Hallo Forum,
ich habe hier einen „Fall“ - es ist nicht meiner, deswgen kann ich keine evtl. Fragen beantworten, ich versuche aber, alles gut zu beschreiben.
Meine Freundin F. (29) ist in der Bäckerei tätig.
Sie hat eine Kollegin, U.(auch 29).
Beide fangen zur gleichen Zeit an (4:00 früh) und sind eine Stunde allein in der Backstube.
F. ist schon 2 Jahre dort, U. ein Jahr.
Zu beginn, wenn U. reinkam, hat U. manchmal gesagt: „F, mir geht es so schlecht, mein Freund hat…“
und F. hat zu gehört und auch mal was an Arbeit übernommen, wenn U. Bauchweh hatte oder ähnliches.
U sagte oft: „Momentan ist alles nur schlimm.“
Das Problem ist:
„Momentan“ ist inzwischen so ziemlich immer.
U kommt an 10 von 12 Tagen mit „Ich kann nicht mehr“ - Jammergesicht morgens um 4 in die Backstube, rennt sofort zu F. und lässt einen Schwall von Problemen los.
Die Mutter hat gesagt…
Der Freund hat (nicht) gesagt…
Der Junge hat wieder…
Die Friseurin hat die Frisur versaut, heul, was tun!
Die Samenflüssigkeit des Freundes… (im Ernst!).
Der Durchfall. Gestern sah er so aus, heute so…
Keine Kinokarte mehr, und was bloß tun heute mit sich alleine…
Streit mit der Freundin…
Die neue Wohnungseinrichtung…
Der Freund fährt zwei Tage weg…
etcetc nach Belieben weiterzuführen… schon schwierige Dinge plus viele kleine, die bis an die Heul-Grenze hochdramatisiert werden.
Es ist uferlos und es kostete F. eine Menge Zeit.
Zudem ist F eine ruhige Arbeiterin, die morgens Überblick hat und dann ihre Arbeit anpackt und gut hinbekommt. Sie mochte ihren Job immer, aber seit U. da ist, hat sie anfangs viel Zeit mit Zuhören verschenkt.
(U. stellt sich beim Jammern gern vor die Geräte oder in Türen und geht auch auf Aufforderung erst nach einigen Malen weg).
Zudem erträgt F. nicht mehr, bereits um 4 Uhr beim Reinkommen schon uferlos zumonologisiert zu werden.
F. hat bereits gesagt, dass sie nicht gern viel redet.
Dass sie nicht belabert werden will.
Sie hat auch schon mal die Hände abwehrend hoch gehalten und NEIN gesagt.
Zwecklos, U. reißt sie einfach in ihre Arme (!) und heult. Es ginge ihr doch GERADE so schlecht, dan kann man doch jetzt nicht nein sagen! Man soll doch NUR zuhören!
Es ist auch nicht so, dass F. die einzige ist, mit der U. reden kann. Wenn die Kolleginnen später kommen, erzählt U. wirklich jeder, jeder einzelnen, die sich nicht retten kann, dasselbe nochmal. Oder auch zweimal.
Zurzeit gibt F. sich einfach höflich, aber extrem reserviert, und U. umschleicht sie ständig mit Heulaugen.
Nun versucht sie halt, F. mit überraschenden Sätzen ohne Einleitung wie „Es gab übrigens Streit, ganz, ganz schlimm!“ zu einer Reaktion zu zwingen.
F. weiss nicht mehr, wie sie sich verhalten soll und ist dauergestresst. Der Job an sich, der Chef, die anderen Kollegen - sonst ist alles gut.
F. findet auch, dass U. im Grunde, als Kollegin, sehr freundlich, ehrlich und hilfsbereit ist, sie möchte sie nicht so sehr vor den Kopf stoßen a la „Halt endlich Deinen Mund, kapiert“ „Ich ertrage Dein ewiges Gejammer keine Minute mehr“ oder gar deswegen zum Chef zu gehen.
Ja, das war jetzt MEIN Monolog… 
Wisst ihr einen Rat?
Ich danke für Antworten und werde sie alle für F. ausdrucken.
Liebe Grüße
Kassandra