Abrechnungsfehler bei Internetprovidern

Wer kann mir helfen?

Ich habe folgendes Problem, wir haben in unserem Unternehmen einen Vertrag mit einem Internetprovider bei dem wir ab einem Datentransfer von über 1000 MB normal abgerechnet werden.

Nun wurde in einem Monat ein Datentransfer von über 111 GB berechnet. Laut meinem
Chef verfügten wir aber nachweislich zu dem Zeitpunkt nicht über die technischen Voraussetzungen, um die berechneten Datenmengen von über 111 GB zu speichern
oder zu verarbeiten.

Nach erfolglosem Schriftverkehr mit dem Provider (das ganze zieht sich jetzt schon über
1 1/2 Jahre hin) besteht dieser nun aber auf seine Abrechnungsgenauigkeit (und liegen aber keine Nachweise vor) und verlangt von uns die Zahlung, die mein Chef bis dato absolut verweigert.

Ich soll nun ein erneutes Schreiben an den Provider erstellen und weiß gar nicht mehr, wie
ich den Sachverhalt nochmals genau formulieren kann? Kennt jemand ähnliche Fälle oder Gesetzte / Urteile auf die ich mich beziehen könnte?

Bitte hilft mir! Vielen DANK

Chef verfügten wir aber nachweislich zu dem Zeitpunkt nicht
über die technischen Voraussetzungen, um die berechneten
Datenmengen von über 111 GB zu speichern
oder zu verarbeiten.

ähm … also ihr hattet vor 1,5 Jahren KEINEN PC in der Firma, der ins Internet konnte?

Die Daten die (in beide Richtungen) geflossen sind, müssen ja nun nicht zwangsläufig gespeichert werden, sondern landen allenfalls in den temporären Dateien und werden dort „fleissig“ überschrieben, wenn sie denn überhaupt gespeichert werden.

111 GB macht jeder „otto-normal-user“ wohl locker im Monat, wenn er sich z.B. regelmässige Programmupdates, MP3s usw. zieht.Und dazu auch noch reichlich bilderhaltige Website ansieht …

Gruß aus Hamburg
Knud Schiffmann
http://internet-partner.de

111 GB macht jeder „otto-normal-user“ wohl locker im Monat,
wenn er sich z.B. regelmässige Programmupdates, MP3s usw.
zieht.Und dazu auch noch reichlich bilderhaltige Website
ansieht …

111 Gig? Man, was hast denn du für ein Surfverhalten drauf? Da bist du vollauf damit beschäftigt, rund um die Uhr, sieben Tage die Woche dir irgendwelche Bildchen im Internet anzugucken. Im Sekundentakt!

Nee, schraub den Wert um den Faktor 100 runter, dann hast du den Durchschnittsuser. Tatsächlich lassen sich auf einer 1mbit DSL-Leitung bei pausenloser voller Kapazitätsausnutzung grob gerechnet im Monat ~320 Gig ziehen, der Wert von 111 GB ist also durchaus erreichbar. Durch einen Automaten.

Gruss
Schorsch

Herzlichen Dank für Ihre Antwort…

gerne würde ich Ihnen noch ein paar weitere Fragen stellen:

Ich habe eben noch mitgeteilt bekommen, dass telefonisch im Jahr 2003 dem Geschäftsführer auf Nachfragen zu der hohen Rechnungssumme mitgeteilt wurde, dass der Haupt-Datenverkehr an einem Wochenende stattgefunden haben soll, an dem die Firma aber definitiv nicht besucht wurde und auch alle Rechner ausgeschaltet waren. Wie wäre das zu erklären?

Und könnten Sie mir vielleicht auch noch bei der Beantwortung der Frage behilflich sein, wenn es um die Beweislast geht? Liegt diese beim Provider oder bei dem Unternehmen (bezüglich technische Voraussetzungen)?

Und sind auch Internetprovider verpflichtet (wie z.B. Telefonanbieter)Verbindungsnachweise aufzubewahren und wenn ja, über welchen Zeitraum?

Herzlichen Dank!

Wer kann mir helfen?

Ich habe folgendes Problem, wir haben in unserem Unternehmen
einen Vertrag mit einem Internetprovider bei dem wir ab einem
Datentransfer von über 1000 MB normal abgerechnet werden.

