Ablauf einer Schlacht / von Kriegen im 19. Jh

Hallo,
ich habe mich gefragt, wie Kriege/ Schlachten, im 19. Jahrhundert eigentlich so abliefen. Man liest bei Kriegen immer von „der Schlacht von soundso“, die dann soundsolange dauerte, aber wie genau lief so eine Schlacht / ein Krieg ab?

  1. Verabredete man einen Ort und eine Uhrzeit, also morgen um 9 auf demunddem Platz? Oder zogen die Heere einfach aufeinander zu, und wo sie sich dann trafen ging es zur Sache?

  2. Wie lange dauerte so in etwa eine typische Schlacht? Tage, Wochen, Monate? Wann war sie zuende, als musste sich einer geschlagen geben, oder konnte man auch „unentschieden“ auseinander gehen?

  3. Und wenn eine Schlacht mehrere Tage dauerte, gab es dann nach jedem Tag sowas wie „Feierabend“, oder wurde die Nächte durch gekämpft? Wenn es sowas wie „Feierabend“ gab, gab es dafür allgemeine Regeln, oder wurde das vorher oder spontan festgelegt?

  4. Wurden die Truppen zwischendrin in Teilen ausgetauscht, oder kämpften immer alle gegen alle?

  5. Bis wann etwa wurden die Kriege nur durch einzelne solche Schlachten ausgetragen, bzw. ab wann gab es „systematisch“ Opfer unter der Zivilbevölkerung?
    War das eine Neuheit des Ersten Weltkriegs mit seinen Luftangiffen? (Ich weiß, dass es im Dreißigjährigen Krieg auch viele zivile Opfer gab und viele Plünderungen, aber wie war das im 19. Jh.?)

  6. Bis zu welchem Krieg etwa sah man den Gegner noch wirklich „vor sich“, also bis zu welchem Krieg dominierte „Mann gegen Mann“, und ab wann begann die eher anonyme Kriegsführung in Gräben, wo man Bomben warf und in die Richtung des Gegners feuerte?

Vielen Dank für Eure Antworten!

  1. Verabredete man einen Ort und eine Uhrzeit, also morgen um
    9 auf demunddem Platz? Oder zogen die Heere einfach
    aufeinander zu, und wo sie sich dann trafen ging es zur Sache?

Verabredet hat man sich nicht, man zog auch nicht im engeren Sinn „aufeinander zu“. Natürlich zogen die Heere durch die Gegend. Um eine getgnerische Stadt zu erobern, um sich mit Verbündeten zu vereinen oder um das gegenerische Heer zu treffen. Für die Heerführer kam es darauf an, den Gegener in einem günstigen Moment zu packen, also vor der Vereinigung mit Verbündeten, im günstigen Gelände oder lang gezogen auf dem Marsch. Wo es dann zur Schlacht kiam, hing davon ab, wo ein Feldherr den Kampf für günstig erachtete oder ihn von seinem Gegener aufgedrängt bekam.

  1. Wie lange dauerte so in etwa eine typische Schlacht? Tage,
    Wochen, Monate? Wann war sie zuende, als musste sich einer
    geschlagen geben, oder konnte man auch „unentschieden“
    auseinander gehen?

Normalerweise einen Tag. Mehrere Tage war eher die Ausnahme, es sei denn bei Belagerungen. Verloren hat normalerweise der, der sich vom Schlachtfeld zurückzieht, weil seine Schlachtordnung vom Gegner zerschlagen wird, was in der regel auch mit den größeren Verlusten einherging, schon, weil die Kavallerie die fliehenden Infanteristen niedermachten. Gelegentlich gab’s auch ein „Unentscheiden“, beispielsweise, wenn beide Seiten abends die Schlacht abbrachen und am nächsten Tag nicht mehr aufnahmen oder wenn beide nach schweren Verlusten das Schlachtfeld verließen. Das war aber eher eine Ausnahmeerscheinung.

