Guten Tag.
Mit 25 gehörst du auf dem Abendgymnasium immer noch zum jungen Gemüse. Ich habe selbst das AG gemacht und weiß, dass aktuell der älteste Schüler gerade rüstige 60 geworden ist und in die 12/2 geht. Ansonsten treibt sich viel in deiner Altersgruppe herum - so 23 bis 28 ist das Gängigste; das ist auch die vorgesehene Zielgruppe.
Über ein paar Sachen muss man sich natürlich im Klaren sein:
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Die normalen Freizeitaktivitäten unter der Woche sind für etwa drei Jahre passé.
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Am Wochenende ist meist ein gewisses Arbeitspensum fällig - punktuell besteht auch mal ein ganzes WE aus Schularbeiten.
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Urlaub außerhalb der Ferienzeiten fällt flach, d.h. Urlaubsreisen werden gleich ein paar Rasten teurer.
Das Wichtigste ist, dass ein Partner sich nicht zurückgesetzt fühlt, sondern mitzieht - idealerweise auf der Schulbank neben dir, ansonsten dadurch, dass er dir bis zu einem gewissen Grade den Rücken freihält. Abendgymnasium und Beziehungsknatsch hält man nicht durch!
Zum Arbeitspensum (ich kenne Hessen; Niedersaxn wird nicht soo viel anders sein):
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Fünf Unterrichtstage à vier bzw. sechs Schulstunden (22 bis 26 Wochenstunden), 17 bis 21 bzw. 22 Uhr.
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Gängigerweise sechs oder sieben Unterrichtsfächer: Deutsch, Englisch, Mathe, Gm/HP sind Pflicht à 4 Wochenstunden, dazu kommt die zweite Fremdsprache mindestens bis 11/2 (3 WS) sowie zwei Naturwissenschaften à 3 WS, wobei ich Informatik (1 WS) der Einfachheit halber dazuzähle. Bei uns ist Chemie in 11/1, Physik in 11/2 und Bio in 11/1 und 11/2.
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Ab der 12 sind Kurse zu wählen, bei uns derzeit fünf Fächer zu 4 und eines zu 3 oder 4 WS.
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Leistungskurse werden - in Hessen - am Ende der 13/1 festgelegt, wobei es keine Stundenzahlunterschiede gibt, nur die Gewichtung im Abi ist anders.
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Hausaufgaben halten sich im allgemeinen im übersichtlichen Rahmen - es wird allerdings ein selbständiges Nacharbeiten des Stoffs in den meisten Fächern vorausgesetzt.
Die Stundenpläne der derzeitigen 12 (das sind die, die ich auswendig kann): 12/1 je 4 WS Mathe, Deutsch, Englisch, Bio, Physik, HP - sind 24 WS. Also zweimal die Woche bis 10 Uhr. 12/2 macht statt dessen Informatik mit 2 WS und Bio nur 3 - sind 25 WS. Das Dumme ist, dass man nur vierstündige Fächer als schriftliche Prüfungsfächer bzw. als Leistungskurse wählen kann, was die Wahl - die am Abendgymnasium eh nicht besonders wichtig ist - weiter einschränkt.
Bei uns wird Kinderbetreuung angeboten - das geht aber erst ab 2+ Jahren, also nicht für noch in Arbeit befindliche Hefestückchen oder für Bündelkinder.
So, das war der abschreckende Teil, jetzt kommt die Motivation. Wenn du jetzt schon - relativ kurze Zeit nach deiner Ausbildung - das Gefühl hast, dein Beruf unterfordere dich, dann wird dieses Gefühl im weiteren Berufsleben mit Sicherheit nicht abnehmen, sondern du wirst irgendwann das Gefühl bekommen, systematisch zu verblöden. Und ein bis acht Kind verschiebt dieses Problem auch nur. Von daher kann ich dir nur zuraten, diesen Bildungsweg anzutreten. Kinder kann man, habe ich mir sagen lassen, mit 27 oder 28 auch noch ansetzen …
Ganz abgesehen von dem Jodeldiplom, das du am Ende vorweisen kannst und das, selbst, wenn du kein Studium anschließen solltest, ein großer Pluspunkt in deinem Lebenslauf ist, erfährst du einiges an Wissenszuwachs, auch darüber, wie belastbar du selbst bist und wo deine Stärken liegen. Aber auch der Zuwachs an Menschenkenntnis ist nicht zu verachten: sowohl Lehrer als auch Schüler am Abendgymnasium laufen, sollen wir mal sagen, ein bisschen außer Mitte (sonst wären sie ja am Tage zugange bzw. hätten das Abi auf dem normalen Weg gemacht), und das ist, wenn nichts anderes, zumindest eine interessante Erfahrung.
GEK