Ab wann aufklären?

Hallo,
als „misslungen“ meinte ich die Folgen (Reaktion der Schule
und Verunsicherung in der Familie) -

Es ist aber mitnichten geklärt, ob die Äußerungen in der Schule in Kausalzusammenhang mit der Aufklärung stehen!

Außerdem würde mich erst einmal interessieren, um welche sexistischen Äußerungen es überhaupt geht. Das ist alle sehr relativ. Gerade dann, wenn man bspw. seinem eigenen Kind die korrekten Namen der Geschlechtsteile beibringt.

Mein Sohn war im Alter von kurz vor Grundschule höchst interessiert an Hintergründen. Was-ist-Was gehörte schon da zur Vorleselektüre (nicht alle Themen natürlich, aber bei manchen wollte er es verdammt genau wissen). Ergo gehört auch schon vor Eintritt in die Grundschule dazu, dass er wusste, dass die Kinder dadurch in den Bauch kommen, dass der Mann der Frau den Penis in die Scheide steckt.

Irgendwann in der ersten Klasse saß man während der Hortzeit in der Lese-/Kuschelecke und erzählte sich dies und das. Und kam auf die den Kindern bekannten Theorien, wie denn nun das Baby einer Mutter in der ihren Bauch gekommen war :wink: … In dem Zusammenhang hat mein Spross genau das geäußert, was er wusste. Nicht mehr - nicht weniger. Folge: Die (etwas ältere) Erzieherin rennt zur Klassenlehrerin, (spricht da wohl auch nur von pornografischen Äußerungen)… die wiederum ruft mich stante pedes auf der Arbeit an. Sie müsste dringend mit mir reden. Ich ebenso stante pedes dahin. Es hat sich in dem Fall dann zum Glück sehr schnell geklärt, was genau vorgefallen war - und die Klassenlehrerin teilte dann meine Auffassung, dass an der Geschichte nix Pornografisches war. Gleichwohl hatte das dann noch einmal auf dem nächsten Elternabend ein Nachspiel, wurde heftigst diskutiert - wobei allerdings die besorgten Mütter deutlich in der Minderheit waren.

Natürlich KANN, je nachdem, was da gesagt wurde, das auch andere Ursachen haben. Aber das ist erst einmal nix, wo man hysterisch werden muss. (Es kommt vor, dass Kinder nachts wach werden und wo reinplatzen und plötzlich kreativer Erklärungsbedarf besteht :wink:… es kommt vor, dass Kinder von älteren Geschwistern, an der Bushaltestelle wo auch immer, einfach was aufschnappen und gar nicht genau wissen, was sie das sagen…)

  1. Klärung, was tatsächlich in welchem Zusammenhang gesagt wurde.
  2. Falls erforderlich mal klären, woher er / sie das denn überhaupt hat (und das nicht inquisitorisch!)
  3. wie 2. nur bei der Quelle - und dann kann man immer noch weitersehen.

Oft löst der Knoten sich schon in Phase 1. Mit hoher Wahrscheinlichkeit dann in Phase 2-3. Und selbst wenn nicht, ist Hysterie und Überbekümmertheit dann auch der falsche Weg.

LG Petra

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Wenn sich die Schulleitung beklagt, dann ist zunächst einmal anzunehmen, die Kacke ist am dampfen. Die Lehrerin hat bereits den Fall abgegeben.
(Kann natürlich sein, daß Klassenlehrerin und Schulleitung irgendwie überkandibelt sind, aber normalerweise haben die alle ihre Richtlinien, wollen nichts böses und kennen sich ein wenig aus mit Kindern in dem Alter.)

Aufklären tut man häppchenweise nach Interesse (nicht selten zeigen 5-Jährige Interesse). Die anatomischen und funktionalen Aspekte kriegt man in der 5. bis 8. Klasse gesagt.
Man kann bei Interesse weiter lernen. Bis ins Alter hinein kann man weiter aufgeklärt werden.

