Abmachungen (heutzutage?) nicht mehr bindend?

Hi, ihr da draußen!
Ich habe vor 14 Tagen einige Freunde und Bekannte zu einer Gartenparty eingeladen. Ein paar Leute haben gleich gemeint, dass sie anderweitig verplant (Urlaub, Job) sind, der größte Teil hat aber zugesagt.

Eine Bekannte, die ich persönlich sehr schätze, hat vor einer Woche erzählt, dass die sich noch eine Übernachtungsmöglichkeit für den Partyabend suchen müsse (Sie lebt 100 km weg von hier.) und ihr Freund, der ein WG-Zimmer hat, sei zu der Zeit nicht da, also könne sie auch nicht bei ihm übernachten. Nun hab ich ihr angeboten, sie könne bei uns im Gästezimmer schlafen, was sie gerne angenommen hat. Sie wusste/weiß allerdings nicht (!!), dass unser Gästezimmer bis vor 5 Tagen eine „Rumpelkammer“ übelsten Ausmaßes war - ein Abstellraum voll mit Altpapier, Bügelwäsche und nicht mehr benötigtem Zeug. Ich habe Stunden damit verbracht, den Raum wohnlich zu gestalten - neue Vorhänge, Pflanzen und putzen ohne Ende. Es wurde schlussendlich sehr schön. Gestern schreibt sie mir eine SMS, sie könne jetzt doch bei ihrem Freund schlafen, sie habe die Schlüssel. Ich habe gemeint, ihr Bett sei bereits hergerichtet, aber sie solle tun, was ihr lieber sei. Ich hab mir gedacht, ich hätte sowieso einmal aufräumen müssen - diese Bekannte sei nur der Anlass dafür gewesen. Enttäuscht war ich trotzdem. Ich habe jedenfalls einmal was fürs Frühstück eingekauft, sollte sie doch hierbleiben.

Heute 2 Stunden vor der Party sagt eine Bekannte aus fadenscheinigen Gründen ab. Eine Freundin kommt erst 1,5 Std. verspätet, weil sie den Tag, an dem die Feier geplant war, verwechselt hat.

Es war trotzdem ein netter Abend, aber ich bin etwas ernüchtert. Ich habe das Gefühl, dass es heutzutage, in Handy-Zeiten eine Tendenz zur Unverbindlichkeit gibt - so quasi: „Schauen, ob sich nicht noch was Besseres findet“ - und dann wird eben kurzfristig zu- oder abgesagt. Geht es euch auch so, dass ihr das Gefühl habt, Abmachungen gelten heute nichts mehr? Oder geht es nur mir so? Wars früher besser?

LG Colette*
Übrigens: Die Bekannte schläft im WG-Zimmer ihres Freundes.

Hi

Das ist aber nicht unbedingt was ganz was neues der heutigen Zeit.

Mir ging das mal im Jahre 2003 genau so.
eine grössere Wohnungs-Umzug und Firmeneröffnungsfeier .
Verbindlich zugesagt hatten 38 Leute .
ich rechnete mit ungefähr weiteren 10 , die sich noch nicht wirklich festgelegt hatten .

gekommen sind 13 !!!

Ich sehe das auch immer und immer wieder bei wkw Event Einladungen , da sagen Leute das Sie kommen , man plant , vereinbart Treffpunkte , organisiert ein wenig den persönlichen Ablauf und es erscheint ungefähr die Hälfte

Das ist seit ein paar Jahren praktierte Lebensweise , ich weiss nicht wie und was die Leute sich dabei denken.
Ich jedenfalls komme , wenn ich zugesagt hatte , es sei denn es ist etwas unvorhersehbares passiert , ( Autounfall , Krank , etc )

gruss

Toni

Es war trotzdem ein netter Abend,

Na, dass ist doch die Hauptsache.

Geht es euch auch so, dass ihr das Gefühl habt, Abmachungen gelten heute
nichts mehr? Oder geht es nur mir so?

