Abiture unterschiedlich gewichtet?

Hallo! :smile:

Ich habe jetzt schon von mehreren Leuten aus meinem Umfeld gehört, dass in Deutschland die Abiturdurchschnittsnoten der einzelnen Bundesländer unterschiedlich gewichtet werden, damit eine Hochschule, wo sich ja Abiturienten aus verschiedenen Bundesländern bewerben, die „richtige“ Liste der Bewerber mit ihrer Note erstellen kann (z.B. bei hochschulinternem NC).
So wird z.B. bei meinem Abitur (Thüringen), wenn es mit einem aus Ba-Wü verglichen wird, meine Note mit 1,3 multipliziert, weil es in Ba-Wü 6 Abiprüfungen gibt und in Thüringen 4.

Stimmt das so?
Kann ich, wenn es so ist, irgendwo dazu genaue Regelungen nachlesen?
Und - wenn es so stimmt - findet ihr das gerechtfertigt?

Schon mal im Voraus Danke!

Thorid

Und - wenn es so stimmt - findet ihr das gerechtfertigt?

Falls es so stimmt, finde ich es gerechtfertigt.
Als ich in Bayern Abitur gemacht habe, war man in der Fächerwahl beispielsweise wesentlich eingeschränkter als im benachbarten BaWü. Dort konnten sich die Abiturienten noch gute Noten in LK Blockflöte und Luftballonaufblasen holen, während ich z.B. eine Note in Kunst und Musik in mein Abizeugnis bekam. (Dies verschlechterte meinen Schnitt nachweislich *g*)

Grüße,
Ecki

HAllo, ich meine irgendwo in den recht verschlungenen Strukturen der http://www.zvs.de Seite dazu was gelesen zu haben. Die müssen schließlich bundesweit Abiturienten verteilen.
Regional kann das bei einzelnen Hochschulen natürlich anders aussehen, wer LK Blockflöte mit 13 pkt hatte, hat vielleicht in einer Uni beim Studiengang barocke Blockflötenkompositionslehre bessere Chancen als ein
Deutsch-Englisch-MAtheschnitt von 1,0

Gruß Susanne

Hallo,
etwas verborgen bleibt mir die Logik dahinter, warum ein System, wo diejenigen auf jeden Fall besser abschneiden, die zufällig in den verbindlichen Fächern stark sind und diejengien mit anderen Begabungen benachteiligt werden, als ein System, wo jeder die Chance hat seine Stärken zur Geltung zu bringen (oder zumindest mehr Gelegenheit dazu ist).

Gruß

Werner

Hallo Thorid!

Normalerweise ist das an Universitäten nicht so mit Auf- oder Abwertungen.
Was die ZVS sich da zumindest bis vor einigen Monaten zusammenbraute, war für ZVS-Studiengänge auch echt Wurscht, denn wer einen Studienplatz an einer bestimmten Uni durch die Abiturbestenquote bekam, der bekam sie auch immer im hochschuleigenen Auswahlverfahren der Unis. Und da zählten normalerweise alle Abiturdurchschnittsnoten gleich.
Mitunter lassen Unis für verschiedene Auswahlverfahren spezielle Noten in LKs oder Grundkursen in Bewertungen einfließen.

Gruß, Stefan

Hallo,
etwas verborgen bleibt mir die Logik dahinter, warum ein
System, wo diejenigen auf jeden Fall besser abschneiden, die
zufällig in den verbindlichen Fächern stark sind und
diejengien mit anderen Begabungen benachteiligt werden, als
ein System, wo jeder die Chance hat seine Stärken zur Geltung
zu bringen (oder zumindest mehr Gelegenheit dazu ist).

jaja… die Gesellschaft und das System… die sind böse. (sind ie ja wirklich)
Mir ging es in meinem Posting um Gerechtigkeit im System und nicht durch Änderung des Systems. Hier speziell, daß diejenigen, die einen (objektiv?) schwereren Test als andere ablegen müssen, dies nicht auch noch angelastet bekommen.

Grüße,
Ecki

Hallo Thorid!

Solche Regeln der Multiplikation der Abiturnoten wären in Anbetracht der Zulassungsbeschränkungen an Universitäten übrigens verfassungswidrig. Stell Dir mal vor, es gibt Leute mit 1,0 und deren Abitur würde abgewertet, da könnten sie so gut sein wie sie wollen und hätten keine Chance auf bestimmte Studienplätze. Ein Mädchen aus meinem Semester z.B. hat 836 Punkte im Abi. Wenn das zu was anderem als 1,0 verändert würde, wäre das absurd.
Die pure Existenz von Zulassungsbeschränkungen wurde bereits verfassungsrechtlich angeklagt.
Gerichtsurteile habe ich jedoch grad nicht zur Hand.

