4,3 Millionen Passanten

hallo,
im neuen Spiegel Artikel „Bündnis gegen Arbeit“ geht es
endlich einmal direkt zur Sache.

-Gewerkschaften, Konzerne und unsere vielversprechende
SPD-einfach-Regierung ***produzieren*** regelrecht
verhängnisvolle Arbeitslosigkeit.

-wer übernimmt die Verantwortung?

bzw. ist das nicht eine Sache für das Verfassungsgericht?

bitte um viel konstruktive Antworten zum Thema & Spiegel Artikel

(

Friedrich

schrteibe mal den Link. Möchte gerne etwas darüber wissen. Bin kein Spiegelkäufer
Grüße
Raimund

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,180489,00.html

Hi!

Der Artikel spricht mir als Mittelständler aus der Seele!
Wie oft habe ich hier gefragt: „wer schafft denn die Jobs?“, wie oft habe ich die Politik der Regierungssozis bzgl. der Vernichtung von Arbeitsplätzen und der Verhinderung von deren Neuschaffung kritisiert?

Nun wird es plötzlich eng und sogar das Sozialistenblatt „Der Spiegel“ hat erkannt, was die Stunde geschlagen hat. Einen Schuldigen hat man gleich in Walter Riester gefunden. Bestens. Daß die ganze Sache am generellen Grundverständnis der Deutschen und natürlich auch ihrer frei gewählten Regierung (die nie einen hehl aus ihren Zielen gemacht hat) krankt, will man jedoch nicht sehen.

Der Deutsche wählt den, der ihm Geld verspricht. Und solange noch Geld aus der Wirtschaft und den „Besserverdienenden“ (wozu mittlerweile wohl die Hälfte der Arbeitnehmer gehört) gepresst werden kann, hat der Prolet Oberwasser.
Aber was passiert, wenn der Mittelstand (dessen durchschnittl. Unternehmensgröße wächst) seine Macht nutzt und sich im Ausland ansiedelt, so wie die Großindustrie es schon längst getan hat? Wenn Deutschland nicht schleunigst aufwacht, können die Sozialisten i.V.m. der PDS hier ihren alten Schrott verwalten. Die Zukunft findet dann eben woanders statt.

Grüße,

Mathias

Danke.
Schrecklich… aber wahr!
Grüße
Raimund

Der Artikel spricht mir als Mittelständler aus der Seele!

Jaja, der gesunde Volkszorn.

Wie oft habe ich hier gefragt: „wer schafft denn die Jobs?“,

Der alles und sich selbst heilende Markt?

wie oft habe ich die Politik der Regierungssozis bzgl. der
Vernichtung von Arbeitsplätzen und der Verhinderung von deren
Neuschaffung kritisiert?

Schroeder hat Holzmann vernichtet, Bombardier zur Werksschliessung aufgefordert? Oder was meinst Du?

Nun wird es plötzlich eng und sogar das Sozialistenblatt „Der
Spiegel“ hat erkannt, was die Stunde geschlagen hat.

Die Linken halten den Spiegel fuer tiefschwarz.

Einen
Schuldigen hat man gleich in Walter Riester gefunden. Bestens.

Haengt Ihn auf, und alles wird gut.

Daß die ganze Sache am generellen Grundverständnis der
Deutschen und natürlich auch ihrer frei gewählten Regierung
(die nie einen hehl aus ihren Zielen gemacht hat) krankt, will
man jedoch nicht sehen.

Das die Sache evtl. am gesamten System krankt, unabhaengig von den bornierten Deutschen, dieser Schritt ist Dir trotzdem zu weit?

Der Deutsche wählt den, der ihm Geld verspricht.

Das war schon die Kritik der US-Gruendervaeter an der Demokratie. Das passiert, wenn man Demokratie von unten, i.e., Populismus betreibt.

Und solange
noch Geld aus der Wirtschaft und den „Besserverdienenden“
(wozu mittlerweile wohl die Hälfte der Arbeitnehmer gehört(sic!!!))
gepresst werden kann, hat der Prolet Oberwasser.

Wieso stellst Du erst fest, dass es keine Proleten mehr gibt (als Schicht oder Klasse), und drischst dann doch auf dieses Phantom ein?

Aber was passiert, wenn der Mittelstand (dessen durchschnittl.
Unternehmensgröße wächst) seine Macht nutzt und sich im
Ausland ansiedelt, so wie die Großindustrie es schon längst
getan hat? Wenn Deutschland nicht schleunigst aufwacht, können

Wenn der Mittelstand das tun kann, dann ist er zur Gross- oder Massenindustrie geworden. Soll ja vorkommen. Der „neue“ Mittelstand wie Reinigungsfirmen, outgesourcete Buchhaltung, Kantinenbetrieb, Einzelhandel,… der ist so lokal gebunden, der kann gar nicht ins Ausland (wenn doch, dann nennt man die Erscheinung wohl Voelkerwanderung).

die Sozialisten i.V.m. der PDS hier ihren alten Schrott
verwalten. Die Zukunft findet dann eben woanders statt.

Das passiert auch mit den Christ-Sozialisten von der Union, die haben auch keine besseren Ideen. Nur, wenn es einmal in D keine Wirtschaft mehr geben sollte, dann ist D auch kein Markt mehr, dann herrschen hier russische oder balkanische Zustaende.

Ciao Lutz

Ich wurde gebeten, solche missverstaendlichen Aussagen eindeutig als Satire bzw. Zynismus zu kennzeichnen, wenn ich sie nicht ganz lassen kann. Also bitte niemanden totmachen.

Lutz

Ich wurde gebeten, solche missverstaendlichen Aussagen
eindeutig als Satire bzw. Zynismus zu kennzeichnen, wenn ich
sie nicht ganz lassen kann. Also bitte niemanden totmachen.

