4,3 Millionen Passanten

Eben. Sag ich doch. Schröder hat Holzmann gerettet, ohne dass
dies dem Bund einen Pfennig gekostet hat. Ein Meisterstück.

Ja, da muß ich unfreiwillig zugestehen, daß Du da wohl Recht hast.

Dumm ist nur, daß Schröder sich auf derartige Aktionen beschränkt, anstatt dafür zu sorgen, daß dem Mittelstand und den Kleinbetrieben nicht der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Dummerweise ließ er sich bei den anderen rund 25.000 Pleitefällen nicht blicken, obwohl es da möglicherweis mehr gebracht hätte und mehr Arbeitsplätze erhalten worden wären.

Nur dadurch
dass Holzmann so in die Öffentlichkeit geriet und die Rettung
Holzmanns praktisch zu einer nationalen Aufgabe hochstilisiert
wurde, haben die Banken ihre Einstellung geändert.

Nein, die Einstellung ist die gleiche. Nur hat man sich der Demographie gebeugt. Letztlich sind die Kredit wohl schon komplett abgeschrieben. Bei einer erneuten Pleite dürften die Banken daher wohl kaum überhaupt den (damals in der Anfangsphase recht engagierten) Versuch starten, den Laden zu retten.

Witzigerweise dürften die verminderten Steuereinnahen aufgrund der abgesetzten Abschreibungen bei den Banken einen wesentlich höheren Betrag ausgemacht haben, als die ursprünglich verkündete staatliche Hilfe.

Dennoch bleiben die Fragen:

  • War die Rettung richtig?
  • Geht Holzmann nicht trotz dieser Rettung in die Pleite?

Die Fragen kann man nicht isoliert betrachten. Wenn Holzmann auf Dauer gesichert bleibt, hat sich das Affentheater vielleicht gelohnt. Einerseits hat es sich auf jeden Fall gelohnt, weil Arbeitnehmer beschäftigt blieben, auch wenn sie in 1 oder 2 jahren doch auf der Straße stehen. Andererseits dürfte die ausgefallene Bereinigung des deutschen Baugewerbes mehr Arbeitsplätze gekostet haben, als es bei einer direkten schmerzhaften Pleite des Chaosvereins gewesen wären. Auch den weiterbeschäftigten Holzmännern kann die Verschleppung geschadet haben, denn sie sind nun ein paar Jahre älter und dürften nicht so schnell wieder einen anderen Job finden, wenn es demnächst vielleicht doch wieder (und dann endgültig) bergab geht. Im übrigen darf auch nicht vergessen werden, daß aufgrund der Verluste, die bei den Banken angefallen sind, auch dort Personal abgebaut wurde. Alles in allem ein schwieriges Thema.

Gruß
Christian

Na, bei Autos funktioniert es noch recht gut. Und mehr
Bio-Landwirtschaft bedeutet auch tendenziell mehr
Arbeitskräfte. Auch das ist zu monokausal. Aber tendenziell
nicht falsch.

Das kann aber dauerhaft auch nicht funktionieren. Wir können
schlecht die gesamte Bundesrepublk umgraben, was letztlich
notwendig wäre, um eine wesentliche Anzahl von Arbeitsplätzen
zu schaffen.

???
Da meinte ich doch nur, dass Bio-Landwirtschaft mehr Arbeitsplätze bedeutet als konventionelle Landwirtschaft. Ich will nicht 4 Millionen in die Bio-Landwirtschaft stecken.

Es geht doch um die Ressourcen, die wir haben.
Boden und Bodenschätze fallen aus. Wenn wir nicht auf
erkleckliche Teile unseres Gehaltes und sozialer Sicherungen
verzichten wollen, bleibt nur die Schlußfolgerung, daß teure
Arbeit auch eine hinreichende Wertschöpfung erzielen muß.

Ja, was ist hinreichende Wertschöpfung? Wie ist die Wertschöpfung der berühmuten US-Supermarkttüteneinpacker? Wird halt im Dienstleistungsbereich anders (nicht nach Output) gerechnet.

Das
ist in der traditionellen Produktion aufgrund der
Weltmarktpreise nicht mehr möglich, weil andere Anbieter Kohle
und Stahl usw. billiger verkaufen, als wir sie hier überhaupt
produzieren können (ohne Gewinn einzukalkulieren). Tatsächlich
müssen wir uns auf die Produktion von Produkten hoher
Qualität beschränken. Nicht zuletzt konzentrieren sich die
deutschen Stahlkonzerne auf die Produktion höherwertiger
Stähle und nicht mehr auf das Massengeschäft. Mit Automobilen
verdient man nur genug Geld, wenn sie von hoher Qualität sind,
Kias und Ladas wird man hier wohl kaum kostendeckend
produzieren bzw. verkaufen können.

Ist VW so hochwertig? Wird dennoch hier produziert. Jedenfalls als Endfertigung, die Zwischenprodukte kommen aus der ganzen Welt.