Nun wurde in einem Monat ein Datentransfer von über 111 GB
berechnet. Laut meinem
Chef verfügten wir aber nachweislich zu dem Zeitpunkt nicht
über die technischen Voraussetzungen, um die berechneten
Datenmengen von über 111 GB zu speichern
oder zu verarbeiten.

Über welche Leistungen ist denn der Vertrag geschlossen worden? Ist das nur der Firmenanschluss ans Internet, wenn ja, auf welcher Basis: Modem/ISDN/DSL/Standleitung? Oder bezieht sich der Vertrag auch auf euren vom Provider gehosteten Server, so dass sämtliche Zugriffe auf eure Webpräsenz einzurechnen sind? Nutzt ihr die Leitungen womöglich zur Kommunikation zw. Zentrale und Niederlassungen?

Um bei deiner Frage auch nur in die Nähe einer brauchbaren Antwort zu kommen, müsstest du schon wesentlich mehr Details herausrücken.

Gruss
Schorsch

Guten Abend Herr Schorsch,

leider kenne ich persönlich nicht damit aus, wie viel ein „Otto-normal-user“ im Monat erreichen kann. In dem von mir geschilderten Fall handelt es sich um eine Firma mit ca. 10 Angestellten. ISDN ist vorhanden, ansonsten laufen wohl sämtliche Daten über einen Server.

Viele Grüße!

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

leider kenne ich persönlich nicht damit aus, wie viel ein
„Otto-normal-user“ im Monat erreichen kann. In dem von mir
geschilderten Fall handelt es sich um eine Firma mit ca. 10
Angestellten. ISDN ist vorhanden, ansonsten laufen wohl
sämtliche Daten über einen Server.

Selbst wenn es Zweikanal-ISDN mit durchgängig 100% Up- wie Downstream wäre, liesse sich dieses Volumen rein technisch nicht realisieren. Aber - siehe meine Antwort oben - es kommt drauf an, welche weiteren Leistungen im Vertrag evtl. vereinbart wurden.

Handelt es sich aber wirklich nur um die Zurverfügungstellung eines ISDN-Anschlusses, liegt hier ein ganz offenkundiger Rechenfehler vor. Insbesondere, wenn dieser Transfer auch noch an einem einzigen Wochenende zustande gekommen sein soll.

Gruss
Schorsch

Hallo Herr Schorsch,

ich wünschte ich könnte alle Ihre Fragen beantworten, leider kenne ich mich in diesem Bereich allerdings absolut nicht aus.
Aber soviel habe ich nochmal rausgefunden, hoffendlich können Sie damit etwas anfangen:
es handelt sich um einen DSL-Vertrag. Datentransfer über 1000MB hinaus wird gesondert berechnet. Die Domain wird ebenfalls gesondert berechnet, d.h. es müsste sich um Up- und Downloads der Mitarbeiter handeln (ob nun beruflich oder privat sei mal dahingestellt). Mitarbeiter waren zu der Zeit 10 in unserem Unternehmen beschäftigt, allerdings nur in der Zeit von 09:00 – 18-00 Uhr und nicht am Wochenende. Den Rest der Zeit sind die Rechner in unserem Unternehmen abgeschaltet.

ERGÄNZUNG

>Nutzt ihr die Leitungen womöglich zur Kommunikation zw. Zentrale und >Niederlassungen?

NEIN, Keine Kommunikation mit anderen Firmen, Zentralen oder Niederlassungen.

Die Abrechnung mit den 111 GB läuft über den gesamten Monat, allerdings wurde telefonisch durchgegeben, dass davon 19.494.126.249 Bytes auf einen Samstag fallen und nochmal 2.838.364.286 Bytes auf einen Sonntag, der Rest verteilt sich mehr oder weniger gleichmäßig auf die restlichen Wochentage.

Kann ich jetzt (nach über einem Jahr) noch einen genauen Verbindungsnachweis von dem Provider einfordern?

Hallo Herr Schorsch,

Der ‚Herr‘ ist (hier) überflüssig, der Schorsch allein tut’s auch.

es handelt sich um einen DSL-Vertrag. Datentransfer über
1000MB hinaus wird gesondert berechnet. Die Domain wird
ebenfalls gesondert berechnet, d.h. es müsste sich um Up- und
Downloads der Mitarbeiter handeln (ob nun beruflich oder
privat sei mal dahingestellt). Mitarbeiter waren zu der Zeit
10 in unserem Unternehmen beschäftigt, allerdings nur in der
Zeit von 09:00 – 18-00 Uhr und nicht am Wochenende. Den Rest
der Zeit sind die Rechner in unserem Unternehmen abgeschaltet.