Hi Lutz,

darum wurdest du wirklich gebeten???

Ich fühle mich wie unter lauter Bankern. Einer macht nen Witz, alle lachen und anschließend muss der der Ihn gemacht hat noch zwingend sagen : War 'n Witz! Und das wahrscheinlich nur, damit sich keiner auf die Füße getreten fühlt.

Gruß Ivo

Holzmann
Hi,

Schroeder hat Holzmann vernichtet, Bombardier zur
Werksschliessung aufgefordert? Oder was meinst Du?

die Legende, daß Schröder Holzmann gerettet habe, wird sich wohl bis zum Ende aller Tage halten. Die DM 100 Mio. Bürgschaft stellt in ihrer Größenordnung im Verhältnis zu den Gesamtverbindlichkeiten nur eine Rundungsdifferenz dar. Desweiteren wird die Bundesbürgschaft bis heute (soweit ich weiß) noch immer von der EU diskutiert. D.h., daß die (vorläufige) Rettung der P. Holzmann AG mit Sicherheit nicht der Bundesregierung zugeschrieben werden kann.

Gruß
Christian

Schroeder hat Holzmann vernichtet, Bombardier zur
Werksschliessung aufgefordert? Oder was meinst Du?

die Legende, daß Schröder Holzmann gerettet habe, wird sich
wohl bis zum Ende aller Tage halten. Die DM 100 Mio.
Bürgschaft stellt in ihrer Größenordnung im Verhältnis zu den
Gesamtverbindlichkeiten nur eine Rundungsdifferenz dar.

Ist richtig, doch ohne diese Rundungsdifferenz wäre Holzmann damals in den Konkurs gedrängt worden. An diesen „Peanuts“ wäre der Konkurs fast gescheitert. Insofern bleibt die Aussage richtig, dass Schröder Holzmann gerettet hat.

Man kann allenfalls diskutieren, ob diese Rettung richtig war und ob nicht Holzmann Jahre später doch in den Konkurs muß.

Desweiteren wird die Bundesbürgschaft bis heute (soweit ich
weiß) noch immer von der EU diskutiert.

Eben. Schröder hat Holzmann also mit einer Bürgschaft gerettet, die eventuell später als unzulässig und damit ungültig erklärt wird. Also ohne einen einzigen Pfennig. Aber ohne diesen nicht-Pfennig wäre Holzmann heute halt schon liquidiert worden.

Tag Ralf,

als Insider kann ich nicht alles sagen, was ich möchte. In jedem Fall ist der Auftritts Schrödera eher als Erpressungsversuch gegenüber den Banken zu bezeichnen. Tatsächlich machte die Bürgschaft des Bundes bei 16 Mrd DM Schulden nur ein Tropfen auf den heißen Stein aus und spielten letztlich keine Rolle. Vielmehr erstreckte sich seine Rolle auf den großen Andeuter dahingehend, der Öffentlichket zu verraten, welche Banken am Pseudosanierungskonzep nicht teilnehmen wollten.

Das waren zunächst alle. Nach seinem Auftritt waren das ein paar weniger und wir dürfen alle raten, welche Banken ein Interesse daran hatten, beim Bund nicht in Ungnade zu fallen. Schließlich ist das Gewinnpotential bei Bundesanleihen beträchtlich.

Nein, die Holzmann-Rettungsaktion war ein PR-Gag, den einige Banken teuer bezahlt haben. Der Name Commerzbank sei nur exemplarisch genannt.

Gruß
Christian

als Insider kann ich nicht alles sagen, was ich möchte. In
jedem Fall ist der Auftritts Schrödera eher als
Erpressungsversuch gegenüber den Banken zu bezeichnen.
Tatsächlich machte die Bürgschaft des Bundes bei 16 Mrd DM
Schulden nur ein Tropfen auf den heißen Stein aus und spielten
letztlich keine Rolle. Vielmehr erstreckte sich seine Rolle
auf den großen Andeuter dahingehend, der Öffentlichket zu
verraten, welche Banken am Pseudosanierungskonzep nicht
teilnehmen wollten.

Eben. Sag ich doch. Schröder hat Holzmann gerettet, ohne dass dies dem Bund einen Pfennig gekostet hat. Ein Meisterstück.

Das waren zunächst alle. Nach seinem Auftritt waren das ein
paar weniger und wir dürfen alle raten, welche Banken ein
Interesse daran hatten, beim Bund nicht in Ungnade zu fallen.
Schließlich ist das Gewinnpotential bei Bundesanleihen
beträchtlich.

Nein, die Holzmann-Rettungsaktion war ein PR-Gag, den einige
Banken teuer bezahlt haben. Der Name Commerzbank sei nur
exemplarisch genannt.

Sagen wir so: ohne den PR-Gag wäre Holzmann jetzt liquidiert. Daher ein für die Rettung notwendiger PR-Gag, d.h. Schröder hat Holzmann nur durch ein PR-Gag gerettet. Denn die Banken hatten den Konkurs Holzmanns schon ausgemacht. Nur dadurch dass Holzmann so in die Öffentlichkeit geriet und die Rettung Holzmanns praktisch zu einer nationalen Aufgabe hochstilisiert wurde, haben die Banken ihre Einstellung geändert.

Dennoch bleiben die Fragen:

  • War die Rettung richtig?
  • Geht Holzmann nicht trotz dieser Rettung in die Pleite?

Aber unbestreitbar ist, dass Schröder Holzmann gerettet hat.