Hohe Qualität geht wieder
mit guter Ausbildung des Personals einher. Und das sind wir
wieder bei Aus- und Weiterbildung. Tatsächlich liegt vor uns
allerdings der Weg zu einer Dienstleistungs- und
Forschungsnation. Solange wir das Geld, was wir eigentlich für
diesen Strukurwandel bräuchten, für den Erhalt von
Kohlekapazitäten vergeuden, versauen wir uns Chancen für
unsere Zukunft.

Bestreite ich ja gar nicht.

Vergleichen wir Deutschland mal mit dem OECD-Durchschnitt:

Naja, der OECD-Durchschnitt ist auch nicht das Maß aller
Dinge. Wenn man sich die Mitgliedsstaaten der OECD anschaut

Sind immerhin die westlichen Industrieländer. Und den größten Anteil haben dort, allein wegen ihrer Größe, USA, Japan, England, Deutschland, Frankreich. Portugal z.B. da kaum in Durchschnitt ein.

http://www.oecd.org/oecd/pages/home/displaygeneral/0…

findet man auch Staaten, die man nicht zum Maßstab machen
sollte bzw. den Durchschnitt herunterziehen. Ich denke, wir
werden dürften uns sehr wundern, wo wir im Verhältnis zum
OECD-Durchschnitt befinden werden, wenn die osteuropäischen
Länder (mit unserem Geld) erstmal so richtig losgelegt haben.

Deutschland 25 Jahre 1% Wachstum
Ungarn 25 Jahre 10% Wachstum
Folge: BSP pro Kopf ist in Deutschland in 25 Jahren höher als in Ungarn
Das nur um den Abstand zu verdeutlichen.

Da meinte ich doch nur, dass Bio-Landwirtschaft mehr
Arbeitsplätze bedeutet als konventionelle Landwirtschaft. Ich
will nicht 4 Millionen in die Bio-Landwirtschaft stecken.

Ist schon klar. ICh meinte nur, daß auch eine wesentlich Anzahl an Arbeitsplätzen so nicht zu generieren ist.

Ja, was ist hinreichende Wertschöpfung? Wie ist die
Wertschöpfung der berühmuten US-Supermarkttüteneinpacker? Wird
halt im Dienstleistungsbereich anders (nicht nach Output)
gerechnet.

Die würde ich nicht heranziehen. Hier geht es um die Differenz zwischen Kostten und Erlösen. Die „Handelsspanne“ bei Dienstleistungen ist in der Regel höher, als bei Produktion.

Ist VW so hochwertig? Wird dennoch hier produziert. Jedenfalls
als Endfertigung, die Zwischenprodukte kommen aus der ganzen
Welt.

Also im Vergleich zu einem Hyundai oder einem Kia ist VW hochwertig. Eigentlich im Vergleich zu fast allen anderen Herstellern außerhalb Deutschlands. Das ist ja auch genau das, was ich meinte. Daß Audi, Daimler, BMW, VW noch in Deutschland produzieren, aber nicht FIAT, Lada oder Proton wird schon seinen Grund haben.

Sind immerhin die westlichen Industrieländer. Und den größten
Anteil haben dort, allein wegen ihrer Größe, USA, Japan,
England, Deutschland, Frankreich. Portugal z.B. da kaum in
Durchschnitt ein.

Das ist die Frage. Wird der Durchschnitt tatsächlich nach Wirtschaftskraft errechnet? Das waren doch alles reltive Zahlen ohne Außenbezug oder Bezug zur gesamten Wirtschaftskraft der OECD-Staaten.

Deutschland 25 Jahre 1% Wachstum
Ungarn 25 Jahre 10% Wachstum
Folge: BSP pro Kopf ist in Deutschland in 25 Jahren höher als
in Ungarn
Das nur um den Abstand zu verdeutlichen.

Das ist schon klar. Bei den von Dir zitierten Kenngrößen ging es aber nicht um BSP/Kopf, sondern um Patentanmeldungen, F&E, Grundlagenforschung usw.

Gruß
Christian

Da meinte ich doch nur, dass Bio-Landwirtschaft mehr
Arbeitsplätze bedeutet als konventionelle Landwirtschaft. Ich
will nicht 4 Millionen in die Bio-Landwirtschaft stecken.

Ist schon klar. ICh meinte nur, daß auch eine wesentlich
Anzahl an Arbeitsplätzen so nicht zu generieren ist.

Ok, da sind wir uns einig.

Ja, was ist hinreichende Wertschöpfung? Wie ist die
Wertschöpfung der berühmuten US-Supermarkttüteneinpacker? Wird
halt im Dienstleistungsbereich anders (nicht nach Output)
gerechnet.

Die würde ich nicht heranziehen. Hier geht es um die Differenz
zwischen Kostten und Erlösen. Die „Handelsspanne“ bei
Dienstleistungen ist in der Regel höher, als bei Produktion.

