Abi nach der Aubildung

Hi

Um Politiker zu werden, muss man nicht Jurist sein.

Sehr, sehr viele Politiker sind vom Grundberuf Juristen.

Was mir am Ende des Studiums eventuell allerdings fehlen
könnte, ist die Arroganz, die im Medizin- oder Jurastudium
offensichtlich als Grundlagenvorlesung angeboten wird.

Du verkennst da die Sachlage. Ich habe zunächst 8 Semester im geisteswissenschaftlichen Bereich studiert, bevor ich Medizin studiert habe. Was du bei mir als Arroganz sehen möchtest, ist in Wirklichkeit einfach Lebenserfahrung. MIt fast 60 Jahren und jahrehntelangen Erfahrungen (auch als Dozent und Lehrbeauftragter) sieht man die Wissenschaftslandschaften nun einmal aus einer anderen Perspektive.
Gruß,
Branden

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Hi,

Um Politiker zu werden, muss man nicht Jurist sein.

Sehr, sehr viele Politiker sind vom Grundberuf Juristen.

Erstens ist Jura aber trotzdem keine Voraussetzung und zweitens halte ich es für diskussionswürdig, ob es gut sein kann, dass wir von Juristen regiert werden.

Was mir am Ende des Studiums eventuell allerdings fehlen
könnte, ist die Arroganz, die im Medizin- oder Jurastudium
offensichtlich als Grundlagenvorlesung angeboten wird.

Du verkennst da die Sachlage. Ich habe zunächst 8 Semester im
geisteswissenschaftlichen Bereich studiert, bevor ich Medizin
studiert habe. Was du bei mir als Arroganz sehen möchtest, ist
in Wirklichkeit einfach Lebenserfahrung. MIt fast 60 Jahren
und jahrehntelangen Erfahrungen (auch als Dozent und
Lehrbeauftragter) sieht man die Wissenschaftslandschaften nun
einmal aus einer anderen Perspektive.

Tut mir leid, aber auch 100 Jahre Lebenserfahrung ersetzen keine Argumente.
Ich habe hier noch nichts sinnvolles von dir gelesen was belegen würde, dass man mit Jura oder Medizin „mehr machen“ kann.

Gruß

rantanplan

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Grüß Dich.

Wenn der geisteswissenschaftliche Schwerpunkt an den
altsprachlichen Gymnasien nicht wäre, hätten wir kaum noch
klassisch-humanistische Allgemeinbildung an den Oberschulen.

Du verwechselst klassisch-humanistische Bildung mit Allgemeinbildung.
Das erlebe ich immer wieder und es ist grotesk:
Humanistische Bildung ist einseitige Bildung. Das hat mit Allgemeinbildung nicht viel zu tun. Alte Sprachen, griechisch-römische Antike. Und auf der anderen Seite? Drosselung in der deutschen Sprache, Drosselung in Geschichte, Drosselung in MNT.

Allgemeinbildung heißt: Allseitigkeit. Und das führt schnell zur Forderung, daß MNT zunächst im Umfang auf Augenhöhe gebracht werden müßten. Nach den letzten PISA-Ergebnissen, kochte ja die Debatte um Sachsens angeblich ach so hohen Stundenzahlen in den Naturwissenschaften hoch. Für unsereins ist das ein erfrischender Gassenhauer, denn seit Kriegsende gab es in den neuen Ländern nie wieder so dermaßen wenig MNT-Unterricht wie seit der Einführung des gegliederten Schulsystems und der verflochtenen Schieflage zugunsten geisteswissenschaftlicher Fächer.

Es läuft doch immer mehr auf technisches Fachidiotentum zu.

Dumpfe Polemik, die man immer hört, wenn es endlich auf den aufsteigenden Ast gehen soll (Betonung von MNT).

Hier in der Gegend wurde man groß mit der Sicherheit, daß die
Schule kompromißlos auf stark MNT-betonte Allgemeinbildung
dimensioniert war. Wer Mathematik, Physik, Chemie oder
Polytechnik nicht konnte, der bekam schlichtweg kein
Reifezeugnis.

Das wiederum finde ich ziemlich schlimm.
Philosophisch und humanistisch völlig ungebildete Techniker
oder Naturwissenschaftler sind genau das, was ich nicht
massenhaft erleben will.