Hi,

Schroeder hat Holzmann vernichtet, Bombardier zur
Werksschliessung aufgefordert? Oder was meinst Du?

die Legende, daß Schröder Holzmann gerettet habe, wird sich
wohl bis zum Ende aller Tage halten.

Es ist zwar schon alles von Ralf gesagt, aber ich wollte wirklich nicht behaupten, Schroeder haette Holzmann gerettet. Er hat alles ihm moegliche (und fast schon unmoegliche, wie Du angemerkt hast) getan, eine Rettung herbeizufuehren, den sozialen Frieden im Lande zu stuetzen. Auch wenn das vergeblich sein sollte, absichtlich Arbeitsplaetze vernichtet hat er nicht.

Ciao Lutz

Ich wurde gebeten, solche missverstaendlichen Aussagen
eindeutig als Satire bzw. Zynismus zu kennzeichnen, wenn ich
sie nicht ganz lassen kann. Also bitte niemanden totmachen.

Hi Lutz,

darum wurdest du wirklich gebeten???

Ja, in einem anderen Brett (Finanzen?, es ging um Geldanlage/Geldverbrennen), bei einer noch harmlosen (eher Satire) Anspielung wurden mir als Antwort die Verhaltensregeln von www kopiert.

Menschen gibt es. Zumal dieses vollstaendige Kopieren demselben Kodex zuwiderlief, nur Relevantes zu zitieren.

Ciao Lutz

Schroeder hat Holzmann vernichtet, Bombardier zur
Werksschliessung aufgefordert?

Hallo Lutz,

keine Frage, es macht etwas her, wenn der Kanzler in letzter Minute auftaucht und ein Unternehmen oder einen Produktionsstandort „rettet“. Kann ein Politiker ein Unternehmen überhaupt retten? Wenn ein Unternehmer meint, an einem Standort mit der Produktion Geld verdienen zu können, wird er den Standort nicht aufgeben. Wenn dort aber kein Geld verdient werden kann, ist es dann vernünftig, den Standort zu erhalten?
Ist es vernünftig, Unternehmen zu stützen, die sich in einem durch Verdrängung und Überkapazitäten gekennzeichneten Marktsegment bewegen? Wird an solchen Stellen nicht Geld verbraten, um nicht mehr wettbewerbsfähige Strukturen noch eine Weile am Leben zu erhalten? Ist solches Handeln nicht sogar kontraproduktiv, weil ein erforderlicher Strukturwandel aufgehalten wird?

Waggonbau gibts an vielen Stellen in Deutschland und überall auf der Welt im Übermaß. Ähnlich ist es im Hochbau. Wird einer staatlich gestützt, haben es alle anderen auszubaden. Der zu verteilende Kuchen wird nicht dadurch größer, daß Herr Schröder vor den Werkstoren in Kameras grinst.

Ich spüre zu viel von der wir-wollen-keine-Veränderung-Mentalität. Es werden mir einfach zu oft die Familienväter von Ende 40 oder Anfang 50 bemüht, die 20 Jahre im abgewirtschafteten Betrieb gearbeitet haben und kein Gedanke daran, daß diese Leute auch noch einmal etwas ganz Neues anfangen könnten. Ein paar Jährchen noch und dann in den Vorruhestand. Solche Versorgungsmentalität der Familienväter soll von ihren Kindern bezahlt werden. Ich halte das Verhalten für asozial. Und für asozial halte ich es auch, die überkommenen Strukturen und Wirtschaftszweige zu stützen, wenn dann zu wenig bleibt, um etwas Neues zu schaffen. So mögen zwar des Kanzlers Auftritte medienwirksam gewesen sein, aber gesamtwirtschaftlich nützlich waren sie gewiß nicht.

Gruß
Wolfgang

Schroeder hat Holzmann vernichtet, Bombardier zur
Werksschliessung aufgefordert?

Hallo Lutz,

keine Frage, es macht etwas her, wenn der Kanzler in letzter
Minute auftaucht und ein Unternehmen oder einen
Produktionsstandort „rettet“. Kann ein Politiker ein
Unternehmen überhaupt retten? Wenn ein Unternehmer meint, an
einem Standort mit der Produktion Geld verdienen zu können,
wird er den Standort nicht aufgeben. Wenn dort aber kein Geld
verdient werden kann, ist es dann vernünftig, den Standort zu
erhalten?

Ich wiederhole mich gerne: Ich habe die Aussage ueberdehnt, dass „die Sozis“ aktiv und absichtlich Arbeitsplaetze vernichten. Dass sie in der gleichen Weise keine aus dem Hut zaubern koennen, ist mir auch klar.

Ist es vernünftig, Unternehmen zu stützen, die sich in einem
durch Verdrängung und Überkapazitäten gekennzeichneten
Marktsegment bewegen?

Ja, wenn dieses Marktsegment fuer das Ueberleben der Gesellschaft wichtig ist und droht, vollstaendig zu kollabieren. Es ist ja nicht so, dass es keinen Bedarf an neuen Gebaeuden bzw. Sanierung bestehender gibt. Gerade im oeffentlichen Sektor (Schulen z.B.) liegt da einiges im Argen. Es sit nur kein Geld da, um die Auftraege auch auszuloesen.

Deine Argumentation kann hervorragend auch auf die Mehrzahl der landwirtschaftlichen Betriebe bezogen werden. Streichen wir doch alle Agrarsubventionen und schaffen die Landwirtschaft in Westeuropa ab!

Wird an solchen Stellen nicht Geld
verbraten, um nicht mehr wettbewerbsfähige Strukturen noch
eine Weile am Leben zu erhalten? Ist solches Handeln nicht
sogar kontraproduktiv, weil ein erforderlicher Strukturwandel
aufgehalten wird?

