Absichtlich Verletzt!

Hallo Zusammen,

heute Mittag hat sich etwas zugetragen, über das ich noch immer ganz schockiert bin.
Seit zwei Jahren habe ich einen bald 10-jährigen Jungen unter meiner Obhut. Er ist Halbwaise, sein Vater bringt ihn in der Früh und holt ihn am Abend wieder ab - manches Mal bleibt er auch hier.
Er ist ein lieber Kerl, ohne das geringste Gewaltpotential.

Heute auf dem Nachhauseweg von der Schule, hat einer seiner Schulkameraden eine Einwegspritze am Straßenrand gefunden und hat sie meinem „Ziehkind“ mit ziemlicher Wucht in den Oberarm gestoßen. Der Kleine kam völlig aufgelöst hier an, beinahe hysterisch (verständlicher Weise). Ich sah die Bescherung schon am blutigen T-Shirt und habe sofort seinen behandelnden Arzt aufgesucht und dieser hat uns umgehen in eine Klinik geschickt (er hat uns angemeldet und man wartete auf uns).
In der Klinik hat man ihm dann reichlich Blut abgenommen, das nun untersucht wird (HIV, Hepatitis und was weiss ich noch alles).
In der Klinik hat man mir und dem zwischenzeitlich eingetroffenen Vater erklärt, dass wir nun nur warten und hoffen können. Vor allem was das HIV anbelangt, werden nun über einen längeren Zeitraum immer wieder Blutuntersuchungen anstehen.

Ich bin entsetzt, wie ein Zehnjähriger das einem Gleichaltrigen antun kann, vor allem möchte der Vater nun von mir wissen, was er tun soll. Schule unterrichten: ja oder nein? Wie soll dem dem anderen Jungen sein schlimmes Handeln und die etwaigen Folgen klar machen? Dazu kommt noch, dass der Vater meines Ziehkindes Amerikaner ist und der kleine Verursacher die türkische Nationalität hat. Der Vater hatte von je her Vorurteile gegenüber den türkischen Mitmenschen und weil ich die ganzen zwei Jahre immer wieder erklärt hatte, er solle die Vorurteile und Abneigungen gegen die türkischen Mitmenschen von seinem Sohn fern halten und die Kontakte auch nie unterbunden habe (warum auch!) habe ich mir nun heute einen ganzen Schwall amerikanischer Kraftausdrücke angehört.

Was würdet ihr tun? War es falsch, dass ich dem Kind alle Kontakte zu anderen Nationalitäten erlaubt habe - auch wenn es der Vater nicht so gerne sah?
Ich bin richtig durcheinander. Was meint ihr dazu?

Liebe Grüße von einer immer noch recht schockierten

Userine

Hallo Userine,

In der Klinik hat man ihm dann reichlich Blut abgenommen, das
nun untersucht wird (HIV, Hepatitis und was weiss ich noch
alles).

So schnell wird man nichts finden, aber man hat sozusagen einen Null-Wert. Evtl. kann man die Eltern des Jungen später haftbar machen, für den Schaden (Körperverletzung)…?

Ich bin entsetzt, wie ein Zehnjähriger das einem
Gleichaltrigen antun kann,

Ich auch…
vor allem möchte der Vater nun von

mir wissen, was er tun soll. Schule unterrichten: ja oder
nein? Wie soll dem dem anderen Jungen sein schlimmes Handeln
und die etwaigen Folgen klar machen?

Unbedingt solltet ihr mit den Eltern (Erziehungsberechtigten) reden, und dem Jungen. Selbst wenn der Junge nicht haftbar/strafbar ist, aber man muss versuchen, ihm das klarzumachen!

Was würdet ihr tun? War es falsch, dass ich dem Kind alle
Kontakte zu anderen Nationalitäten erlaubt habe - auch wenn es
der Vater nicht so gerne sah?

Schwer zu sagen. Wir würden uns auch wünschen, dass unsere Tochter nicht immer zu dem Jungen geht, wo so viel Fernsehen geguckt wird, aber sie lernt, damit umzugehen (hoffentlich, sieht bis jetzt so aus). Und es ist wichtig, dass Kinder mit Kindern spielen, die sie sich aussuchen, weil sie (jeder vom anderen) Sachen kennenlernen, die sie vielleicht nicht kennenlernen würden, wenn die Eltern ihnen ihre Freunde aussuchen.

Habt ihr die Spritze noch gefunden? Vielleicht lässt sich da was an Finderabdrücken noch finden (vom Benutzer). Vielleicht ist auch ein Gang zur Polizei nicht schlecht; die wissen vielleicht, wer sich so da herum treibt… Bzw. ist es auch gut, die Polizei über diesen vorfall generell zu informieren (vorrangig erst mal nicht, um die Eltern des Jungen anzuzeigen, sondern zur Information).

