Hallo zusammen,
ich richte mir gerade mein Bad ein.
Hier sollte man ja vor den Fliesenarbeiten ein Dichtungsband einarbeiten. Ein befreundeter Fliesenleger meinte, dass es (entgegen der „offiziellen“ Vorgaben) ausreichend sei, das Dichtungsband in die Wandecke der Dusche einzuarbeiten. Die Verlegung am kompletten Boden sei wohl die Nummer sicher, aber nicht zwingend notwendig.
Hat das jmd. Erfahrungen oder praktische Tipps?
Danke schon mal…
Hallo „Franhilator“,
Nach den Aussagen Deines Freundes, dem Fliesenleger, solltest Du ihm zwar nicht direkt die Freundschaft kündigen, doch einen Rüffel erteilen, der an die Grenzen der Belastbarkeit Euerer Freundschaft geht!
Denn was er sagt, ist -schlichtweg FALSCH!
Bäder sind in den spritzwasserbelasteten Boden- und Wandbereichen immer abzudichten „DIN 18195-5 Abdichtungen in Nassräumen“.
Dazu gehört insbesondere die Flächenabdichtung unter Badewannen und Duschtassen.
In diese Abdichtung, welche mit einer für diesen Verwendungszweck zugelassenen Alternativen Abdichtung („Flüssigfolie“) vorgenommen werden kann, muss das Dichtungsband integriert werden. Aber auch die Ecken müssen mit den entsprechenden Bändern, welche vorgefertigt im Fachhandel erhältlich sind, ausgerüstet werden.
Gleiches gilt für Durchdringungen im Boden und an der Wand. Hier werden Dichtmanschetten herangezogen, welche zwischen den ersten/unteren Abdichtungsauftrag und den zweiten/oberen Auftrag eingelegt werden.
Im Bereich der Duschkabine ist die Abdichtung an de Wand bis auf die mögliche Spritzhöhe hoch zu ziehen.
Also nichts da mit: könnte und müsste nicht.
Bedenke bitte, dass der momentane Aufwand, die Abdichtung fachgerecht einzubringen, relativ gering ist.
Kommt erst einmal irgendwo das Wasser durch die Geschossdecke, wird es (nachvollziehbar, oder?) unangenehm, aufwändig und richtig teuer!
Der praktische Tipp: Lasse Deinen Freund erst wieder ins Haus, wenn alles fertig ist. Abgedichtet und gefliest …
Humorvoll grüßt: Klaus Rauer, Sachverständigenbüro für Fußbodenkonstruktionen
Hallo „Klaus“,
erst mal ganz lieben Dank für Deine ausführliche Antwort.
Was ich jetzt nur noch nicht verstehe ist, wo denn das Wasser hin soll, wenn ich keinen Abfluss im Boden hab?
Dann muss es doch irgendwann irgendwo in die Decke gehen, oder?
Franhilator
PS: Der genannte Fliesenleger hat das bei sich selber übrigens auch so gemacht.
Das Thema Abdichtung wird häufig falsch verstanden.
Wasser bzw. Feuchtigkeit kann zum Beispiel über die Verfugung in die Fliesenebene eindringen.
Das macht im Regelfall nichts, denn danach kann es ja im Regelfall auch wieder verdunsten und abtrocknen.
Bei einer Abdichtung, so wie sie nun ausgeführt werden soll, geht es darum, dass das wertvolle Bauteil nicht geschädigt wird. Unter „wertvollem Bauteil“ versteht man z.B. die statische Boden- oder Deckenplatte, bei Holzbauweise ist das noch einleuchtender.
Wenn dort größere Wassermengen eindringen, ist die Bausubstanz geschädigt.
Die Abdichtung verhindert das. Selbst wenn der Estrich aufgrund einer über Jahre unbemerkten Undichtigkeit total „versotten“ würde, wäre das kein Beinbruch und mit kleinerem Aufwand zu beheben, als wenn es beim Nachbarn munter in den Wohnraum tröpfelt oder (noch besser, da bereits selbst gesehen:smile: an der Wandtapete über mehrere Geschossebenen darunter seinen Weg sucht und dabei seine optisch wenig dekorativen Schmutzfahnen hinterlässt.
Um das zu verhindern wird eine Abdichtung eingebaut.
Das, was Du meinst, gibt es allerdings auch. Und zwar in gewerblichen Bereichen, z.B. in Kaufhäusern mit Fischtheke und Fleischverkauf.
Dort hat der Bodenablauf, von welchem wir im Regelfall in der keramischen Nutzebene nur einen Teilausschnitt (ein Abdeckgitter) sehen, einen Überlauf direkt über der Abdichtungsebene, damit weit unter dem Estrich.
Aber in Deinem Fall ist das reiner Wohnbereich. Wenn dort Wasser eindringen sollte, soll es auch dort „stehen bleiben“ und nicht an benachbarten Bauteilen austreten.
Du siehst, das Thema Abdichtungen ist nicht so einfach.
Und Dein Freund, der mag weiter so arbeiten, wie er es gelernt hat oder halt nur einfach ausführen möchte.
(Sachverständige leben von Schadensfällen…)
-.-.-.-
Mit „ketzerischem“ Gruß: —> Klaus
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Puh, ich glaub Dir ganz bestimmt, dass das Ganze eine Wissenschaft für sich ist.