Dann muesste man eine neue praktikable Struktur wenigstens in Ansetzen schon haben, denn ein Zusammenbruch ohne Ersatz waere eine Katastrophe. Jede Partei wuerde zur Zeit begierig einen solchen Vorschlag sich zu eigen machen.

Waggonbau gibts an vielen Stellen in Deutschland und überall
auf der Welt im Übermaß.

Weil die Produktion effektiver wurde und gleichzeitig der Markt kleiner. Das ist betriebswirtschaftliche Rationalitaet, die nicht mehr zum besseren Funktionieren der Gesellschaft beitraegt, sondern zu deren Zusammenbruch.

Ähnlich ist es im Hochbau.

Genau. (Ich denke, damit ist die ueberirdische Baubranche gemeint, nicht der Wolkenkratzerbau.)

Wird einer
staatlich gestützt, haben es alle anderen auszubaden. Der zu
verteilende Kuchen wird nicht dadurch größer, daß Herr
Schröder vor den Werkstoren in Kameras grinst.

Er wird auch nicht groesser, wenn er es nicht tut. Politik ist gerade heute immer mehr die Wahl zwischen zwei falschen Entscheidungen. Haushalt sanieren oder Standort mit Subventionen attraktiver machen? Z.B.

Ich spüre zu viel von der
wir-wollen-keine-Veränderung-Mentalität.

Weil heute jede Veraenderung, jede „Reform“, sofort zu spuerbaren Verschlechterungen fuehrt?

Es werden mir einfach
zu oft die Familienväter von Ende 40 oder Anfang 50 bemüht,
die 20 Jahre im abgewirtschafteten Betrieb gearbeitet haben
und kein Gedanke daran, daß diese Leute auch noch einmal etwas
ganz Neues anfangen könnten.

Laesst sie denn einer? Oder sollen die alle Selbstaendig werden? Meine Mutter hat es gerade so geschafft und ist hart an der Grenze der Rentabilitaet, eine von etwa 20.

Ein paar Jährchen noch und dann
in den Vorruhestand. Solche Versorgungsmentalität der
Familienväter soll von ihren Kindern bezahlt werden.

Von wem sonst? Soll der Staatsdienst aufgeblaeht werden, um den Schein von Beschaeftigung zu erhalten? Sollen die Kommunen mehr schulden machen, um mehr Auftraege zu vergeben?

Wenn die Wirtschaft sie verwerten koennte, dann wuerde sie es tun. Wenn sie es nicht kann, soll dann die alternative Muellverbrennungsanlage heissen (Vorsicht, Zynismus.)?

Ich halte
das Verhalten für asozial. Und für asozial halte ich es auch,
die überkommenen Strukturen und Wirtschaftszweige zu stützen,
wenn dann zu wenig bleibt, um etwas Neues zu schaffen.

Du moechtest also eine Revolution machen. Konkretisiere mal Deine Utopie. Mir scheint, es kommt ein Alptraum heraus, der schon vor 200 Jahren von Herrn Hobbes zu Papier gebracht wurde (Leviathan).

Und asozial, gegen das Zusammenleben der Menschen gerichtet, ist es, den Elenden der Gesellschaft nicht mal mehr das Stueck Brot zu goennen. Wobei Elend in einer industrialisierten Gesellschaft anders aussieht als in der 3. Welt oder in Europa um 1850.

So
mögen zwar des Kanzlers Auftritte medienwirksam gewesen sein,
aber gesamtwirtschaftlich nützlich waren sie gewiß nicht.

Sollten sie das? Was hat Politik mehr zu tun mit der Wirtschaft, als die Spielregeln der Wirtschaft zu garantieren? Gegenueber der Gesellschaft gibt es noch die Sozialpolitik, aber die hat nur indirekt mit der Wirtschaft zu tun.

Ciao Lutz

Du moechtest also eine Revolution machen. Konkretisiere mal
Deine Utopie. Mir scheint, es kommt ein Alptraum heraus…

Hallo Lutz,

denn mal „Butter bei die Fische“: Thema ist die zu hohe Zahl an Arbeitslosen. Diese sind bei steigender Produktivität nur über Wirtschaftswachstum in Lohn und Brot zu bringen. Wo soll das Wachstum realisiert werden? Wollen wir mehr Steinkohle fördern? Wollen wir die landwirtschaftliche Produktion intensivieren? Oder mehr Autos bauen? Merkst was? Auf den alten Tätigkeitsfeldern funktioniert die Sache nicht so recht. Wir können natürlich auch mehr Staatsdiener einstellen. Wie wäre es mit ein paar zig tausend Planstellen bei der Bundesanstalt für Arbeit? Man könnte natürlich auch die Belegschaften der statistischen Ämter vervielfachen. Es gibt viele Wege, dafür zu sorgen, daß die Menschen irgendwie beschäftigt sind. Nur können wir uns noch mehr Menschen, die letztlich nur Kostgänger (das Wort Parasit vermeide ich, obwohl es passender wäre) der Wirtschaft sind, nicht leisten. Wir könnten natürlich beliebig viele Arbeitsplätze durch Rüstung schaffen. Es werden eben mehr Panzer, Flugzeuge, Raketen und Fregatten gebaut. Das schafft tatsächlich für einige Zeit Arbeitsplätze. Nur wird man feststellen, daß das ausgegebene Geld einfach weg ist, als sei es verbrannt. Mit dem Geld wurde nämlich nichts Selbsttragendes angeschoben, nichts initiiert, wie ich hier schon an anderer Stelle schrieb.