Ja, da hatte ich Dich wohl falsch verstanden. Weiter unten schriebst Du ja selbst von Dienstleistungen.

Deutschland 25 Jahre 1% Wachstum
Ungarn 25 Jahre 10% Wachstum
Folge: BSP pro Kopf ist in Deutschland in 25 Jahren höher als
in Ungarn
Das nur um den Abstand zu verdeutlichen.

Das ist schon klar. Bei den von Dir zitierten Kenngrößen ging
es aber nicht um BSP/Kopf, sondern um Patentanmeldungen, F&E,
Grundlagenforschung usw.

Das ist richtig. Aber das bezog sich darauf, dass Osteuropa in den nächsten Jahren so aufholen könnte, dass sie Deutschland überholen. Hierzu ist der Abstand schlicht zu gewaltig.

Dummerweise ließ er sich bei den anderen rund 25.000
Pleitefällen nicht blicken, obwohl es da möglicherweis mehr
gebracht hätte und mehr Arbeitsplätze erhalten worden wären.

Glaube ich nicht. Eine andere Pleite, wo ein so großes Unternehmen praktisch ohne staatliche Geldzusagen gerettet werden konnte, gab es meiner Ansicht nach nicht.

Nur dadurch
dass Holzmann so in die Öffentlichkeit geriet und die Rettung
Holzmanns praktisch zu einer nationalen Aufgabe hochstilisiert
wurde, haben die Banken ihre Einstellung geändert.

Nein, die Einstellung ist die gleiche. Nur hat man sich der
Demographie gebeugt. Letztlich sind die Kredit wohl schon
komplett abgeschrieben. Bei einer erneuten Pleite dürften die
Banken daher wohl kaum überhaupt den (damals in der
Anfangsphase recht engagierten) Versuch starten, den Laden zu
retten.

Ok, das ist durchaus möglich. Aber wie gesagt ohne Schröder wäre Holzmann schon vor 3 Jahren weg vom Fenster.

Witzigerweise dürften die verminderten Steuereinnahen aufgrund
der abgesetzten Abschreibungen bei den Banken einen wesentlich
höheren Betrag ausgemacht haben, als die ursprünglich
verkündete staatliche Hilfe.

Möglich, kann ich nicht beurteilen. Andererseits ohne Holzmann hätte wir ja auch geringere Steuereinnahmen.

Dennoch bleiben die Fragen:

  • War die Rettung richtig?
  • Geht Holzmann nicht trotz dieser Rettung in die Pleite?

Die Fragen kann man nicht isoliert betrachten. Wenn Holzmann
auf Dauer gesichert bleibt, hat sich das Affentheater
vielleicht gelohnt. Einerseits hat es sich auf jeden Fall
gelohnt, weil Arbeitnehmer beschäftigt blieben, auch wenn sie
in 1 oder 2 jahren doch auf der Straße stehen. Andererseits
dürfte die ausgefallene Bereinigung des deutschen Baugewerbes
mehr Arbeitsplätze gekostet haben, als es bei einer direkten
schmerzhaften Pleite des Chaosvereins gewesen wären. Auch den
weiterbeschäftigten Holzmännern kann die Verschleppung
geschadet haben, denn sie sind nun ein paar Jahre älter und
dürften nicht so schnell wieder einen anderen Job finden, wenn
es demnächst vielleicht doch wieder (und dann endgültig)
bergab geht. Im übrigen darf auch nicht vergessen werden, daß
aufgrund der Verluste, die bei den Banken angefallen sind,
auch dort Personal abgebaut wurde. Alles in allem ein
schwieriges Thema.

Ja, stimmt wohl auch alles. Außer: dass bei Banken Personal aufgrund Holzmann abgebaut wurde, bezweifel ich. Denke die Rationalisierung hätte es auch sonst gegeben.

Dummerweise ließ er sich bei den anderen rund 25.000
Pleitefällen nicht blicken, obwohl es da möglicherweis mehr
gebracht hätte und mehr Arbeitsplätze erhalten worden wären.

Glaube ich nicht. Eine andere Pleite, wo ein so großes
Unternehmen praktisch ohne staatliche Geldzusagen gerettet
werden konnte, gab es meiner Ansicht nach nicht.

Naja, mir ging es ja eben um die kleineren Fälle, die eben nicht so medienwirksam gewesen sind. Ich denke, daß die bunte Regierung aufgrund ihrer Politik mehr Arbeitsplätze bei den kleineren Unternehmen, die sich nicht halten konnten, auf dem Gewissen hat, als Schröder bei Holzmann gerettet hat. Aber das kann ich natürlich nicht belegen.

Möglich, kann ich nicht beurteilen. Andererseits ohne Holzmann
hätte wir ja auch geringere Steuereinnahmen.

Hm, naja, der Holzmann-Konzern hat in 1999 (dem Pleitejahr) DM 67 Mio. und in 2000 DM 23 Mio. Steuern gezahlt.

Gruß
Christian