Und auch, dass Du wahrscheinlich schon ganz viel (Müll) gesehen hast.
Also mal als Hintergrundinfo, was ich bisher gemacht habe:
Ich habe den spritzwassbelasteten Bereich an der Wand der Dusche mit Lastogum & Pecitape abgedichtet (da sollte ich also qualitativ schon mal auf dem richtigen Weg sein ;o) ).
Jetzt mal rein hypothetisch, wenn ich Deinen letzten Beitrag richtig verstanden habe. Um den Boden nach unten sicher abzudichten, müsste ich den kompletten Boden/Estrich mit Lastogumm einschmieren, damit da nirgends Wasser nach unten sickern kann. Andernfalls kann es ja doch sein, dass das Wasser dorthin läuft, wo es nach unten kann (schliesslich habe ich ja keinen Gulli).
So, wenn ich aber in Szenario B davon ausgehe, dass nur der Boden rund um die Dusche dementsprechend abgedichtet werden soll (so hab´ ich Dein DIN-Zitat auch verstanden), dann kann ich mir das in der Praxis nicht so ganz vorstellen.
Also. Die Duschwanne wird im Estrich versenkt. D.b. im Bereich der Duschwanne ist kein Estrich verlegt. Und das wiederum bedeutet, dass ich gerade in diesem kritischen Bereich keine Dichtung herstellen kann, denn den Übergang zwischen Estrich & Bodenplatte (gerade mit dem zwischenliegenden Styropor) kann ich imho gar nicht entsprechend dicht kriegen.
Hallo „Franhilator“.
Gegen die gewählte Auswahl des Abdichtungsmaterials ist nichts einzuwenden. Mit den beiden unterschiedlichen Farben (bei 2 Aufträgen) hat PCI Augsburg einen hervorragenden Schritt zur Sicherheit getan. Leuchtet beim 2. Auftrag (grau) noch eine rote Stelle (1. Auftrag) durch, kann das Ganze an dieser stelle undicht sein.
Eine gute Internetseite ist im Übrigen hierzu
http://www.pci-augsburg.de/site_fixes/database/bauab…
Auf dieser Seite wird auch das Verfahren gezeigt, wie Manschetten und auch Dichtbänder (!!) einzudichten sind.
Nehme bitte Deine linke Hand so vor Augen, dass der Daumen unten, die restlichen Finger oben sind und sich dazwischen ein Spalt befindet, durch welchen Du durchschauen kannst. Das soll die untere Abdichtungsebene (Daumen) und die obere Abdichtungsebene (Finger) symbolisieren.
Wenn Du nun die Finger der rechten Hand in diesen Spalt zwischen linkem Daumen und linken Fingern führst, erkennst Du das notwendige System einer Eindichtung.
Genauso ist es auch zu handhaben, wenn zwischen der Estrichoberfläche und Wand abgedichtet wird.
Für die glatten Wandflächen ist das Dichtungsband zu nehmen, welches in die (noch frische) 1. Abdichtung eingelegt wird.
Für die Ecken werden spezielle Ecklösungen angeboten, die aber genauso eingedichtet werden.
Nachdem die Manschetten/Dichtbänder eingelegt wurden, wartet man ab, bis das Flüssigsystem (ein 1-K-System) ausgehärtet ist.
Das Dichtband klebt nun auf der ausgehärteten Flüssigfolie.
Nun folgt der 2 Auftrag (graue PCI-Abdichtungsebene), mit welcher die komplette 1 Abdichtungsebene überarbeitet und die aufgeklebten Schenkelflächen der Manschetten oder Dichtbänder eingebunden werden
(Beispiel mit den Fingern).
So kann und wird eine sach- und fachgerechte Abdichtung durchgeführt.
Die Duschtasse steht wahrscheinlich (idealerweise) auf der Betondecke. Also muss vorher da eine Aussparung gewesen sein, in welche die Duschtasse hinein gesetzt wurde.
Die Betonoberfläche ist ebenfalls mitsamt Bodenablauf abzudichten.
Nun kommt die Frage nach dem Übergang Duschtasse/Estrich.
Da wir hier im Wohnungsbau einen „nicht geregelten Bereich“ haben, muss die Abdichtungstechnik auch nicht „auf die Spitze getrieben“ werden. Ich würde zwischen den Estrich und die Duschtasse ein Quellband rundum einschieben und den sichtbaren (oberen) Teil elastisch abdichten.
Elastische Abdichtungen (um meinen Kritikern direkt den „Wind aus den Segeln“ zu nehmen) sind keine dauerhafte und keine sichere Abdichtungsmaßnahme!! Sie dichten zwar bei funktionstüchtiger AUsfühtrung ausreichend gegenüber eintretender Feuchtigkeit/Nässe ab, sie bedürfen allerdings einer ständigen (vielmehr regelmäßigen) Überpfügung auf Dichtigkeit.
Ich hoffe, zum anstehenden Wochenende nicht allzuviel überdenkenswürdiger Informationen geliefert zu haben und hoffe, dass das Werk gelingen wird. Natürlich schadensfrei!
Gruß: Klaus