Ab wann ist ein Mietrendite attraktiv?

Hallo zusammen,

die Mietrendite ergibt sich ja rechnerisch beispielsweise so:
(gesamte Kaltmieteeinnahmen jährlich
MINUS die nicht auf den Mieter umlegbaren Hausgeldkosten (z.B. Instandhaltungsrücklage))
GETEILT durch
(den Kaufpreis einer Immobilie
PLUS Erwerbsnebenkosten (Grunderwerbssteuer, Notar, evtl. Maklerprovision))
MAL 100
GLEICH = Mietrendite in Prozent.

Nun ist die Frage, ab welchem Wert ist eine Mietrendite attraktiv? Anscheinend seien Mietrenditen ab 4,6 % in Ordnung, aber sicher noch nicht besonders reizvoll, oder? Schließlich gilt es ja auch Unwägbarkeiten mit einzukalkulieren, wie z.B. zeitweisen Leerstand oder Mietausfall (über viele Jahre betrachtet), Renovierungen mal unbeachtet für die erste Zeit.

Eine weitere Überlegung wäre um die Rendite zu steigern durch günstigeren Einkaufspreis einer Immobilie (gemäß dem Motto:„im Einkauf liegt der Gewinn“) z.B. den Kauf aus einer Zwangsversteigerung. Da spricht allerdings dagegen, daß es eigentlich logisch sein müsste, wenn
eine Immobilie schon in der Zwangsversteigerung landet, diese auch Nachteile haben muss und somit auch wieder nicht besonders dauerhaft attraktiv für konstante Mieter (und den damit verbunden Mieteinnahmen) ist??

Wer hat da Erfahrungen, die er teilen möchte, ab wann ist eine Mietrendite attraktiv und wie kann man zu dieser gelangen wenn man gerne zukünftig in Mietobjekte investieren möchte?
(Mal unabhängig gesehen von eventuellen tagtäglichen Problemen mit Mietnomaden, klagenden Mietern und Problemen mit nachlässigen Hausverwaltungen, etc.)

Danke im voraus!

mir hat mal ein frankfurter erzählt, den man in die kategorie miethai einordnen konnte: „in 10 jahren muss die hütte bei der bank bezahlt sein, dann passt es“

gruß inder

…das würde bedeuten, daß man dazu ein Miet-Rendite von etwa 12 % p.a. bräuchte nach dieser Theorie des Frankfurter Miethais (mathematisch nicht ganz korrekt ermittelt). Aber wie kann man solch hohe Mietrenditen erreichen, ich sag mal oberhalb 7 oder 8 Prozent?..

Hallo,
wenns ueberall nur 2 Prozent Zins fuer Geld gibt, sehen 3 Prozent aus Miete schon besser aus. Attraktiv ist sehr subjektiv. Fuer eine grosse deutsche Bank sind 20 Prozent bei Geldgeschaeften normal, die werden sich nicht wegen 15 Prozent Mietrendite ein Haus ans Bein binden.
Gruss Helmut

Hallo!

Aber wie kann man solch hohe Mietrenditen erreichen…

Ein mehrgeschossiges Wohngebäude kann man einschl. Verkehrsflächen für 1.000 €/m² bauen oder aus dem Altbestand kaufen und sanieren. In Städten mit knappem Wohnraum werden ohne weiteres 12 € Miete pro qm und Monat bezahlt, also 144 €/m² p. a. Nun dividiere 1000 / 144 und Du hast die Zeit, innerhalb der die Mieter das Haus bezahlen. Der simple Überschlag enthält ein paar Fehler, aber die genannte Rendite wird in einigen städtischen Quartieren sogar deutlich übertroffen.
Im Grunde geringwertiger Firlefanz (Marmor etc.) reicht vollkommen, um Interessenten für noch höhere Miete zu finden.

Demgegenüber sind kostendeckende Sanierung oder Neubau für Mietwohnungen in vielen ländlichen Regionen unmöglich geworden.

