Hallo Tato!
Abzüge / Jahr:
Einkommenssteuer 12.268,80 € (laut Rechner:
http://www.steuertipps.de/steuern/service/einkommens…)
Krankenkasse 6.624,00 € (12,9% + 0,9%)
Pflegeversicherung 1.543,92 € (128,66 € / Monat)
Rentenversicherung 9.360,00 € (19,5%)
Arbeitslosenversicherung 3.120,00 € (6,5%)
Arbeitslosenversicherung zahlen Selbständige nicht. Über die Krankenversicherung solltest Du noch einmal nachdenken. Das geht auch preiswerter, wenn Du wirklich nur einen Katastrophenschutz brauchst. Schließlich legt sich kein Selbständiger alljährlich wegen eines quersitzenden Pfurzes oder triefender Nase wochenlang ins Bett und für Kleinkram braucht man keine Versicherung. Jeder sieht das anders, aber nach meinem Geschmack reicht eine preiswerte Privatversicherung mit hoher Selbstbeteiligung. Du überlegst Dir jeden Krankheitsfall, denn im Bett liegend verdient man in den meisten Gewerben kein Geld.
Der größte Posten, nämlich die Rentenversicherung, verdient besondere Beachtung. Eine Altersvorsorge ist eine Frage des kompletten Lebensentwurfes. Solcher Entwurf kann durch dauerhafte Arbeitsunfähigkeit zu Makulatur werden. Dieses für den Einzelnen unkalkulierbare Risiko sollte deshalb versichert werden. Dann kannst Du bei den weiteren Überlegungen davon ausgehen, bis ins hohe Alter zu arbeiten. Wenn Du vorher ausgesorgt hast und nicht mehr arbeiten willst, ist der Fall auf der sicheren Seite und muß nicht weiter mit Vorsorge berücksichtigt werden. Es geht also nur noch darum, wovon Du zwischen z. B. 70 und 100 abbeißt. Du bist jetzt Anfang 20 und für Dich kann die staatliche RV vorhersehbar nicht mehr die tragende und schon gar nicht die einzige Säule der Vorsorge sein. Wenn Du in die staatliche Vers. überhaupt etwas einzahlen willst, dann nur Minimalbeiträge. Bei einer Vorsorge für mehr als ein halbes Jahrhundert wären mir auch von anderen Leuten verwaltete Töpfe (Versicherungen) als alleinige Säule zu wackelig. Suchst Du eine helfende Hand, nimm am besten die eigene. Wie die Vorsorge dann im Detail aussieht, ist auch eine Frage der Tätigkeit. Wer nämlich lebenslang einen Betrieb aufbaut, schafft dauernd Werte und wer es klug angeht, verzinst Geld im eigenen Betrieb viel höher als in jeder anderen Anlageform. Ich halte es deshalb für nicht besonders sinnvoll, als Selbständiger jedes Jahr den größten Vorsorgeposten in anderer Leute Kassen zu schaufeln. Man muß sich der Risiken bewußt sein und man muß sich mit verschiedenen Formen renditeträchtiger Geldanlage beschäftigen, Geldanlage im eigenen Betrieb inbegriffen. Aber das ist ohnehin eine Daueraufgabe jedes Selbständigen. Wenn Du für die 9.360 €, die Du für die RV berechnet hast, eine Maschine kaufst, mit der Du alljährlich 10.000 € verdienst, wärst Du schön dumm, dieses Geld statt dessen für magere einstellige Rendite einer Versicherung zu geben. Wenn Du als Freiberufler Geld für Recherchen und Ausarbeitungen ausgibst und mit dem Material ein Buch schreibst, daß auch noch 70 Jahre nach Deinem Tod Honorare bringt, wärst Du nicht gut beraten, das Geld lieber einer Versicherung anzuvertrauen. Das ist ein Extremfall, denn die meisten literarischen Werke sind deutlich kurzlebigerer Natur und den Erfolg kann man erhoffen oder erahnen, aber nur selten sicher planen. Du könntest auch in eine oder mehrere eigene Immobilien investieren. Ja aber der Immo-Markt… der Markt kann in der Breite total darnieder liegen und dennoch kann im Einzelfall mit Phantasie, Geschick und der richtigen Zielgruppe renditebringende Vermietung möglich sein. Nur das eigene Konzept zählt, was andere Leute sagen, kann man als Selbständiger zur Kenntnis nehmen, muß es aber nicht machen. Ich will nur sagen: Es gibt sehr viel mehr zwischen Himmel und Erde als die staatliche RV und private Versicherungen. Du mußt Dir eigene Gedanken machen, denn Versicherungsvertreter und Vermögensberater sind mit der individuellen Situation in aller Regel überfordert und verhökern die Produkte ihrer Gesellschaft. Das muß alles nicht schlecht sein, kann aber auch völlig daneben sein.
Zuallererst brauchst Du ein tragfähiges Konzept für die Selbständigkeit. Das muß auf Dauer angelegt sein. Probeweise Ebayhandel, morgen irgendeine andere Dünnbrettbohrerei und übermorgen hängt man alles an den Nagel, endet in der Perspektivlosigkeit.
Anfangs ist es in der Selbständigkeit schon mal ein Erfolg, wenn überhaupt etwas übrig bleibt und man kein Geld mehr mitbringen muß. Auf die Dauer muß sich jeder Selbständige von manchen landläufigen Vorstellungen trennen. Mit der durchschnittlichen Gehaltsgrößenordnung eines abhängig Beschäftigten kann ein Selbständiger nicht dauerhaft klar kommen. Der Traum von 40 Wochenstunden ist genau so ausgeträumt wie von 6 Wochen Jahresurlaub. Im Krankheitsfall laufen i. d. R. alle Kosten in voller Schönheit weiter, es wird aber kein Geld mehr verdient. Außerdem haftet ein Selbständiger für sein Tun notfalls mit dem letzten Hemd, was bei einem Leben von der Hand in den Mund zu einer üblen Belastung werden kann. Auf diese Weise relativieren sich stolz klingende Einkommen. Es darf nicht alles verfrühstückt werden.
Gruß
Wolfgang