  1. Wurden die Truppen zwischendrin in Teilen ausgetauscht,
    oder kämpften immer alle gegen alle?

So etwas wie „Ruhezeiten“ gab es nicht, schon wegen der kurzen Zeit der Schlacht. Aber es gab Reserven, die die Heerführer zurückhielten, um sie dort einzusetzen, wo die Reihen wankten.

  1. Bis wann etwa wurden die Kriege nur durch einzelne solche
    Schlachten ausgetragen, bzw. ab wann gab es „systematisch“
    Opfer unter der Zivilbevölkerung?

Bei Belagerungen hatte natürlich immer die Zivilbevölkerung zu leiden, bei den „klassischen“ Schlachten des 19. Jahrhunderts wohl weniger. Zivilisten hatten eher außerhalb der Schlachten unter durchziehenden Truppen zu leiden.

War das eine Neuheit des Ersten Weltkriegs mit seinen
Luftangiffen?

Luftangriffe auf Städte gab es im Ersten Weltkrieg verglichen mit dem Zweiten nur in sehr geringem Umfang. Im Ersten Weltkrieg dürfte die Artilleriebeschießung von Städten (insbesondere in Belgien und Frankreich) sowie das Besatzungsregime der Mittelmächte bei weitem die meisten zivilen Opfer gefordert haben.

  1. Bis zu welchem Krieg etwa sah man den Gegner noch wirklich
    „vor sich“,

Bis zum Bürgerkrieg im Irak, also bis heute. Artilleriekrieg im großen Umfang und der Einsatz von Maschinengewehren begannen im Krim- und im russisch-japanischen Krieg. Aber zugleich gab es immer noch den unmittelbaren Kampf mit Bajonett und Spaten.

Hallo

ich habe mich gefragt, wie Kriege/ Schlachten, im 19.
Jahrhundert eigentlich so abliefen. Man liest bei Kriegen
immer von „der Schlacht von soundso“, die dann soundsolange
dauerte, aber wie genau lief so eine Schlacht / ein Krieg ab?

19.Jahrhundert ist natürlich ein langer Zeitraum und Du grenzt auch die Region nicht ein. Also gibt es darauf kaum ganz allgemeingültige Antworten.
Die Schlachten im spanischen Feldzug Wellingtons waren anders als die im griechischen Unabhängigkeitskrieg, die wiederum anders abliefen als die im amerikanischen Bürgerkrieg. Gerade das 19.Jahrhundert brachte da viele Veränderungen.

  1. Verabredete man einen Ort und eine Uhrzeit, also morgen um
    9 auf demunddem Platz? Oder zogen die Heere einfach
    aufeinander zu, und wo sie sich dann trafen ging es zur Sache?

Verabredet wurde schon seit dem Mittelalter nicht mehr. Armeen bewegten sich z.B. um Städte einzunehmen, in immer größerem Maße auch, um z.B. taktische Vorteile zu gewinnen (z.B. Straßen für den eigenen Nachschub). Das wiederum zwang den Gegner, sich zu bewegen um genau das zu verhindern. Im 19.Jahrhundert waren die Armeen im Allgemeinen bereits so groß, dass sie nicht mehr vollständig aus dem Land versorgt wurden. Nahrung und Brennholz, sicher. Aber Munition, Zelte, Pferde, Waffen, Ausrüstung, wurde oftmals nachgeführt. Das Problem der Logistik nahm also immer breiteren Raum ein. Demzufolge veränderten sich die Schlachten, die zu Napoleons Zeiten noch oft um Städte geschlagen wurden, zu Schlachten um Logistikrouten. Aber alles war Sachzwang, taktische Notwendigkeit.

  1. Wie lange dauerte so in etwa eine typische Schlacht? Tage,
    Wochen, Monate? Wann war sie zuende, als musste sich einer
    geschlagen geben, oder konnte man auch „unentschieden“
    auseinander gehen?

