Ich soll an der Niere operiert werden, da bei mir eine Wassersackniere mit Harnleiterverengung festgestellt wurde. Ich fühle mich psychisch dazu aber absolut nicht in der Lage.
Der Gedanke, dass sie in mir herum schneiden und mir dann nach der OP ein Schlauch aus der Seite hängt ist für mich unertragbar.
Um meine Situation zu verstehen, werde ich ein wenig ausholen müssen.
Mit 13 hatte ich meinen ersten festen Freund. Wir waren 1 einhalb Jahre zusammen und er hat mich in der Zeit psychisch dazu gedrängt mit ihm zu schlafen. Ich wollte es nicht, habe aber trotzdem immer nachgegeben, bis ich irgendwann keine Berührungen mehr zugelassen habe. Heute bin ich 19 und bin seit einem Jahr darüber mehr oder weniger hinweg.
Auch hatte ich immer Panik bei allem was mit meinem Bauch zu tun hatte. Wenn es irgendwo zog, habe ich mir die schlimmsten Sachen ausgedacht was das sein könnte. Letztes Jahr habe ich eine Trombosespritze in den Bauch bekommen und hatte eine Stunde lang Heulkrämpfe und Panikattacken.
Dazu kommt, dass ich mich am Arm selbst verletze, wenn ich mit einer Situation absolut nicht mehr klarkomme. Ich kratze solange auf einer Stelle herum, bis sich eine Kruste bildet.
Auch habe ich diverse Ekel. Ich ekele mich vor Dreck und Schimmel und ich ekele mich vor Putzmitteln. Was eine tolle Kombination ist.
Wenn ich zum Beispiel in der Schule an einer Gruppe von Leuten vorbei gehe, dann habe ich immer das GEfühl, dass ich vielleicht doch noch ein bisschen Marmelade oder sowas im Gesicht oder sonstwo habe. Auch fühle ich mich dann vom Gesicht her wie ein kleines Kind, falls ihr versteht wie ich das meine. Das wird wohl daher kommen, dass ich von der 5. bis zur 9. Klasse in der Schule ziemlich gehänselt wurde, diverse nette Briefe bekam und mir tolle Sachen hinterher gerufen wurden.
Bei einer Psychologin war ich schon, doch es hat mir nichts gebracht.
Die Operation muss gemacht werden um meine Niere zu erhalten. Es ist also sehr wichtig. Von der Vernunft her würde ich es machen, aber von meinen Gefühlen her kann ich es absolut nicht.
Gibt es vielleicht gute Bücher oder spezielle Psychologen, die auf solche Sachen spezialisiert sind? Kann mir hier jemand einen Tipp geben, wie ich mit einigen Sachen umgehen kann?
Danke schon mal im Vorraus.
Hallo,
was du berichtest, kann verschiedenes sein, es klingt wie eine Angststörung, entweder eine generalisierte Angststörung oder eine Phobie, es kommen aber auch andere neurotische oder psychotische Störungsbilder in Betracht.
Da es dich in deinem Leben stark einschränkt (Vermeiden einer dringend gebotenen OP) solltest du dringend zum Arzt gehen. Frag deinen Hausarzt nach einer Überweisung an einen Psychiater (vielleicht am besten noch ein Kinder- und Jugendlichenpsychiater), der ist der richtige Arzt dafür. Wenn es eine Phobie ist, kann man das auch gegebenenfalls mit Pharmakotherapie durchbrechen, um die OP zu ermöglichen.
Spezialisierte Psychotherapeuten, auch stationäre Einrichtungen, gibt es. Aber um einen auszuwählen, muss erst mal die Diagnose richtig gestellt werden.
Ich wünsch dir alles Gute
Gruß
Tahere
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Verhaltenstherapie
Hallo Tara,
Deine Ängste bezüglich der bevorstehenden Operation sind nicht ungewöhnlich, vielen Menschen geht es so. Es ist nun leider so, dass nach Deinen Worten eine Operation notwendig und ohne Alternativen ist.
Ich empfehle Dir, mit Deinem Arzt über diese Ängste zu reden und ihn zu fragen, welche Möglichkeiten einer Betreuung vor und nach der OP bestehen könnten. Viele Menschen leiden beispielsweise besonders, wenn sie direkt vor einem Eingriff alleine warten müssen. Dies ist im Klinikalltag leider sehr oft so, allerdings kann hier vielleicht eine Möglichkeit für Dich geschaffen werden. Möglicherweise kannst Du Dich auch von einem Angehörigen begleiten lassen.
Ängste können sich in einer Art Teufelskreis verselbständigen; man kann sich das so vorstellen, dass man Angst vor etwas empfindet und der Körper kurz darauf mit Stresssymptomen reagiert (z.B. Herzklopfen, Schwitzen, Zittern), diese werden wiederum wahrgenommen und verschlimmern die Angstempfindung, dies wiederum verstärkt die körperlichen Reaktionen usw. Auswege lassen sich hier sehr gut durch Entspannungstechniken (beispielsweise die progressive Muskelrelaxation; Autogenes Training, Yoga) finden. Vielleicht kennst Du ja bereits welche, die Dir in diesen Angstsituationen helfen könnten.
Bezüglich der von Dir geschilderten (anderen) Symptome möchte ich mich hier nicht weiter äussern, sie sollten fachkundig abgeklärt werden; hier eine Diagnose zu stellen ist natürlich nicht möglich.
Ich empfehle Dir einen psychologischen Psychotherapeuten aufzusuchen, der sich auf die Durchführung von Verhaltenstherapie spezialisiert hat. Diese Fachrichtung ist besonders erfolgreich bei dem von Dir genannten Symptomspektrum.
Ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deiner OP und Gute Besserung!
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Hallo Tara!
Zunächst einmal zum konkreten Problem der Operation mein Einfall: Eine Alternative Möglichkeit zur Aufnahme in die innere Medizin eines Krankenhauses wäre eventuell zunächst ein vorangehender Aufenthalt auf eine psychotherapeutische Station. Wenn es in Deiner Nähe ein Krankenhaus gibt, welches beides Leisten kann, dann könntest Du so zunächst psychotherapeutisch auf die OP vorbereitet werden - ggf bei medimenkatöser Unterstützung - und dann innerhalb des Krankenhauses verlegt werden. Der betreuende Psychologe könnte in der Folge auf der Abteilung der „Inneren“ nach Dir sehen. Vorraussetzung ist es, wie gesagt, ein Krankenhaus zu finden, welches das leisten kann, sowie einem niedergelassenem Arzt die Notwendigkeit dieses Vorgehens klar zu skizzieren.
Ansonsten: Bei den Symptomatiken, welche Du schilderst, handelt es sich ja um ein etwas breiteres Spektrum. Natürlich ist es über dieses Medium nicht möglich, eine Diagnose zu stellen, zudem wäre ich persönlich dazu sowieso nicht in der Lage.
Deswegen wäre es nötig, einen psychologisch geschulten Menschen aufzusuchen: An dieser Stelle empfehle ich immer einen niedergelassenen Facharzt für Neurologie und Psychatrie, welcher auch eine psychotherapeutische Zusatzausbildung absolviert hat. Falls sich die Notwendigkeit einer Psychotherapie für Dich ergeben sollte, dann kann diese auch an anderer Stelle (psychologischer Psychotherapeut) erfolgen - der Vorteil ist aber, dass der Arzt eben in die Behandlung involviert ist und notfalls auch medimenkatös weiterhelfen kann. Ausserdem hast Du dann jemanden, mit dem Du über den Fortschritt in Deiner Therapie reden kannst.
Lieben Gruß
Patrick