Hallo,
vielen Dank für die ganzen interessanten Antworten! Es scheint ja so, dass es damals wirklich so etwas „Spielregeln“ gab! Im Zweiten Weltkrieg war das nicht mehr so, oder?
Hier noch eine andere, ebenfalls sehr interessante Antwort, die ich per Mail bekam, aber hier gern reinstellen würde, falls es andere auch interessiert, als Ergänzung:
zu 1
Man zog mit den Heeren/Armeen oder Armeegruppen zu bestimmten Orten oder zu bestimmten Armeen. Das konnten vorteilhafte Positionen im Gelände sein, Brücken, die es zu sichern galt, Städte, die es einzunehmen galt oder Hauptstädte und Häfen, die eine MAchtprojektion bedeuteten.
Jede Armee hatte Aufklärungstruppen, damals wie heute. Diese hat dann neben den diplomatischen Informationen der Diplomaten und Unterhändler Informationen über Aufenthalte feindliche militärischer Kräfte gesammelt und ein Lagebild erstellt. MAn konnte die Züge der feindlichen Armee sehen und sich an einem für die eigenen Kräfte günstigen ORt mit ihnen treffen oder im unterlegenen Fall ausweichen und andere Lösungen suchen.
Getroffen haben sich Armee bis zum Ende des 19. JAhrhunderts in Massen. Danach hielt man „Fronten“ mit den Millionenheeren und schloss jede Lücke zwischen den eigenen Militärteilen, da das Militärwesen mobiler wurde und der Gegner jede „Lücke“ ausnutzte.
Wenn man sich „traf“, dann ging es zur Sache. Während man im alten Griechenland noch eher die schlacht beendete, wenn man merkte, das eine Partei siegreich wird, gab es in der Folgezeit bei den Römern und im Mittelalter eher Vernichtungsschlachten, wo eine Partei entweder floh oder vernichtet wurde. Ausnahmen waren grosse Zahlen an Gefangenen, die oft als auszulösende Geiseln dienten.
In der Neuzeit gab es dann mehr offene Schlachten, da die städte grösser wurden, die Waffen stärker und die Befestigungen nicht mehr standhielten…also sinnlos wurden. Ich denke bis zur franz. Rev. dauerten sie einen oder zwei Tage. Danach wohl auch, wobei man mehr mit starken Vorhuten und NAchhuten arbeitete und sich eine Schlacht oft in mehrere Abschnitte gliederte, die an zwei bis vier Tagen ausgefochten wurden.
zu 2
Im Altertum bei den Griechen dauerte eine offene Schlacht auf offenem Feld ungefähr einen Morgen. Belagerungen unter anderem Jahre. Bei den Römern in der Regel auch nur einen ganzen Tag. Im Mittelalter wurde seltener auf freiem Feld gekämpft, sondern eher belagert und überfallen. Diese Schlachten dauerten je nach Versorgungslage und Mauerstärke der Städte und Häfen. Offene Schlachten 1-3 Tage und Belagerungen 1-12 Monate, denke ich.
Mit der Einführung der Feuerwaffen wurde alles etwas schneller. Ich denke bis zur franz. Rev. dauerten sie einen oder zwei Tage. Danach wohl auch, wobei man mehr mit starken Vorhuten und Nachhuten arbeitete und sich eine Schlacht oft in mehrere Abschnitte gliederte, die an zwei bis vier Tagen ausgefochten wurden.
Unentschieden gab es auch. 
Wenn beide Heerführer keinen Sieg in Aussicht sehen und ihre letzten Leute oder die wichtigsten Truppen schonen wollen, dann zogen sich teilweise auch beide zurück. Viel interessanter sind sogenannte „Phyrrus-siege“ (kann man mal bei Google nachschlagen), wo der Sieger einer Schlacht durch die schlacht einen Nachteil im Krieg erhält. Das gab es oft.
zu 3
Die Nacht über wurde erst durchgekämpft, als das elektrische Licht erfunden wurde und Batterien, kann man so sagen. Vorher wurden „Pausen gemacht“. Das sah so aus, dass einfach keiner mehr angriff und man sich sicher sein konnte, dass der andere auch nicht angriff. Wenn man doch in der NAcht angriff, führte das manchmal zu einem schlechten Ruf und allgemein nannte man das Überfall, weil es als „nicht fair“ angesehen wurde.
Wie gesagt im 20.Jahrhundert führte man natürlich auch nachts Kriege…heutzutage sogar genauso viel wie am Tage (siehe Angriffe auf Bagdad, Vietnamkrieg).