Du verstehst nicht: Die Schule hier war als allgemeinbildende Schule konzipiert. Abitur hieß „alles können“ und nicht sich die Kurse zusammenstricken, die ein seichtes Treibenlassen garantieren.
Für einen gebildeten Menschen ist es wohl die mindeste Anforderung, die man an den höchsten allgemeinbildenden Abschuß stellen kann, daß genau diesen niemand bekommt, der nicht profunde Kenntnisse auf allen Gebieten nachweisen kann. Und dazu gehören vor allem MNT-Fächer.

Es ist bemerkenswert, wie ignorant Du sein kannst: Tagtäglich profitierst Du ausschließlich - ausschließlich! - von Jahrzehnten und Jahrehunderten mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Fortschritts. Helmholtz - der „Reichskanzler der Physik“ - hätte sich solch eine Blöße wie Du hier nie gegeben. Viele seiner tollen Gleichungen hat er über medizinische Untersuchungen aufgetan (Betrachtungen zum Hören und zum Schall) und er wäre in hunderttausend Jahren nicht auf die Idee gekommen, Geisteswissenschaften oder Medizin oder Jura einseitig zu betonen.

Dein geliebtes Abitur ist aber kein solch allgemeinbildender
Abschluß, wie es ihn hier im Osten gab. Ich sehe daher kein
Rechtfertigung, die anderen Hochschulzugangsberechtigungen
abschätzig zu betrachten, denn die „allgemeine Hochschulreife“
ist keinen Scheiß besser.

Ich weiß nicht so recht, wie auf eine Formulierung wie „dein
geliebtes Abitur“ kommst. Ich habe lediglich pragmatisch
darauf verwiesen, dass viele Leute mit einem Fachabitur nicht
wirklich dahin kommen, wo sie vielleicht hinwollen. Und: Diese
anderen sind eben k e i n e vollwertigen
Hochschulzugangsberechtigungen, das ist ja gerade der
springende Punkt. Mein Ansatz ist ja gerade der, dass man mit
einem Fachabitur die Studiengänge, die z.B. mich
interessierten, nicht studieren kann.

Du übersiehst, daß ein Vordiplom automatisch die uneingeschränkte Hochschulzugangsberechtigung erteilt, auch an der FH.

Dein Gegenargument ist des weiteren entkräftet seit der Umstellung zum Bachelor-Master-System. So gesehen geht jetzt „alles“, denn sobald Du einen Bachelor hast, darfst Du die absonderlichsten Richtungen studieren (sofern Du die Zulassungsrichtlinien für den Master packst). Und die Immatrikulation auf Bachelor gestaltet sich viel einfacher als bisher.

Für mich wäre ein Fachabitur etwa soviel wert gewesen wie eine
Mittlere Reife. Wenn ich nicht Medizin studieren hätte können,
hätte ich vermutlich eine künstlerisch akzentuierte Ausbildung
angefangen, zu der ich auch mit der Mittleren Reife gelangt
wäre.

Erstens, Fachabitur gibt es nicht.
Das heißt Fachhochschulreife oder fachgebundene Hochschulreife.
Zweitens fällt beides im gegliederten Schulsystem unter Sekundarstufe II, was also über dem Abschluß der Sekundarstufe I steht.

Das sehe ich eher umgekehrt: Ich hätte gerne damals, vor etwa
40 Jahren, Chemie, Physik oder Mathe abgewählt und stattdessen
ein geisteswissenschaftliches Fach mehr genommen - da sehe ich
wiegesagt den größeren allgemeinbildenden Zuwachs.

Siehe oben. Humanistische Bildung ist keine Allgemeinbildung.

Viele Grüße

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Guten Abend Reiner

Du verwechselst klassisch-humanistische Bildung mit
Allgemeinbildung.

Keinesfalls.

Das erlebe ich immer wieder und es ist grotesk:
Humanistische Bildung ist einseitige Bildung.

Eben nicht.

Das hat mit
Allgemeinbildung nicht viel zu tun. Alte Sprachen,
griechisch-römische Antike. Und auf der anderen Seite?
Drosselung in der deutschen Sprache, Drosselung in Geschichte,
Drosselung in MNT.

Eben gerade k e i n e Drosselung in Deutsch und Geschichte, im Gegenteil. Humanistische Gymnasium haben hier gerade einen Schwerpunkt. Drei von meinen vier Kindern gehen auf ein humanistisches Gymnasium. (Die Älteste ist schon lange aus der Schule raus.)