Ich weiß nicht, wo Du wohnst. Sollten bei Dir gestern auch fast 40°C Außentemperatur gewesen sein, kann ich durchaus verstehen, dass einige Deiner angesagten Gäste kurz vor der Party unter fadenscheinigen Gründen absagten.
Und nein, ich hab in meinem privaten Umfeld nicht den Eindruck, dass Abmachungen nichts mehr gelten. Auch finde ich es schwierig, dass so pauschal für die Allgemeinheit einschätzen zu wollen.
Wie will man das messen, um eine konkrete Aussage treffen zu können?

Wars früher besser?

Glaube ich nicht. Früher war es anders. Dieses „früher besser“ erinnert mich an das Erzählen alter Menschen, für die meist früher alles besser, da verklärter war.

Übrigens: Die Bekannte schläft im WG-Zimmer ihres Freundes.

Somit hat sie mit Ihrer Anreise vielleicht „zwei Fliegen mit einer Klappe erwischt“. :smile:
Sie konnte Dich treffen und hat auch noch diesen Freund gesehen und ein bissel WG Luft geschnuppert. Ist doch von Seiten der angereisten Bekannten verständlich gut geplant.

O.

Wars früher besser?

Glaube ich nicht. Früher war es anders. Dieses „früher besser“
erinnert mich an das Erzählen alter Menschen, für die meist
früher alles besser, da verklärter war.

Ich meine damit eher, ob sich das Verhalten der Menschen dadurch, dass man einander immer und überall erreichen kann, verändert hat - dahingehend, sich nicht mehr verbindlich festlegen zu wollen. Handy sei Dank…

Übrigens: Die Bekannte schläft im WG-Zimmer ihres Freundes.

Somit hat sie mit Ihrer Anreise vielleicht „zwei Fliegen mit
einer Klappe erwischt“. :smile:
Sie konnte Dich treffen und hat auch noch diesen Freund
gesehen und ein bissel WG Luft geschnuppert. Ist doch von
Seiten der angereisten Bekannten verständlich gut geplant.

Eben nicht! Ihr Freund ist gar nicht da.

Hallo Colette,

dies ist auch meine Wahrnehmung. Verabredungen und Zusagen werden eher als „mal grob im Kopf notiert“ gemacht, aber sind noch lange nicht verbindlich zugesagt. Sollte ich an dem Tag keine Lust haben, was besseres kommt daher, schicke ich ne SMS. Was mich auch ein paar Mal wirklich ärgerte bei Einladungen. Jetzt mache ich genauso unverbindliche Wischi-Waschi-Zusagen bei diesen Personen, vor allem wenn ich mir nicht wirklich sicher bin. Richtig gute Freunde bekommen weiterhin klare Zu- o. Absagen. Aber kurzfristige SMS-Absagen, die bringe ich nicht übers Herz. Egal wie dick man nun befreundet ist, oder nicht. Das finde ich unhöflich und blöd. Wenn ich schon absage, mache ich das frühstmöglich und am Telefon. Ist eben meine blöde Erziehung…:wink:

Gruß
Helena

Hi,

Übrigens: Die Bekannte schläft im WG-Zimmer ihres Freundes.

Gekommen ist sie aber, oder? Vielleicht wollte sie Dir mit der Übernachtung keine Umstände machen, das ist doch nett von ihr, oder nicht? Und sonst sind ja auch fast alle gekommen, wenn ich das richtig verstanden habe.

Vielleicht solltest Du das/Dich selbst nicht so ernst nehmen.

Gruß S (Laie)

Eben nicht! Ihr Freund ist gar nicht da.

Ups. :smile:

Trotzdem bleibe ich bei meiner Meinung, dass man nicht pauschal behaupten kann, früher war es besser.

O.

hi Colette,

Eben nicht! Ihr Freund ist gar nicht da.

Tut mir leid, aber Dir hat es wirklich völlig egal zu sein, ob sie lieber in einem WG-Zimmer schlafen will als bei Dir oder ob Ihr Bekannter da ist oder nicht - es ist schlichtweg ihre Entscheidung und ich wäre da extremst angenervt, wenn es mir eine Freundin, die mir eine Übernachtung anbietet, krumm nimmt, dass ich sie nicht annehme und noch davon ausgeht, dass meine Wahl ja die schlechtere sei.