Ein Tag, manchmal zwei, aber das eher selten. Der, dessen Formationen zerschlagen wurden, bzw. dessen Verteidigung durchbrochen wurde verlor. Einfach weil er nicht mehr in der Lage war, den Bewegungen des Gegners Einhalt zu gebieten. Oftmals endeten solche Dinge auch gleich mit einer wilden Flucht, weil die Reiterei des Siegers nachsetzte.
Ausnahmen waren Belagerungen, die Monate gehen konnten. Wobei viele Belagerungen am Ende dann doch wieder durch einen Angriff entschieden wurden, der selten länger als einen Tag dauerte.
Unentschieden war selten. Es gab derartige Fälle im Rahmen der napoleonischen Kriege, bei denen z.B. kleinere Truppen nach Zahlen Erfolg hatten, aber den Gegner einfach nicht entscheidend schwächen konnten. Aber nur selten geschah es, dass ein Kampf abgebrochen wurde und nicht wieder aufgenommen wurde, ohne, dass einer verloren hatte (im 19.Jahrhundert).

  1. Und wenn eine Schlacht mehrere Tage dauerte, gab es dann
    nach jedem Tag sowas wie „Feierabend“, oder wurde die Nächte
    durch gekämpft? Wenn es sowas wie „Feierabend“ gab, gab es
    dafür allgemeine Regeln, oder wurde das vorher oder spontan
    festgelegt?

Gab es nicht, wegen der kurzen Zeit.

  1. Wurden die Truppen zwischendrin in Teilen ausgetauscht,
    oder kämpften immer alle gegen alle?

Es gab Reserven und es kam auch vor, dass Truppen aus dem Kampf gezogen wurden. Wobei die Reserven taktisch weniger dazu gedacht waren, die eigenen Reihen zu stützen (auch wenn das gelegentlich vorkam), als vielmehr, eine Schwäche des Gegners zu nutzen (Kavallerie z.B. für einen Durchbruch bei Waterloo).

  1. Bis wann etwa wurden die Kriege nur durch einzelne solche
    Schlachten ausgetragen, bzw. ab wann gab es „systematisch“
    Opfer unter der Zivilbevölkerung?

Kriege wurden schon seit der Renaissance eigentlich nicht mehr „ausschließlich“ durch Schlachten ausgetragen. Es ging natürlich immer um Kontrolle des Landes und der Ressourcen. Schlachten waren lediglich der Weg, diese Kontrolle zu brechen.
Die Zivilbevölkerung traf es immer schon. Durch Heere, die Nahrungsmittel requirierten, Soldaten pressten (im 19.Jhdt aus der Mode), aber auch durch Stadtplünderungen. Ich meine Bajadoz wurde durch Wellingtons Truppen geplündert. Im amerikanischen Bürgerkrieg kam eine großflüchige Knappheit an allem zum Tragen und nicht selten führte der neu entwickelte indirekte Beschuss auch zu Opfern unter Zivilisten.

War das eine Neuheit des Ersten Weltkriegs mit seinen
Luftangiffen? (Ich weiß, dass es im Dreißigjährigen Krieg auch
viele zivile Opfer gab und viele Plünderungen, aber wie war
das im 19. Jh.?)

Es gab Stadtplünderungen, Requirierungen, alles Mögliche. Die Opfer im 30jährigen waren aber Opfer einer systematischen Kampagne mit dem ausdrücklichen Ziel die Bevölkerung (die einem anderen Glauben folgte) zu dezimieren. Das ist also nicht mit dem 1.WK zu vergleichen, eher mit dem 2.WK. Ähnliche Dinge zogen die Türken aber auch gegen Armenier und Griechen im 19.Jhdt und Anfang des 20. durch.