LG

Gitta

oT anekdudel
Hallo,
weil es grad hierher passt.
Ich wurde auch mal von der Kindergartenleiterin zum Gespräch gebeten. Mein Sohn hätte Dinge gesagt, die besorgniserregend seien. Sie äußerte Vermutungen, dass er zumindest Dinge gesehen haben sollte, die ein Dreijähriger nicht zu sehen habe.
Ich war etwas durch den Wind, als ich bei ihr im Büro saß. Was hat er denn nun gesagt. Als sie mir den Satz sagte (es ging um einen einzigen Satz) saß ich erst wie vom Donner gerührt, dann musste ich mir auf die Lippen beißen und mich hat ein Lachkrampf geschüttelt. Es hat dann aber noch einige Überzeugungsarbeit gekostet, zu erklären, dass: „Mama f**s, Daddy f**s, don’t touch!“ nichts damit zu tun hatte, dass wir unseren Sohn bei Sexorgien zusehen ließen, sondern daß wir nur etwa unvorsichtig beim Mischen von Sprachen waren.
Wir hatten zu ihm gesagt: „Das ist der Mama ihr Fax und dem Papa sein Fax. Du darfst das nicht anfassen: Don’t touch!“

Gruß
Elke

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Hallo Gitta,

Wenn sich die Schulleitung beklagt, dann ist zunächst einmal
anzunehmen, die Kacke ist am dampfen. Die Lehrerin hat bereits
den Fall abgegeben.

Das ist (leider) richtig.

(Kann natürlich sein, daß Klassenlehrerin und Schulleitung
irgendwie überkandibelt sind, aber normalerweise haben die
alle ihre Richtlinien, wollen nichts böses und kennen sich ein
wenig aus mit Kindern in dem Alter.)

Das würde ich allerdings nicht unterschreiben. Leider ist es gerade bei Grundschulen sehr häufig so, dass die relativ klein sind mit einem relativ kleinen Kollegium. Und je kleiner so ein Kollegium ist, desto stärker wird es von einigen wenigen geprägt.

Und eben deshalb kommt es gar nicht selten vor, dass gerade bei solche einem Themenkreis es auch zu… sagen wir mal „Missverständnissen“ kommen kann. Bei diesem Themenkreis sind das dann etwas „prüde“ (mir fällt gerade kein besseres Wort ein, trifft es nicht ganz) Kandidaten oder - und das wohl leider auch immer häufiger - übereifrige Pädagogen.

Ich habe eine Zeit im Kinderschutz gearbeitet. So gut es ist, wenn bestimmte Themen in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Es schadet nie, mehr hinzugucken. Aber leider ist es häufig dann gerade bei „Professionellen“ so, dass die sich berufen fühlen, nun hinter allem und jedem sofort etwas zu wittern. Besonders dann, wenn sie eine Schulung hinter sich haben, die dann mögliche Warnsignale aufzeigt.

Nebenan habe ich den selbst erlebten Fall geschildert, wo sich das innerhalb eines Kollegiums geklärt hat. Aber bei Freunden lief das nicht so glimpflich ab. Da war die Schulleiterin das Problem, die aus ihrem (ausschließlich weiblichen) Kollegium einen Trupp gezimmert hat, dessen Nebenbeschäftigung (oder fast Hauptbeschäftigung) es war, sich als Sozialarbeiter, Psychologe und mehr zu betätigen. Mit dem Ergebnis, dass es an der Schule von „verhaltensauffälligen“ Kindern nur so wimmelte.

Deshalb ja auch mein Rat, sich selber erst einmal ein Urteil bilden unter Einsatz des gesunden Menschenverstandes. Und das zunächst einmal möglichst ohne Emotion (keine vorauseilende Panik oder Entrüstung ob der Ausdrücke, keine Hysterie, dass da vielleicht sogar was ganz schreckliches hinter steckt). Und erst einmal wirkliche Sachaufklärung, was überhaupt gesagt wurde und woher es kommt.

LG Petra

Noch eine andere Gedankenwolke, die mir bei dem Thema durch den Kopf geht.

Ich habe vor Jahren mal in einer Zeitschrift im Wartezimmer eine zauberhafte Geschichte gelesen. Da ist von einem Jungen die Rede (Kindergartenalter), der bei einem befreundeten Ehepaar der Familie auf dem Bauernhof weilt und mit diesem zu einem Festumzug geht. Er kommt zurück und berichtet, dass alles ganz toll war und er gesehen habe, wie der Hahn der Henne auf den Rücken gestiegen ist.

