Abbild des Gebisses im Gehirn

Hallo,

ich habe eine Frage zur Kenntnis eines menschlichen Gehirnes in Bezug auf seinen zugehörigen Körper.
Gibt es im Gehirn eine Art Abbild des Gebisses eines Menschen, bei dem die Position, das Aussehen
und die Form aller Zähne „verzeichnet“ sind, um koordinierte Kaubewegungen und Bewegungen der Zunge
nach Verzehr faseriger Speisen zur Reinigung der Zahnräume zu ermöglichen ?
Wie wird dieses Abbild nach Zahnziehen, Bohren oder Plombenänderungen beim Zahnarzt „umgelernt“,
um hinterher wieder optimal bewegt werden zu können und Kaubewegungen gut und für Kiefer, Zahnfleisch und Zunge
ungefährlich ausgeführt werden können ?
Wie könnte dieser „Umlernvorgang“ zeitlich gestaltet sein (progressiv, exponentiell … sich nicht linear).
Wie passiert es dennoch, daß wir uns ungewollt in bestimmten Situationen auf die Zunge beißen ?

Danke für alle Antworten

Gruß Lutz

Hallo,
ich glaube eigentlich eher, dass ist so etwas wie Gewohnheit. Wir haben das jetzige Gebiss wohl schon seit wir ungefähr 10 sind oder so (Ende Milchzähne), und da die Zunge ja selten woanders ist als zwischen den Zähnen, im Mund, denke ich, das ist wirklich Gewohnheitssache. Wenn man einen Zahn gezogen bekommt, naja, da muss die Zunge (bzw. der Kiefer) sich halt wieder etwas umgewöhnen.

Das zumindest nach meiner unmedizinischen Vorstellung. :smile:

  • André

hallo!

ja-jeder trägt eine karte seiner zähne mit sich rum: http://
psyserver.pc.rhul.ac.uk/zanker/teach/PS208/L4/homuncul.gif (das bild
zeigt die darstellung des ganzen körpers auf der gehirnrinde).

umlernen funktioniert auch sehr sehr schnell-bei amputationen kann
man schon nach einer stunde feststellen dass sich der abgetrennte
körperteil verändert und die benachbarten teile grösser werden.

bei menschen die viel mit den fingern arbeiten sind die anteile für
die finger entsprechend vergrössert.

warum wir uns manchmal trotzdem beissen? durch die karte wird es dem
körper ermöglicht auf einer „feed-forward“ weise zu arbeiten, d.h.
muskelanspannung kann schon vorher reguliert werden. wenn er sich
aber dabei verschätzt (wenn z.b. die koordination noch nicht gut bzw.
perfekt genug ist) dann beisst man sich und erhält damit ein gutes
feedback um das prgramm entsprechend zu ändern.

tschüss

matthias

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Hallo Lutz,

es gibt mit Sicherheit ein Abbild unserer Zähne im Gehirn. Ich hatte als Erwachsene eine Kieferorthopädie. Die Zähne haben sich in der Stellung sehr stark verändert. Ich hatte nicht nur Probleme mit dem Sprechen (kurze Stotter-Phase), sondern habe auch drei Jahre nach Abschluss der Kieferorthopädie noch Probleme, einen Kaugummi zu kauen, ohne mir dabei auf die Zunge zu beissen. Weil dies alles langsam, aber sicher besser wird, denke ich, dass hier ein Umlern-Prozess im Gang ist.

Viele Grüsse
Anna

Hallo,

die Antwort lautet: Jein! Im Prinzip ist es richtig, dass der Körper im Gehirn kartographiert ist, die Zähne jedoch nicht einzeln auftauchen. Vielmehr ist der Mund als Gesamtsystem zu begreifen, das sich selber regelt. Jeder hat schon mal erlebt, dass eine Füllung zu hoch war. Man hat sich die Füllung wieder zurechtgeknirscht bis der Biss harmonisch war. Das ist auch gut so, denn würde sicher der Körper nicht anpassen können, wären wir recht bald verhungert (Abnutzung der Zähne) etc. Wird nun ein Zahn gezogen oder eine Prothese eingegliedert, so dauert es eine gewisse Zeit (4-6 Wochen), bis das System sich angepasst hat. Wird die Störung zu gross, dann ist allerdings mit der Anpassung Essig und der Zahnarzt muss einschleifen. Leider gewöhnt man sich sehr schnell an Lücken, so dass die Zunge die blöde Angewohnheit bekommt, sich in die Lücken zu legen. Bekommt man dann Zahnersatz, kann das in der ersten Tagen dazu führen, dass man sich doch gerne und herzhaft in diese beisst. Die Zunge muss erst wieder lernen, dass dort wieder etwas ist. Dass kann dauern. Aber eigentlich nicht länger als 8 Wochen.

Gruss Oscar