Allgemeinbildung heißt: Allseitigkeit.

Genau. Und das bedeutet, dass nicht einseitig MNT gelehrt wird. Der mathematisch-technische Schwerpunkt führt zu diesem Fachidiotentum, welches mir viel zu oft begegnet.

Abitur hieß „alles können“

Das ist eider nicht (mehr) erreichbar. Aber in den humanistischen Gymnasien eher als in den mathematisch-technisch-naturwissenschaftlichen.

Für einen gebildeten Menschen ist es wohl die mindeste
Anforderung, die man an den höchsten allgemeinbildenden
Abschuß stellen kann, daß genau diesen niemand bekommt, der
nicht profunde Kenntnisse auf allen Gebieten nachweisen kann.
Und dazu gehören vor allem MNT-Fächer.

Die sind ja sowieso vorhanden. Was fehlt, ist oft das Geisteswissenschaftliche, HUmanistische.

Es ist bemerkenswert, wie ignorant Du sein kannst: Tagtäglich
profitierst Du ausschließlich - ausschließlich! - von
Jahrzehnten und Jahrehunderten
mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Fortschritts.

Das nun ist in menen Augen völliger Unsinn. Fast nicht steigerbar.

Erstens, Fachabitur gibt es nicht.
Das heißt Fachhochschulreife oder fachgebundene
Hochschulreife.

Mit solcherlei Formalismen und Spitzfindigkeiten kannst du keine inhaltliche Argumentation ersetzen.
Gruß,
Branden

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Heute suchen sich die meisten einfach Fächer aus, um bessere Noten zu bekommen. Da ist eben Musik und Kunst LK usw. drin. Wer wirklich etwas draufhat, lacht über so ein Abi.

Grüß Dich.

Das erlebe ich immer wieder und es ist grotesk:
Humanistische Bildung ist einseitige Bildung.

Eben nicht.

Doch, doch. Das zieht sich nachweisbar über Jahrhunderte hin.
Humanistische Bildung stand stets synonym für Einseitigkeit. Der Stundenplan kannte defacto nur alte Sprachen, die griechisch-römische Antike und Philosophie. Mathematik gab es auch, wurde aber sehr bescheiden und bezugnehmend auf die griechische Naturphilosophie unterrichtet. Für Sport, Mathematik, Physik, Chemie, Astronomie, Geographie, Biologie, Technik, Geschichte, Kunst, Musik war ausdrücklich und unverhohlen kein Raum vorgesehen.

Das läßt sich zurückverfolgen bis in die Lateinschulen des Mittelalters bzw. der Neuzeit. Humboldts Reform Anfang des 19. Jahrhundersts, der große Humboldt, baute die Einseitigkeit mehr oder weniger unbeabsichtigt sogar aus. Das führte dann nach dem Scheitern seiner Reform zur Entstehung des gegliederten Schulsystems, wie wir es heute kennen. Die äquivalente soziale Schichtung viel dummes Volk - ein bißchen Bürgertum - auserlesene Oberschicht gab es freilich schon eher, doch in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts hieß das dann Elementarschule, Volksschule, Realschule, Gymnasium.

Und jetzt darfst Du dreimal raten, Branden.

Richtig, Volksschule als häßliche Notwendigkeit für die Bauerntrottel, die wenigstens irgendwas wissen mußten, Realschule für die abschätzig behandelten „Realien“ Mathematik, Naturwissenschaften, Technik und moderne Fremdsprachen, und das Gymnasium mit sozialer Abschottung nach unten und Elitegehabe der Oberschicht, was sich - oh Wunder - zeigte in Latein, Altgriechisch, Philosophie. :smile:

Was Du Dir als Allgemeinbildungsvision unter dem Schlagwort „humanistischer Bildung“ zurechtfummelst und wahnsinnig verklärst, hat es nie gegeben. Humanistische Bildung war stets das Gegenteil von guter Allgemeinbildung! Auf diese Weise war es nämlich überhaupt nur möglich, daß sich das gegliederte Schulsystem etablieren konnte. Das humanistische Bildungsideal (Altgriechisch, klassisches Latein, Philosophie, mathematische Naturphilosophie und die rhetorische Konversation darüber) machte es möglich, die Oberschicht vom Rest der Gesellschaft abschotten zu können. Dem Normalbürger war Latein und Griechisch vielfach nicht zugänglich und das war’s dann mit dem ewigen Ruhm für das Lexikon.

