Hallo Experten,
vielleicht eine etwas ungewöhnliche Frage, denn es geht um 1891. Dort heißt es in einem kleinen Nachruf „er starb an seiner Abnehmekrankheit“.
Derselbe, nämlich mein Urgroßvater, war regelmäßig über längere zeiträume wegen Krankheit beurlaubt und litt offenbar besonders in der kalten Jahreszeit darunter.
Weiß jemand, um was für eine Krankheit es sich gehandelt haben kann?
Vielen Dank!
Horst
Hallo Horst,
ich bin keine Medizin-Historikerin und kenne den Begriff überhaupt nicht, aber wenn ich mir die Symptome anschaue, würde ich glatt auf Schwindsucht, sprich Tuberkulose tippen. Vielleicht auch auf eine Mangelerkrankung wie etwa Rachitis (Vitamin D-Mangel); es geht auf die Knochen und war zu Zeiten Deines Opas im Winter durchaus verbreitet. Vielleicht war ist aber auch mit Abnehmung schlicht die Auszehrung und extreme Schwächung durch eine Krankheit oder durch Fieber gemeint. Die Lebens- und Ernährungsverhältnisse waren seinerzeit in manchen Gegenden nicht die besten und die Medizin von damals…
Grüße
Renee
Hallo Horst,
ich würde auch auf Tuberkulose = Schwindsucht tippen. Die zeitweiligen Krankschreibungen und die Gewichtsabnahme als einziges wirkliches Symptom sprechen dafür.
Möglich ist auch ein Krebs, auch hier nimmt man kontinuierlich ab, wobei hier das aber unabhängig von der Jahreszeit sein sollte.
LG
Claudia
Vielen Dank für die bisherigen Antworten!
Vielleicht sollte ich die Umstände noch etwas genauer schildern. Mein Urgroßvater lebte in Düsseldorf in der Altstadt. Die medizinische Versorgung sollte also besser gewesen sein, als im Durchschnitt.
Er war Lehrer, so dass man also bei ansteckenden Krankheiten wohl Rücksicht auf die Schüler genommen haben sollte.
Sicher verdiente er nicht allzu viel, aber die Familie hatte zwei Miethäuser - in einem lebte sie selber - die an einfache Leute (Handwerker, Tagelöhner, Witwen, etc.) vermietet waren, also kein Reichtum, aber ein gewisses Einkommen.
Was den Krankheitsverlauf betrifft, so sind mir aus der Schulchronik folgende Ausfallzeiten bekannt:
1.11.1877 - 2.1.1878
Ostern 1878 - Pfingsten 1878
17.5.1879 - 9.6.1879
13.10.1879 - 10.11.1879
19.11.1879 - 2.1.1880
8.11.1884 - Ende Wintersemester (Vertretung von Januar 1885 bis Ende Semester)
1.12.1885 - 7.1. 1886
9.10. - 5.11. (1886 oder 1887?)
22.11.1888 - 10.12.1888
14.2.1889 - ?
15.5.1891 verstorben
Vermutlich waren es eher mehr Ausfallzeiten, da einerseits eventuell nicht alles aufgezeichnet wurde, ich selbst andererseits eventuell etwas überlesen habe.
Viele Grüße!
Horst
Hallo Ich würde auch an Diphterie denken, wenn es auch eher eine Akute Erkrankung ist, aber sie passt zum Begriff Abnahmekrankheit (wegen der Auszehrung des Körpers).
Die Zeiten davor können auch auf andere Erkrankungen zurückzuführen sein. Für Rachitis war er zu alt, aber TBC kann sein oder regelmäßige Grippen. Als Lehrer ist man ja den verschiedensten Krankheiten der Kinder ausgesetzt.
Und das die medizinischen Versorgung in der Stadt gut war, half wenig gegen die MAssen von Keimem, die sich in der Gosse tummelten.
Der Spruch von der frischen LAndluft kommt aus der Zeit, denn in der Stadt hat es zum Himmel gestunken, da jeder seinen Unrat (incl Exkremente) auf die Straße kippte.
Das ist auch die Zeit der Choleraepidemien.
Schöne Grüße
Susanne