Wenn es vorher nie eine bedenkenswerte Auffälligkiet gegegeben hat, finde ich den Konatkt zu dem Jungen in orndung.
Es hätte doch auch ein deutscher (amerik.) Junge machen können!

(warum hat der Junge Eurem Ziehkind die Spritze in den Arm gestochen? Ausprobieren? Streit? Wollte er angeben?)
Gut, wahrscheinlich wird der Vater Euch jetzt sagen, dass sein Sohn weniger Kontakt zu türkischen Kindern haben soll (und schon gar keinen zu dem Jungen), was ich auch verstehen kann.
Er muss natürlich auch erstmal mit diesem „Überraschungsangriff“ der besonderen Art und der Vorstellung an die hoffentlich nicht eintretenden gesundheitlichen Folgen fertig werden. Jetzt ahbben alle einmal drüber geschlafen.

Ich wünsche dem Jungen eine supergute Körperabwehr und Euch allen alles Gute,
Deborah

Hi Userine,

also das Wichtigste zuerst:

Was würdet ihr tun? War es falsch, dass ich dem Kind alle
Kontakte zu anderen Nationalitäten erlaubt habe - auch wenn es
der Vater nicht so gerne sah?

Nein, es war nicht falsch. Es war einfach Pech. Lass Dich weder von dem Vater noch von Dir selbst dafür verantwortlich machen. Unfälle passieren (ich würde das irgendwie als Unfall bezeichnen) und sind auch nicht zu verhindern, wenn wir unsere Kinder die ganze Zeit an der Leine führen. Worum es jetzt geht, ist wie man mit der Sitaution umgehen kann.

vor allem möchte der Vater nun von
mir wissen, was er tun soll. Schule unterrichten: ja oder
nein? Wie soll dem dem anderen Jungen sein schlimmes Handeln
und die etwaigen Folgen klar machen?

In dieser Situation ist es das Mindeste, die Schule zu unterrichten. Wenn der Junge um die 10 Jahre alt ist, muss er wissen, was eine Spritze ist und was damit passieren kann. In der Schule sollte es auch Informationen über die Familie des Jungen geben - denn so wie Du das erzählst, klingt das schon eher nach einer Verhaltensstörung.

Die Schule wird auch einschätzen können, was darüberhinaus sinnvoll getan werden könnte.

Liebe Grüße von einer immer noch recht schockierten

Userine

Versuch Dich zu entspannen … die wahrscheinlichkeit, dass etwas gravierendes passiert ist (HIV-Infektion) ist verschwindend gering. Der Junge wird drüber hinwegkommen, der Vater weiter seine Vorurteile pflegen - abr das soll nicht den Problem sein.

grüße
täubchen

Hallo!
Schule unterrichten auf jeden Fall.
Der andere hat sein Handeln nicht absehen können.
Jugendlicher Übermut.
Kontackt unterbinden auf keinen Fall.
Denn dieses hätte ein deutscher oder amerikanischer
10 jähriger ebenso tun können.
Einzelfälle, so schlimm sie auch sein können, sollte man nicht verallgemeinern.
z.B. Trotz der rechten Szene in Deutschland, ist die Gesammtheit nicht nationalsozialistisch.
Alles Gute und besonders für den jungen Mann gesundheitlich das Beste.
PiRo

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Hallo Zusammen,

also - ich versuche erst einmal die Fragen zu Beantworten.
Ich weiss nicht, ob es bei dem Jungen Auffälligkeiten gab.
Nein, der Junge hat sich mitsamt der Einwegspritze aus dem Staub gemacht und das Ding dann entsorgt - wo auch immer!

Allerdings kann man von einem Zehnjährigen erwarten, dass er NICHT - egal mit was auch immer - auf einen anderen Einsticht, auch nicht nur ein einziges Mal. Picksen - ja vielleicht, aber eine Einwegspritze derart tief (etwa 1 cm) in den Oberarme eines anderen Kindes zu stechen, das ist mehr als heftig.

Herzlichen Dank für die guten Wünsche an den kleinen Mann - ich werde sie weiterleiten. Leider geht es ihm seit heute Nacht nicht so gut.
Er bekam Gelenkschmerzen und leichtes Fieber und der Arzt hat ihn heute Morgen ins Krankenhaus geschickt.