Da hast Du Dir ja ein tolles Vorbild für Deine Allgemeinbildungsphantasie ausgesucht.

Nur dem gewaltigen naturwissenschaftlich-technischen Fortschritt und dem Zwang, sich damit wohl oder übel gesamtgesellschaftlich beschäftigen zu müssen, ist es zu verdanken, daß das gegliederte Schulsystem heute im Gymnasium mehr als das Herumreiten auf alten Sprachen kennt.

Zu Deiner allgemeinbildenden Information :smile: sei noch angemerkt: Die Sozialisten in der DDR nannten die in dem Fall tätsächliche Allgemeinbildung, die ihr ideologisches Konstrukt der „allseitig entwickelten sozialistischen Persönlichkeit“ genießen sollte, „humanistisch“. Dieses „humanistisch“ war ganz anders zu verstehen als Dein „humanistisch“, da die zehnjährige/ zwölfjährige Oberschulbildung aller Kinder alle Fächer zur Pflicht für alle Kinder machte und sich niemand der Kunst, der Musik, der Mathematik, der Physik, der Chemie, der Astronomie, der Polytechnik, der Körpererziehung usw. entziehen konnte.

Eben gerade k e i n e Drosselung in Deutsch und Geschichte,
im Gegenteil. Humanistische Gymnasium haben hier gerade einen
Schwerpunkt. Drei von meinen vier Kindern gehen auf ein
humanistisches Gymnasium. (Die Älteste ist schon lange aus der
Schule raus.)

Richtig, weil das eigentlich keine humanistischen Gymnasien sind.
Humanistisches Gymnasium bedeutete viele Jahrhunderte lang Drosslung in deutscher Sprache, Drosslung bzw. Fortfallen der Realien, Drosslung in Kunst und Musik.

Davon abgesehen bleibt das Problem erhalten. MNT-Fächer werden viel, viel, viel, viel, viel zuwenig gelehrt. Allseitige Bildung ist erst hergestellt, wenn die Stundenzahlen von Geisteswissenschaften und MNT balanciert sind, und davon ist besonders das altsprachliche Gymnasium lichtjahreweit entfernt.

Nirgends in Deutschland existiert der von Dir effektvoll an die Wand gemalte Teufel von den übermäßig gelehrten MNT-Fächern. Die DDR, die Du ja als Gegenbeispiel heranziehen könntest, man beachte den Konjunktiv, kannte das übrigens auch nicht; dort waren die Fächergruppen Geisteswissenschaften und Mathematik-Naturwissenschaften-Polytechnik im Gleichgewicht miteinander.

Des weiteren: Wenn ich die Stundentafel des ehemaligen neunjährigen Gymnasiums anschaue, z.B. von Bayern, bezweifle ich Deine Aussagen, daß die Fächer Deutsch und Geschichte Schwerpunkte neben den alten Sprachen waren. Die Stundenzahlen sind nicht erhöht.
Gleiches läßt sich in den Stundentafeln für das achtjährige Gymnasium ablesen. Zwar besteht das gegliederte Schulsystem keinen Leistungsvergleich mit einer guten Einheitsschule, aber Bayern hat im innerdeutschen Vergleich wenigstens das beste gegliederte Schulsystem. Deswegen werden die Maßgaben der Stundentafeln dort, in den anderen Bundesländern ähnlich gelten.

Für einen gebildeten Menschen ist es wohl die mindeste
Anforderung, die man an den höchsten allgemeinbildenden
Abschuß stellen kann, daß genau diesen niemand bekommt, der
nicht profunde Kenntnisse auf allen Gebieten nachweisen kann.
Und dazu gehören vor allem MNT-Fächer.

Die sind ja sowieso vorhanden. Was fehlt, ist oft das
Geisteswissenschaftliche, Humanistische.

