Abschluss in Chemie

Guten Abend liebe Experten.

Ist es wirklich so dass der Doktortitel der eigentliche Berufsabschluss im Fach Chemie ist? Wenn ja, ist es nur bei Diplom Chemiker so, oder auch bei Diplom Ingeneur (der Chemie studiert hat)? Muss dann ein chem. Ingeneur auch Doktor machen?

Was ist heute eher zu empfehlen, also welcher Abschluss D. Ing. oder D. Chem.?

Danke im Voraus

Michail

Moin,

Ist es wirklich so dass der Doktortitel der eigentliche
Berufsabschluss im Fach Chemie ist?

Viele Chemiker promovieren, insbesondere in der forschung ist das üblich. Der normale Studienabschluß ist trotzdem das Diplom (heute vielleicht auch schon der Master…)

Wenn ja, ist es nur bei
Diplom Chemiker so, oder auch bei Diplom Ingeneur (der Chemie
studiert hat)?

Wenn jemand Chemie studiert, wird er kein Ingenieur.

Muss dann ein chem. Ingeneur auch Doktor
machen?

Müssen tut das niemand. Aber in manchen Bereichen (wie z. b. Forschung) ist es halt empfehlenswert.

Was ist heute eher zu empfehlen, also welcher Abschluss D.
Ing. oder D. Chem.?

Das hängt davon ab, was man will.

Gruß

Kubi

Ist es wirklich so dass der Doktortitel der eigentliche
Berufsabschluss im Fach Chemie ist?

Wenn man sich Stellenangebote für Diplomchemiker ansieht, dann drängt sich dieser Eindruck auf.

Wenn jemand Chemie studiert, wird er kein Ingenieur.

Bei uns an der TU im Fach Chemie(!) kann man entweder D.Chem. oder D. Ing. machen.

Hallo Michail,

Ist es wirklich so dass der Doktortitel der eigentliche
Berufsabschluss im Fach Chemie ist?

Jain.
Eigentlich ist es so, das (bisher) der berufqualifizierende Abschluß das Diplom ist. Theoretisch kann man damit auch in den Beruf gehen, praktisch ist was aber bisher so, daß man als Chemiker ohne Promotion kaum landen kann. Somit gibt es einen Quasizwang zur Promotion.

Muss dann ein chem. Ingeneur auch Doktor
machen?

Bei den Ingen ist das nicht so streng. Aber an Unis ist der Chemieingenieur nicht so verbreitet. Da gibt es meist Verfahrenstechniker. Dot ist der Doktor aber auch nicht so zwingend.

Was ist heute eher zu empfehlen, also welcher Abschluss D.
Ing. oder D. Chem.?

Kommt drauf an, was Du machen möchtest.
Als Dipl. Chem. machst Du mehr ‚reine‘ Chemie, als Chemieing mehr technische Chemie oder Verfahrenstechnig oder Maschinenbau.

Gandalf

Bei uns an der TU im Fach Chemie(!) kann man entweder D.Chem.
oder D. Ing. machen.

Das sind aber zwei verschiedene Studiengänge.

Diplom-Chemiker = D2 = 8 Semester, Doc für 'ne vernünftige Arbeiststelle quasi Pflicht.

Dipl.Ing = D1 = 6 Semester, Doc meistens eher unerwünscht („Überqualifiziert“)

i.A. ist der Dipl.Ing eher Praxisorientiert, Zielberuf eher Produktion bzw. Randgebiete wie Technik, QS/QM, Kundenkontakt, Reklamationen etc. Labor eher selten. Normalerweise hat die jeweilige Uni dort auch eine Spezialisierung, in Wuppertal beispielsweise war das Textilchemie.

Der „richtige“ Chemiker dagegen ist mehr der Theoretiker, Ausbildung geht schon ziemlich stark Richtung Grundlagenforschung, Anwendungsentwicklung, Technikum. Spezialisierung erfolgt häufig nach eigenem Geschmack im Hauptstudium durch die Wahl der belegten Kurse.

Der Vollständigkeit halber: da gibt’s als Spezialität noch den Lebensmittelchemiker, das ist ein staatlicher Studiengang, bedeutet neben Chemie noch umfangreich Recht und kein Diplom, sondern ein Jahr Praktikum in Industrie, Lebensmittelüberwachung und staatlichem Untersuchungsamt.
Doc möglich, aber nicht nötig. Von der Ausbildung her ganz klar Amts-Chemiker, viele gehen aber auch in die Industrie (Qualitätskontrolle und Produktentwicklung) oder in private Handelslabore, weil’s bei den Beamten zu langweilig ist.

Bei allen dreien ist das Grundstudium bis auf ein oder zwei Praktika im Prinzip identisch. Es ist normalerweise auch relativ problemlos möglich, bis zum Vordiplom noch zu wechseln. Ich selber hab als allgemeiner Chemiker angefangen, bin dann, weil mir der Stoff zu trocken wurde (Biochemie/Gentechnik gab’s damals nur in Ansätzen und in W’tal leider gar nicht) zu den Textilern gewechselt, bin dann aber schon nach vier Wochen weiter zu den Leberwurst-Chemikern gegangen, weil bei den Socken-Chemikern die Berufsaussichten eher dünn waren.
Immerhin hab ich mich damit (zum Entsetzen der Profs :wink: um die Physik-Zwischenprüfung und vor allem den Numerus Clausus bei den Lemmies drum herum gemogelt :wink:

Und wenn ich mich heute in „meinem“ Labor so umsehe . . . war ne gute Entscheidung . . .
lg, mabuse

bin dann, weil mir der Stoff zu trocken wurde
(Biochemie/Gentechnik gab’s damals nur in Ansätzen und in
W’tal leider gar nicht) zu den Textilern gewechselt

Das ist genau die Richtung, in welche ich mich spezialisieren will.
Leider kann man Biochemie nur als Chemiker machen und dann als Wahlfach Genetik. Und als Ingeneur kann man nur Biotechnologie machen und auch als Wahlfach Genetik. Ideal wäre aber Genetik, Biotechnologie und Biochemie zusammen. Es scheint aber dass man die Sachen nicht unter einen Hut bekommt, oder doch?

Es scheint aber dass
man die Sachen nicht unter einen Hut bekommt, oder doch?

Schwierig, weil das hinterher auf zwei verschiedene Berufe hinausläuft. Als Biochemiker/Genetiker wirst du eher in der Grundlagenforschung sitzen und wenig (wenn überhaupt) konkrete Anwendungen zu sehen bekommen/entwickeln wirst bzw. sobald das Verfahren steht, wird man es dir aus den Händen nehmen.

Als Biotechniker bist du eher mit der Umsetzung der theoretischen Erkenntnisse der Typen oben in die Praxis beschäftigt.

Anschaulich formuliert: Der Biochemiker/Genetiker arbeitet mit Spatel und Reagenzgläsern, der Biotechniker anschließend mit Pipelines und Fässern.

Da musst du jetzt selber wissen, wodran du mehr Spass hättest.
Vieleicht macht es ja auch Sinn, die Theorie zu lernen (Biochemiker/Genetiker) und dann in der Doktorarbeit etwas eher Praxisorientiertes, vieleicht sogar Großtechnisches zu machen - dannach dürften dir alle Türen offenstehen.

lg, mabuse