Zum Ausgangsartikel:
Ob es früher anders war oder nicht, weiß ich nicht. Das einzige, das ich bemerkt habe (auch aufgrund meiner eigenen Wandlung von stark zuverlässigkeitsbedürftig zu halbwegs locker im Umgang mit Menschen), ist, dass die Menschen, die viel Zuverlässigkeit* vom anderen erwarten und auch geben, oft weniger und unentspanntere Kontakte haben als die, die damit relaxt umgehen, die Beziehungen nehmen, wie sie sich anbieten und sie nicht definieren oder festziehen wollen.

Wenn jemand bereit ist, nur für eine Übernachtung sein Gästezimmer zu renovieren (auch wenn ich das nicht weiß, spüre ich sowas), fühle ich mich schnell zu etwas verpflichtet. Und das löst in mir erst recht einen Flucht-/Absage-Reflex aus. Damit ich gar nicht erst in die Situation komme, jemandem etwas schuldig zu sein. Beziehungen gründen auf gemeinsam erlebter Freude, nicht auf Schuld und Verpflichtungen. Verpflichtungen hab ich im Leben genug, die will ich in der Freizeit möglichst eben gerade nicht haben.
Es ist hier irrelevant, ob du die Renovierung eh vorhattest, Tatsache ist ja, dass du mehr gegeben hast in der Erwartung, was zurückzubekommen und darüber sauer bist, sonst würdest du hier ja nicht schreiben. Allein, dass du dich hier beschwerst, zeigt ja, wie sehr du Verbindlichkeiten brauchst.
Ich war selbst auch so, und ich habe deutlich an Lebensfreude und Entspanntheit gewonnen, indem ich mir an Menschen abgeschaut habe, wie und warum diese locker mit Freundschaften umgehen können und keine/wenig Verbindlichkeiten nötig haben.
Und je mehr man *braucht*, desto weniger sind andere bereit, etwas zu geben, das ist ein Mechanismus, das ist einfach so. Man will aus freien Stücken geben dürfen und nicht, weil es erwartet wird.
Möglicherweise hast du etliche Freunde, die deinem Zuverlässigkeitsbedürfnis nicht so entsprechen. Aber mich würde tatsächlich mal interessieren, was es in dir auslöst, wenn jemand noch verbindlicher und zuverlässiger ist als du. Ob du denjenigen tatsächlich mit offenen Armen begrüßen würdest.

(*Zuverlässigkeit ist oftmals nichts anderes als Angst vor der Ungreifbarkeit des anderen Menschen, vor dem Kontrollverlust.)

Gruß
Judy

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Hallo,

Gekommen ist sie aber, oder? Vielleicht wollte sie Dir mit der
Übernachtung keine Umstände machen, das ist doch nett von ihr,
oder nicht?

das kann ich mir auch vorstellen.
Manch einer sieht als „bei jemandem im Gästezimmer bleiben“ weniger als „jemanden besuchen, demjenigen eine Freude bereiten“, sondern vielmehr als „demjenigen einen Aufwand machen“.
Dass die Gastgeberin sich diesen Aufwand bereits gemacht hat, konnte sie nicht wissen.
Aus Sicht der Gastgeberin ist die Enttäuschung verständlich - jemand kündigt sich an, man räumt auf, richtet alles nett her, und dann war’s umsonst.
Aus Sicht des Gastes kann ich es aber auch verstehen: Man möchte demjenigen keine Umstände machen. Und sie hat den Besuch ja nicht „abgeblasen“, da sie trotzdem kommt, nur eben ohne Übernachtung.

Mir ist es aber auch lieber, frühzeitig zu wissen, was mich erwartet - als Gast und als Gastgeber. Darum achte ich darauf, Änderungen - sofern sie sich ergeben - so früh wie möglich durchzugeben, selbst wenn es noch vage ist („bin krank und kann evl. zur Party morgen nicht kommen - ruf dich nochmal an“).
Als besonders lästig empfinde ich es, wenn jemand mir erst sehr knapp bescheid gibt, obwohl der Grund schon länger bestanden haben muss.

