Abitur nachmachen! Zweiter Bildungsweg?

Liebe Experten,
ich habe einen Bekannten (21), der sehr talentiert ist und in dem sehr viel Potenzial liegt. Leider hat er auf Drängen seiner Eltern hin nur die Realschule beendet und ist dann in die Ausbildung gegangen um bei seinem Bruder zu Lernen. Da er selbst dies gar nicht wollte und auch nicht für einen Handwerksberuf geeignet ist, schmiss er die Lehre leider im dritten Lehrjahr und steht nun im Moment ohne Berufsausbildung und „nur“ einem Realschulabschluss da, der noch nicht mal gut ist. Die Durchschnittsnote seines Zeugnisses ist 3,4 und er hat auch nicht die Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe erreicht.

Allerdings ist er ein sehr guter Computerkenner/ Informatiker und auch ein echter Philosoph, also eigentlich ein Mensch wie geschaffen für die Uni.
Nun bin ich mir eigentlich sicher, dass er noch irgendwie die Chance hat irgendwie das Abitur machen zu können, wir wissen aber beide nicht wie und ob das schon als zweiter Bildungsweg gilt etc.

Hier also die Fragen:

Wie ist es möglich, mit einem Realschulabschluss ohne Qualifikation für die Oberstufe ein Abitur nachzuholen, das nicht nur an der FH anerkannt wird, sondern das er auch an einer regulären Universität studieren könnte?

Muss er vorher eine Prüfung oder Ähnliches ablegen um zugelassen zu werden und wenn ja, wie sieht diese aus und wie kann man sich darauf vorbereiten?
Wenn nicht, was kann/ muss er sonst tun um ein Abitur machen zu können?

Wo kann man das tun? Gibt es nur die Volkshochschule oder auch andere Möglichkeiten?

Was würde es ihn kosten und übernimmt das Arbeitsamt zumindest teilweise irgendwelche Kosten?

Wann kann man da einsteigen? Muss man sich an reguläre „Schulzeiten“, sprich, wenn die Schule nach den Sommerferien anfängt, fängt man auch an, halten oder kann man auch so einsteigen?
Das ist vor allem wichtig, da er jetzt zur Bundeswehr geht und wissen will, ob er danach noch ein dreiviertel Jahr warten muss, bevor er was tun kann.

Ich hoffe ihr könnt mir da weiterhelfen, da es hier ja um die Zukunft eines jungen, intelligenten Menschen geht und es furchtbar wäre, wenn er irgendwann im 1- Euro-Job-Sumpf landet nur weil er sich nicht getraut hat mit 16 Jahren gegen den Willen seiner Familie zu handeln…

Ich danke jetzt schon für eure Mühe und Antworten.
Ganz liebe Grüße, Oleinka

Hei,

er kann auf einem Kolleg die komplette Oberstufe nachholen.

Schaut in Eurer Gegend, wo es ein solches gibt und ruft dort einfach an, lasst Euch informieren, was für die Anmeldung notwendig ist. Bei mir (Koblenz-Kolleg) waren damals die Mittlere Reife und eine abgeschlossene Berufsausbildung bzw. mind. drei Jahre Arbeitszeit Voraussetzung. Hauptschüler konnten ein (halbes?) „Vorbereitungs“-Jahr mitmachen und sich so qualifizieren.

Im April waren die Eignungstests, d. h. eine Mathe- und eine Englischarbeit sowie ein Aufsatz in deutsch. Die mussten für die endgültige Zulassung bestanden werden.

Ich selbst hatte mich nicht darauf vorbereitet, daher weiß ich auch nicht, wo es Unterlagen hierzu gibt, aber das können Euch sicherlich auch die Sekretariate sagen.

Das Schuljahr fing ganz normal nach den Sommerferien an. Auch normale Stundenzahlen, also morgens stillsitzen und nachmittags frei. *inerinnerungenschwelg* :wink:

Wegen der notwendigen Arbeitszeit - vielleicht wird ja das Jahr bei der Bundeswehr angerechnet, dann sollte er die Quali haben.

Vom Arbeitsamt gibts eine Beihilfe, ja, ist halt wie immer unheimlich viel Papierkram und viel Geld gibts auch nicht. Außerdem darf offiziell neben dem Kolleg nicht gearbeitet werden, da die Schulzeit gleichgestellt ist mit einem Vollzeitjob. Aber das kann Euch auch das dortigen Sekretariat erklären.

Kosten für Bücher etc. werden natürlich auch anfallen, wie auf jeder Schule gibt es aber immer höhere Klassen, die ihre alten Bücher verkaufen, und eine Bibliothek sollte auch vorhanden sein, erfahrungsgemäß muss man allerdings möglichst gleich am ersten Schultag oder so dorthin, sonst sind die meisten Bücher vergriffen.