Die Schule ist informiert. Dort ist man nun am Überlegen, ob man die Polizei einschalten soll - nein, nicht wegen dem kleinen Verursacher - sondern weil es sich hierbei um eine Einwegspritze handelte und die Polizei vielleicht in nächster Zeit beide Augen offen hält.

Des weiteren habe ich heute morgen einen Anruf der behandelnden Ärztin erhalten, die mich gebeten hat, ihr möglichst noch heute einen Besuch abzustatten. Sie sei verpflichtet, mit mir ein Gespräch zu führen und mich darin über die Vorsichtsmaßnahmen, die man scheinbar in der nächsten Zeit walten lassen müsse, aufzuklären.

Ich habe das Gefühl, als ob ich in einer Achterbahn sitze.

Liebe Grüße

Userine

Hallo,

man muss hier sicher zwei Dinge unterscheiden. Einerseits die Körperverletzung mit ihren Folgen für das Opfer und den Täter an sich, und andererseits die Theamtik Türke als Täter / Ausländerübersensibilisierung.

Was die erste Frage angeht, so sollte man hier auf jeden Fall Polizei, Schule, Eltern und Jugendamt einschalten. So eine Sache kann man nicht auf sich beruhen lassen. Die Sache wird auch von der Polizei an die Staatsanwaltschaft abgegeben, kommt dort ins Erziehungsregister und wird dann zwar wegen Strafunmündigkeit eingestellt, wird aber nicht vergessen. Was Dich angeht, soi solltest Du Dir keine Vorwürfe machen. Kindern den Kontakt mit türkischen Spielkameraden zu gestatten birgt allgemein keine größeren Risiken als mit Kindern anderer Nationalität. Es ist hier zu einem Übergriff gekommen, der unvorhersehbar und damit auch unvermeidbar war, und der nichts mit der Nationalität des Täters zu tun hat. Es ist nun einmal so, dass vor extrem geringen Kriminalitäts- und Unfallrisiken kein wirksamer und verhältnismäßiger Schutz möglich ist.

Zum zweiten Thema: Hier sollte man den Vater mal daran erinnern, dass er selbst hier als Ausländer lebt, und wie gefährlich solche Verallgemeinerungen auch für ihn sein könnten. Wie war das noch mit den amerikanischen Jugendlichen, die Steine von einer Brücke auf eine Straße warfen, wobei eine Frau uns Leben kam? Würde er es nicht auch als vollkommen verfehlt bezeichnen, wenn man jetzt dafür alle Amerikaner in D in Sippenhaft nehmen würde?

Gruß vom Wiz

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Hallo Zusammen,

also - ich versuche erst einmal die Fragen zu Beantworten.
Ich weiss nicht, ob es bei dem Jungen Auffälligkeiten gab.
Nein, der Junge hat sich mitsamt der Einwegspritze aus dem
Staub gemacht und das Ding dann entsorgt - wo auch immer!

Kennt Euer Ziehsohn diesen Jungen, oder nicht (freundschaftlich)?

Setzt (lasst die Polizei) alles daransetzen, ihn zu finden und diese Spritze asufzutreiben!

Des weiteren habe ich heute morgen einen Anruf der
behandelnden Ärztin erhalten, die mich gebeten hat, ihr
möglichst noch heute einen Besuch abzustatten. Sie sei
verpflichtet, mit mir ein Gespräch zu führen und mich darin
über die Vorsichtsmaßnahmen, die man scheinbar in der nächsten
Zeit walten lassen müsse, aufzuklären.

Gut, solange niemand weiss, ob er z.B. HIV infiziert worden ist, muss „Vorsicht“ walten.

Ich habe das Gefühl, als ob ich in einer Achterbahn sitze.

Das lässt sich leicht sagen, aber bewahrt die Ruhe. Dafür werdet Ihr aufgeklärt.
Vorallem tragt Eure Unruhe nicht zu sehr an den Kleinen heran. Versucht gemeinsam, auch auf andere Gedanken zu kommen und weiter sein normales Kinderleben führen zu lassen.

Alles Gute,
Deborah

Hallo Deborah,

Kennt Euer Ziehsohn diesen Jungen, oder nicht
(freundschaftlich)?

Soweit man bei meinem Ziehsohn von Freundschaften sprechen kann (seit dem Tod seiner Mutter ist er sehr zurückhaltend) - ja, sie waren wohl befreundet.

Setzt (lasst die Polizei) alles daransetzen, ihn zu finden und
diese Spritze asufzutreiben!

Die Spritze wird wohl unauffindbar bleiben, den kleinen Verursacher kennen wir .