1000 MB können für ein Unternehmen dieser Grösse durchaus hinreichen, sofern ihr entsprechende Unternehmensrichtlinien habt, die den Zugang zum Internet, das Surfen sowie die Behandlung von Mailanhängen, insb. bei Mails privater Natur, klar regeln, und soweit diese Richtlinien auch konsequent durchgesetzt werden.

Dieser Wert kann leicht um ein vielfaches überschritten werden, wenn ihr derartige Richtlinien nicht habt, oder wenn auch nur ein Mitarbeiter (womöglich der Chef selbst, oder der Junior) konsequent z. B. Internetradio hört, sich die aktuellen lustigen Filmchen downloadet oder diese Filmchen dann noch per Mail an alle, dies nicht interessiert, weiterversendet. Ob so etwas bei euch möglich oder auch nur realistisch ist, wirst du besser wissen. Aber 111 GB während der Arbeitszeit - da müsste jemand schon masochistisch veranlagt sein, sich der Mühe zu unterziehen, derartige Volumina in nur einem Monat downzuloaden. Ausserdem wäre die Abrechnug für die Folgemonate dann wohl kaum wesentlich geringer ausgefallen.

Vorstellbar ist allerdings, dass ein Mitarbeiter die Zugangsdaten für euren Anschluss missbräuchlich ausserhalb der Firma privat genutzt hat. Aber selbst bei voller Kapazitätsnutzung schafft der kaum 19 GB an einem einzigen Samstag.

Ich gehe von einem Standard-ADSL-Anschluss mit einer Transferrate von einem MBit/Sekunde aus, ohne den im Gesamtvolumen vernachlässigbaren Upload einzubeziehen:
1 Mbit/Sek = 0,128 MByte * 3600 Sek *24 Std = 11059,2 MByte = 11.596.411.699 Byte/Tag. Also selbst bei maximalem Download nur die Hälfte der angeblichen 19.494.126.249 Byte.

Ich würde dir empfehlen, die Sache von einem im Internet fitten Rechtsanwalt überprüfen zu lassen. Zufällig weiss ich, dass ein paar Bretter weiter unten im Brett „Allgemeine Rechtsfragen“ (mindestens) ein solcher sich häufiger herumtreibt. Vielleicht solltest du dort noch mal unter Bezug auf diesen Thread eine entspr. Anfrage stellen.

HTH
Schorsch

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VIELEN DANK! Die Rechnung hat mir schon mal sehr geholfen!
Ich habe den Thread parallel auch dort reingesetzt… und werde mal schauen, was die Experten mit dort noch raten können, aber soweit nochmals herzlichen Dank! Du warst echt eine große Hilfe!

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Ich gehe von einem Standard-ADSL-Anschluss mit einer
Transferrate von einem MBit/Sekunde aus, ohne den im
Gesamtvolumen vernachlässigbaren Upload einzubeziehen:
1 Mbit/Sek = 0,128 MByte * 3600 Sek *24 Std = 11059,2 MByte =
11.596.411.699 Byte/Tag. Also selbst bei maximalem Download
nur die Hälfte der angeblichen 19.494.126.249 Byte.

Hallo Schorsch,

noch einmal ganz kurz…jetzt habe ich auf erneutes Nachfragen bei der Geschäftsleitung mal die Antwort bekommen, dass wir einen DSL Anschluss haben mit einer Transferrate von 2 MB.

Müsste ich dann Deine Rechnung oben einfach mal 2 nehmen? Oder liege ich da total falsch? Dann wäre es ja theoretisch möglich 23.192.823.398 Bytes pro Tag downzuloaden… nur, hier ist niemand 24 Stunden am Tag in dem Unternehmen und am Wochenende ist dieses auch gänzlich auszuschließen, da niemand Zugang zu dem Unternehmen hat. (dieses wird auch protokolliert und überwacht…)

Hallo,

111 GB macht jeder „otto-normal-user“ wohl locker im Monat,
wenn er sich z.B. regelmässige Programmupdates, MP3s usw.
zieht.Und dazu auch noch reichlich bilderhaltige Website
ansieht …

111 Gig? Man, was hast denn du für ein Surfverhalten drauf?

Surfverhalten ist nicht alles: es ist auch eine Frage der Abrechung. bei manche einem Provider wird pro Einwahl auf 1 MB aufgerundet. Wenn die Hold-Zeit kurz genug ist, kann ein Programm, was sinnlos gelegentlich eine DNS-Abfrage macht eine nette Kosten/Byte-rRelation machen.

