ich habe ein neues Wort gelernt „abgeranzt“. Das Wort kann man im Duden nicht finden, aber die KI hat mir weitergeholfen und erklärt, was dieses Wort bedeutet. Meine Frage ist, ob „abgeranzt“ von dem „ranzen“ herstammt. Die KI bleibt hier eine konkrete und zufriedenstellende Antwort schuldig bzw. verneint eine Verbindung. Gibt es eine etymologische Verbindung?
wie wär’s denn mit einer Winzigkeit an Kontext? Abranzen ist offenbar eine Neuschöpfung; mit dem Drumherum ließe sich vielleicht herausfinden, was der Kreative sich dabei gedacht hat
Wenn abranzen vom Schulranzen kommt, dann schlage ich die Wiederbelebung des schönen alten Wortes abprotzen vor. Oder doch der Ranzen gleich Wampe und abranzen als Synonym für abnehmen? Dann wäre das Verb völlig fehl am Platz: A Mo ohne Wampm is a Krippl (alte Trachtlerweisheit).
wie wär’s denn mit einer Winzigkeit an Kontext? Abranzen ist offenbar eine Neuschöpfung; mit dem Drumherum ließe sich vielleicht herausfinden, was der Kreative sich dabei gedacht hat
Sie nickt begeistert und beäugt dann meine Kleidung, während mir bewusst wird, dass ich meine Jeans, Mums schwingendes Kleid, darüber meinen Lippenstiftverschmierten Pulli und einen Mantel trage - wie so ein abgeranzter Student
Liz Webb ( Das Waldhaus) aus dem Englischen von Ivana Marinović
ich meinte das Verb „ranzen“. Dem Duden nach hat dieses Verb zwei Bedeutungen:
(vom Haarraubwild) sich paaren, sich begatten ranzen (befehlen – schwaches Verb)
Es gibt ja auch viele regionale Ausdrücke Nadja..
Bei mir in der Kindheit (Rostock) wurde gern verranzt (für „schlecht im Zustand“) gesagt.
Ich habe es schon immer eher mit dem Schulranzen als mit ranzig in Verbindung gebracht und würde mir dann so einen Schulranzen nach 6-8 Jahren Tragedauer vorstellen, der mal aus dem 1. Stock geflogen ist - auch mal Fussball war u.v.m. …
Aber das ist nur mein pers. Eindruck - ich bin nicht der Chef der deutschen Sprache!
Womit ich dagegen gar nichts anfangen kann, ist das heutigen Weglassen des Reflexiv-Pronomens (sich erinnnern z.B.) - wahrscheinlich amerikanisiert.
Ich erinnere das Buch,was ich las. (schreibt ein bekannter Nürnberger Schriftsteller, der es ja eigentlich wissen muss). Das hat für mich eine ganz andere Bedeutung wie für den Herrn - das ich jemanden erinnere (anstatt mich).
Den würde ich am liebsten nochmal in den Deutsch-Unterricht schicken!
Das hört sich in meinen ehemals norddeutschen Ohren seeehr falsch an.
Aber ich wollte nicht ablenken! Das kann ja mal ein extra Thread werden…
gerade drüber gestolpert: erinnern nicht reflexiv scheint aus dem Hamburgischen zu kommen, genauer kann ich es nicht eingrenzen. Schmidt-Schnauze sagte das jedenfall auch gern.
jetzt bringst Du Nadja vollends aus der Spur: Du sprichst vom Ranzen (urbairisch), wobei jedoch ein dicker Bauch eher eine Wampe ist, der Ranzen fängt beim Doppelkinn an.
I gang gern auf de Kampenwand, wann i mit meiner Wampm kannt!
es ist nicht gesagt, dass das von dir zitierte „abgeranzt“ mit dem waidmännischen ranzen - sich paaren zu tun hat. Möglich ist es, weil - ebenfalls auf ziemlich niedrigem umgangssprachlichen Niveau - „abgefuckt“ eine ähnliche Bedeutung hat und das Verb ranzen noch im Spätmittelhochdeutschen die allgemeinere Bedeutung „toben, ausgelassen springen“ hatte.