Der amerikanische Weg der Rüstung entfacht also kurzfristig ein wirtschaftliches Strohfeuer, mündet aber in dauerhaften (Zins)Lasten, ohne daß etwas bewegt wurde. Ist also ein Irrweg. Der seit vielen Jahren gegangene deutsche Weg, alte Industrien um jeden Preis am Leben zu erhalten, beschert uns seit vielen Jahren viele Millionen Menschen, für die es keine Arbeit gibt. Der Weg taugt also offenkundig nichts.

Wenn die alten Industrien entweder auf dem absteigenden Ast oder in der Marktsättigung sind, brauchen wir eben neue Betätigungsfelder. Diese Betätigungsfelder sind all das, was die Natur- und Ingenieurwissenschaften hergeben, von der Medizin, über Chemie, Elektrotechnik, Elektronik, Umweltschutz…

Dafür brauchen wir wirklich niemanden, der nur betet, daß unser Bildungssystem das beste der Welt sei. Dieses Gebet wurde seit Jahrzehnten gesprochen und ob es je stimmte, weiß ich nicht. Heute stimmt es jedenfalls nicht mehr. Wir brauchen viele naturwissenschaftlich und technisch bestens ausgebildete Leute. Wir brauchen Leute mit interdisziplinären Kenntnissen, Leute, die unterschiedliche Sach- und Wissensgebiete vernetzen. Ausgebildete Menschen fallen nicht vom Himmel und diese Menschen aus Bulgarien oder Indien zu holen, halte ich in mehrfacher Hinsicht für einen Irrweg. Einerseits sind so zahlenmäßig um viele Zehnerpotenzen zu wenige Fachleute rekrutierbar und man reißt anderweitig empfindliche Löcher, was bei näherem Hinsehen auch nicht unser längerfristiges Interesse sein kann. Unterentwickelte Volkswirtschaften sind Empfänger von Ernährungsprogrammen. Wir brauchen aber Handelspartner für Industrieprodukte, die als Bezahlung mehr zu bieten haben, als volkstümliche Teppiche und Felle.

Die ersten Früchte gewaltiger Bildungsanstrengungen wird man in etwa 5 Jahren sehen. Gleichzeitig sind Forschung und Entwicklung auf allen Gebieten zu intensivieren. Wir haben keine nennenswerten Bodenschätze zum Ausbuddeln, sind in der Hinsicht also ein armes Land. Wir haben nur die Möglichkeit, Technologieführerschaft auf möglichst vielen Gebieten zu erarbeiten. Bis dabei die ersten Erfolge sichtbar werden, vergehen auch 5 Jahre.

Das ist alles nichts für Politiker, die es gewohnt sind, sich vor einem neu gestylten Auto mit der neuesten Farbgebung und veränderter Form der Scheinwerfer den Kameras zu präsentieren. Das ist auch nichts für Herren, die stolz sind, wenn ein maroder Laden, dessen Produkte schwer verkäuflich sind, noch eine Weile weiter wursteln kann. Das ist auch nichts für ein Publikum, das ab 40, spätestens ab 50 an Rente denkt. Das ist nichts für ein Volk von Sachbearbeitern, die möglichst schnell eine Karriere als Versorgungsempfänger erträumen. Es ist auch nichts für ein Volk, dessen durchschnittliche Lebenserwartung bei Ende 70 liegt, wo man aber mehrheitlich der Meinung ist, daß man mit 40 oder 50 nichts mehr neu lernen kann. Das alles ist auch in einem Land nicht finanzierbar, wo die Leute für eine Brille oder Pillen gegen Durchfall die Solidargemeinschaft bemühen. Und schließlich ist das alles nur finanzierbar, wenn man sämtliche Armeen der EU abschafft und durch eine einzige, kleine aber feine, gut ausgebildete und gut ausgerüstete Eingreiftruppe ersetzt.

Man kann es auch anders ausdrücken: Wer Bildung und Forschung für den Schlüssel zur Problemlösung und Zukunftssicherung ansieht, muß bereit sein, mehr als nur ein paar Alibi-Millionen zu verkleckern. Mehrstellige Milliardenbeträge sind erforderlich und die müssen irgendwo herkommen. Die Aufwendungen sind so gewaltig, daß dafür eine spürbarer Umbau der Ausgabenstruktur unseres Staates nötig ist, daß man die bisher größten Haushaltsposten angreifen muß, nämlich Personalausgaben des Staates, der dafür verschlankt werden muß; Sozialausgaben, was zu mehr Eigenverantwortung des Einzelnen führen muß und Verteidigung, wobei ich die nationalen Streitkräfte in der EU für anachronistisch halte.

Das alles ist nicht von jetzt auf gleich zu haben, aber es muß wenigstens begonnen werden. Wir müssen uns endlich fragen (und die Antworten finden), weshalb die wesentlichen Teile unserer PCs in den USA entwickelt wurden, weshalb das meistverwendete Betriebssystem ein amerikanisches Produkt ist, weshalb wichtigste Schlüsselprodukte der Elektronik aus den USA kommen, weshalb praktisch die gesamte Unterhaltungselektronik Deutschlands vor die Hunde gegangen ist, weshalb auf Produkten der Meßtechnik Anritsu oder Tektronix steht, weshalb viele Leute richtig stolz darauf sind, daß sie keine Ahnung haben, „wie der Strom in die Steckdose kommt“ und weshalb mancher Abiturient mit einem Dreisatz überfordert ist. Wir sollten uns fragen, ob wir uns Lehrer leisten können, die Fortbildung als schwierig organisierbar bezeichnen, weil dafür Unterricht ausfallen muß (auf die Idee, die Schulferien dafür zu nutzen, will niemand kommen) und wir sollten uns fragen, ob Gewerkschaften auf dem richtigen Weg sind, die Überstundenabbau fordern (die Umrechnung auf den einzelnen Beschäftigten und den einzelnen Tag ergibt so lächerliche Zahlen, daß das Bild schon kippt, je nachdem, ob der Einzelne vor oder nach dem feierabendlichen Stempeln aufs Klo geht).