Diese Kenntnisse sind eben nicht vorhanden! Die Schülerschaft zeichnet sich durch große Unkenntnis in MNT aus, was sich extrem an der schlechten Nachwuchssituation in diesen Fächern zeigt und langsam aber sicher zu strukturellem Fachkräftemangel auf Jahrzehnte hinaus führt.
Das Fachidiotentum, was Du beklagst, existiert einerseits gar nicht und andererseits würde man im Gespräch mit Leuten, die Du für Fachidioten hälst, schnell herausfiltern können, daß es Deine Vorstellungen von Abitur sind, die sowas hervorbringen.

Außerdem muß kritisch gefragt werden, wie denn ein altsprachliches Gymnasium überhaupt die „allgemeine Hochschulreife“ erteilen darf, wenn gar keine echte Allgemeinbildung stattfindet. Ähnliches gilt für die anderen Vertiefungen.

Nein, das Kurssystem hat aus den Gymnasiasten Dünnbrettbohrer gemacht, die alle Chancen nutzen, um sich den intellektuell anspruchsvollen Fächern Mathematik, Physik, Chemie etc. so gut es nur geht entziehen zu können. Dein romantischer Blick auf Geisteswissenschaften ist da grotesk, vor allem da auch in den geisteswissenschaftlichen Fächern, besonders in Geschichte, das Niveau bergab geht.

Es ist bemerkenswert, wie ignorant Du sein kannst: Tagtäglich
profitierst Du ausschließlich - ausschließlich! - von
Jahrzehnten und Jahrehunderten
mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Fortschritts.

Das nun ist in menen Augen völliger Unsinn. Fast nicht
steigerbar.

Dummerweise ist es die Wahrheit und die alltägliche Situation in der Gesellschaft. Die Schieflage des Bildungssystems, die Du am liebsten noch steigern wölltest, siehe Abwählen von Mathe oder Physik oder Chemie, die ist schuld am Fachkräftemangel und an der Geringschätzung aller der Fächer, die überhaupt erst den Wohlstand unseres Landes erzeugen und sichern.

Du kannst Dich da bis ins Letzte verweigern, aber mit Deinen alten Sprachen und der Philosophie kommst Du nicht weit.

Wissenschaftssprache ist Englisch.
Als bestes Weltbild kristallisiert sich seit Jahrzehnten ein streng mathematisches, naturwissenschaftliches Weltbild heraus.
Die Gesellschaft und des Wandeln des Menschen auf Erden funktioniert nur noch mit Ingenieurwissenschaften, mit Technik.
Körperliche Gesundheit gewinnt in Form von Sport große Bedeutung, da der Mensch älter und älter wird und gute Körpererziehung der Garant für Beweglichkeit im Alter ist.

Anscheinend ist der alte Opa mit Rauschebart, der den ganzen liebenlangen Tag im Himmel herumlungert, erklärter Fan von Mathematik, Naturwissenschaften und Technik, denn die Welt scheint sich auch ohne Latein und Griechisch zu drehen. Schwierig stelle ich es mir dagegen für uns vor, wenn plötzlich die Sonne keine Lust mehr auf Kernverschmelzung hätte und lieber Altgriechisch rezitieren wöllte…

Erstens, Fachabitur gibt es nicht.
Das heißt Fachhochschulreife oder fachgebundene
Hochschulreife.

Mit solcherlei Formalismen und Spitzfindigkeiten kannst du
keine inhaltliche Argumentation ersetzen.

-)

Die Frage ist: Wo ist also die Rechtfertigung zu finden, einseitig humanistische Bildung bzw. altsprachliche Bildung als genügend oder gar als überlegen einzuschätzen? Das ist Anachronismus par excellence.

Wer die fachgebundene Hochschulreife erwirbt, kann bestimmte Fächer an allen Hochschulen, auch an Universitäten, studieren. Wer die Fachhochschulreife erwirbt, kann an Fachhochschulen studieren. Wer das Vordiplom schafft, bekommt nachträglich die allgemeine Hochschulreife anerkannt. Wer den Bachelor abschließt, auch vom „Fachabi“ kommend, hat den ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluß und kann als Chemieingenieur in Literaturwissenschaften über die Bedeutungsebenenoszillation des Mephistopheles im Faust promovieren. Wenn er möchte. Oder er macht mit Herzenslust den Master in klinischer Psychologie und eräschert sich über Erörterung dissoziativer Störungen bei Asperger-Autismus mit Hilfe des Diathese-Stress-Modells. :wink:

Wir sollten froh sein, daß das Monopol der humanistischen Bildung in den alten Ländern endlich am Aufbrechen ist. Lange genug hat es Europa gebremst. Der Weg zur Chancengleichheit und zur allseitigen Bildung ist aber noch weit.

