dann kann das auch gefährlich werden.
Aber das ist doch nicht neu und eine Verkürzung der Zyklen kann ich auch nicht erkennen. Die Märkte wurden doch früher von einer viel kleineren Zahl von Anlegern bestimmt. Heute sieht ein Chinese oder Araber da eine Chance, wo viele andere die große Krise sehen. Das wirkt eher ausgleichend. Was meinst Du, wo die Märkte heute stehen würden, wenn nicht Milliarden in die US-Banken geflossen wären und die ein oder andere abgestürzt wäre. Das gabs übrigens vor gut 30 Jahren auch schon mal - allerdings ohne Chinesen-
Daher: Eine gewisse Mindestaktivität kann nicht schaden.
Nur, wenn man meint, daß man schneller und besser ist als die Profis. Klar kommt man mit seinen 3 Euro 20 schneller aus einem Papier raus als ein Fonds mit 100 Mio. in einem Papier, nur aber nicht zwangsläufig eher.
Gruß
Christian