Wer an den Zuständen nur halbherzig etwas ändert, nur in Besitzstandswahrung denkt und das wirksame Umsteuern für Utopie hält, soll den Alptraum von über 4 Millionen Arbeitslosen weiterträumen.

Es werden keine Leute mehr gebraucht, die permanent mahnen, auf welche Probleme Veränderungen stoßen werden. Die Veränderungen müssen her oder der Leidensdruck ist noch nicht groß genug.

Gruß
Wolfgang

denn mal „Butter bei die Fische“: Thema ist die zu hohe Zahl
an Arbeitslosen. Diese sind bei steigender Produktivität nur
über Wirtschaftswachstum in Lohn und Brot zu bringen.

Falsch. Nicht nur. Es gibt auch andere Möglichkeiten. Holland gelingt dies über verstärkte Teilzeit. Frankreich gelingt dies über allgemeine Arbeitszeitverkürzung. Auch ein Abbau von Barrieren wäre eine Möglichkeit. Nur auf Wirtschaftswachstum zu setzen, ist zu monokausal.

Wo soll
das Wachstum realisiert werden? Wollen wir mehr Steinkohle
fördern? Wollen wir die landwirtschaftliche Produktion
intensivieren? Oder mehr Autos bauen? Merkst was? Auf den
alten Tätigkeitsfeldern funktioniert die Sache nicht so recht.

Na, bei Autos funktioniert es noch recht gut. Und mehr Bio-Landwirtschaft bedeutet auch tendenziell mehr Arbeitskräfte. Auch das ist zu monokausal. Aber tendenziell nicht falsch.

Dafür brauchen wir wirklich niemanden, der nur betet, daß
unser Bildungssystem das beste der Welt sei. Dieses Gebet
wurde seit Jahrzehnten gesprochen und ob es je stimmte, weiß
ich nicht. Heute stimmt es jedenfalls nicht mehr.

Heute wird das deutsche Bildungssystem schlechter gemacht als es ist. Sicher, es ist verbesserungsfähig, aber eben auch nicht so schlecht wie es gegenwärtig gemacht wird.

Die ersten Früchte gewaltiger Bildungsanstrengungen wird man
in etwa 5 Jahren sehen. Gleichzeitig sind Forschung und
Entwicklung auf allen Gebieten zu intensivieren.

Vergleichen wir Deutschland mal mit dem OECD-Durchschnitt:

  • Staatliche Ausgaben für F&E in % des BIP -> D höher
  • Betriebliche F&E-Intensität in der Industrie -> D höher
  • Beschäftigungsgrad in Branchen mit höherwertiger Technologie -> D höher
  • Beschäftigte in F&E pro 1000 Beschäftige -> D höher
  • Patentanmeldungen je Mio. Erwerbstätige -> D höher
  • Anteil an Grundlagenforschung an allen Forschungsaktivitäten -> D höher

Das alles ist nicht von jetzt auf gleich zu haben, aber es muß
wenigstens begonnen werden. Wir müssen uns endlich fragen (und
die Antworten finden), weshalb die wesentlichen Teile unserer
PCs in den USA entwickelt wurden, weshalb das meistverwendete
Betriebssystem ein amerikanisches Produkt ist, weshalb
wichtigste Schlüsselprodukte der Elektronik aus den USA
kommen, weshalb praktisch die gesamte Unterhaltungselektronik
Deutschlands vor die Hunde gegangen ist, weshalb auf Produkten
der Meßtechnik Anritsu oder Tektronix steht,

Ja, so haben halt die Länder ihre verschiedenen Stärken. Die deutschen Stärken liegen z.B. auf dem Gebiet der Umweltschutztechnologie.

Insgesamt ist mir Deine Vorstellung zu monokausal (Forschung & Bildung für höheres Wachstum). Also eben nicht grundsätzlich falsch, aber monokausal.

Hi,

mal ehrlich, das hast Du frueher schon geschrieben und hier reinkopiert. Ich nehme saemtliche (auch impliziten) Vorwuerfe der Unmenschlichkeit zurueck. Nach meiner Meinung bist Du viel weiter, als die VWL-Religion, aber noch nicht radikal genug. Genaueres dazu weiter unten in meiner Diskussion mit Mathias, „75% Arbeitslose wollen einen Job“ bzw. was ich mit diesen Diskussionen selber versuche zu verstehen: http://www.krisis.org , zuerst vielleicht die Geldartikel von 95, „Die Himmelfahrt des Geldes“…, und zum philosophischen Hintergrund die „noch-marxistischen“ von Peter Klein zur Demokratie. Das liest sich weniger schrecklich, als es das Tabu-Wort „Marx“ suggeriert.

Nur noch kurz und nebenbei:

denn mal „Butter bei die Fische“: Thema ist die zu hohe Zahl
an Arbeitslosen. Diese sind bei steigender Produktivität nur
über Wirtschaftswachstum in Lohn und Brot zu bringen. Wo soll
das Wachstum realisiert werden?

Das ist die Gretchenfrage des Kapitalismus.

(das Wort Parasit vermeide ich,
obwohl es passender wäre)

Ich wuerde es nicht mal denken. Ist so ein Ventil erst mal da, ob es nun Parasit, Sozialschmarotzer, Spekulant, islamischer Terrorist, juedischer Volksfeind,… heisst, dann hat es die Tendenz, sich unkontrolliert und irrational auszuweiten. Die Konsequenzen wurden schon oefter durchgespielt.

