Hallo Christoph!
Tatsächlich noch so interessiert? Außer uns liest das sicher
kein Mensch mehr…
Warum eigentlich nicht?
Das ist eben, wie so vieles in der Religion, eine
Glaubensfrage.
Glaubensfrage ist nach meiner Überzeugung alles , das
ganze Leben. Ich sehe, erfahre, verstehe nur das, woran ich
(wenigstens ein bisschen) glaube.
Ich finde für mich persönlich einfach den Bezug dieser Legende
zur heutigen Zeit nicht. Was bedeutet Dir der Hl. Georg
persönlich? Oder ist es gar nicht die Person, die Dich
fasziniert, oder wie oben dikutiert, der Typ, sondern diese
Ikone als Kunstwerk?
Der Typ und die Ikone, das ist für mich eins. (Die historische
Person des Märtyrers Georgos ist sozusagen das Sandkorn in der
Muschel, um die die Perle sich bilden konnte.) Ich gehöre
nicht zu denen, die Ikonen nur „schön“ finden; sie sind
Einladungen zur Meditation, zum Gebet. In der Gestalt des
Drachens finde ich unzählige Bedrohungen meines Lebens wieder,
äußere und innere. Und der Drachentöter Georg unterstützt
meine Hoffnung, dass ich sie besiegen kann, dass ich „stärker“
bin, wenn ich Vertrauen (=Glauben) habe wie er.
Die Metapher gefällt mir.
Aber abgesehen davon müsste man ja an
dieser Stelle auch darüber dikutieren, ob der Bezug zur
Gegenwart wirklich das entscheidende Kriterium bei der Auswahl
der Heiligen, die einem etwas sagen, sein sollte. Welche
Kriterien hast Du denn da entwickelt?
Die Frage finde ich wirklich gut. „Bezug zur Gegenwart“ kann
ja nicht heißen: Bestätigung des Zeitgeistes.
Das sollte es wirklich nicht sein. Nein, ich finde Persönlichkeiten wesentlich faszinierender, die gegen den Strich bürsten. Menschen, die die Botschaft von Jesus, da wo sie vergessen zu werden droht, wieder ins Gedächtnis rufen, sind interessant, aber nur dann, wenn sie es durch Taten und nicht nur durch Worte tun.
Andererseits transportiert ein Heiliger immer auch viel Geist aus
seiner Zeit, der für heute nicht unbedingt hilfreich
sein muss.
Das kann ja auch gar nicht anders sein. Viele Heilige kannten nur den Ort, an dem sie geboren wurden, konnten deshalb nicht mit Gedanken, die wir heute der Aufklärung zurechnen würden, in Berührung kommen. Die meisten Heiligen werden wohl keine glühenden Demokraten gewesen sein. Aber wer war das schon damals?
Klare Kriterien habe ich da nicht. Meine Lieblinge
sind Thomas Morus, Philipp Neri, Edith Stein, natürlich auch
Petrus, mein Namenspatron, in seiner ganzen Ambivalenz - und
trotzdem, bzw. gerade wegen der Integration seines Schattens -
„Fels“…
Hast du denn Lieblingsheilige?
Direkte Lieblingsheilige habe ich nicht. Aber Franz von Assisi gefällt mir zum Beispiel wegen seiner Naturliebe sehr gut. Auch alle Heiligen, die sich um Arme und Kranke gekümmert haben, faszinieren mich. Wenn es einen Menschen in heutiger Zeit gibt, über dessen Kanonisierung man nach seinem Tod vielleicht nachdenken sollte, dann ist es Karl-Heinz Böhm; ein Mensch, der ein Leben, wie es angenehmer nicht sein könnte, aufgegeben hat, um den vielleicht ärmsten Menschen auf dieser Erde vor Ort zu helfen und unermüdlich auf deren Elend aufmerksam zu machen. Aber das ist natürlich Ansichtssache.
Grüße von
Christoph