Gruß, Stefan

Artikel 12 GG
(1) Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen. Die Berufsausübung kann durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes geregelt werden.

und

Artikel 3 GG
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Grüß Gott,

jaja… die Gesellschaft und das System… die sind böse.
(sind ie ja wirklich)
Mir ging es in meinem Posting um Gerechtigkeit
im System und nicht durch Änderung des
Systems. Hier speziell, daß diejenigen, die einen (objektiv?)
schwereren Test als andere ablegen müssen, dies nicht auch
noch angelastet bekommen.

Angelastet ist gut. Ich dachte, in Deutschland dürfen Jugendliche aus anderen Bundesländern als Bayern erst studieren, wenn auch der letzte bayerische Bewerber seinen Studienplatz bekommen hat. Die sind doch immer die Pfiffigsten, Intelligentesten und überhaupt Besten.

Servus,

Fritze

Hallo,

jaja… die Gesellschaft und das System… die sind böse.
(sind ie ja wirklich)
Mir ging es in meinem Posting um Gerechtigkeit
im System und nicht durch Änderung des
Systems.

Innerhalb welches Systems? Ich dachte du hast das System in Bayern mit dem in BaWü verglichen. Hab ich das falsch verstanden?

Hier speziell, daß diejenigen, die einen (objektiv?)
schwereren Test als andere ablegen müssen, dies nicht auch
noch angelastet bekommen.

Was du dabei nur unbewiesenermaßen unterstellst, ist dass der eine Test (objektiv) schwerer ist als der andere. (Welchen Test meinst du eigentlich? Das Abitur?)
Richtig ist aber nur, dass eine Fähigkeit hier höher gewertet wird und wer diese besser beherrscht wird belohnt, wobei aber nicht jeder die gleiche Chance hat diese Fähigkeit in gleichem Maße zu erwerben.

Gruß
Werner

Solche Regeln der Multiplikation der Abiturnoten wären in
Anbetracht der Zulassungsbeschränkungen an Universitäten
übrigens verfassungswidrig.

Das find ich beruhigend! Ich frage mich dann jetzt bloß, woher diese Äußerungen kamen, die ich gehört habe …

Stell Dir mal vor, es gibt Leute
mit 1,0 und deren Abitur würde abgewertet, da könnten sie so
gut sein wie sie wollen und hätten keine Chance auf bestimmte
Studienplätze.

Deshalb frag ich ja …

Ein Mädchen aus meinem Semester z.B. hat 836
Punkte im Abi.

Und ich wurde für verrückt erklärt … 836, alle Achtung!

Danke für deine Antwort, jetzt seh ich das gelassener! :smile:

Liebe Grüße,
Thorid

Normalerweise ist das an Universitäten nicht so mit Auf- oder
Abwertungen.
Was die ZVS sich da zumindest bis vor einigen Monaten
zusammenbraute, war für ZVS-Studiengänge auch echt Wurscht,
denn wer einen Studienplatz an einer bestimmten Uni durch die
Abiturbestenquote bekam, der bekam sie auch immer im
hochschuleigenen Auswahlverfahren der Unis. Und da zählten
normalerweise alle Abiturdurchschnittsnoten gleich.

:smile:
Und in dieser ZVS-Geschichte häng ich zum Glück auch nicht mehr drin …

Mitunter lassen Unis für verschiedene Auswahlverfahren
spezielle Noten in LKs oder Grundkursen in Bewertungen
einfließen.

Yep, das weiß ich, das ist ja auch ok.

Danke für deine Antwort! :smile:

Thorid

HAllo, ich meine irgendwo in den recht verschlungenen
Strukturen der http://www.zvs.de Seite dazu was gelesen zu
haben. Die müssen schließlich bundesweit Abiturienten
verteilen.

Die Seite von denen ist echt bescheiden … :-/
Ich begeb mich trotzdem mal auf die Suche …

Regional kann das bei einzelnen Hochschulen natürlich anders
aussehen, wer LK Blockflöte mit 13 pkt hatte, hat vielleicht
in einer Uni beim Studiengang barocke
Blockflötenkompositionslehre bessere Chancen als ein
Deutsch-Englisch-MAtheschnitt von 1,0

Yep, das leuchtet ein. Dass das teils so gehandhabt wird, weiß ich auch.

Danke dir! :smile:
Thorid

Und - wenn es so stimmt - findet ihr das gerechtfertigt?

Falls es so stimmt, finde ich es gerechtfertigt.
Als ich in Bayern Abitur gemacht habe, war man in der
Fächerwahl beispielsweise wesentlich eingeschränkter als im
benachbarten BaWü. Dort konnten sich die Abiturienten noch
gute Noten in LK Blockflöte und Luftballonaufblasen holen,
während ich z.B. eine Note in Kunst und
Musik in mein Abizeugnis bekam. (Dies verschlechterte meinen
Schnitt nachweislich *g*)