  1. Bis zu welchem Krieg etwa sah man den Gegner noch wirklich
    „vor sich“, also bis zu welchem Krieg dominierte „Mann gegen
    Mann“, und ab wann begann die eher anonyme Kriegsführung in
    Gräben, wo man Bomben warf und in die Richtung des Gegners
    feuerte?

Bis heute. Dinge wie Luftangriffe und Artilleriebeschuss sind zusätzlich.

Gruß
Peter B.

Hallo mallard,

ich habe mich gefragt, wie Kriege/ Schlachten, im 19.
Jahrhundert eigentlich so abliefen. Man liest bei Kriegen
immer von „der Schlacht von soundso“, die dann soundsolange
dauerte, aber wie genau lief so eine Schlacht / ein Krieg ab?

Gerade das 19. Jhdt. durchlief eine dramatische Umwandlung in der allgemeinen Kriegführung und Schlachtenlenkung.
Zum einen stieg die Feuerkraft der Heere stark an, zum anderen die Kopfzahlen der Heere.
Während ein Feldherr zu Begin des Jhdrts. noch gerade 100.000 Soldaten zur Schlacht führte, waren es am Ende des Jhdrts. bereits Millionen.

  1. Verabredete man einen Ort und eine Uhrzeit, also morgen um
    9 auf demunddem Platz? Oder zogen die Heere einfach
    aufeinander zu, und wo sie sich dann trafen ging es zur Sache?

Auch diese Frage kann man nicht mit ja ode nein beantworten.
Jeder Feldherr versuchte natürlich ddas beste Schlachtfeld für sein Heer zufinden und hoffte dann, das der Gegner ihn dort angriff.(Wellington bei Waterloo z.B.)
Auch kam es vor, das sich Schlachten entwickelten, weil die Vorhuten sich verbissene Gefechte lieferten, so das die gegn.Befehlshaber immer mehr Verstärkungen nach vorne beorderten, bis eine ausgewachsene Schlacht im Gange war. (Gettysburg z.B.)

Eine 100.000 Mann(oder mehr)starke Armee marschiert nicht einfach drauflos.
Die Versorgung ist das a und o. Kein Mampf kein Kampf.
Also ist das naheliegenste die Versorgung anzugreifen oder zu Bedrohen und der Gegner versucht das selbe.

  1. Wie lange dauerte so in etwa eine typische Schlacht? Tage,
    Wochen, Monate? Wann war sie zuende, als musste sich einer
    geschlagen geben, oder konnte man auch „unentschieden“
    auseinander gehen?

Im offenen Feld konnte man die Soldaten nur mehrere Tage bei Laune halten, also im Feuer, wenn man so will.
Anders, wenn man eine Stadt verteidigen wollte oder musste.
Gelang es nicht sie im Sturm zu nehmen musste man sie belagern, das konnte Monate dauern.
(1870-71 Paris)
Unentschieden waren viele Schlachten am Ende und es wurde der Propaganda überlassen daraus einen Sieg zu zaubern.
(Borodino 1812)

  1. Und wenn eine Schlacht mehrere Tage dauerte, gab es dann
    nach jedem Tag sowas wie „Feierabend“, oder wurde die Nächte
    durch gekämpft? Wenn es sowas wie „Feierabend“ gab, gab es
    dafür allgemeine Regeln, oder wurde das vorher oder spontan
    festgelegt?

Die Schlachten endeten meistens bei Einbruch der Nacht.
Zum einen sahen die Komandierenden nicht mehr genug um taktische Entscheidungen zu treffen, die Soldaten konnten beim Aufblitzen des Mündungsfeuers nichts mehr sehen und waren zudem Hungrig und erschöpft.
Also nutzten meist beide Seiten die Nacht zur Erholung, Ausbau der Stellung, Neugruppierung und zum Planen des nächsten Angriffs. Oder zum Rückzug im Schutze der Dunkelheit.