Grüße
Natascha

Hallo oleinka,

Da er selbst dies gar nicht wollte und auch nicht für einen
Handwerksberuf geeignet ist, schmiss er die Lehre leider im
dritten Lehrjahr und steht nun im Moment ohne Berufsausbildung
und „nur“ einem Realschulabschluss da, der noch nicht mal gut
ist. Die Durchschnittsnote seines Zeugnisses ist 3,4 und er
hat auch nicht die Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe
erreicht.

neben der Kolleg-Lösung gäbe es noch die Frage, ob er eine Chance sieht, die Lehre doch noch ohne größeren Zeitaufwand abzuschließen und dann mit einem BOS-Jahr (so heißt das zumindestens in Bayern) die Hochschulreife zu erlangen.

Das aber nur zur Abwägung, ob das vielleicht weniger zeitaufwändig sein könnte als ein dreijähriges (?) Kolleg.

Gruß, Karin

Hallo
und erstmal lieben Dank für die Antworten, aber was kann ich mir unter einem Kolleg vorstellen?

Wir hatten irgendwie eher an ne Art Abendschule oder Ähnliches Gedacht, aber wir haben da auch keine Ahnung…

Ich hatte auch gedacht, das es schneller geht, als in drei Jahren…

Und das Kolleg wäre echt blöd wegen dem dreiviertel Jahr das zwischen Ende Bund und Anfang Schuljahr steht,
in dem er nichts tut und die Wand anstarrt. Das wäre verschenkte Zeit! Gibt es keine anderen Möglichkeiten?

lieben Gruß, oleinka

Hei,

und erstmal lieben Dank für die Antworten, aber was kann ich
mir unter einem Kolleg vorstellen?

guckst Du hier: http://www.koblenz-kolleg.de/. Dort kann sowohl ganztags als auch im Abend-Unterricht das Abi erreicht werden. Eine Schule für Erwachsenenbildung.

Wir hatten irgendwie eher an ne Art Abendschule oder Ähnliches
Gedacht, aber wir haben da auch keine Ahnung…

s. o.

Ich hatte auch gedacht, das es schneller geht, als in drei
Jahren…

Dazu wurde ja in dem anderen Beitrag was geschrieben, weiß ich leider sonst nix zu.

Und das Kolleg wäre echt blöd wegen dem dreiviertel Jahr das
zwischen Ende Bund und Anfang Schuljahr steht,
in dem er nichts tut und die Wand anstarrt. Das wäre
verschenkte Zeit! Gibt es keine anderen Möglichkeiten?

Vielleicht kann er ja später ins Schuljahr reinspringen - fragen kostet nichts.

Grüße
Natascha

Hi,

Ich hatte auch gedacht, das es schneller geht, als in drei
Jahren…

naja, mal ehrlich - jeder Schüler muss drei Jahre lang Abitur machen, warum sollte dein Freund da eine Ausnahme sein?

Und das Kolleg wäre echt blöd wegen dem dreiviertel Jahr das
zwischen Ende Bund und Anfang Schuljahr steht,
in dem er nichts tut und die Wand anstarrt. Das wäre
verschenkte Zeit! Gibt es keine anderen Möglichkeiten?

Es geht sicherlich auch über eine Abendschule - schau mal, was ich bei Google unter „Abitur + zweiter Bildungsweg“ gefunden habe:

http://sgd.de/kursangebot/kurse.php?fb=schule&referr…

Allerdings musst du auch zugeben, dass er jede Menge Zeit verschenkt hat, weil er seine Ausbildung im dritten Jahr abgebrochen hat - da hätte er sie auch zuende machen können, um wenigstens einen Rückhalt zu haben. Jedenfalls macht das dreiviertel Jahr da auch nicht mehr viel aus - oder aber er kann noch quereinsteigen.

Gruß
Cess

Welches Bundesland? - owT -

NRW
Stadt Rösrath o. Köln

Stadt Rösrath o. Köln

Hi,

dann arbeite Dich mal hier durch: http://www.bildungsportal.nrw.de/BP/Weiterbildung/Ni…

Viele Grüße
Jana

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Wo kann man das tun? Gibt es nur die Volkshochschule oder auch andere :Möglichkeiten?

Wenn er parallel weiter arbeiten möchte, gibt es auch die Möglichkeit, per Fernstudium das Abitur nachzuholen.

Genau genommen ist das Fernstudium die Vorbereitung auf das Abitur, das dann als Externenabitur an einer staatlichen Schule erworben wird.

Viele Grüße
Markus
http://www.fernstudium-infos.de/

Hallo,

wobei ich aus Nachhilfe-Erfahrung von einem „Fernabitur“ nur abraten kann, ich finde es wesentlich schwieriger als ein Präsenzabi. Soviel ich weiß, sind auch die Durchfallquoten entsprechend hoch.

Grüße,
Anja

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

wobei ich aus Nachhilfe-Erfahrung von einem „Fernabitur“ nur
abraten kann, ich finde es wesentlich schwieriger als ein
Präsenzabi. Soviel ich weiß, sind auch die Durchfallquoten
entsprechend hoch.

Das Schwierige ist m.E. besonders, dass man sich selbst motivieren und organisieren muss. Wenn man sehr diszipliniert vorgeht, kann man auch auf diesem Weg zu einem guten Ergebnis kommen. Man muss vorher nur gut überlegen, ob es das Richtige für einen ist.

Viele Grüße
Markus
http://www.fernstudium-infos.de/