Viele Grüße,
Nina

Statistik dazu
Hallo,

dies wurde hier vor kurzem schon diskutiert und ich habe mich unter „Allgemeines zu Absagen“ dazu geäußert.
/t/nicht-nein-sagen-absagen-koennen/5785125/3

Ich habe in den vergangenen Monaten eine Strichliste geführt. Sie umfasst etwa 60 Einträge. Aus dieser geht hervor, dass rund 50% aller Zusagen nicht eingehalten werden - aus welchen Gründen auch immer, also Krankheit oder sowas eingeschlossen. Nicht alle dieser Versäumnisse werden vorher abgesagt.
Jetzt kann man differenzieren, wer die Zusage macht, wie verbindlich sie ist usw. Es gibt einige, die 10 von 10 Zusagen einhalten, andere 3 von 10.
Ich versuche meine Erwartungshaltung so einzurichten, dass ich davon ausgehe, dass eine Zusage mit 50% Wahrscheinlichkeit abgesagt wird.

Tychi

Hallo Punch’n’Judy,

Tut mir leid, aber Dir hat es wirklich völlig egal zu sein, ob
sie lieber in einem WG-Zimmer schlafen will als bei Dir oder
ob Ihr Bekannter da ist oder nicht - es ist schlichtweg ihre
Entscheidung und ich wäre da extremst angenervt, wenn es mir
eine Freundin, die mir eine Übernachtung anbietet, krumm
nimmt, dass ich sie nicht annehme und noch davon ausgeht, dass
meine Wahl ja die schlechtere sei.

mir wäre es auch egal, wenn jemand die Übernachtungsmöglichkeit bei mir nicht annimmt - es würde mich aber schon stören, wenn derjenige arg kurzfristig absagt nachdem schon alles vorbereitet ist.
Oder auch bei anderen Dingen:

  • Ich plus Beifahrer sind per Auto losgefahren um jemanden abzuholen. Auf halber Strecke klingelt des Beifahrers Handy, SMS der abzuholenden Person: „Habe doch den Bus genommen.“
  • Einladung, Essen steht schon auf dem Herd, Telefon klingelt: „Ach, ich komm 'ne Stunde später, bin noch bei einem Kumpel“.

(*Zuverlässigkeit ist oftmals nichts anderes als Angst vor der
Ungreifbarkeit des anderen Menschen, vor dem Kontrollverlust.)

Wobei Zuverlässigkeit auch das Gegenteil davon ist:
Zuverlässigkeit kann auch dafür sorgen, dass man dem anderen keine Umstände macht.
Mir ist es z.B. lieber, wenn Freunde sich vorher ankündigen, anstatt einfach „reinzuplatzen“ (genauso halte ich das auch selbst bei Freunden). Klar dürfen sie auch spontan reinkommen - es kann dann aber auch der Fall sein, dass der Besuch sich umsonst auf den Weg gemacht hat, weil ich jetzt weg muss (Uni, Nebenjob, Arzttermin…), aus dem Spaziergang nichts wird, weil ich gerade ein Brot im Backofen habe oder mein Besuch mitten in einen Wohnungs-Großputz reinplatzt… Ein kurzer Anruf vorher, und man hätte sich eine passende Zeit ausmachen können, keiner würde sich umsonst auf den Weg machen und man könnte den Besuch viel entspannter verbringen als immer die Uhr wegen dem Termin zu dem ich noch muss, im Auge zu behalten.

Viele Grüße,
Nina

hi,

mir wäre es auch egal, wenn jemand die
Übernachtungsmöglichkeit bei mir nicht annimmt - es würde mich
aber schon stören, wenn derjenige arg kurzfristig absagt
nachdem schon alles vorbereitet ist.

Ja, aber so war es ja nicht. Diese Freundin hat von vornherein ihren Bekannten als Übernachtungsmöglichkeit angepeilt und Colette war letztlich „zweite Wahl“. Wie fest sie ihr da zugesagt hat oder wieviel Colette sich da selbst an fester Zusage hineingewünscht hat, ist nicht klar herauszulesen.