Gut, solange niemand weiss, ob er z.B. HIV infiziert worden
ist, muss „Vorsicht“ walten.
Das lässt sich leicht sagen, aber bewahrt die Ruhe. Dafür
werdet Ihr aufgeklärt.
Vorallem tragt Eure Unruhe nicht zu sehr an den Kleinen heran.
Versucht gemeinsam, auch auf andere Gedanken zu kommen und
weiter sein normales Kinderleben führen zu lassen.

Ja Du hast recht. Dem kleinen Kerl gegenüber bin ich auch sehr ruhig und „normal“, größere Sorgen macht mir der Vater. Noch bin ich für ihn die „unüberwindbare Mauer“ die ihn bremst - nur wie lange noch!

Liebe Grüße

Userine

Kleine Anmerkung
Hallo Wiz,

an sich, und andererseits die Theamtik TEke als Täter /
AusländerEersensibilisierung.

Zu dieser Thematik könnte auch die Diskussion darüber gehören, zu welcher Reaktion z.B. die größeren Söhne einer völkisch denkenden türkischen Familie in dem Fall neigen würden, wenn ihr kleiner Bruder das Opfer gewesen wäre.

Gruß,

Wolfgang Berger

Versicherung?
Hallo Userine.
Auf dem Nachhauseweg aus der Schule sind die Kinder über die Unfallversicherung des Landes versichert. Außerdem hat vielleicht der Verursacher eine Haftpflichtversicherung. Meldet das auf jeden Fall beiden Versicherungen, denn alle nachfolgenden Behandlungen werden dann versicherungsmäßig übernommen. Ich hoffe, dass es nicht nötig sein wird, die Versicherungen in Anspruch zu nehmen, aber man weiß ja nie. Wir hatten einen Fall mit unserem Sohn, der von einem türkischen Mitschüler das komplette Frontgebiss ruiniert bekam. Das ist jetzt ein anderer Fall, es gab da auch keine Haftpflichtversicherung, aber es ist eine zusätzliche Sicherheit.
Ich wünsch euch alles Gute. Bleib gelassen und drück die Daumen, dass alles gut geht.
Liebe Grüße
Rabchen

Hallo,

einerseits kann ich verstehen, dass die Sache von der Schule aus nichtunbedingt an die grosse Glocke gehängt werden soll, aber andererseits erstaunt es mich, wie wenig die Schule (bis jetzt?) reagiert hat. Ich kann mich jedenfalls an Klassenkonferenzen erinnern, die wegen geringfügigerer Zwischenfälle auf dem Schulweg abgehalten wurden, und schließlich sollte man davon ausgehen, dass da die Schweigepflicht funktioniert! Ich finde auf jeden Fall, dass da auch die Schule die Verantwortung hat dem Täter durch einen Verweis etc. klarzumachen, dass er sich so im Zusammenhang mit der Schule nicht verhalten darf.

Außerdem greift hier tatsächlich die Schülerversicherung und schon deshalb muss die Schule dazu Stellung nehmen! Auch kann eine pädagogisch klug geführte Verhandlung an der Schule das Opfer-Kind beruhigen und ihm wenigstens teilweise das Gefühl der Genugtuung und des SChutzes vermitteln. Es wäre schon sehr schade, wenn die Lehrer dazu nicht in der Lage wären.

Die Idee mit dem Jugendamt finde ich ebenfalls gut. Es kommt - auch für das Opfer-Kind - darauf an, aus der Hilflosigkeit gegenüber dem Täter herauszukommen.

Grüße, alles Gute,
Juliane

… erst einmal Hallo und herzlichen Dank.

Seit Freitag befindet sich der Kleine in stationärer Behandlung, wegen diverser Beschwerden, die man nun genauer Untersuchen möchte und die eventuell im Zusammenhang mit der Verletzung stehen. Näheres weiss ich aber noch nicht!

Was die Schule genau tun wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht wird man nach den Ferien etwas mehr tun - vielleicht auch nicht. Ich gehe allerdings davon aus, dass man nicht allzuviel unternehmen wird, denn es könnte dem eh schon nicht besonders guten Image der Schule ja zusätzlich Schaden und die Schulleitung hält sich gerne an die Vogel-Strauss-Methode. Zudem geht der Rektor immer davon aus, dass ein geschädigter Schüler (egal um was es sich dabei handelt) eine Mitschuld trägt (und nach dieser erkundigt er sich immer zuerst) und sein zweiter Standartsatz lautet:„Was erwarten Sie? Wir können da nichts tun!“

Nun - wie auch immer, wenn ich näheres weiss, poste ich nochmal um Euch auf dem Laufenden zu halten.

Liebe Grüße

Userine