Hallo Michael,
Wie lautet deine Frage?
Verzeihung, meine Frage betraf weniger die Reputation Heinsohns in der Historikerzunft, sondern ist eher wissenschaftsgeschichtlicher Natur.
Also, wenn ich mal davon ausgehe, daß es die beiden von Heinsohn erwänhten Bücher gibt, dann ist ja nicht zu leugnen, daß diese im besten Falle den Stand der Forschung im frühen 17. Jahrhundert enthalten, gefiltert durch die damals herrschenden politischen Sprachregelungen.
Ist die Behauptung Heinsohns richtig, daß diese Chronologien und Herrscherlisten seither Dogma sind, oder hat die Forschung während der folgenden 4 Jahrhunderte bis heute z.B. Herrscher-Doubletten gestrichen (wie es wohl Newton forderte)?
Ist die Behauptung Heinsohns richtig, daß diese Chronologien in den Jahrhunderten zuvor „zusammengestückelt“ worden sind, schöner gesagt, zuvor durchaus Gegenstand von wissenschaftlicher Forschung, kontroversem Disput und von Paradigmenwechseln gewesen waren?
Gunnar Heinsohn, offensichtlich ein Soziologe gehört in das
weitere Umfeld von Illig, und ist somit nicht als unabhängig
zu werten.
Unabhängig von was?
Dendrochronologie ist sehr genau, sie ermöglicht in
Glücksfällen jahresgenaue Datierungen.
In welchem Maße hat sie die Chronologie korrigiert?
C14 Methodik ist auf mehrere Jahrzehnte genau.
(Immer ungestörte isotopische Verhältnisse vorausgesetzt)
Dito
Es gibt merere eindeutige Konkordanzen astronomischer Natur.
Totale Sonnenfinsternisse sind dafür besonders gut geeignet,
weil die Totalitätszone immer sehr eng begrenzt sowie immer
verschieden ist. dadurch ist selbst bei einigen Tagen
Unsicherheit eine eindeutige Zuordnung möglich.
Sind die Angaben z.B. in den altgriechischen Quellen genau, ausführlich, verläßlich und original? Oder eher unpräzise, wenig informativ, mit tendentiöser Schwindelei und Übertreibung versehen und uns in der Abschrift des Exzerptes einer Abschrift usf. erhalten?
Wäre es nicht vielleicht möglich, sich eine andere Chronologie auszudenken, z.B. einen Herrscher in ein anderes Jahrhundert hineinzukopieren und die Ereignisse seiner Zeit ein wenig zu editieren und das ganze in die berechenbare Chronologie von Sonnenfinsternissen so hineinzudengeln, daß es einigermaßen paßt?
Moderne Methoden und Erkenntnisse werden von Gunnar Heinsohn
einfach ignoriert.
Werden moderne Methoden und Erkenntnisse auch dazu genutzt, die altüberkommende Chronologie zu hinterfragen, oder ist diese Chronologie das Paradigma, auf dem die Anwendung moderner Methoden in der Geschichtsforschung fußt?
Sorry: der Mann mag ein guter Politologe und Soziologe sein,
aber von Naturwissenschaften und moderner wissenschaftlicher
Grabungs- und Auswertungsmethoden hat dieser Mann
offensichtlich keine Ahnung.
Darum geht es mir hier auch nur am Rande.
Gruß
Wolfgang Berger