Festgelegt wurde es selten. Aber es kam vor. Sogenannte Parlamentäre (die mit der weißen Fahne vorweg) oder Unterhändler kommunizierten zwischen den Kriegsparteien und beschlossen damals wie heute zum Teil, dass Verwundete versorgt werden können am Abend und beispielsweise eine 3 stündige Feuerpause eingehalten wurde oder die Nacht über die Zivilbevölkerung evakuiert werden konnte.
zu 4
Normalerweise wurde ausgetauscht. Wenn die Schlacht aber beim Zusammentreffen zweier Armeen ihren Höhepunkt erreicht, dann kämpften alle.
Eine Armee hatte aber zu jeder Zeit immer eine grosse Anzahl an Hilfstruppen, den Troß (Versorgung, Transportleute) und Gesindel, das mit der Armee durch das Land zog.
zu 5
Im 19. Jahrhundert gab es auch viele Opfer in der Zivilbevölkerung aber dadurch, dass die Soldaten kein hohes Ansehen genossen und die Armeen in sich geschlossene mobile Körper darstellten kann man es nicht mit dem 20.Jahrhundert vergleichen.
Die hauptsächliche Belastung der Zivilbevölkerung im 19. Jahrhundert war meines Wissens die Unterbringung und Beköstigung des Riesenarmeen. Man kann sich vorstellen, dass so eine 300.000 Mann starke Armee beispielsweise bei Waterloo zusammen mit einer Gegnerarmee mit genauso vielen Soldaten durchaus mal einen Landstrich leerfegen kann, dessen grösste Stadt ca.5000 Einwohner hat.
Das war übrigens der Hauptgrund für einen Krieg im Sommer…vorher fanden sie vornehmlich im Frühjahr statt.
Die Armeen des 19. Jahrhundert verkörperten auch immer ihre Nation im fremden LAnd und bemühten sich, dort gut aufzutreten und ein gutes Bild zu machen in der Zivilbevölkerung, es sei denn die beiden Länder standen sich sehr verhaßt gegenüber.
Im ersten Weltkrieg hat man aber auch diese Opfer unter der Zivilbevölkerung klein gehalten. Es ging in der Bevölkerung mehr um die Rüstung für die Armee…manchmal wollte man die treffen aber nicht die Zivilisten.
Was die deutsche Armee im zweiten Weltkrieg im In- und Ausland mit der Zivilbevölkerung gemacht hat, ist eine ganz nue Dimension der Kriegsführung. Die alliierten Bomber waren dagegen eher harmlos. Zu nennen sind da noch die Russen in Osteuropa und später der Vietnamkrieg mit einer klaren Doktrin des Angriffs auf die Zivilbevölkerung, weil diese die Armee stark stützte. Heute ist das in Israel so und in wenigen anderen Kriegen. In Afrika seit ein hundert Jahren auch.
zu6
Mann gegen Mann kämpft man teilweise bis heute.
Im ersten und zweiten Weltkrieg dominierte natürlich der Kampf mit dem Gewehr, von einem Fahrzeug oder mit einer Kanone.
Schon zu Napoleons Zeiten war die Artillerie wichtiger und es wurde oft und viel aus der Distanz mit dem Gewehr geschossen. In den Burenkriegen Anfang des letzten JAhrhunderts noch mehr. iel eines jeden Angriffs bis heute ist es aber so nach wie möglich and en Gegner heranzukommen, da dieser in der Verteidigung in der Regel einen Vorteil beim Distanzkampf hat. Also es war durchaus üblich im ersten und zweiten Weltkrieg in den gegnerischen Graben reinzurennen und dort mit Bajonett und Messer und Pistole den Gegner zu töten oder gefangen zu nehmen. Im Vietnamkrieg vermied man das weitgehend aber es kam vor. Je näher der Kampf geführt wird, desto mehr macht sich eine harte Disziplin der Truppen und eine gute Kampfmoral bezahlt.
Heute denken viele die heutige Kriegführung sei so unperönlich und eher anonym, was ich nicht denke. Der Krieg, die Schlacht oder ein kelines Scharmützel wird immer noch Mann gegen Mann gewonnen oder verloren. Dass heute viel mehr als je zuvor Bomben aus Flugzeugen, aus Kanonen, von Schiffen oder Raketen und Minen eingesetzt werden, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der allergrösste Teil des Kampfes auf dem Boden ausgetragen wird und dort das Gefecht Mann gegen Mann entscheidet, wobei man natürlich als überlegener Feind nicht die Nähe zum Gegner sucht, sondern die „sichere Entfernung“ bevorzugt. Selbst heute ist es so, dass man wohl kaum mit tausend amerikanischen Flugzeugen den Irak besetzen kann…denn es erfordert immer eine noch viel grössere Menge Soldaten auf dem Boden. Alle anderen Truppen sind zu der Unterstützung der Infanterie und der Bodentruppen da.
Ich hoffe, ich konnte Dir helfen.
Grüsse
Tobias77