Wobei Zuverlässigkeit auch das Gegenteil davon ist:
Zuverlässigkeit kann auch dafür sorgen, dass man dem anderen
keine Umstände macht.

Es geht ja hier im Falle eher um das Erwarten als um das Geben von Zuverlässigkeit. Natürlich darf man zuverlässig sein bis zum Umfallen, und das muss nichts Unentspanntes sein. Wenn ich mich allerdings so sehr ärgere, dass ich hier (ja nicht zum ersten Mal zum Thema) einen Thread eröffne, dann bin ich letztlich die mit dem höheren Frustrationsgrad, und den kann ich nicht verkleinern, indem ich weiter von anderen Dinge erwarte, die diese offenbar nicht zu geben bereit sind. Ich kann da nur dran arbeiten, indem ich selber schaue, ob ich mich von irgendwas frustrieren lassen muss.
Mein Beitrag war auch kein Plädoyer für Unzuverlässigkeit, sondern für einen entspannteren Umgang mit dieser, von dem ich letztlich selbst etwas habe.

Gruß

Hallo, Judy,

die, die damit
relaxt umgehen, die Beziehungen nehmen, wie sie sich anbieten
und sie nicht definieren oder festziehen wollen.

wie und warum diese locker mit Freundschaften
umgehen können und keine/wenig Verbindlichkeiten nötig haben.

und „relaxt“ und „locker“ mit Beziehungen / Freundschaften umgehen beinhaltet dann u. a. auch, getroffene Abmachungen als nicht verbindlich zu betrachten?

Das mag bei Veranstaltungen mit Happening-Charakter funktionieren (vorausgesetzt, die Gäste sind darüber informiert), aber sicher nicht bei Festen, die einen bestimmten Rahmen haben, bei denen eine gewisse Anzahl von Leuten verköstigt und untergebracht werden soll etc.
Wie kann ein Gastgeber, der seine Gäste ernst nimmt, „locker“ bleiben, wenn er befürchten muss, dass ein Teil der eingeplanten Gäste trotz fester Zusage gar nicht/später kommt bzw. noch ein paar Leute mitbringt; wenn er nicht absehen kann, ob er z. B.auf Bergen von Lebensmitteln sitzen bleibt - oder aber nicht für alle genug zu essen und trinken da ist?

Für mich ist es, unabhängig davon, wie locker ich sonst im Umgang mit meinen Freunden / Bekannten bin, in einem solchen Fall weniger eine Frage einengender Verpflichtung und Verbindlichkeit als vielmehr des Respekts, dass ich eine gegebene Zusage auch einhalte (sofern mich nicht triftige Gründe daran hindern) - oder aber von Anfang an klarstelle, dass ich mich noch nicht entschieden habe.

Gruß
Kreszenz

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Hi

Soweit ich das überlesen habe, hat EINE der Gäste abgesagt aus Gründen, die die UP als „fadenscheinig“ bezeichnet, von denen wir auch nichts näheres wissen. Eine andere kam 90 Minuten später als veranschlagt.
Die UP ist in meinem Alter, und in allen meiner Kreise ist eine Gartenparty kein Anlass, zu dem das Essen abgezählt wird. Hier kann es durchaus passieren, dass mal bis zu 5 Gäste mehr oder weniger erscheinen. Und vor allem ist es absolut natürlich, dass man nicht genau pünktlich erscheint. Ich habe es noch nie erlebt, dass man haargenau pünktlich zu einer Party kommt, eigentlich ist es die absolute Normalität, ca. 1 Stunde später zu kommen und die Gastgeber rechnen auch damit. Es war (offenbar) kein angesetztes Gänge-Menu, zu einem solchen wird dann halt extra um Pünktlichkeit gebeten.