  1. Wurden die Truppen zwischendrin in Teilen ausgetauscht,
    oder kämpften immer alle gegen alle?

Es war wichtig taktische und strategische Reserven bereit zu halten.
Einmal erkannte man nie die genau Stärke und Absicht des Geggners, zum anderen konnte man mit Reserven einbrüche stopfen oder Erfolge ausweiten.
Ganze Kompanien konnten binnen Minuten als kämpfende Einheit verschwinden, tot, verwundet, gefangen, demoralisiert…oder überlaufen.

  1. Bis wann etwa wurden die Kriege nur durch einzelne solche
    Schlachten ausgetragen, bzw. ab wann gab es „systematisch“
    Opfer unter der Zivilbevölkerung?
    War das eine Neuheit des Ersten Weltkriegs mit seinen
    Luftangiffen? (Ich weiß, dass es im Dreißigjährigen Krieg auch
    viele zivile Opfer gab und viele Plünderungen, aber wie war
    das im 19. Jh.?)

Leider trug viel zu selten eine einzige Schlacht zum Frieden bei.
Es waren meistens mehrer von Nöten.
Auch wenn man in Rückblick sagen kann, diese oder jene Schlacht war die Entscheidende, vor Ort erkannte man das nie sofort. Es dauerte immer noch seine Zeit und weitere Opfer, bis es in den Köpfen der Verantwortlichen klick machte.
Die Zivilbevölkerung wurde und wird immer in Mitleidenschaft gezogen, wo bewaffnete Horden aufeinander schießen.
Selbst den heutigen präzisions Bomben fallen Kinder zum Opfer.

  1. Bis zu welchem Krieg etwa sah man den Gegner noch wirklich
    „vor sich“, also bis zu welchem Krieg dominierte „Mann gegen
    Mann“, und ab wann begann die eher anonyme Kriegsführung in
    Gräben, wo man Bomben warf und in die Richtung des Gegners
    feuerte?

Meiner Meinung nach war der erste „anonyme“ Krieg der 1. Golfkrieg 1990-91.

wenn noch Fragen, fragen!

grüsse borthi

Hallo,
ich habe mich gefragt, wie Kriege/ Schlachten, im 19.
Jahrhundert eigentlich so abliefen. Man liest bei Kriegen
immer von „der Schlacht von soundso“, die dann soundsolange
dauerte, aber wie genau lief so eine Schlacht / ein Krieg ab?

Die Kriege waren ganz verschieden:-in der Zeit Napoleons war es oft so das die Truppen in engen Formationen aufeinander zu liefen(natürlich gab es damals auch schon Scharfschützen-sehr schön in den Sharpe-Filmen zu sehen.
-Am ende des 19.Jahrhunderts gab es dann mehr und mehr Scharfschützen, denn es gab die Vorderlader-Gewehre nicht mehr-so konnte man die ganze Zeit gut verschanzt auf dem Boden liegen bleiben(z.B.im Burenkrieg,als die Briten zum teil noch in Linien gekämpft haben und von den Scharfschützen nieder geschossen wurden).

  1. Verabredete man einen Ort und eine Uhrzeit, also morgen um
    9 auf demunddem Platz? Oder zogen die Heere einfach
    aufeinander zu, und wo sie sich dann trafen ging es zur Sache?

Ein Feldherr schlug sein Lager in einer für sich guten Position auf und wartete bis der Gegner angriff(jedenfalls war das manchmal so).
Natürlich gab es auch Scharmützel indenen z.B.ein Trupp aus einem Hinterhalt angegriffen wurde.

  1. Wie lange dauerte so in etwa eine typische Schlacht? Tage,
    Wochen, Monate? Wann war sie zuende, als musste sich einer
    geschlagen geben, oder konnte man auch „unentschieden“
    auseinander gehen?

Meist dauerte eine Schlacht einen Tag, es gab aber auch ausnahmen:Belagerungen oder z.B. Schlachten wie die 7Tage Schlacht im Amerikanischen Bürgerkrieg.

