Büchner
Hi!
Sicher nicht genau das, was Du suchtest. Aber vielleicht kannst Du Dir ein eigenes Bild der Büchner´schen Sicht auf das Theater bilden, wenn Du Dir diese Seite über ihn anschaust.
http://www.raffiniert.ch/sbuechner.html
Habe für einen Eindruck aus dem Link einiges in dieses Posting reinkopiert.
Auszüge:
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DER HESSISCHE LANDBOTE - Streitschrift (1834)
Rhetorische Mittel
Metaphern, Zahlen --> dokumentarische Literatur
Übertreibung, aggresive Härte, Zuspitzung, Drastik, starke und kritische Betonung, Gegensätze
nicht intellektuell, Bibelsprüche, Aufforderungscharakter,
rhetorische Fragen, Wiederholungen, Anaphern, ironische Redewendungen
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DANTONS TOD - Drama (1835)
…Büchner erkennt als unausweichliche Gesetzmässigkeit der Geschichte, das einer Revolution der Armen gegen die Reichen, so wie er sich wünscht, Revolutionen des Bürgertums gegen den Adel vorausgehen, die nur eine Geldaristokratie an die Macht bringen. Hiervon handelt die Tragödie um Dantons Tod: Die Französische Revolution hat das Schicksal der Armen nicht gebessert. Danton bleibt dem gegenüber gleichgültig, findet in seinem Tun keinen Sinn und verfällt dem Lebensüberdruss. Der sittenstrenge und selbstgerechte Robespierre benutzt die Unzufriedenheit des Volkes nur, um weitere Hinrichtungen zu rechtfertigen. Die Geschichte geht über beide Männer hinweg; Robespierre wird seinem Opfer Danton bald nachsterben. Die irdisch-sinnliche Liebe der Frauen dagegen, die ihren Geliebten in den Tod folgen, weist in eine noch offene Zukunft, in der irdisches Glück, Genuss und Liebe, vielleicht möglich sein werden. Wie in allen Büchner-Dramen spielen auch hier die Langeweile und der Genuss eine wichtige Rolle; im Namen Büchners bekennt sich Danton hier gar ausdrücklich zur Philosophie Epikurs. In der ersten Szene des dritten Akts kommt allerdings Anaxagoras zu noch grösseren Ehren, obwohl dessen berühmtester Satz fehlt: „Es ist sinnlos, die Dinge losgelöst voneinander zu betrachten. Alles ist in allem. In jedem Sandkorn steckt die ganze Welt, und in jedem einzelnen Ding steckt die Geschichte der ganzen Menschheit.“ Mit diesem Drama verarbeitete Büchner auch die Enttäuschung über seine gescheiterten politischen Pläne.
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LEONCE UND LENA - Lustspiel (1836)
Dramatis personae
Leonce Prinz vom Reiche Popo, er ist unterbeschäftigt, philosophiert gerne, humorvoll, sympathisch, romantisch veranlagt, nicht zweckgebunden, kein Philister/Spiesser
Lena Prinzessin vom Reiche Pipi, sanft, lieb, unterwürfig, etwas selbstmitleidig, romantisch
Valerio eine Art Hofnarr, Begleiter von Leonce, humorvoll, witzig, Philosoph, recht intelligent und besonders sprachgewandt
Gouvernante Begleiterin von Lena, mütterlich besorgt, mitfühlend
König Peter Vater von Leonce, König von Popo, zerstreut, verlegen, schlechtes Gedächtnis, Pseudo-Denker
Absolutismuskritik
Darstellung des Königs ist ironisch
König langweilt sich, Woyzeck verhungert
König handelt nach Lust und Laune, meistens aber gar nicht
Marionettenuntertanen, blinde Gefolgschaft
Dynastische Heiraten
Lähmende, zerstörerische Wirkung des Zwangs
Menschen sind Automaten
Ironischer Abgang auf die Romantik
irgendwie ist alles romantisch, wird aber oftmals ins Lächerliche gezogen
Italienssehnsucht
Naturbeschreibungen
Prinz - Prinzessin
Liebesromanze mit Happy-End
Nicht-zweckgebundene Einstellung Leonces
Langeweile
Wie in Woyzeck schon, ist auch die Langweile hier wieder ein bedeutendes Element
Die Langeweile wird durch Denken und sinnloses Philosophieren überdeckt
Leonce kann nichts mehr glauben, lässt seine Gedanken spielen, alles ist gleichgültig
Liebe kann die Langeweile vertreiben, sie verleiht Flügel, während die Langeweile den Menschen lähmt
Was Menschen tun, tun sie nur, weil sie nichts anderes zu tun wissen
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WOYZECK - Fragment (1837)
Woyzeck
unsicher, zerstreut
sensibel, eigentlich sehr lieb
unkontrolliert, unstetig
finanziell & gesundheitl. angeschlagen
naiv, mitleiderregend
furchteinflössend, verrückt, psychotisch, wahnsinnig, depressiv, jähzornig
keine Ehe, vor Öffentlichkeit niedrigster Stand
Probleme mit Geliebter
ausgenützt
intelligent, gehetzt, nicht realitätsbezogen, etc.
Marie
schön, hübsch
ängstlich
untreu, unehrlich
begierig, ausnützend
arm, schuldbewusst
fromm
stark, respekteinflössend
gutes Herz
einsam, stolz, sinnlich
träumend
wird gleichgültig, erwartet etwas
Tambourmajor
männlich
selbstbewusst, arrogant
selbstsüchtig, grobredend
egoistisch, oberflächlich
Macho, Imponiergehabe
Angeber, Verführer
Säufer (Branntwein)
Prügelknabe
ungebildet aber nicht dumm
Sozialkritik, Welt- und Menschenbild
Das Soldatentum wird massiv kritisiert. Das Verhältnis zwischen Arm und Reich wird thematisiert. Durch das ganze Stück zieht sich das Motiv materieller und seelischer Armut.
Die Welt wird als verderblich betrachtet, auch der Mensch ist vergänglich, ist nur ein kleines Etwas. Er hat es schwer, seinen Willen durchzusetzen, denn die Realität ist stärker als der Wille des Einzelnen.
Form des Dramas:
Vom Dialekt geprägte realistische Sprache
Einfache Form, kurze Sätze, viele Imperative
Alles in „Er“-Form, wenig direkte Anreden -> Unterwürfigkeit
Dialektreden in hessischem Dialekt
Expressive Sprache (ziemlich modern)
Grelle Szenen
Gewisse Tabulosigkeit (Gegensatz zur Klassik)
Offene Form (Klassik: 5 Akte!) mit innerem Faden; keine Einheit von Ort & Zeit
Kein Happy end, Woyzeck als Antiheld
Dichte des Werkes (atmosphärisches zwischen den Zeilen); Eisberg-Struktur
Bibelzitate, Aberglauben, trauriges Märchen, Volkslied, Berührung mit Volksliteratur
Leitmotive (Stimmen, „Stich zu!“-Element)
Symbolische Textelemente (Märchen, Handwerker)
Mischung von Komik und Tragik
Drama des Vierten Standes (ANTI: Romantik, Klassik, Idealismus)
Früher Realismus
Fragment geblieben (durch frühen Tod Büchners)
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LENZ - Novelle (1837)
Chronikstil (Tätigkeitswörter überwiegen), geniale Verdichtung der Situation
luzide, expressionistische Sprache mit vielen Vergleichen
sehr präzise, zeigt viele Gemütszustände (Äusseres als Spiegel des Inneren)
sehr komplexe, lange Sätze, die trotzdem verständlich wirken
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Grüße
Bettina