Nee, schraub den Wert um den Faktor 100 runter, dann hast du
den Durchschnittsuser. Tatsächlich lassen sich auf einer 1mbit
DSL-Leitung bei pausenloser voller Kapazitätsausnutzung grob
gerechnet im Monat ~320 Gig ziehen, der Wert von 111 GB ist
also durchaus erreichbar. Durch einen Automaten.

An „Automaten“ fällt mir Schadsoftware ein. Wir sind uns aber wohl einig, daß 111 GB nichteinmal mit dem besten Windows-Virus am Wochenende über eine herkömmliche DSL-Leitung zu prügeln ist.

Okay, als altem Modemnutzer kann mir also das nicht blühen.

Gruß,

Sebastian

noch einmal ganz kurz…jetzt habe ich auf erneutes
Nachfragen bei der Geschäftsleitung mal die Antwort bekommen,
dass wir einen DSL Anschluss haben mit einer Transferrate von
2 MB.

Müsste ich dann Deine Rechnung oben einfach mal 2 nehmen? Oder

Ja.

liege ich da total falsch? Dann wäre es ja theoretisch möglich
23.192.823.398 Bytes pro Tag downzuloaden… nur, hier ist
niemand 24 Stunden am Tag in dem Unternehmen und am Wochenende
ist dieses auch gänzlich auszuschließen, da niemand Zugang zu
dem Unternehmen hat. (dieses wird auch protokolliert und
überwacht…)

Wie gesagt, es ist möglich, dass jemand die Zugangsdaten missbräuchlich genutzt hat. In diesem Fall bräuchte derjenige keinen Zugang zu den Räumen der Firma. Dennoch ist es eher lebensfremd, anzunehmen, dass dieser über 24 h eine nahezu 100% Auslastung generiert haben könnte. Vor Gericht, denke ich, würde es nicht schwer fallen, eine derartige Argumentation des Providers in der Luft zu zerreisen.

Allerdings ist es zumindest vorstellbar, dass eine mangelhafte Konfiguration eures Access Points in der Firma dazu geführt hat, dass dieser über 24 h hinweg mit dem Router oder einem Server des Providers völlig besinnungslos Daten ausgetauscht hat. Dann aber könnt ihr zum einen auf denjenigen zurückgreifen, der euch den Anschluss damals eingerichtet hat (was nach anderthalb Jahren aber schwer fallen könnte), zum anderen hat der Provider dann aber auch keine adäquate Gegenleistung erbracht, insbesondere, da dieser Datenstrom bei ihm zu keiner tatsächlichen Kostenbelastung geführt hat. Langsam bewege ich mich hier aber in den Bereich der Rabulistik herein.

Dennoch würde ich die Konsultation eines Rechtsanwalts zumindest für den Fall empfehlen, dass die mögliche Ersparnis durch einen Vergleich nicht durch die Kosten des Anwalts aufgefressen wird. Ich denke, viel mehr als ein fifty/fifty-Vergleich wird hier kaum herausspringen. Allerdings kostet die Erstberatung durch einen Anwalt nicht so arg teuer (vielleicht habt ihr ja auch Juristen, die sowieso häufiger mit euch zusammenarbeiten), und vielleicht fallen dem ja noch ein paar Argumente ein, die selbst einem alten Rabulisten wie mir nicht auf Anhieb kommen.

Gruss
Schorsch

Hallo Schorsch,

wollte mich nur noch einmal kurz für Deine wirklich sehr, sehr hilfreichen Hinweise zu dem oben genannten Thema bedanken.

Aufgrund Deiner aufgeführten Berechnung habe ich dann ein Schreiben an unseren Provider erstellt. Und siehe da: er hat den Fehler (nach über einem Jahr!!!) endlich eingestanden und wir erhalten eine Gutschrift!

Also, Du siehst, Du hast mir wirklich sehr, sehr geholfen und ich habe ein dickes Lob von meinem Chef bekommen, welches ich hiermit an Dich weitergeben möchte!

Frohe Feiertage und ein schönes neues Jahr an Dich und Deine Familie!