  1. Und wenn eine Schlacht mehrere Tage dauerte, gab es dann

nach jedem Tag sowas wie „Feierabend“, oder wurde die Nächte
durch gekämpft? Wenn es sowas wie „Feierabend“ gab, gab es
dafür allgemeine Regeln, oder wurde das vorher oder spontan
festgelegt?

Abends wurde das Feuer meist eingestellt.

  1. Wurden die Truppen zwischendrin in Teilen ausgetauscht,
    oder kämpften immer alle gegen alle?

Es gab Reserve Truppen,aber richtig ausgetauscht wurde nicht.

  1. Bis wann etwa wurden die Kriege nur durch einzelne solche
    Schlachten ausgetragen, bzw. ab wann gab es „systematisch“
    Opfer unter der Zivilbevölkerung?
    War das eine Neuheit des Ersten Weltkriegs mit seinen
    Luftangiffen? (Ich weiß, dass es im Dreißigjährigen Krieg auch
    viele zivile Opfer gab und viele Plünderungen, aber wie war
    das im 19. Jh.?)

Die Zivilbevölkerung musste meistens leiden, manchmal hat sie sich aber auch verteidigt(z.B. in Napoleons Russlandfeldzug)

  1. Bis zu welchem Krieg etwa sah man den Gegner noch wirklich
    „vor sich“, also bis zu welchem Krieg dominierte „Mann gegen
    Mann“, und ab wann begann die eher anonyme Kriegsführung in
    Gräben, wo man Bomben warf und in die Richtung des Gegners
    feuerte?

Eine Partei sah die andere immer(z.B. muss man als Scharfschütze sein Ziel aussuchen bevohr man schießt).Mann gegen Mann ist seltener geworden, gibt es aber zum Teil immer noch).

Vielen Dank für Eure Antworten!

Bitte!!

Gruß Moritz

Hallo,
vielen Dank für die ganzen interessanten Antworten! Es scheint ja so, dass es damals wirklich so etwas „Spielregeln“ gab! Im Zweiten Weltkrieg war das nicht mehr so, oder?
Hier noch eine andere, ebenfalls sehr interessante Antwort, die ich per Mail bekam, aber hier gern reinstellen würde, falls es andere auch interessiert, als Ergänzung:

zu 1
Man zog mit den Heeren/Armeen oder Armeegruppen zu bestimmten Orten oder zu bestimmten Armeen. Das konnten vorteilhafte Positionen im Gelände sein, Brücken, die es zu sichern galt, Städte, die es einzunehmen galt oder Hauptstädte und Häfen, die eine MAchtprojektion bedeuteten.
Jede Armee hatte Aufklärungstruppen, damals wie heute. Diese hat dann neben den diplomatischen Informationen der Diplomaten und Unterhändler Informationen über Aufenthalte feindliche militärischer Kräfte gesammelt und ein Lagebild erstellt. MAn konnte die Züge der feindlichen Armee sehen und sich an einem für die eigenen Kräfte günstigen ORt mit ihnen treffen oder im unterlegenen Fall ausweichen und andere Lösungen suchen.
Getroffen haben sich Armee bis zum Ende des 19. JAhrhunderts in Massen. Danach hielt man „Fronten“ mit den Millionenheeren und schloss jede Lücke zwischen den eigenen Militärteilen, da das Militärwesen mobiler wurde und der Gegner jede „Lücke“ ausnutzte.
Wenn man sich „traf“, dann ging es zur Sache. Während man im alten Griechenland noch eher die schlacht beendete, wenn man merkte, das eine Partei siegreich wird, gab es in der Folgezeit bei den Römern und im Mittelalter eher Vernichtungsschlachten, wo eine Partei entweder floh oder vernichtet wurde. Ausnahmen waren grosse Zahlen an Gefangenen, die oft als auszulösende Geiseln dienten.
In der Neuzeit gab es dann mehr offene Schlachten, da die städte grösser wurden, die Waffen stärker und die Befestigungen nicht mehr standhielten…also sinnlos wurden. Ich denke bis zur franz. Rev. dauerten sie einen oder zwei Tage. Danach wohl auch, wobei man mehr mit starken Vorhuten und NAchhuten arbeitete und sich eine Schlacht oft in mehrere Abschnitte gliederte, die an zwei bis vier Tagen ausgefochten wurden.