Da ich ja jetzt aus den anderen Antworten erfahren habe, dass es so anscheinend nicht zugeht, bin ich beruhigt.
In Thüringen gibt es keinen „Blockflöten“-LK, an meiner Schule nicht mal Kunst-, Musik-, Sport- oder auch Sozialkunde-LK. Und ein LK muss eh Mathe oder Deutsch sein, insofern ist die Fächerwahl bei uns auch nicht die größte, was durch Lehrermangel noch verstärkt wird …
Und da fände ich es schon unfair, solch eine Rechnung nur aufgrund einer höheren Anzahl an Prüfungen zu machen … und die minimal 3 Zehntel (je schlechter die Abinote, umso mehr würde man ja heruntergestuft) machen schon _einiges_ aus …
Zum Glück trifft dies so ja nicht zu. :smile:

Liebe Grüße,
Thorid

Ich frage mich dann jetzt bloß, woher

diese Äußerungen kamen, die ich gehört habe …

Ich tippe in Richtung http://de.wikipedia.org/wiki/Moderne_Sage

OT: Die Lösung
Hi Thorid,

genau wegen solcher Fragen bin ich ganz uneingeschränkt für ein Zentralabitur in ganz Deutschland. Natürlich müssten auch die Vorraussetzungen entsprechend angeglichen werden.

Mit meinem bayrischen Abitur fühlte ich mich nie „elitär“, muss ich vorausschicken, hatte aber während meines Studiums Vergleichmöglichkeiten und festgestellt, dass ich in anderen Bundesländern teilweise die Latte für’s Abi schon tiefer gehängt ist.

Da werden Master und Bachelor eingeführt, um die Studienabschlüsse international vergleichbar zu machen, aber für’s Abitur gelten innerhalb eines Landes schon himmelweit unterschiedliche Standarts.

*kopfschüttel*
kernig

Hallo,

genau wegen solcher Fragen bin ich ganz uneingeschränkt für
ein Zentralabitur in ganz Deutschland. Natürlich müssten auch
die Vorraussetzungen entsprechend angeglichen werden.

Auch dies wird nichts ändern, denn letztlich hängt es eher von der einzelnen Schule und den Lehrern ab. Studienfähigkeit bemisst sich nichts daran, ob jemand möglichst viele Klassiker gelesen hat (z.B.)…

Mit meinem bayrischen Abitur fühlte ich mich nie „elitär“,
muss ich vorausschicken, hatte aber während meines Studiums
Vergleichmöglichkeiten und festgestellt, dass ich in anderen
Bundesländern teilweise die Latte für’s Abi schon tiefer
gehängt ist.

Aus Uni-Sicht: Zumindest in den Geisteswissenschaften würde eh niemand ein bayerisches Abitur höher als ein anderes bewerten - außer denen, deren Kinder ein solches machen.
Es stimmt, dass die Wahrscheinlichkeit, mehr als Goethes Faust an Klassikern gelesen zu haben bei bay. Abiturienten höher ist, aber oft sind es gerade die Bayern, die mich damit in die Verzweiflung treiben, dass die meinen, es ginge in Geschichte darum, Zahlen runterzurasseln. Wenn jemand aber eine SChule mit altsprachlichem SChwerpunkt besucht hat, egal wo in D, dann sind das oft Studierende, die optimal auf ein Studium vorbereitet sind, das derart auf Allgemeinbildung aufbaut wie die Theologie.
Kurzum aber: Aus jedem Bundesland wird sich jemand im Studium wiederfinden und sich wundern, wofür manch Kommilitone aus gleich welchem anderen BL sein Abitur bekommen hat.

Da werden Master und Bachelor eingeführt, um die
Studienabschlüsse international vergleichbar zu machen, aber
für’s Abitur gelten innerhalb eines Landes schon himmelweit
unterschiedliche Standarts.

Zu glauben, dies sei MA und BA anders, ist ein Irrtum. Auch hier geht es um die Frage, inwiefern die Lehrenden überhaupt bereit sind, das gesamte Notenspektrum auszuschöpfen, welche Voraussetzungen für was gelten und eben auch, wie etwas gelehrt wurde.
Für mich ist das (persönliche) FAzit: Studienfähigkeit oder nicht ist eigentlich erst nach dem zweiten Semester erkennbar.

Grüße
TAju

Hi Thorid,

genau wegen solcher Fragen bin ich ganz uneingeschränkt für
ein Zentralabitur in ganz Deutschland. Natürlich müssten auch
die Vorraussetzungen entsprechend angeglichen werden.

Ganz genau so sehe ich das auch, die meisten meiner ehem. Mitschüler, mit denen ich über sowas gesprochen habe, ebenfalls, meine Eltern und andere Eltern und auch Lehrer … aber irgendwie scheint das ja niemand anderen zu interessieren.
Ich weiß auch nicht, wo das den Wettbewerb fördern sollte, da die Betroffenen darunter nur zu leiden haben, z.B. beim Umzug in ein anderes Bundesland.

Da werden Master und Bachelor eingeführt, um die
Studienabschlüsse international vergleichbar zu machen, aber
für’s Abitur gelten innerhalb eines Landes schon himmelweit
unterschiedliche Standarts.

Find ich auch unmöglich, aber das scheint ja toll und erstrebenswert zu sein.

*kopfschüttel*

Ich auch.

Thorid