Abkürzungen und das Plural- sowie das Genitiv-S

Hallöle !

Mich würde mal interessieren, wie das mit dem Genitiv-S bei Abkürzungen aussieht. Man stelle sich (nur ein Beispiel) „Holger Hohlkopf“ vor. Ich schreibe über ihn und mache es mir einfach, indem ich seinen Namen mit H.H. abkürze. Wenn ich nun sagen möchte „Holger Hohlkopfs Auto“ (das S wird ohne Apostroph angehängt), dann schreibe ich analog in Kurzform „H.H.s Auto“. Nun ist ein Bekannter der Ansicht, dass es „H.H.'s Auto“ heißen müsse. Kann das sein? Wie begründet sich das? Hat es ggf. mit den Abkürzungspunkten zu tun oder wäre das dann etwa ein Plural-S? Aber es wird doch nichts ausgelassen. Warum dann das Auslassungszeichen? Dafür ist doch der Punkt schon da. „FAQs“ wird hier auch ohne Apostroph geschrieben. FAQ ist aber ein Akronym ohne Punkte. Andere bleiben hier auch im Plural bei „FAQ“, denn ursprünglich ist FAQ ja die Abkürzung für „frequently asked questions“ ist und das steht ja schon im Plural. Hmm … dass man dann FAQ auch für die einzelne Frage gebraucht, finde ich ja in Ordnung aber warum muss dann in der verdeutschten Version im Umkehrschluss wieder alles mit dem blöden S verkompliziert werden? Wie sieht es z.B. mit MdB (Mitglied des Bundestages) aus? Schreibt man da auch „die MdBs“ oder einfach „die MdB“ (weil das S ursprünglich in diesem Fall gar keine Anwendung findet)? Oder was? Ich bin verwirrt :wink: Please help me out!

Gruß
Huttatta

Hallo, Huttatta!

Mein Sprachgefühl meint:

„Holger Hohlkopfs Auto“ […], analog in Kurzform „H.H.s Auto“

Richtig. Der Apostroph ist Quark. Apostroph = Auslassungszeichen

Andere bleiben hier auch im Plural bei „FAQ“

Meiner Meinung nach Geschmackssache, genauso wie bei

MdB oder MdBs (Mitglieder des Bundestages)

Es verhält sich wie bei Lastkraftwagen, deren Plural man „LKW“ und „LKWs“ schreiben kann. Man will mit letzterer Schreibweise wohl die Verdeutlichung möglich machen, wenn der Artikel bei stichwortartiger Notierung wegfällt.

Gruß!
Chris

Hallo Diskutanten,

im Gegensatz zu unseren Nachbarn, wo Neologismen einerseits und wegfallende grammatikalische Vielfalt andererseits durch die Zentralinstanz der Hl. Académie Francaise genehmigungspflichtig sind, gibt es im Deutschen ja bloß die durch usus quasi-verbindlichen Duden, Wahrig und Konsorten. Dadurch haben wir die Chance, daß wir die Sprache als semper evoluens et reformanda betrachten können.

Daher rührt auch, daß eine Abkürzung sukzessiv den Charakter eines eigenständigen Nomens annehmen und also „für sich selbst“ wie ein Nomen dekliniert werden kann. Das furchtbare Apostrophen-s hat dabei besonders im Plural aber auch garnix zu suchen.

Im etwas altväterlichen Kanzleideutsch der Steuerheinis und Rechtsverdreher gibt es eine Deklination von Abkürzungen, die ich Euch auch in der Umgangssprache warm ans Herz legen möchte, schlicht weil sie Aufmerksamkeit in der Verwendung der Sprache signalisiert: Dort werden an die Abkürzungen die deklinierten Endungen angehängt, Beispiel: Durchführungsverordnung = DVO, Plural DVOn. Bei analoger Anwendung ist dann der Genitiv zu LKW = LKWs, der Plural aber LKW.

Lont it luck! (Ist das jetzt Mittelhochdeutsch oder was?)

Schöne Grüße

MM

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