Gruß
Wolfgang

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Hallo,
Danke fürs Brainstorming!
Du schreibst in den Städten ist dies am ehesten möglich. Was ich dabei nicht verstehe ist, daß in Deinem Rechenbeispiel der Anschaffungspreis sehr gering, der Mietertrag aber sehr hoch ist. Sollte das nicht eigentlich Hand in Hand gehen? Hohe Mieten und hohe Kaufpreise, niedrige Mieterträge aus Objekten mit geringem Anschaffungspreis (eher auf dem Land, wie Du schilderst). Bei 1000 € pro m² Anschaffungspreis und 144 Euro Miete im Jahr hätten wir ja eine Rendite von 14,4 %, ist das real vorstellbar? Nach nur 7 Jahren wäre da der Einsatz verdoppelt, der Traum jedes Investors, oder?

Viele Grüße

Hallo!

Du schreibst in den Städten ist dies am ehesten möglich.

Allgemein kann man sagen, dass das Mietniveau mit dem Kaufkraftindex der Region und natürlich mit der Nachfrage steigt - aus Vermietersicht ergibt sich die günstigste Situation bei Wohnungsmangel. Damit hat man die Voraussetzungen für hohes Mietniveau in städtischen Quartieren, z. B. in Hamburg sowie in einigen Randgemeinden. 2stellige m²-Mieten sind dort an der Tagesordnung. Ganz andere Verhältnisse findet man etwa in ländlichen Gegenden Mecklenburgs. Dort hat man einen Kaufkraftindex von 0,8 und m²-Mieten von durchschnittlich 4 - 5 €.

Was ich dabei nicht verstehe ist, daß in Deinem Rechenbeispiel der
Anschaffungspreis sehr gering, der Mietertrag aber sehr hoch
ist. Sollte das nicht eigentlich Hand in Hand gehen?

Das Mietniveau hat (abgesehen vom sozialen Wohnungsbau) mit Bau- oder Anschaffungskosten nichts zu tun. Verlangt wird, was der Markt hergibt. Auf dem Land gibts keinen Wohnungsmangel, also nur geringe Nachfrage, dazu geringe Kaufkraft - einfach die ungeeigneten Bedingungen, um mit Mietwohnungen Geld verdienen zu können. Renditeträume lassen sich nur in Städten sowie in deren Speckgürtel realisieren. Auch auf dem Land gibt es sehr teure Lagen, etwa Seegrundstücke, aber das sind Ausnahmen, die man hier nicht betrachten muss.

Bei 1000 € pro m² Anschaffungspreis und 144 Euro
Miete im Jahr hätten wir ja eine Rendite von 14,4 %, ist das
real vorstellbar?

Im Einzelfall sicherlich, aber ich erwähnte bereits, dass die simple Überschlagsrechnung Fehler enthält. In den Bau- oder Sanierungskosten ist der Preis für Grund und Boden nicht enthalten und der Posten kann in der Stadt übel ins Geld gehen. Außerdem kann man für Verkehrsflächen und Flure außerhalb der Wohnungen keine Miete kassieren, muss mit Mietausfällen, Verwaltungskosten und laufender Instandhaltung rechnen.

der Traum jedes Investors, oder?

In Großstädten und deren Randgemeinden gibt es viele Investorenträume. 100 Jahre alte Gebäude, im EG ein paar Läden, darüber mehrere Geschosse mit Mietwohnungen - alle 10 Jahre haben die Mieter den ganzen Kasten bezahlt. Als Alternative bietet sich an, aus dem alten Gemäuer nach oberflächlicher Sanierung (Substanz fragwürdig, aber viel für’s Auge) für 3.000 €/m² (oder auch sehr viel mehr) Eigentumswohnungen zu machen. Das ist wie Gelddrucken.

Gruß
Wolfgang

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Hallo Pit,

um die Sache komplizierter zu machen:

  1. Wenn ich das Objekt nach 10 Jahren steuerfrei verkaufen kann, könnte die Rendite durch Wertsteigerung erhöht werden.
  2. Vielleicht kann ich Sanierungskosten steuerlich geltend machen, was die Nachsteuerrendite erheblich verbessert.

Gruß
Andreas