zu 2
Im Altertum bei den Griechen dauerte eine offene Schlacht auf offenem Feld ungefähr einen Morgen. Belagerungen unter anderem Jahre. Bei den Römern in der Regel auch nur einen ganzen Tag. Im Mittelalter wurde seltener auf freiem Feld gekämpft, sondern eher belagert und überfallen. Diese Schlachten dauerten je nach Versorgungslage und Mauerstärke der Städte und Häfen. Offene Schlachten 1-3 Tage und Belagerungen 1-12 Monate, denke ich.
Mit der Einführung der Feuerwaffen wurde alles etwas schneller. Ich denke bis zur franz. Rev. dauerten sie einen oder zwei Tage. Danach wohl auch, wobei man mehr mit starken Vorhuten und Nachhuten arbeitete und sich eine Schlacht oft in mehrere Abschnitte gliederte, die an zwei bis vier Tagen ausgefochten wurden.
Unentschieden gab es auch. :smile:
Wenn beide Heerführer keinen Sieg in Aussicht sehen und ihre letzten Leute oder die wichtigsten Truppen schonen wollen, dann zogen sich teilweise auch beide zurück. Viel interessanter sind sogenannte „Phyrrus-siege“ (kann man mal bei Google nachschlagen), wo der Sieger einer Schlacht durch die schlacht einen Nachteil im Krieg erhält. Das gab es oft.

zu 3
Die Nacht über wurde erst durchgekämpft, als das elektrische Licht erfunden wurde und Batterien, kann man so sagen. Vorher wurden „Pausen gemacht“. Das sah so aus, dass einfach keiner mehr angriff und man sich sicher sein konnte, dass der andere auch nicht angriff. Wenn man doch in der NAcht angriff, führte das manchmal zu einem schlechten Ruf und allgemein nannte man das Überfall, weil es als „nicht fair“ angesehen wurde.
Wie gesagt im 20.Jahrhundert führte man natürlich auch nachts Kriege…heutzutage sogar genauso viel wie am Tage (siehe Angriffe auf Bagdad, Vietnamkrieg).
Festgelegt wurde es selten. Aber es kam vor. Sogenannte Parlamentäre (die mit der weißen Fahne vorweg) oder Unterhändler kommunizierten zwischen den Kriegsparteien und beschlossen damals wie heute zum Teil, dass Verwundete versorgt werden können am Abend und beispielsweise eine 3 stündige Feuerpause eingehalten wurde oder die Nacht über die Zivilbevölkerung evakuiert werden konnte.

zu 4
Normalerweise wurde ausgetauscht. Wenn die Schlacht aber beim Zusammentreffen zweier Armeen ihren Höhepunkt erreicht, dann kämpften alle.
Eine Armee hatte aber zu jeder Zeit immer eine grosse Anzahl an Hilfstruppen, den Troß (Versorgung, Transportleute) und Gesindel, das mit der Armee durch das Land zog.

