Ich frage gerade für einen guten Freund (33 Jahre alt):
Er ist seit ca. zwei Jahren geschieden und hat eine Tochter, die er abgöttisch liebt. Er wollte auch das Sorgerecht für sie bekommen, was er allerdings nicht bekommen hat (die Ex-Frau hat auch noch einen Sohn aus erster Ehe). Er hat keine abgeschlossene Ausbildung und arbeitet seit 10 Jahren in einem Supermarkt als Lagerarbeiter. Er hat noch ca. 7.000 € Schulden aus der Ehezeit, da sich die Beiden ein Haus kauften und da wohl einiges schief lief, was ich jetzt hier nicht näher ausführen will, weil es zu lang werden würde. Durch diese Schulden muss er ca. 150 € monatlich abzahlen und 240 € zahlt er Unterhalt fürs Kind (die Frau ist durch eine Erbschaft schuldenfrei). Zum Leben bleibt ihm soviel, wie ihm nach dem Selbsterhaltungslimit zusteht. Irgendwas um die 800 €. Nun will seine Frau wieder heiraten und zieht infolge dessen über 100 km weg. Er ist völlig verzweifelt, weil er durch seine marode finanzielle Situation nicht in der Lage sein wird, seine Tochter wie gewohnt jedes zweite Wochenende abzuholen, da er sich auch kein Auto leisten kann.
Einen steuerfreien Nebenjob will er nicht suchen, da er angeblich dann höher mit der Unterhaltszahlung wird (durch die Düsseldorfer Tabelle), so dass sich das nicht lohnen würde. Außerdem müsste er dann nach seiner Erkundigung statt 100% 135% Unterhalt zahlen, was irgendwie damit zusammenhängen soll, dass er und seine Exfrau gegenseitig auf Unterhalt verzichtet haben und seine Ex vollzeit arbeitet.
Ich versuche ihn ständig zu überreden (nicht nur deswegen), dass er eine Ausbildung oder Umschulung (er hatte mal eine Ausbildung als Elektriker angefangen, aber vor der Prüfung abgebrochen) machen soll, damit er sich nicht auch für die Zukunft alles verbaut. Er ist der Ansicht, dass das alles nicht gehen würde, weil er einerseits die Schulden hätte und dann noch den Unterhalt zahlen müsste. Aber es muss doch in unserem Sozialstaat eine Möglichkeit geben, dass man trotz Schulden und Unterhaltsverpflichtungen nicht ohne Ausbildung bleiben muss, oder?
Sein Problem zusätzlich ist, dass – falls es so eine Möglichkeit gäbe – dann das Jugendamt (oder Sozialamt? – weiß ich jetzt nicht mehr genau) statt der 240 € nur noch 111 € an seine Frau zahlen würde und er dann Angst hat, dass sie ihm den Zugang zu seiner Tochter erschwert. Er ist schon bereit, etwas an seiner Situation zu verändern, aber alle Laientipps von mir verwirft er sofort, weil er sich scheinbar damit abgefunden hat, dass er für immer und ewig mit dem Selbsterhaltungslimit auskommen muss.
Ich würde ihm so gerne helfen, da er total resigniert hat. Ich habe zwar selbst Jura studiert, kenne mich in diesen Sachen aber gar nicht aus. Gibt es nicht irgendeine Möglichkeit für ihn?
Ich wäre sehr dankbar für ein paar Tipps.
Liebe Grüße,
Andrea