Abmachungen (heutzutage?) nicht mehr bindend?

Hallo,

… und Deine Antwort, Zuverlässigkeit sei „oftmals nichts
anderes als Angst vor der Ungreifbarkeit des anderen Menschen,
vor dem Kontrollverlust“
(also eher ein „Hemmschuh“ für
Beziehungen?)

dass es in manchen Fällen ein Hemmschuh ist, ist doch hier
schon offensichtlich.

dann hier liegt wohl ein Missverständnis vor: Mit

(*Zuverlässigkeit ist oftmals nichts anderes als Angst vor der
Ungreifbarkeit des anderen Menschen, vor dem Kontrollverlust.)

meintest Du offenbar: Das Einfordern von
Zuverlässigkeit und nicht Zuverlässigkeit als
Eigenschaft
(wie ich es verstanden hatte)? Denn in der
Tatsache, dass jemand zuverlässig ist, kann ich nach
wie vor keine wie auch immer geartete Beeinträchtigung einer
Beziehung sehen.

Vielleicht habe ich da zu schnell geschrieben. Die meisten zuverlässigen Menschen, die ich kenne, inklusive mir selbst, erwarten naturgemäß ein ähnliches vom gegenüber - mit dem Effekt, dass sie sich meistens ärgern, weil es halt nicht klappt. Aber natürlich meine ich mit dem obigen erstmal nur das Einfordern von Zuverlässigkeit.
Eine Freundin von mir meinte mal, sie würde an mir am meisten meine Zuverlässigkeit schätzen - und mittlerweile setzt mich genau dies immer mehr unter Druck, weil eben diese Zuverlässigkeit dann auch von mir prinzipiell erwartet wird und mir weniger als anderen verziehen wird, wenn ich mal unzuverlässig bin. Und das hat eben den Effekt, dass ich langsam unzuverlässiger werde - aus einer Art Trotz heraus, weil ich Zuverlässigkeit gerne gebe, aber nicht mehr dann, wenn ich das Gefühl habe, sie geben zu müssen. Zuverlässigkeit zu erwarten hat so auch oft mal den entgegengesetzten Effekt als erwünscht…

Gruß!
Judith

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Hi Colette,

ich reagiere sehr unterschiedlich auf Absagen. Bin ich abends verabredet und stelle ich fest, dass ich zwiegespalten bin hinsichtlich meines Treffens mit xyz, dann kann es sogar sein, dass ich mich freue, falls die Person absagt. Mache ich allerdings ein Fest und hätte ich extra einen Raum „renoviert“, dann wäre ich wahrscheinlich enttäuscht über eine Absage für das Zimmer. Ich bemühe mich, mir immer wieder bewusst darüber zu werden, dass es „nur“ meine Erwartungen und mein Ego sind, die gerade enttäuscht werden. (Und es funktioniert von mal zu mal besser.)

Bis vor einigen Jahren war ich auf jedem Fest, auf jedem Geburtstag, zu dem ich geladen war (ich bin jetzt über 40). Manche male hatte ich gar keine Lust hinzugehen, ich war weder in Plauder- noch in Feierlaune. Es war wie die Angst etwas zu verpassen und der Anspruch, andere nicht zu enttäuschen/ zuverlässig sein zu wollen, wenn ich etwas zugesagt habe.
Für mich waren diese Feste genauso eine Qual wie ich wahrscheinlich eine für den Gastgeber und die übrigen Gäste war. Irgendwann gelang es mir, die Absurdität dieser Situation wahrzunehmen und bemühte mich um Veränderung. Heute gehe ich in meiner Freizeit nirgendswo mehr hin, wenn ich keine Lust darauf habe.

Wenn ich eine Party gebe und nur die Hälfte der Gäste kommt bin ich auch ich immer noch ein wenig enttäuscht. Aber ich bemühe mich stets, meinem Hirn klarzumachen, dass das mit mir persönlich nichts zu tun hat. Ich denke dann an meine eigenen Erfahrungen und daran, dass es einzig und allein an meiner Einstellung liegt, ob ich meine Party nun trotzdem als gelungen erlebe und mit den wenigen vorhandenen Gästen eine gute Zeit habe oder ob ich mit meiner Enttäuschung die gesamte Stimmung vermiese.

Schöne Grüße,
jeanne