Ich selber halte i.d.R. meine Verabredungen auch ein, aber es hilft einfach mal gar niemandem, sich ständig drüber aufzuregen, wenn andere das nicht tun. Dann ist man entweder mit den falschen Leuten befreundet oder hat die falschen Erwartungen an sie. Nur indem ich andere versuche zu verstehen und auch meine Andersartigkeit akzeptiere, kann ich die Sache das nächste Mal mit weniger Frust betrachten.
Natürlich geht man erstmal davon aus, dass Verabredungen eingehalten werden. Aber wenn sie das nicht werden, kann ich traurig sein, aber mit Vorhaltungen kommen (wie sie die UP innerlich hegt), wird nirgendwo Früchte bringen. Ich habe ich nur die Möglichkeit, es im Einzelfall mit der besagten Person anzusprechen , mir andere Freunde zu suchen, falls es nicht besser wird, oder weiter im Frustmodus zu bleiben.

Gruß

1 „Gefällt mir“

Hallo!

Ich war selbst auch so, und ich habe deutlich an Lebensfreude
und Entspanntheit gewonnen, indem ich mir an Menschen
abgeschaut habe, wie und warum diese locker mit Freundschaften
umgehen können und keine/wenig Verbindlichkeiten nötig haben.

Wenn jemand das von vornherein so ankündigt, sehe ich darin auch kein Problem. Schwierig sind aber die „Du kannst Dich auf mich verlassen, ich bin da!“-Typen, die dann überraschend nicht erscheinen.

Ich organisiere jedes Jahr eine große Party, bei der es für mich um mehrere tausend Euro geht. Also ist es für mich durchaus existenziell, zu wissen, ob da überhaupt jemand kommt. Ich mache dann eine Doodle-Umfrage mit folgenden Möglichkeiten:

  • Ja, ich komme auf jeden Fall.
  • Ich komme, wenn’s mein Terminkalender zulässt.
  • Es ist eher unwahrscheinlich, daß ich mitfahre.
  • Ich kann mit Sicherheit nicht mitfahren.

Wenn jemand das locker sehen soll, kann er das gerne mache - dann kreuzt er eben die zweite Alternative an und ich weiß, woran ich bin. Faszinierenderweise gibt es aber jedes Jahr einige, die „Ich komme auf jeden Fall“ ankreuzen, aber dann doch etwas besseres vorhaben - und wir reden da nicht von überraschenden Ereignissen wie Todesfällen oder Kündigungen. Das hat für mich nichts mit Lockerheit zu tun.

Gruß,
Max

Hallo,

Die UP ist in meinem Alter, und in allen meiner Kreise ist
eine Gartenparty kein Anlass, zu dem das Essen abgezählt wird.
Hier kann es durchaus passieren, dass mal bis zu 5 Gäste mehr
oder weniger erscheinen. Und vor allem ist es absolut
natürlich, dass man nicht genau pünktlich erscheint. Ich habe
es noch nie erlebt, dass man haargenau pünktlich zu einer
Party kommt,

ich hatte weniger den geschilderten Einzelfall im Auge (zumal wir nicht wissen, was in den Kreisen der UP üblich ist) als die allgemeine Fragestellung:

Abmachungen (heutzutage?) nicht mehr bindend

Geht es euch auch so, dass ihr das Gefühl habt, Abmachungen gelten heute nichts mehr?

… ob sich das Verhalten der Menschen dadurch, dass man einander immer und überall erreichen kann, verändert hat - dahingehend, sich nicht mehr verbindlich festlegen zu wollen.

… und Deine Antwort, Zuverlässigkeit sei „oftmals nichts anderes als Angst vor der Ungreifbarkeit des anderen Menschen, vor dem Kontrollverlust“ (also eher ein „Hemmschuh“ für Beziehungen?), und man solle im Sinne eines relaxteren Umgangs Verbindlichkeiten (wozu meines Erachtens auch Abmachungen gehören) möglichst gar nicht „nötig haben“.
.

es hilft einfach mal gar niemandem, sich ständig drüber aufzuregen

So hab ich den Artikel der UP nicht aufgefasst.
.

Meine Frage

und „relaxt“ und „locker“ mit Beziehungen / Freundschaften umgehen beinhaltet dann u. a. auch, getroffene Abmachungen nicht als verbindlich zu betrachten?

war keineswegs rhetorisch gemeint; es hat mich wirklich interessiert, was darunter konkret zu verstehen ist.

