Hallo Historiker,
nachgerade verblüffend ist, wie reibungslos die Revolution 1918 verlief. Jüngst ist zu dem Thema ein Buch erschienen, in dem beschrieben ist, wie die deutschen Fürsten binnen zwei Tagen ihrer Throne verlustig gingen.
Und trotzdem: warum ging das so glatt - auch in so konservativen Ländern wie Bayern (wo man das später wohl eher bedauerte) oder Mecklenburg? Hat sich nicht einer der Fürsten gewehrt? Oder versucht, dagegen anzukommen?
Besten Dank,
Andreas
Hallo,
nunh ja - ,it den 2 Tagen das stimmt ja wohl so nicht.
Aks ketzter deutscher Fürst dankte meines Wissens Günther von Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen ab - und das war rund 2 Wochen nach der Abdankung des Kaisers. Selbiger Fürst hatte es nämlich geschafft, in den Landtagen seiner beiden Länder noch Gesetze für den Fall einer Abdankung beschließen zu lassen, in denen u.a. auch geregekt war, was er als Abfindung erhalten sollte. Sozusagen Abtritt auf gesetzlich-legalem Wege.
Und ähnlich geordnet ging das Ganze auch in anderen Kleinstaaten über die Bühne.
Die Fürsten waren ja nicht total verblödet. Denen war nach dem Angang des Laosers und preußischen Königs klar, daß sie als Nächste dran waren. Ein Deutschland als Republik, in dem dann in irgendeiner Ecke noch ein paar kleine Hoheiten oder Durchlauchten über ihre Ländchen regieren, das wäre doch ein echter Witz gewesen.
Zudem war von ihrer Macht eh nicht viel übrig. Im Weltkrieg waren selbst ihre bs dahin noch vorhandenen rechte in vielfältiger Form beschnitten worden, weil es für fast alles Zentralverwaltungsbehörden gab. Die einzelnen Fürsten waren eh nur noch Nickauguste, die absegnen durften, was Berlin vorschrieb.
Unter diesen Bedingungen fiel es ihnen nicht allzu schwer, auch offiziell auf die Macht zu verzichten. Wichtiger war ihnen die Sicherung eines weiterhin standesgemäßen Lebens. Und diesbezüglich hatten sie recht wenig zu befürchten, weil eine totale Enteignung der Fürsten ja nicht ernsthaft zur Debatte stand.
Gernot Geyer