Viele Grüße

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Grüß Dich.

Berufliche Gymnasien nehmen Schüler mit Realschulabschluß im Alter von 16 auf, oder Leute, die vor der Vollendung des 21. Lebensjahres eine Lehre erfolgreich abgeschlossen habe. Da Du hoffentlich nicht dumm bist und hoffentlich Deine Lehre in der üblichen Zeit schaffst, sollte das BGy perfekt für Dich sein. Dreijährige Vollzeitausbildung zur uneingeschränkten Hochschulreife, plus fachspezifisches Wissen, plus ordentliche Fremdsprachenausbildung.

Viele Grüße

Hallo Reiner

Was Du Dir als Allgemeinbildungsvision unter dem Schlagwort
„humanistischer Bildung“ zurechtfummelst und wahnsinnig
verklärst, hat es nie gegeben.

Das habe ich früher auch mal so ähnlich gesehen. Ich war nicht so begeistert davon, dass meine Frau unsere Kinder auf ein altsprachliches, humanistisches Gymnasium bringen wollte und die Kinder darüber begeistert waren (bis heute) und meine alternative Vorstellung an einem moderneren Gymnasium nur besuchsweise mtmachten, sich dann aber für das humanistische entschieden.
Ich war sehr gegen diese alten Sprachen Latein und Alt-Griechisch und musste gegen einigen inneren Widerstand lernen, dass gerade Alt-Griechisch das Denken, insbesondere das philosophische, unerhört bereichert.
Früher dachte ich: Was dieser Heidegger da schriebt und auf die alten Griechen alles zurückführt, naja… Heute sehe ich es etwas differenzierter, selbst wenn ich immer noch moderne Sprachen bevorzuge.
Aber es geht eben nicht nur um die alten Sprachen und „die alte Welt“, die da vermittelt wird. Es ist ein solideres, nachhaltigeres Universum, welches einem Schüler dort nahegebracht wird, und nicht nur ein von Zeitgeist, Moderne, Technokratie und Mathematik bestimmtes Weltbild.
Und die humanistischen Werte werden ja auch im Miteinander vermittelt. Es gibt kein Rowdytum auf dem humanistischen Gymnasium meiner Kinder. Jeder wird als Individuum wahrgenommen und geschätzt.

Da hast Du Dir ja ein tolles Vorbild für Deine
Allgemeinbildungsphantasie ausgesucht.

Wiegesagt, ich war anfangs sehr skeptisch, aber inzwischen habe ich begriffen, was dort an zeitlosen Werten und tieferem Denken gelehrt wird.

Nur dem gewaltigen naturwissenschaftlich-technischen
Fortschritt und dem Zwang, sich damit wohl oder übel
gesamtgesellschaftlich beschäftigen zu müssen, ist es zu
verdanken, daß das gegliederte Schulsystem heute im Gymnasium
mehr als das Herumreiten auf alten Sprachen kennt.

„Zwang“ ist das richtige Wort. Ich sehe schon, wir kommen uns da näher. :wink:

Deine Anbetung von Mathematik, Naturwissenshaft und Technik ist für mich eine Art modernes Götzentum.

Dein romantischer Blick auf
Geisteswissenschaften ist da grotesk, vor allem da auch in den
geisteswissenschaftlichen Fächern, besonders in Geschichte,
das Niveau bergab geht.

Wahrscheinlich reden wir von unterschiedlichen Gymnasien. Ich kenne verschiedene Gymnasien recht gut, war selbst sowohl auf einem altsprachlichen und dann auf einem neusprachlchen - aber das ist lange her. Durch meine Kinder kenne ich die jetzige Situation und sehe vor allem die riesenhafte Niveau-Unterschiede.
Die Schüler, die es auf dem humanistischen Gymnasium, wo meine Kinder sind, nicht schaffen, schaffen es problemlos woanders, weil an den von dir so bevorzugten Oberschulen das Niveau deutlich tiefer liegt.
Mein Sohn (18), 12.Klasse, hat mal an dem Unterricht seines Freundes an einer nicht-humanistischen Schule teilgenommen und fand es niveaumäßig weit drunter.
In Berlin sind die humanistischen Gymnasien jedenfalls die niveau-höchsten.
Gruß,
Branden

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Heute suchen sich die meisten einfach Fächer aus, um bessere
Noten zu bekommen. Da ist eben Musik und Kunst LK usw. drin.
Wer wirklich etwas draufhat, lacht über so ein Abi.