Gruß
Kreszenz

hi,

ich hatte weniger den geschilderten Einzelfall im Auge (zumal
wir nicht wissen, was in den Kreisen der UP üblich ist)
als die allgemeine Fragestellung:

Abmachungen (heutzutage?) nicht mehr bindend

Geht es euch auch so, dass ihr das Gefühl habt, Abmachungen gelten heute nichts mehr?

… ob sich das Verhalten der Menschen dadurch, dass man einander immer und überall erreichen kann, verändert hat - dahingehend, sich nicht mehr verbindlich festlegen zu wollen.

… und Deine Antwort, Zuverlässigkeit sei „oftmals nichts
anderes als Angst vor der Ungreifbarkeit des anderen Menschen,
vor dem Kontrollverlust“
(also eher ein „Hemmschuh“ für
Beziehungen?)

dass es in manchen Fällen ein Hemmschuh ist, ist doch hier schon offensichtlich.

, und man solle im Sinne eines relaxteren Umgangs
Verbindlichkeiten (wozu meines Erachtens auch Abmachungen
gehören) möglichst gar nicht „nötig haben“.

ich habe nichts im Sinne von „man sollte es nicht nötig haben“ gschrieben. Ich habe geschrieben, dass es Menschen gibt, die Verbindlichkeiten offenbar weniger brauchen, und dies sind in Beziehungshinsicht eindeutig die entspannteren. Und Menschen, die an ihrem Wunsch nach Verbindlichkeiten, der nicht erfüllt wird, leiden, können sich durchaus etwas abschauen von Menschen, die sich gut fühlen mit weniger Verbindlichkeitsbedürfnis.
Damit sage ich nichts gegen das Verbindlichkeitsbedürfnis, solang man nicht drunter leidet, ist ja alles ok. Aber gerade hier im Forum leiden ja öfter mal Leute drunter, und es scheint auch hier ja nicht zu helfen, wenn man die Menschen einfach als „unzuverlässig“ verurteilt.

Vielleicht kam das hier zu extrem an. Wie erwähnt bin ich selbst eine derjenigen, die selten absagt und sich lange Zeit viel aufregte und auch heute immer mal wieder aufregt, wenn Leute um mich herum absagen (und ja, ich habe auch schon eine langjährige und tiefe Freundschaft beendet, weil ich ihre Absagen nicht mehr ausgehalten habe). Ich habe nur erzählt, was mir geholfen hat, wie ich mich weniger aufrege, wenn andere absagen, es bedeutend weniger persönlich nehme und lustigerweise damit mittlerweile viel besser auch Leute gefunden habe, die von sich aus weniger absagen als früher.

.

es hilft einfach mal gar niemandem, sich ständig drüber aufzuregen

So hab ich den Artikel der UP nicht aufgefasst.

Ich schon, vermutlich auch, weil ich auch andere Artikel von ihr noch im Hinterkopf habe, und auch anhand der Tatsache, dass hier von einer einzigen Absage und einem Zuspätkommen gleich das Thema „gelten heutzutage nichts mehr“ etc. aufgemacht wird. Selbst wenn wir feststellen, dass man sich heute weniger bindend verhält als früher, hat man damit das Problem ja doch nicht geklärt.

.

Meine Frage

und „relaxt“ und „locker“ mBeziehungen / :Freundschaften :umgehen beinhaltet dann u. a. auch, getroffene Abmachungen nicht als verbindlich zu betrachten?

war keineswegs rhetorisch gemeint; es hat mich wirklich
interessiert, was darunter konkret zu verstehen ist.

Es wird immer eine Überzahl an Leuten geben, die es als verbindlich ansehen, aber es wird auch immer wieder Leute geben, die da nicht so drauf sind. Und über die kann ich mich ärgern oder mit ihnen anders umgehen lernen. Generell habe ich hier im Forum öfter mal das Gefühl, dass die Unzuverlässigen prinzipiell als „die Bösen“ dargestellt werden - dann ist allerdings die Frage, warum man mit denen im Leben überhaupt befreundet ist. Sicher ist für einen Zuverlässigen der Umgang mit einem Unzuverlässigen nicht leicht, aber jeder der beiden hat Seiten, die den anderen oft ohne dass die es zugeben wollen faszinieren und zugleich ärgern. Dabei könnte jeder vom anderen etwas lernen.

