Hi,
mal ne Frage:
Eine Bekannte von mir ist Mitte 20 und ist sich bezüglich ihrer gesamten Lebenssituation nicht über ihre Zufriedenheit bewusst bzw. ist dauerhaft unzufrieden. Bestimmte Hochs empfindet sie durchaus als positiv, aber mit dem Alltag kommt sie nicht klar. Sie hat ständig das Gefühl, ihr würde etwas fehlen, aber sie kann nichts genaues nennen, was ihr fehlt. Sie neigt dazu, sich dann mit anderen zu vergleichen und wenn sie etwas findet, was andere, die glücklich sind, haben, was ihr jedoch fehlt, ist sie der Meinung, dies haben zu müssen, um dann auch glücklich zu sein. Dies hat bisher natürlich nicht funktioniert. Seit sie lebt, sucht sie nun immer wieder neue Sachen, als würde sie denken, sie können erst glücklich sein, wenn sie original alles so hätte wie eine andere Person, die genau diese Dinge hat und glücklich ist. Sie steht unter einem riesigen Druck und ist sich nicht darüber bewusst, was sie alles hat, was andere jedoch nicht haben. Vielleicht ist sie sich auch darüber bewusst, aber ist trotzdem nicht zufrieden und strebt nach alldem, was ihr noch fehlt. Ist eine Sache erreicht, fehlen immer die anderen - die ersehnte Befriedigung tritt jedoch nie ein - nicht einmal kurz.
Klar soll man immer streben und auch Wünsche haben, die man sich erfüllen will, aber wenn man dauerhaft der Meinung ist, unglücklich zu sein, weil einem das eine oder andere fehlt, was man noch nicht einmal selber haben will, sondern von dem man nur glaubt, es mache einen glücklich, weil ja andere, die es haben, glücklich sind, ist das nicht normal, oder?
Sie ist die jüngste in ihrer Familie - ihre beiden Geschwister sind Mitte 30 und man kann sagen, sie haben bisher ein sehr flexibles und konfuses Leben geführt auf der Suche nach ihrem Glück. Im Ergebnis sind sie nach wie vor sehr unzufrieden, wobei sie wohl jetzt auch echten Grund dazu haben, denn sie haben durch ihre Einstellung bisher nichts erreicht und vieles, was zu ihrer Zufriedenheit hätte beitragen können, aufgegeben. Ihre Mutter hingegen ist jetzt Mitte 50 und hat irgendwann gesagt, dass sie sich mit ihrer Unzufriedenheit abfindet, ohne weiter zu suchen und vorhandene Dinge aufzugeben. Dies führte langfristig zu Depressionen, die seitdem medikamentös behandelt werden.
Nun habe ich gehört, dass es bei allen Leuten, die unzufrieden sind, daran liegt, dass sie zu hohe Erwartungen haben und die eigentlich zufrieden stellende Situation diese unrealistisch hohen Erwartungen untertrifft. Diesen Leuten wird geraten, ihre Einstellung zu ändern, d. h. die Erwartungen herunterzuschrauben und sich über das zu freuen, was man hat. Sie müssen lernen, sich das bewusst zu machen, was sie haben und ihre Gedanken nicht nur darauf zu konzentrieren, was andere haben und dies in Kombination mit dem Drang der Erfüllung der viel zu hohen Erwartungen anzustreben.
Allerdings ist dies leicht gesagt und mich interessiert, ob dies wirklich funktioniert, bzw. wie man solchen Menschen helfen kann, zufriedener zu werden. Oder sind solche Menschen dazu bestimmt, ihr Leben lang zu suchen und erst am Ende beurteilen zu können, was sie in ihrem Leben glücklich gemacht hätte?
Schöne Grüße
Martin