zu 5
Im 19. Jahrhundert gab es auch viele Opfer in der Zivilbevölkerung aber dadurch, dass die Soldaten kein hohes Ansehen genossen und die Armeen in sich geschlossene mobile Körper darstellten kann man es nicht mit dem 20.Jahrhundert vergleichen.
Die hauptsächliche Belastung der Zivilbevölkerung im 19. Jahrhundert war meines Wissens die Unterbringung und Beköstigung des Riesenarmeen. Man kann sich vorstellen, dass so eine 300.000 Mann starke Armee beispielsweise bei Waterloo zusammen mit einer Gegnerarmee mit genauso vielen Soldaten durchaus mal einen Landstrich leerfegen kann, dessen grösste Stadt ca.5000 Einwohner hat.
Das war übrigens der Hauptgrund für einen Krieg im Sommer…vorher fanden sie vornehmlich im Frühjahr statt.
Die Armeen des 19. Jahrhundert verkörperten auch immer ihre Nation im fremden LAnd und bemühten sich, dort gut aufzutreten und ein gutes Bild zu machen in der Zivilbevölkerung, es sei denn die beiden Länder standen sich sehr verhaßt gegenüber.
Im ersten Weltkrieg hat man aber auch diese Opfer unter der Zivilbevölkerung klein gehalten. Es ging in der Bevölkerung mehr um die Rüstung für die Armee…manchmal wollte man die treffen aber nicht die Zivilisten.
Was die deutsche Armee im zweiten Weltkrieg im In- und Ausland mit der Zivilbevölkerung gemacht hat, ist eine ganz nue Dimension der Kriegsführung. Die alliierten Bomber waren dagegen eher harmlos. Zu nennen sind da noch die Russen in Osteuropa und später der Vietnamkrieg mit einer klaren Doktrin des Angriffs auf die Zivilbevölkerung, weil diese die Armee stark stützte. Heute ist das in Israel so und in wenigen anderen Kriegen. In Afrika seit ein hundert Jahren auch.

zu6
Mann gegen Mann kämpft man teilweise bis heute.
Im ersten und zweiten Weltkrieg dominierte natürlich der Kampf mit dem Gewehr, von einem Fahrzeug oder mit einer Kanone.
Schon zu Napoleons Zeiten war die Artillerie wichtiger und es wurde oft und viel aus der Distanz mit dem Gewehr geschossen. In den Burenkriegen Anfang des letzten JAhrhunderts noch mehr. iel eines jeden Angriffs bis heute ist es aber so nach wie möglich and en Gegner heranzukommen, da dieser in der Verteidigung in der Regel einen Vorteil beim Distanzkampf hat. Also es war durchaus üblich im ersten und zweiten Weltkrieg in den gegnerischen Graben reinzurennen und dort mit Bajonett und Messer und Pistole den Gegner zu töten oder gefangen zu nehmen. Im Vietnamkrieg vermied man das weitgehend aber es kam vor. Je näher der Kampf geführt wird, desto mehr macht sich eine harte Disziplin der Truppen und eine gute Kampfmoral bezahlt.
Heute denken viele die heutige Kriegführung sei so unperönlich und eher anonym, was ich nicht denke. Der Krieg, die Schlacht oder ein kelines Scharmützel wird immer noch Mann gegen Mann gewonnen oder verloren. Dass heute viel mehr als je zuvor Bomben aus Flugzeugen, aus Kanonen, von Schiffen oder Raketen und Minen eingesetzt werden, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der allergrösste Teil des Kampfes auf dem Boden ausgetragen wird und dort das Gefecht Mann gegen Mann entscheidet, wobei man natürlich als überlegener Feind nicht die Nähe zum Gegner sucht, sondern die „sichere Entfernung“ bevorzugt. Selbst heute ist es so, dass man wohl kaum mit tausend amerikanischen Flugzeugen den Irak besetzen kann…denn es erfordert immer eine noch viel grössere Menge Soldaten auf dem Boden. Alle anderen Truppen sind zu der Unterstützung der Infanterie und der Bodentruppen da.

Ich hoffe, ich konnte Dir helfen.

Grüsse
Tobias77

…mein Gott, habe ich viele Fehler gemacht. Egal, das war fix runtergeschrieben und nicht kontrolliert.

Es deckt sich aber ungefähr mit dem Konsens in den anderen Antworten. Passt also, denke ich.

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