Gruß
Judith

noh ein Zusatz;

, und man solle im Sinne eines relaxteren Umgangs
Verbindlichkeiten (wozu meines Erachtens auch Abmachungen
gehören) möglichst gar nicht „nötig haben“.

Ich meinte hier auch nicht, das Verbindlich-sein nicht nötig zu haben, sondern das Erwarten von Verbindlichkeiten.

Gruß
Judith

Hallo!

ich habe nichts im Sinne von „man sollte es nicht nötig haben“
gschrieben. Ich habe geschrieben, dass es Menschen gibt, die
Verbindlichkeiten offenbar weniger brauchen, und dies sind in
Beziehungshinsicht eindeutig die entspannteren.

Wenn man das einschränkt und differenziert auf die Verbindlichkeit als Selbstzweck, dann stimme ich Dir zu. Wer Verbindlichkeit um der Verbindlichkeit willen fordert, hat möglicherweise ein etwas verkrampftes Verhältnis zu seinen Freunden.

Ich bin mir aber sicher, daß auch der entspannteste Mensch Verbindlichkeit fordert und braucht, wenn z.B. der Freund, der einem hoch und heilig versprochen hat, mit seinem VW-Bus beim Umzug zu helfen, dann plötzlich nicht erscheint … :smile:

Generell habe ich
hier im Forum öfter mal das Gefühl, dass die Unzuverlässigen
prinzipiell als „die Bösen“ dargestellt werden

Den Eindruck hatte ich bisher nicht. Der Eindruck, den Dein Posting hinterlassen hat, war allerdings so ein diffuses „Wer Wert auf Zuverlässigkeit legt, ist halt völlig unentspannt und uncool.“

Gruß,
Max

Hallo,

… und Deine Antwort, Zuverlässigkeit sei „oftmals nichts
anderes als Angst vor der Ungreifbarkeit des anderen Menschen,
vor dem Kontrollverlust“
(also eher ein „Hemmschuh“ für
Beziehungen?)

dass es in manchen Fällen ein Hemmschuh ist, ist doch hier
schon offensichtlich.

dann hier liegt wohl ein Missverständnis vor: Mit

(*Zuverlässigkeit ist oftmals nichts anderes als Angst vor der
Ungreifbarkeit des anderen Menschen, vor dem Kontrollverlust.)

meintest Du offenbar: Das Einfordern von Zuverlässigkeit und nicht Zuverlässigkeit als Eigenschaft (wie ich es verstanden hatte)? Denn in der Tatsache, dass jemand zuverlässig ist, kann ich nach wie vor keine wie auch immer geartete Beeinträchtigung einer Beziehung sehen.
.

Ich habe geschrieben, dass es Menschen gibt, die
Verbindlichkeiten offenbar weniger brauchen, und dies sind in
Beziehungshinsicht eindeutig die entspannteren. Und Menschen,
die an ihrem Wunsch nach Verbindlichkeiten, der nicht erfüllt
wird, leiden, können sich durchaus etwas abschauen von
Menschen, die sich gut fühlen mit weniger
Verbindlichkeitsbedürfnis.

Da „Verbindlichkeit“ bisher noch ein ziemlich vager Begriff ist, kann ich dazu nichts sagen.
.

Es wird immer eine Überzahl an Leuten geben, die es als
verbindlich ansehen, aber es wird auch immer wieder Leute
geben, die da nicht so drauf sind. Und über die kann ich mich
ärgern oder mit ihnen anders umgehen lernen.

Damit hast Du zweifellos recht.

Bei einem befreundeten Paar, das bei Einladungen (auch zu extra gekochtem Essen) generell mindestens 45 Minuten zu spät erscheint, gehen wir z. B. inzwischen so damit um, dass wir bei der Einladung den Zeitpunkt einfach um eine Stunde „vorverlegen“ - seither klappt das prächtig, und alle bleiben locker :wink:

Gruß
Kreszenz