Panik bricht aus, der Junge wird von der Mutter kümmervoll beiseiten genommen, diese befragt ihn unter 4 Augen und bekommt das gleiche zu hören. Sie kriegt einen Nervenzusammenbruch und der Vadder muss ran. Der hört sich die Ausführungen seines Sohnes an, zweifelt an seiner Existenz und schleift den befreundeten Psychiater heran, das Problem zu lösen. Nach und nach tauchen dann noch andere „Experten“ auf (unter anderem die Großeltern und ein Rabbi), die alle an den Rande des Abgrundes getrieben werden.

Irgendwer stellt dann irgendwann mal eine entscheidende Frage: „Sag mal, weißt du, warum der Hahn der Henne auf den Rücken gestiegen ist?“ - der Junge: „Ja klar, weil er von da oben den Festumzug besser gucken konnte…“

LG Petra

P.S.: Die Geschichte ist aus dem Gedächtnis - ich habe das ein Mal gelesen… vor Jahren. Sachdienliche Hinweise, wer das eigentlich geschrieben hat und wie man an das Original kommt, sind herzlich willkommen. :wink:

Wie wurden ENder der 4.Klasse aufgeklärt mit der Schule

Hallo Carola,

ich denke, die „Aufklärung“ d.H. die Darlegung der biologischen Abläufe sollte mit dem Entwicklungsstadium des Kindes wachsen. Dabei spielt es meines Erachtens keine primäre Rolle wie alt das Kind ist. Nur die Antworten darauf sollten altersgemäß sein.
Was ich zu dem Thema „Aufklärung“, egal ob von den Eltern oder in der Schule, stets vermisse ist, daß das Thema Verhütung und Schutz vor Geschlechtskrankheiten ziemlich vernachlässigt wird. Die Folgen sind omnipräsent - leider.

Gruß Thomas

Hallo,

zu dem Thema möchte ich nur ganz kurz etwas ergänzen:

Stimmt, an dem WIE muß was falsch gewesen sein, denn sonst
hätte sich die Schulleitung nicht eingeschaltet. Denn er wird
ja nicht der einzige sein, der darüber Bemerkungen macht.

Das halte ich für einen voreiligen Schluss.

Ich habe ein paar Kindergruppen geleitet und habe die Erfahrung gemacht, dass es manchmal für Kinder einfach „cool“ ist, mit Begriffen wie „Sex“, „fick**“, „schwul“ etc. um sich zu werfen- ganz egal ob sie aufgeklärt sind oder nicht, ob sie wissen, was die Begriffe bedeuten oder nicht.

Da herrscht auch eine gewisse Gruppendynamik, sprich: Ein Kind schnappt ein Wort auf, die anderen sprechen es nach. Ganz besonders schön ist es, wenn die Erwachsenen schockiert oder ärgerlich reagieren- dann verwendet man es besonders häufig.
Wenn man dann fragt, was das Wort eigentlich heißt, dann haben viele Kinder keine Ahnung.

Gruß
Kati

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hallo!

dat war als antwort absolut zu erwarten. schade eigentlich.

warum nicht mal für 5 minuten in diese richtung denken, statt sofort zu melden „die keine Grundlage haben und die mehr Verunsicherung und Irritationen
stiften als zu helfen.“

es hilft immer den tätern, wenn jeder annimmt, sie seien grundsätzlich anderswo und auch nur in diese richtung zu denken, sei der fehler an sich.

un dat:

Dass ein 6jähriger nach einer (zugegebenerweise
„misslungenen“) Aufklärung über Sex spricht ist kein Indiz für
einen Missbrauch!

habbich nich gesacht, wa… ich hab nur gesagt, es KÖNNTE schlimmeres sein als mißglückte aufklärung.

kennst du den begriff: „dunkelziffer“?

tilli

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Halo Carola,

es gibt leinen geeigneten Zeitpunkt dafür. Man sollte den entwicklungsgrad des Kindes zu grunde legen und seine kommende FRagen dazu slteres gerecht beantworten.
Mit Geschichten wie Blumen und Binen ist aber der falsche Weg.
Manche Kinder zeigen durch ein sexualisiertes Verhalten, die Neudier am anderen Geschlecht, wo bei Dokterspiel genau so dazu gehören und der Entwicklung nicht schaden, wenn sie nicht, über ein gesundes Maß nicht hinaus schießen.
Man sollte ihn, den UNterschied schon erklären, das er keine falsche Kenntnis von anderer Seite bekommt.

Joel