[Ruestung]

volle Zustimmung

alte
Industrien um jeden Preis am Leben zu erhalten, beschert uns
seit vielen Jahren viele Millionen Menschen, für die es keine
Arbeit gibt.

Das solltest Du noch mal ueberdenken. Zumindest dem Wortlaut nach klingt es paradox. Erhaltung von Arbeitsplaetzen schafft Arbeitslose.

Wenn die alten Industrien entweder auf dem absteigenden Ast
oder in der Marktsättigung sind, brauchen wir eben neue
Betätigungsfelder. Diese Betätigungsfelder sind all das, was
die Natur- und Ingenieurwissenschaften hergeben, von der
Medizin, über Chemie, Elektrotechnik, Elektronik,
Umweltschutz…

Aber bieten diese wirklich Vollbeschaeftigung? Wer soll das bezahlen, das sind doch meist auch (wert-)verbrauchende Taetigkeiten wie Umweltschutz, Infrastruktur, Bildung, Verwaltung, Gesundheit,…

Dafür brauchen wir wirklich niemanden, der nur betet, daß
unser Bildungssystem das beste der Welt sei. Dieses Gebet
wurde seit Jahrzehnten gesprochen und ob es je stimmte, weiß
ich nicht.

Ich denke schon. Der Stand der humanistischen Bildung war hoch, aber auf die oberen Staende beschraenkt. Als die Staende sich aufloesten, hat das in die Breite gestrahlt, einfach durch das Beharrungsvermoegen der alten Lehrplaene, bevor die Vermassung, derr Konformismus das Niveau wiederr runterdrueckte. Ich denke, die „goldene Zeit“ war so um die Wirtschaftswunderzeit, bis in die 80er machten Leistungskurse noch Sinn,…

Einerseits sind so
zahlenmäßig um viele Zehnerpotenzen zu wenige Fachleute
rekrutierbar und man reißt anderweitig empfindliche Löcher,
was bei näherem Hinsehen auch nicht unser längerfristiges
Interesse sein kann.

Dir ist das qualitativ neue dieser Notwendigkeit bewusst? Dass ein Arbeitsmarkt, auf dem Arbeitskraft gegen Lohn getauscht wird, bei aller Anpassung, zu primitiv werden koennte?

Unterentwickelte Volkswirtschaften sind
Empfänger von Ernährungsprogrammen. Wir brauchen aber
Handelspartner für Industrieprodukte, die als Bezahlung mehr
zu bieten haben, als volkstümliche Teppiche und Felle.

Dann muesste dort investiert werden. Damit kommt das Standortproblem zum Tragen, die ganze industrielle Infrastruktur, angefangen bei einer stabilen Stromversorgung, Strassen nach Autobahnmassstaeben,… und noch lange nicht endend bei einem stabilen Justizsystem. Das kann inzwischen nicht mal mehr in den Industrienationen ausreichend finanziert werden, und die Komplexitaet steigt.

Das ist alles nichts für Politiker, die es gewohnt sind, sich
vor einem neu gestylten Auto mit der neuesten Farbgebung und
veränderter Form der Scheinwerfer den Kameras zu präsentieren.

DAS ist genau die Aufgabe von Politikern in einer repraesentativen Demokratie, zu repraesentieren und nebenbei noch etwas Interessenausgleich zu betreiben. Utopien haben da nix zu suchen. Politik reagiert, agiert nicht.

Das ist
nichts für ein Volk von Sachbearbeitern, die möglichst schnell
eine Karriere als Versorgungsempfänger erträumen.

Damit sind sie aber voll zum System konform: Moeglichst viel erreichen ohne viel zu tun. Das Extrem wird staendig lauthals beworben: „Lassen Sie Ihr Geld fuer sich arbeiten!“ Jeder weiss oder ahnt, dass es Unfug ist, trotzdem gehoert es zu den Wahrheiten dieser Gesellschaft.

Und schließlich ist das alles nur
finanzierbar, wenn man sämtliche Armeen der EU abschafft und
durch eine einzige, kleine aber feine, gut ausgebildete und
gut ausgerüstete Eingreiftruppe ersetzt.

Wozu braucht man dann noch eine industrielle Wirtschaft, einen Nationalstaat? Ok, das ist ein extremer Standpunkt, aber lesenswert. Wie oben: „Der Knall der Moderne“

Mehrstellige Milliardenbeträge
sind erforderlich und die müssen irgendwo herkommen.

Sehr richtig, auch ohne gleich die Weltrevolution zu verlangen (ob es allerdings am Ende nicht ohne sie geht, ist eine andere Frage)

Die
Aufwendungen sind so gewaltig, daß dafür eine spürbarer Umbau
der Ausgabenstruktur unseres Staates nötig ist, daß man die
bisher größten Haushaltsposten angreifen muß, nämlich
Personalausgaben des Staates, der dafür verschlankt werden
muß; Sozialausgaben, was zu mehr Eigenverantwortung des
Einzelnen führen muß und Verteidigung, wobei ich die
nationalen Streitkräfte in der EU für anachronistisch halte.

Du verlangst also eine vollstaendige Aenderung der gesamten verfassten Struktur unserer Gesellschaft. Das hat man mal der PDS zum Vorwurf gemacht.