Auch die von Chistian C_Punkt vorgeschlagene Verbindung zu ranzig kommt in Frage, weil es zu diesem ein Verb - regional im westdeutschen Raum ranzen = verdorben und übel riechen oder schmecken gibt. Nicht sehr wahrscheinlich, weil dieses Verb intransitiv ist und formal „abgeranzt“ ein transitives Verb voraussetzt.
Ganz sicher besteht jedoch keine Verbindung zu dem in diesem Thread ohne Not ins Spiel gebrachten Substantiv Ranzen - diese Verzweigung und alles, was dann noch an wenig Sachdienlichem dazukommt, ist im wörtlichen Sinn ein Holzweg (ursprünglich: Ein Weg, der zum Holzmachen in den Wald führt, aber dort nicht weitergeht - so viel wie eine Sackgasse).
Ich kenne das Verb abgeranzt oder auch
runtergeranzt / herunter geranzt
im Sinne von
heruntergewirtschaftet, verbraucht, sehr abgetragen, abgenutzt, schäbig.
Eben in schlechtem Zustand durch starke, unachtsame Beanspruchung.
Der Duden meint
" Herkunft
spätmittelhochdeutsch rantzen = ungestüm springen,
zu mittelhochdeutsch ranken = sich hin- und herbewegen"
und dabei lässt der Duden allerdings weg, dass es im Neuhochdeutschen dazu nur den Zusammenhang gibt, den ich bereits ausführlich dargelegt habe.
Analog dazu: Im Alemannischen, das in einiger Hinsicht mittelhochdeutsch geblieben ist, wird jede wiederholte Hin- und Herbewegung (etwa das Abschaben von Bast am Geweih bei Rehböcken und Hirschen) als ficken bezeichnet. Das ändert nichts an der eindeutigen Bedeutung dieses Verbs im (neuhochdeutschen) Standarddeutschen.
den Duden, genau, wie sie es angeführt hat: guckst du → Duden unter „Herkunft“.
Es war hier in diesem Thread ja auch nicht nach „verranzt“ gefragt, sondern nach „abgeranzt“. und im Weiteren dann nach einem dem mutmaßlich zu Grunde liegenden Stammverb „ranzen“.
Zu ranzig - ein aus frz. und ital. entlehntes Adjektiv - hat vermutlich erst Goethe ein Verb gebastelt. So jedenfalls das Grimmsche DWB in einem der Einträge zu ranzen: „von Göthe für modern, verfaulen gewagt“.
Ach geh! Echt jetzt? Wieso??
Übrigens, davon mal abgesehen, wo der Duden zum Verb „ranzen“ gerade mal 2 Bedeutungen findet, hat Grimms DWB außer dem gerade Erwähnten noch weitere 9 Bedeutungsvarianten. Alle weisen auf recht unterschiedliche Wortgebräuche und: Alle haben eine unklare Etymologie. Dazu gehört auch ein „ranzen“ = „geil sein“, und auch das Wort für tierisches Kopulation aus der Jägersprache.
stammt ja aus einer (zumindest an dieser Stelle fragwürdigen) Übersetzung aus dem Englischen: Ich würde dem Kontext nach mal auf „messy“ spekulieren. Es passt jedenfalls zu dem, was @Kreszentia oben bereits aus dem DWDS und dem Wikionary zitiert hatte: Ein dem PP zugrundeliegendes Verb „abranzen“ wird dort zwar formell erwähnt, aber ich halte es für unwahrscheinlich, daß ein solches je im Sprachgebrauch existierte. Ich halte es bestenfalls für ein sog „primäres Partizipialadjektiv“ (= zu dem es kein Grundverb (mehr) gibt) wie z.B. „belesen“, „gekonnt“, „geschickt“ usw.