Hallo!

Das muss man aber noch nach Bundesländern differenzieren … ich weiß nicht, wie das woanders geregelt ist, aber zumindest an meinem Gymnasium in Thüringen gab es Musik- oder Kunst-LK nicht, im Leben nicht. Außerdem ist der erste Leistungskurs Deutsch oder Mathe, wenn man Mathe wählt, ist Deutsch automatisch Grundkurs und andersherum.
Außerdem war bei uns auch genau geregelt, wieviele Naturwissenschaften, wieviele Gesellschaftswissenschaften etc. wir zu wählen hatten.
Das, wo ich nach Noten gewählt hab, waren zugegebenermaßen die 3. und 4. Abiprüfung … aber nur durch die Prüfung allein lernt man nicht soviel mehr und wenn ich schauen muss, dass ich einen NC von schätzungsweise 1,2 erreiche, kann ich mir keine Prüfungen leisten, wo das nicht gewährleistet ist. Denn bei der Bewerbung an der Uni fragt keiner, was ich für Prüfungen oder Fächer hatte, da zählt der Schnitt und wer den nicht hat, kann gleich wieder gehen.

Ich fände eine Oberstufe, wo man nichts abwählen kann, auch allgemeinbildender. Sicher hätte mich das zu Schulzeiten aufgeregt, da ich’s eben mit Physik oder auch Wirtschaft & Recht nicht so hatte, aber im Nachhinein betrachtet sollte es schon bis zum Schluss gelehrt werden …

Grüße,
Thorid

Grüß Dich.

Bitte Vorsicht mit der Terminologie; die ist überall anders.

Was ist denn ein „Realschulabschluß mit Quali“?

Hallo!

Ein Realschulabschluss, der nicht so gut ist, dass man damit direkt in die Oberstufe eines Gymnasiums oder einer Gesamtschule wechseln darf. Sozusagen mittelmäßig.

Tatsächlich war es bis vor kurzem bei uns in NRW so, dass es keine Prüfungen am Ende der Sek I gab, die Abschlüsse also ähnlich wie die Versetzungen in die höheren Klassen funktionierten. Man musste also langfristig Leistung bringen. Ein Ausbüglen schlechterer Leistungen während des Schuljahrs durch eine gute Abschlussprüfung gab es nicht.

Gruß

Anne

Hi

Erstens ist Jura aber trotzdem keine Voraussetzung und
zweitens halte ich es für diskussionswürdig, ob es gut sein
kann, dass wir von Juristen regiert werden.

Beides ist richtig, aber beides ist nicht eigentlich das Thema.

Tut mir leid, aber auch 100 Jahre Lebenserfahrung ersetzen
keine Argumente.

Na, dann bring mal welche. :wink:

Ich habe hier noch nichts sinnvolles von dir gelesen was
belegen würde, dass man mit Jura oder Medizin „mehr machen“
kann.

Da muss ich nichts belegen, da brachst du dich nur ein wenig umzuschauen in der Welt, dann wirst du erkennen, was ich meine.
Gruß,
Branden

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Hi,

Tut mir leid, aber auch 100 Jahre Lebenserfahrung ersetzen
keine Argumente.

Na, dann bring mal welche. :wink:

du hast die Behauptung aufgestellt. Also belege sie auch.

Ich habe hier noch nichts sinnvolles von dir gelesen was
belegen würde, dass man mit Jura oder Medizin „mehr machen“
kann.

Da muss ich nichts belegen, da brachst du dich nur ein wenig
umzuschauen in der Welt, dann wirst du erkennen, was ich
meine.

So einen Unsinn muss ich mir nicht mehr geben. Deine Art zu „argumentieren“ erinnert mich doch sehr stark an diese beiden Vertreter http://www.clipfish.de/video/305088/immer-zweimal-me… .
Für mich ist diese Diskussion beendet.

Gruß
rantanplan

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http://www.clipfish.de/video/305088/immer-zweimal-me…

Und wer von den beiden möchtest du nun sein - der linke oder der rechte?

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