Das alles ist nicht von jetzt auf gleich zu haben, aber es muß
wenigstens begonnen werden. Wir müssen uns endlich fragen (und
die Antworten finden), weshalb die wesentlichen Teile unserer
PCs in den USA entwickelt wurden,

Stimmt nicht. Die Prinzipien stammen alle aus Europa, produziert wird in Asien/pazifischem Raum. „Lediglich“ die Periode der Miniaturisierung fand wesentlich in den Staaten statt.

weshalb das meistverwendete
Betriebssystem ein amerikanisches Produkt ist,

Gepresst und verpackt wird es in Irland, verkauft in D von einer deutschen Firma (auch wenn diese Mikrosoft Deutschland heisst).

weshalb
wichtigste Schlüsselprodukte der Elektronik aus den USA
kommen,

Ist das sicher? Ich dachte da eher an Japan und Taiwan.

weshalb praktisch die gesamte Unterhaltungselektronik
Deutschlands vor die Hunde gegangen ist,

Weil in Ungarn nebenan billiger produziert werden kann? Weil es bei der erreichten Produktivitaet nur noch wenige Produktionszentren geben kann, weil der Weltmarkt zu klein wird? Nichts gegen Deine Trauer um den deutsche Standort, aber es sieht nirgendwo viel besser aus.

weshalb auf Produkten
der Meßtechnik Anritsu oder Tektronix steht, weshalb viele

Ist das nun amerikanischen oder japanischen Ursprungs?

weshalb mancher
Abiturient mit einem Dreisatz überfordert ist.

Schlimmer. Ehemaliger Waldorfschueler und jetzt Physikstudent, muss u.a. die Grundlagen der Bruchrechnung muehsam nacharbeiten.

Wir sollten uns
fragen, ob wir uns Lehrer leisten können, die Fortbildung als
schwierig organisierbar bezeichnen, weil dafür Unterricht
ausfallen muß (auf die Idee, die Schulferien dafür zu nutzen,
will niemand kommen) und wir sollten uns fragen, ob

Kann es sein, dass die Lehrer frustriert sind, weil die Schueler so absolut nicht motiviert sind? Kann es sein, dass die Schueler zunehmend demotiviert sind, weil sie immer frueher den Zynismus dieser Welt begreifen? Z.B. dass der Hunger auf der Welt von heute auf morgen (naja, fast) beseitigt werden koennte, wenn da nicht das Geld dazwischenkaeme?

Alptraum von über 4 Millionen

Hat heute frueh einer runtergerechnet. Wenn man nur die zaehlt, die wirklich frei dem Arbeitsmarkt zur Verfuegung stehen (was immer das in Zeiten wachsender Anforderungen bedeuten mag), dann bleiben etwa gut 2 Mio. uebrig.

Andererseits, wenn man den Staat verschlankt, die Buerokratien „entschlackt“ und noch Dunkelziffern beachtet (z.B. Hausfrauen), koennte man sehr schnell auf ueber 10 Mio. kommen, die fuer den Arbeitsmarkt (mittelfristig) mobilisiert werden koennten. Es bleibt kompliziert.

Ciao Lutz

die Zukunft der deutschen Wirtschaft

Na, bei Autos funktioniert es noch recht gut. Und mehr
Bio-Landwirtschaft bedeutet auch tendenziell mehr
Arbeitskräfte. Auch das ist zu monokausal. Aber tendenziell
nicht falsch.

Das kann aber dauerhaft auch nicht funktionieren. Wir können schlecht die gesamte Bundesrepublk umgraben, was letztlich notwendig wäre, um eine wesentliche Anzahl von Arbeitsplätzen zu schaffen. Es geht doch um die Ressourcen, die wir haben. Boden und Bodenschätze fallen aus. Wenn wir nicht auf erkleckliche Teile unseres Gehaltes und sozialer Sicherungen verzichten wollen, bleibt nur die Schlußfolgerung, daß teure Arbeit auch eine hinreichende Wertschöpfung erzielen muß. Das ist in der traditionellen Produktion aufgrund der Weltmarktpreise nicht mehr möglich, weil andere Anbieter Kohle und Stahl usw. billiger verkaufen, als wir sie hier überhaupt produzieren können (ohne Gewinn einzukalkulieren). Tatsächlich müssen wir uns auf die Produktion von Produkten hoher Qualität beschränken. Nicht zuletzt konzentrieren sich die deutschen Stahlkonzerne auf die Produktion höherwertiger Stähle und nicht mehr auf das Massengeschäft. Mit Automobilen verdient man nur genug Geld, wenn sie von hoher Qualität sind, Kias und Ladas wird man hier wohl kaum kostendeckend produzieren bzw. verkaufen können. Hohe Qualität geht wieder mit guter Ausbildung des Personals einher. Und das sind wir wieder bei Aus- und Weiterbildung. Tatsächlich liegt vor uns allerdings der Weg zu einer Dienstleistungs- und Forschungsnation. Solange wir das Geld, was wir eigentlich für diesen Strukurwandel bräuchten, für den Erhalt von Kohlekapazitäten vergeuden, versauen wir uns Chancen für unsere Zukunft.

Vergleichen wir Deutschland mal mit dem OECD-Durchschnitt:

Naja, der OECD-Durchschnitt ist auch nicht das Maß aller Dinge. Wenn man sich die Mitgliedsstaaten der OECD anschaut

http://www.oecd.org/oecd/pages/home/displaygeneral/0…

findet man auch Staaten, die man nicht zum Maßstab machen sollte bzw. den Durchschnitt herunterziehen. Ich denke, wir werden dürften uns sehr wundern, wo wir im Verhältnis zum OECD-Durchschnitt befinden werden, wenn die osteuropäischen Länder (mit unserem Geld) erstmal so richtig losgelegt haben. Das Ausruhen auf dem derzeit noch gerade akzeptablen Status Quo halte ich für gefährlich. Leider scheint gerade in Deutschland dieser Denkansatz sehr hoch im Kurs zu stehen. Unsere Zukunftsorientierung ist (nicht zuletzt aufgrund unserer politischen Struktur) eher gering ausgeprägt.

Gruß
Christian