Grüß Dich.
Dir fehlt die 2. Fremdsprache und somit ist das Überspringen der 11. Klasse (dreijährige Oberstufe!) nicht möglich. Und selbst wenn Du an der Realschule im sprachlichen Profil sein würdest, ist es wohl immer noch nicht erlaubt, daß ein Schüler gleich die Kursstufe beginnen darf.
Zumindest in Sachsen darf man nach Abschaffung der Realvertiefung jetzt wieder - wie zu DDR-Zeiten - eine 2. Fremdsprache fakultativ belegen. Soweit ich weiß, schiebt dann aber das Kultusministerium die lächerliche fadenscheinige Argumentation vor, der gemeine Realschüler müsse sich akklimatisieren und die 10. Klasse am Gymnasium wiederholen.
Bei logischer Betrachtung völliger Unsinn; der Spruch basiert nur auf der Niveauabsenkung nach unten auf Grund der Bildungsexpansion der alten BRD in den 70er Jahren. Anders gesagt, für gute Realschüler fühlt sich der Sprung von der 10. Klasse (Mittelstufe) in die 11. Klasse (Oberstufe, zweijähriges Abitur!) nicht anders an wie für die hiesigen Gymnasiasten. 90% fallen zunächst ins Loch. So ist das schließlich gewollt. Der Wissenstand vieler Gymnasiasten nach der 10. Klasse ist nicht minder schlecht als der von Realschülern heutzutage; da ist nichts zu finden von wegen „Der Schüler beherrscht solide sämtlichen Stoff der zurückliegenden 10 Jahre.“.
Gerade das würde ich Dir allerdings ans Herz legen, falls Du tatsächlich zum Reifezeugnis strebst. Beherrschst Du den Stoff Deines Realschulbildungsgangs, bist Du gut unterwegs und brauchst nichsts zu fürchten. Der Übergang kommt Dir dann höchstwahrscheinlich lächerlich vor und Du erkennst, daß hier viele Leute schlichtweg palavern und die psychologische bzw. soziale Abgrenzung des Gymnasiums konservieren wollen. Die typische deutsche Oberschichtattitüde bezüglich des Gymnasiums eben.
Ich empfehle Dir darüber hinaus, die Beruflichen Gymnasien genauer anzuschauen. Das ist eine reine dreijährige Oberstufe, d.h. nur die Klassen 11-13, die zusätzlich zur Allgemeinbildung fachspezifische Kenntnisse vermittelt. Auf jeden Fall besser als das westdeutsche Bummelabitur, wo die ganze 11. Klasse sinnlos in der Weltgeschichte gegammelt wird, und kein neuer Stoff stattfindet; denn bekanntlich hat die dreijährige gymnasiale Oberstufe West zu keiner Zeit mehr Stoff transportiert als die zweijährige Abiturstufe Ost - vielmehr war es umgekehrt, wenn man sich die DDR-Lehrpläne anschaut.
Und auf dem Beruflichen Gymnasium wird das 3. Jahr, d.h. die 11. Klasse, wenigstens teilweise mit zusätzlichem Stoff befüllt, den der Regelgymnasiast nicht kennt. Des weiteren ist die Fremdsprachenausbildung angepaßt; da die Clientel der Beruflichen Gymnasien allergrößtenteils die hervorragenden Realschüler sind, die ohne Umwege das Reifezeugnis erhalten wollen, ist entsprechender recht intensiver Fremdsprachenunterricht für Sprachanfänger über alle 3 Klassen fest in den Stundenplan eingebaut. (Ich weiß von mindestens 4 Wochenstunden.) Am Regelgymnasium hast Du oft das Problem, daß Sonderkurse besucht werden müssen, da der Wechsel Realschule-Gymnasium kaum das Papier wert ist, auf dem das ganze niedergeschrieben wurde. Daher sind auf die Bedürfnisse des einsteigenden Realschülers zugeschnittene Kurse oftmals nicht vorhanden. Bayern schießt hier wie üblich den Vogel ab und hatte bis vor ein paar Jahren überhaupt keinen Weg im Bildungssystem für Realschüler, die nicht das sprachliche Profil gewählt hatten. Da gab es flächendeckend keine Fremdsprachenkurse für Quereinsteiger in der 10. Klasse und bayerntypisch wurden auf diese Weise Unmengen Schüler ausgeschlossen und nach unten selektiert. Die Idee des Beruflichen Gymnasiums („FOS13“) steckt dort vergleichen mit Sachsen oder Baden-Württemberg noch eklatant in den Kinderschuhen.
Viel Glück beim Abitur.